Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-03-18 · Heft 12 (18.3.1904) · p. Seite 142

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
Seite 142 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228581-3228594--60668-3274448
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

NANTN8UN»UWMM8D^W8«M8WW»sMMENWtzWM^tzMWMMWW 142 cv sei bereit, dem „König, von Amerika" zu gestatten' zu ihrer Aiitgift beizutragen. Wolf begab sich mit dem Original und der Uebersetzung zu dem Präsidenten. Dieser fragte: „Glauben Sie, daß der Mann im Ernst spricht?" Wolf antwortete: „Keinem kann es größerer Ernst sein!" Grant klingelte und ließ den General Babcock einen Chek über 25 Dollars ausfchreiben. Nach einiger Zeit kam dann ein Packet aus Jerusalem, welches das Bild General Grants in hebräischen Buchstaben enthielt. Das Bild befindet sich jetzt im Nationalmuseum zu Washington. Als General Grant später seine Weltreise machte, kam er auch nach Jerusalem, und bei der bekannten Trünenmauer fiel ihm ein Jude zu Füßen und küßte den Saum seines Rockes und seine Hand. Es war der Mann jenes Bittgesuchs. Als Vertreter der Interessen, besonders auch seiner Glaubensgenossen im Auslande, kam Simon Wolf besonders häufig mit den Staatssekretären in Berührung. Von Seward bis Hay hat es, wie er erzählt, nicht eine Regierung gegeben, von der er nicht ein den Juden gebührendes Recht zu beanspruchen oder eine Vergünstigung zu erbitten hatte. Er kann sich nicht eines einzigen Falles erinnern, daß einer Pflicht aus dem Wege gegangen, eine Forderung ignoriert oder ein Gesuch auf die lange Bank geschoben worden wäre. Jeder einzige von all den Staatssekretären war überaus liebenswürdig und bereit behilflich zu sein, den Juden diejenigen Rechte zu sichern, die ihnen durch die Verfassung garantiert sind oder aus Verträgen mit befreundeten Staaten zustehen. Wolf anerkennt namentlich die Bereitwilligkeit des jetzigen Staatssekretärs Hay, aber mit besonderer Zärtlichkeit gedenkt er des Staatssekretärs Samuel Cox. Cox besuchte einmal Wölfin Cairo, als dieser dort Generalkonsul der Vereinigten Staaten war. Mumien der altägyptischen Könige waren damals gerade ausgegraben und im Musemn ausgestellt. Wolf begleitete Cox und dessen Gemahlin dorthin. Als die Mumie des Pharao aus der Zeit des Exodus an die Reihe kam, sagte Cox: „Simon/sprechen Sie mal mit dein alten Esel." Wolf antwortete: „Ich bin kein Gelehrter und kann nach also nicht mit ihn: in den toten Sprachen unterhalten. Sprechen-Sie mit ihm, Sann" Eine Episode aus Wolfs Erinnerungen geht besonders Deutschland an. Als der deutsch-französische Krieg auf seinerHöhe stand, veranstaltete der Washingtoner Schützenverein ein Picknick im Park zu Ehren der deutschen Siege. Sünon Wolf war einer der Hauptredner an jenem Tage, und seine Ansprache gefiel dem preußischen Gesandten, Baron Geralt, einem Diplomaten der alten Schule, dermaßen, - daß er tausend Exenrplare der gedruckten Rede nach Deutschland 31t schicken befahl. Später wurde ein Bazar veranstaltet zu gnnsten der deutschen Militärlazarette. Wolf wurde zun: Ehrenpräsidenten erwählt, und es kam. eine beträchtliche Summe zusammen. Kaiser Wilhelm und Bismarck richteten nach Empfang der Geldsendung eil: recht warmes und überaus herzliches Dankschreiben an Wolf. Auch um die bekanntlich während der Belagerung fast vollständig vernichtete Straßburger Bibliothek hat sich Wolf sehr verdient gemacht. Als einmal die verschiedenen Kirchen in den Vereinigten Staaten eine Vertretung unter den Superintendenten für die indianischen Angelegenheiten verlangten, gewann Wolf die Ueberzeugnng, daß kein Grund vorhanden sei, weshalb nicht auch die jüdische Gläubensgenossenschaft vertreten sein sollte. Er schlug daher die Ernennung Tr. Hermann Bondells vor, der Chirurg