Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1904)
- Date
- 1904-03-18
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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WWW ü ÄS y Königsberg i. Pr., 7. März. Das hiesige israelitische Waisenhaus für Stadt und Provinz versendet seinen 43. Jahres-' bericht. Demselben geht ein ehrender Nachruf auf das verstorbene Vorstandsmitglied, den Stavtrat Eicholbaum-Jnsterburg, Vvrcnn Aus den Mitteilungen entnehmen wir, daß der Vorstand des Waisen-- Hauses in Gemeinschaft mit der Generalversammlung beschlossen hat, ein neues Anstaltsgebäude zu errichten. Im Oktober 190b sollte: dasselbe bezogen werden. Das Waisenhaus unterhielt im bergan-:- genen Jahre 30 Zöglinge, Knaben und Mädchen. Zur Entlassung, kamen zwei Knaben, die sich dem Handwerk widmeten, und ein Mädchen, das die Wirtschaft beruflich erlernt. Mit den früheren Zöglingen unterhielt die Anstalt einen regen Verkehr und wendet denselben in besonderen Fällen noch Unterstützungen zu. Die Unterhaltung der Zöglinge betrug im vergangenen Jahre pro Kopf insgesamt 716 Mark; die Verpflegung stellte sich auf 48,8 Pfennig pro Kopf und Tag. — Der Vorstand besteht zurzeit aus den Herren Professor Dr. Saalschütz, Vorsitzender, Professor Dr. Lassar-Cohn,; stellvertretender' Vorsitzender, Alex. Magnus, Kassierer, A. Aron, Dr. Ad. Friedländer, Jul. Lazar, M. Minkowsky, sämtlich von hier, und Dr. Kanrnitzer-Allenstein. Ehrendamen der Anstalt sind Frau Friederike Behrend, Frau Rahel Josephson, Frau Kommissionsrat Jda Laser und Frau Emilie Magnus. Die Leitung der Anstalt liegt in den Händen des Herrn Inspektors Ad. Peritz. Lp. . Ans der Provinz Posen, im März. Der jüdische Wohltätigkeitsverein in Buk hatte im letzten Jahre eine Einnahme von 595,38 Mark und eine Ausgabe von 455,98 Mark. Der Armenfonds weist einen Barbestand von ca. 1400 Mark auf. Der Verein zählt 63 Mitglieder. In der letzten Generalversammlung wurde beschlossen, die Zahl der Repräsentanten von sechs auf neun zu erhöhen. — Der langjährige Repräsentant der jüdischen Gemeinde Sch werfen z, Kaufmann Fabisch Rotholz, beging neulich unter sehr zahlreichen Ehrungen seinen 80. Geburtstag. — Die Vertreter der Schulgemeinde in Sch Wersen z haben einen größeren, den hygienischen Anforderungen! der Gegenwart entsprechenden Umbau des Volksschulhanses daselbst beschlossen. — Kantor und ^Schächter Gelles in Krotoschin ist in der Ausübung seiner Berufes im Schlachthause daselbst plötzlich am Herzschlag gestorben. — Neulich ist in Ostrowo die älteste Frau der dortigen israelitischen Gemeinde, Witwe Gnmpel, im Alter von 94 Jahren gestorben.—VankierLouis Oppler in Pleschen ist 311111 Stadtrat j däselbstneugewähltworden. — Der israelitische Kantor H. Gospe in N e u - j stadt b. P. ist letzthin in Ausübung seines Vorbeterbernss daselbst i vor dem Altar von einem Herzschlag ereilt worden. Gospe, der zum! 1. März eine Käntorstelle in Berlin übernehinen sollte, hat nur ein; Alter von 54 Jahren erreicht. — Der Vorsitzende und Direktor der! „Chewra Kadischa" in Bromberg, Rentier Ludwig Weißbein, ist ' im Alter von 65 Jahren gestorben. Derselbe leitete den Verein ■ 20 Jahre hindurch und war Ehrenmitglied desselben. — Der langjährige; Stadtverordnete Joseph Krzywynos in Gneseu ist trotz seines i <80. Lebensjahres wieder auf sechs Jahre zum Stadtverordneten! daselbst gewählt worden. — Kantor und Lehrer Felix Brock in > Hirschberg ist in gleicher Eigenschaft in Schweidnitz gewählt S worden. — Der seit 21 Jahren bestehende und 100 Mitglieder! zählende Mildtätigkeitsverein in Ostrowo hat in seiner letzten j Generalversammlung den Oekonomierat Goldstein zum ersten Vor-! sitzenden gewählt. Die Aktiva und Passiva des Vereins schlossen im letzten Jahre mit 7 679,47 Mark, das Vereinsvermögen ist auf 7600 Mark angewachseu. Die Spenden im letzten Jahre beliefen sich auf 341 Mark und die Mitgliederbeiträge ans 282,50 Mark. Der'' Verein gewährt unbemittelten Gewerbetreibenden zinslose Darlehen: zur ratenweisen Rückzahlung und stiftet mit seiner Tendenz viell j Segen. — Kaufmann Nt. Cohn in Krojanke ist zum Magistrats-'> mitgliede daselbst gewählt worden. — Fabrikbesitzer Fabian in j Tuchel ist daselbst zu in Beigeordneten gewählt und bestätigt worden.