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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-03-18 · Heft 12 (18.3.1904) · p. Seite 141

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
Seite 141 (sequence 9)
Language
German
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" - .Aber nicht allein in Wien selbst, sondern auch weit über dessen. Grenzen hinaus erkannte man die grundlegende Bedeutung Salomon Sulzers, wie dies die zahlreichen Prachtadressen, die, ihm auch vom Auslande zukamen,' beweisen. So -feierten ihn z. B. in künstlerische ausgesührten Adressen unteranderen die Vorstände und Kantoren der jüdischen Gemeinden'in Ungarn, sowie * die der Kultusgemeinden in Galatz, Philadelphia, Newyork und die ~ Akademie di S.' Cecilia in Rom. Aus Frankreich wurden ihm wiederholt in Wort und Schrift Veweise der Verehrung seiner zahlreichen sranZvsischen 'Bewunderer dargebracht. Zu seinem 40-jährigen Amtsjubiläum gratulierten ihm die französischen Rabbiner, an ihrer Spitze der Grandrabbin Isidor und Albert Lohn. In dieser Zuschrift wird mit besonders warmen Worten hervorgehoben, welche Verdienste der Jubilar sich um den synagogalen Kultus erworben und daß die Sprache keine Schranke sei, die die Völker von einander trenne. Auch die italienischen Gemeinden in Venedig, Mailand und anderen Städten sandten ihm tiefempfundene und schriieichelhafte Dankadressen. Besonders bemerkenswert ist diejenige der israelitischen Gemeinde zu Mailand anläßlich seines 70. Geburtstages. Sie war aus Pergament geschrieben und in deutscher und italienischer Sprache abgefaßt. : Im hohen Greisenalter von nahezu 86 Jahren starb Salomon Sulzer am 18. Januar 1890 in Wien. Unter der lebhaften Beteiligung aller Bevölkerungsklassen der österreichischen Kaiserstadt und zahlreicher auswärtiger Verehrer des Hingeschiedenen sowie Deputationen von nah und fern wurde er als ein Fürstder Kunst zur ewigen Ruhe bestattet. In den letzten Lebensjahren beschäftigte sich der Meister noch vielfach mit der Komposition von Psalmen und Liedern und der Neubearbeitung und Ergänzung seiner übrigen musikalischen Werke, wobei er seitens seines Sohnes, des ausgezeichneten als Cellovirtuos wie als Pädagoge gleich hervorragenden, i Tonkünstlers Professor Joseph Sulzer, k. k. Hofmusikers in j Wien, die nötige Beihilfe fand, zumal sich das Sehvermögen! des alten Herrn sehr geschwächt hatte. Der pietätvolle Sohn | gab zwei Jahre nach dem Ableben seines Vaters dessen noch j ungedruckte Kompositionen, ergänzt durch einzelne Beigaben, > heraus. Infolge der hierdurch bekundeten gründlichen Fach-; kenntnis wurde er zum Chordirektor sämtlicher der Kultus- , gemeinde Wien angehörenden Synagogen ernannt, in welcher! Stellung'es ihm vergönnt war, über das kostbare Vermächtnis! Salomon Sulzers zu wachen und dessen Kompositionen, speziell! die liturgischen musikalischen Schöpfungen, in mustergültiger, - allgemein rühmend anerkannter Weise zu interpretieren. Lin jüdischer Staatsmann in Amerika» T Tutet' den Staatsmännern der Vereinigten Staaten nimnrt seit langem eine hervorragende und einflußreiche Stellung ein . der Honorable Simon Wolf, ein Jude von Geburt, der während seiner ganzen erfolgreichen Laufbahn nicht nur "seine jüdische Abstammung nicht verleugnet hat, sondern auch andauernd in. speziellJüdischem Interesse tätig gewesen ist und der jetzt zum Präsidenten des jüdischen Ordens? der. Venei-Berith gewählt wurde. In einem in Baltimore vor kurzem gehaltenen Vorträge erzählte er eine Unmenge interessanter Dinge, die aber nicht! alle hierher gehören. War er ja in den mehr als vierzig Jahren seiner politischen Tätigkeiten mit nahezu sämtlichen politischen Größen Amerikas in didsem Zeitabschnitt in nahe