in der Unionsarmee gewesen war. Der Präsident ernannte ihn auch sofort, aber der Newyorker Senator Conklin und das Mitglied deS Repräsentantenhauses Me Kormick ans Arizona, für welches Territorium Dr. Bondell designiert war, protestierten gegen die Ernennung. Der Präsident schickte nach Wolf, um ihm davon Mitteilung zu machen. Sonderbarerweise traf Wolf Mc Kormick bei dem Präsidenten und Grant sagte: Mc Kormick, da ist der Mann, mit dem Sie.die Sache auszusechten haben. Wolf überzeugte nun Mc Kormick, daß er mit seinem Einspruch Unrecht habe. Von dieser Zeit an waren Wolf und Mc Kormick die besten Freunde. Senator Conklin konnte nicht so leicht überzeugt werden. Vor der Senatskommissiou für die indianischen Angelegenheiten tat -er sein Möglichstes, um die Bestätigung Bondells zu verhindern. Wolf widerlegte seine Argumente und die Kommission beschloß einstimmig, daß Bondell bestätigt werden solle. Er wurde es und er erwies sich als einer der besten Superintendenten, der jemals in dem Amte für die Angelegenheiten der Indianer tätig gewesen war. Als in späteren Jahren in einer Versammlung der Behörde die Rede aus Dr. Bondell kam, erklärten die Herren, das Amt habe niemals einen geeigneteren Superintendenten gehabt und er sei ein tapferer und furchtloser Mann gewesen. Präsident Garfield, der ein guter Freund Wolfs war, ernannte diesen zum Gesandten in Aegypten. Einen Tag, bevor ihn die meuchlerische Kugel traf, sagte Garfield zu Wolf: „Lieber Freund, Sie stehen im Begriff, nach Aegypten zu gehen und dessen Geheimnisse' zu erforschen. Ich hoffe, daß Sie wiederkommen werden als ein so guter Amerikaner, wie Sie jetzt einer sind, und ich zweifle nicht, daß Sie Ihrem Adoptivvaterlande und Ihren Glaubensgenossen alle Ehre machen werden." In jedweder Stellung — so etwa sagte Wolf gegen Schluß seines Vortrags — die ich während vierzig Jahren bekleidet habe, in meinen amtliche!: und persönlichen Beziehungen, beherrschte mich stets vor allen: das eine Gefühl, den Nichtjuden den Beweis z:: liefern für die absolute Ungerechtigkeit ihres Vorurteils, die Juden selbst aber anzuspornen zu einer höheren Auffassung ihres Bürgertmns, die jungen Leute zu ermutige!:, daß sie fest, mutig und überall loyal seien. Wenn es nur gelungen ist, irgendwie nur den zehnten Teil dieser meiner Bestrebungen zu erreichen, bin ich über und über belohnt. An jeder Entwicktirng der Ha::ptstadt und an der Wohlfahrt der Nation habe ich teilgenommen und stets hatte ich, wie nachgewiesen werden kan::, nur ein Ziel in: Auge: der Welt zu zeige;:, daß die Juden unter allen Umständen zur Erfüllung der weltlichen Pflichten befähigt und geeignet seien, und daß die Trennungsmauer, die Neid, Bosheit und Bigotterie errichtet haben, mit Freunden, nicht mit Feinden besetzt werden sollte... Ich weiß, daß mehrere Mitglieder der jüdischen Presse in ihren Berichten über meine Reden zu schreiben pflegten : „Wolf war, wie gewöhnlich, ganz und gar Amerikaner und Patriot." Ich verlange keine bessere Grabschrist. Als solches Vorbild möchte ich für alte Zeiten den Menschen gelten. Gerade die zwanglose Art dieses seines vor Glaubensgenossen skizzierten Berichts, gerade daß der Vortragende an: allerwenigsten an deutsche Zustände dachte oder Männer in Deutschland zu beeinflussen die Absicht haben konnte, läßt uns diesen Bericht so besonders geeignet erscheinen, ihn unter Weglassung der unsere Leser nicht angehenden, wenn.auch sonst sehr interessanten Stellen den: deutschen Pnblikun: zugänglich zu niachen. Weil dieser Bericht nicht uns zu belehren bestimmt war, ist er so überaus lehrreich für uns, für Deutsche in allen Stellungen, nicht zun: mindesten für die Führer der Nation, sowohl die beamteten wie die privaken. L. K. c&y\_ßr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.