- j — Die Vertretung der Synagogengerneinde in Schocken hat dieH Renovierung der dortigen Synagoge beschlossen. — Der israelitischen Armenverein zur Bekämpfung der Hausbettelei in Wreschen hatte" iin letzten Jahre eine Einnahme von 1240;i5 Mark und eine Ausgabe von 1215 Mark. Der Verein verfügt über einen Bestand von ca. 1500 Mark. An durchreisende Arme wurden 498,95 Mark verteilt.: — Der Buchhändler Albert Spiro in Posen ist im Alter vorr - 62 Jahren gestorben; derselbe war langjähriges Vorstandsmitglied des dortigen Vereins jüngerer Kaufleute. — Zum Leiter des städtischen Schlachthoses in Krojanke ist der jüdische Tierarzt Goldberger gewählt worden. i. Breslau, 10, März. Der Rechenschaftsbericht der hiesigen Israelitischen Waisenv erpslegungs-Anstalt pro 1901, 1902 und 1903 gibt ein interessantes Bild von der Entwichlung dieses Instituts, das sein 99 jähriges Bestehen feiert, und also im nächsten Jahre die Hundertjahrfeier begehen wird. Soweit ans den im Archiv befindlichen Akten ersichtlich, haben während dieses Zeitraumes 281 Knaben und 221 Mädchen, zusammen also 502 -Zöglinge Aufnahme in derselben gefunden. In den Jahren: 1901 wurden 30 Knaben, 24 Mädchen; 1902 30 Knaben, 24 Mädchen;' 1903 31 Knaben, 21 Mädchen in der Anstalt verpflegt, von denen, je nach ihrer Begabung, die Knaben das Gymnasium, die Oberreälschnle und Volksschulen besuchten, während die Mädchen in den Töchter-, Bürger- und Volksschulen Unterricht genossen haben. Während der letzten drei Jahre haben elf Knaben Ausnahme in der Waisenanstalt gefunden und zehn haben dieselbe wieder verlassen. Von den Abgegangenen widmeten sich nenn dem Kaufmannsstande und haben in hiesigen achtbaren Geschäftshäusern ein Unterkonunen gefunden; der zehnte kehrte zu seiner Mntter zurück, da er sich für die Anstalt nicht eignete. Zwei ehemalige Zöglinge der Anstalt, die sich dem Baufach und dem Elektrizitätsstudium widmen, machen im nächsten Jahre ihr Examen. Die Anstalt ist während der Unterrichtsperiode von zwei schmerzlicher Ereignissen betroffen worden: am 6. Dezember 1902 entriß ihr der Tod den Vorsitzenden des Repräsentantenkollegiums, Salomon Weigert, der/wahrend drei Dezennien warmes Interesse an dein Blühen rrnd Gedeihen der Anstalt genommen hatte. Am 5. Dezember 1903 verstarb das Mitglied des Repräsentantenkollegiums, Herr Isaak Werner, der ebenfalls länger als 20 Jahre sich durch besonderes Interesse für die Anstalt ausgezeichnet hatte. Diesen schmerzlichen Ereignissen gegenüber war die 80jährige Geburtstagsfeier des Inspektors Michaelis Silberstein in geistiger und körperlicher Frische ein freudiges Ereignis für die Anstalt. Bei diesem Anlässe wurde eine Silberstein-Stiftung begründet. Der Vorstand der Anstalt besteht aits den Herren: Julius Heymann, Hermann Auerbach, Stadtrat Alfons Marek, .Emil Freund, Dr. jur. Paul Hermann. Das Repräsentautenkollegiurn bilden: Louis Bnrgscld, Emil Sachs, Richard Eppenstein. Das Frauenkomitee bilden: Ottilie Sachs, Fanny Heymann, Agnes Hamburger, Anna Peierts, Rudolstne Haber. s. Magdeburg, 8. März. Ich habe meinem Bericht über den Heimgang unseres allgemein bekannten Rabbiners Dr. Rahmer noch einiges über die erhebende Trauerfeier am 7. d. M. in der hiesigen Synagoge anznfügen. Als erster Redner sprach in den:' dichtgefüllten Gotteshanse nach einleitendem Chorgesang Dr. Vogelstein-Stettin. In fast einstündiger glänzender Rede würdigte er die Verdienste des Entschlafenen um' die jüdische Wissenschaft, um die jüdische Presse und uin das Ansehen des deutschen Rabbinerstandes. Rabbinatsver)veser Dr. Grzymisch sprach sodann von den Verdiensten .Rahmers um die Magdeburger Gemeinde, während der folgende Redner, Rabbiner Dr. Feßler-Halle, den Verstorbenen als Seelsorger und Lehrer würdigte. Nachdem der Chor zum Schluß das Lied von Lewandowski: „O Herr ich hoffe!" gesungen, setzte sich der Zug nach dem Friedhofe in Bewegung. In der Leichenhalle sprach zuerst der Neffe des Verstorbenen, Landrabbiner Dr. Rülf-Braunschweig, im Namen der Familie, während Dr. Scligkowitz-Köthen als Freund und Mitarbeiter des Verstorbenen dessen gedachte, was Rahmer auf verschiedenen Gebieten geleistet. Zum Schluß sprach der Vorsitzende des Gemeindebvrftandes, Herr Gotthvld Simon, in warmen, tiefempfundenen Worten den Dank der Gemeinde aus. Ein Choral schloß die ergreifende Abschiedsseier. t. Llns Westfalen, im März. Unterm 22. v. M. hat die königliche Regierung zu Minden die seitherige Privatschule zu Beverungen a. d. Weser zu einer öffentlichen Volksschule erhoben und den dort seit fast einem Jahrzehnt höchst segensreich wirkenden Lehrer H. Bnxbaum angestellt. Die Gemeinde Beverungen ist zwar nicht groß und dementsprechend die"Schule nur mäßig bevölkert, aber uran sieht, daß die Behörde nicht abgeneigt ist, gehörig motivierte und von allen beteiligten Faktoren unterstützte Gesuche -um-Oeffentlichkeitserklärungen jüdischer Schulen zu entsprechin. In-vielen Fällen