Berührung gekommen und mit vielen Präsidenten,- so namentlich mit Grant und mehreren Nachfolgern, mit vielen Staatssekretären, Senatoren rc. innig befreundet. Was an dieser Stelle besonders interessieren dürfte und dem ganzen deutschen Daterlande zu nützlicher Lehre dienen sollte, das ist das Verhalten des jüdischen Staatsmannes und das Verhalten der christlichen Staatsmänner ihm gegenüber. Eins und das andere nur wollen wir auch noch erwähnendas be-< sonders bezeichnend für amerikanische Verhältnisse ist. Im Jahre 1862 kam Wolf, der 1836 in Hinzweiler in der Pfalz geboren wurde, als junger sich für Politik interessierender Jurist nach Washington und brachte ein Empfehlungsschreiben an den damaligen Kriegsminister Stanton. Dieser las den Brief/ sah sich den jungen Mann an und sagte: „Ich werde in diesem Briefe gebeten, Ihnen einen Posten im Kriegsministerium zu geben. Cs wird in dem Schreiben gesagt, Sie seien ein viel versprechender junger Mann. Wenn diese Annahme richtig ist, dann folgen Sie meinem Rat und bleiben Sie weg vom Kriegsministerium, denn hier werden sie nur ein Fossil ohne Aussicht auf Entwicklung." Wolf befolgte den Rat und hatte es nicht zu bereuen. Er wurde Advokat in Washington. Später ließ ihn Stanton eines Nachts durch den Chef der Geheimpolizei, General Baker, holen. Es war damals, während des Krieges, eine heikle Sache, zu Stanton beordert zu werden. Wolf wurde beschuldigt, Agent - des Ordens Benei- Brith zu sein, der ein illoyaler Verein sei und die Rebellen und Btockadebrecher unterstütze. Wolf war damals noch nicht Mitglied dieses Ordens und konnte es auch beweisen. Dann warf ihm Stanton vor, daß er den Flüchtlingen, die im Kerker säßen, helfe und forderte ihn auf, das sein zu lassen. Wolf erwiderte: er tue nur seine Pflicht als Anwalt nach den Gesetzen des Landes; der Minister habe kein Recht zu einer Einmischung, und er, Stanton, der doch selbst ein großer Jurist sei, mußte das besser als jeder andere wissen; er- Wolf, müsse es daher ablehnen, seine Praxis aufzugeben und auf ehrliche Weife seinen Unterhalt verdienen. Der Gefängnisdirektor, Kapitän Wood, ein großer Freund Stantons, hatte schweigend zugehört und sagte jetzt: „Herr Stanton! Wolf hat Recht und Sie haben Unrecht' Sie haben kein Recht sich einzumischen, so lange er sich keine Illoyalität zu schulden kommen läßt." Stanton ließ, hierauf den Herbeigeholten gehen. Präsident Grant hatte Wölf in dessen Abwesenheit auf den verantwortlichen Posten eines Rekorders berufen. Wolf warfest entschlossen, den Posten abzulehnen; als er aber nach der Stadt Zurückkam, fand er, daß einige Zeloten gegen seine Berufung Einspruch erhoben hatten, aus keinem anderen Grunde, als weil er Jude sei. Jetzt bestand Wolf gerade auf feine Bestätigung, die auch einstimmig erfolgte. Der ehrwürdige Hannibal Hamlin, der unter Lincoln Vizepräsident gewesen war, war damals Vorsitzender der Kommission, und er erklärte mit größter Entrüstung, es sei unamerikanisch und ünpatriotisch, einem Bürger wegen seiner Religion oder Abstammung das Recht abzusprechen, ein Amt zu bekleiden. Wolf versah den ihm zugewiesenen Posten acht Jahre hindurch und stand diese ganze Zeit auf freundschaftlichstem Fuße mit Grant. Eines Tages erhielt er aus Jerusalem einen Brief, den weder er noch verschiedene Gelehrte, denen er den Brief gegeben hatte, lesen konnten. Endlich gelang es dein hochgelehrten Henry Gersoni, die Hieroglyphen zu entziffern. Der Inhalt des an Wolf und „an den König von Amerika" — gemeint war General Grant — gerichteten Schreibens besagte, der Schreiber sei Vater von acht Kindern, davon feien sechs Töchter. Die älteste Tochter-stehe im Begriff zu heiraten.

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