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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-03-18 · Heft 12 (18.3.1904) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
Seite 140 (sequence 8)
Language
German
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-Und wie erlöst aus langer Knechtschaft'Banden ' Erklangen jubelnd sie im Gotteshaus, - Und zogen als geflügelte Gesandten Zu fernen Zonen über's Weltmeer, aus. So lang' die Stimme aus der Seele Tiefen Im Klang verehrt Ider Tonkunst Hieroglyphen, - So Lange leben und erklingen wieder Als Eigentum der Kunst — die Zionslieder! Doch wenn er selbst, von Inbrunst tief erschüttert,: Auf Flügeln, des Gesangs sich aufwärts schwingt, Wenn seine Stimme durch die Seele zittert,; " Saht ihr, wie Kunst die Andacht sanft umschlingt. ° So stimmt er jugendfrisch im Greisenalter, ' Ein «halb Jahrhundert an den heil'gen Psalter,- Ein Priester Gottes — mit der Muse Leier, Und ihm gilt dieser Stunde Festesfeier. - Reizend war der von Amalie Haizinger gesprochene Epilog, worin die damals schon alte Schauspielerin hervorhob, daß sich zur Feier des Tages nicht allein Greisinnen, sondern auch sehr junge Künstlerinnen vereinigt hätten. Sie gab ihrem Bedauern Ausdruck, daß nicht alle Stimmen ein halbes Jahrhundert noch mit so Hellem Klang ertönten, wie die des Mannes, der so oft Herz und Ohr berauscht hätte. Sie-fragte -dann: - ' Wer gab wie er Franz Schuberts Weisen wieder? Der nur durch ihn so deutungsvoll erklang; Den „Morgengrüß" sang er zum Säugling nieder, „Wohin", rief er dem Jüngling bang, Der Braut sang er „Rastlose Liebe" Lieder, Den Greis einlullend sang er „Schwanensang", Des Freundes Grab selbst schmückten seine Töne, Dort sang er leis den „Wanderer", .die. „Träne". Ludwig August Frankl spendete in sinniger Weise dem Jubilar einen aus Blumen vom Berge Zions, von den Königsgräbern und vom Kidrvntale gewundenen Kranz in einem aus Ebenholz vom Öetberge geschnitzten Nahmen mit folgendem Verse: Aus dem Land, wo Zions heiliger Sänger gesungen, Von meiner Pilgerfahrt brachte die. Blumen ich heim, ' Eingerahmt vom Aste des Oelbaums sind sie verwelkt schon. <' Trauernd, weil dem Kranze fehlte das würdige Haupt. Dir, dem modernen Ziönssänger, sei er gewidmet, Und es blühet vielleicht wieder der welkende auf. Doch nicht allein die jüdischen Kreise, sondern auch die künstlerischen überhaupt drückten dem sympathischen Greis, der übrigens nicht die geringste Spur von Greisenhaftigkeit in, seinen Leistungen zeigte, ihre Verehrung aus. So richtete z. B. die Gesellschaft der Kunstfreunde in Wien an ihn eine Adresse, worin sie seine Verdienste um die Kunst besonders dankbar hervorhob. Auch der 70. Geburtstag Sulzers im Jahre 1874 gab Anlaß zu Ovationen verschiedener Art. Unter anderem wurde ihm eine Adresse des Vorstandes der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, sowie das Diplom eines Ehrenbürgers der Reichshaupt-und Residenzstadt-Wien überreicht.; i Wie haben sich die Zeiten in Wien seit 30 Jahren ge- > ändert! Kann man sich denken, das; in dem jetzigen Wien Luegers ein Jude zum Ehrenbürger der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien ernannt werden könnte! Da-,, mals, als der Bürgermeister Cajetän Felder die Geschäfte der ' Kommune besorgte, machten die Gemeinderäte keinen Unterschied zwischen Juden und Christen. Das Verdienst wurde - ohne Unterschied der Religion voll und ganz anerkannt, und in dem vorn Februar 1874 datierten Ehrendiplom lesen wir: „Salomon Sulzer, mit ungewöhnlicher musikalischer An-,, läge begabt, ist durch seine vorzüglichen Teistungen auf dem , Gebiete' der Musik, welche ereinem der höchstenmenschlichen Zwecke,'' der' Verherrlichung des religiösen Kultus widnrete, allgemein und besonders in der Künstlerwelt geachtet und. geehrt." " Im Jahre 1845 erhielt er von der hochgeachteten „Gesellschaft der Musikfreunde" in Wien, den ehrenvollen. Ruf, als Professor des Gesanges am Konservatorium zu wirken. Er folgte dieser Einladung und entfaltete dort drei'Jahre hindurch eine anerkannte und erfolgreiche Tätigkeit. Die Direktion der genannten Gesellschaft nahm. Veranlassung, dem Meister wiederholt ihren Dank für jene Ausdauer, Kraft und Begabung zu sagen, die nur den Vorzüglichsten des Faches eigen ist. Auch wurde gerade von der Gesellschaft der Kunstfreunde oft betont, daß Sulzer es gewesen sei, der, ein Zeitgenosse Schuberts, dessen Lieder durch seinen vorzüglichen Gesang schon zu einer Zeit zur Geltung gebracht habe, als sie noch lange nicht ein Gemeingut des deutschen Volkes waren. Welcher Liebe und Verehrung sich Salomon Sulzer seitens ferner Zeitgenossen zu erfreuen hatte, zeigte sich ganz besonders im Jahre 1881 bei Gelegenheit seines Scheidens aus dem Amte, nach einer 56 jährigen ruhmvollen Tätigkeit. Am 2. April des genannten Jahres begaben sich sämtliche Beamte der Wiener Kultusgemeinde in seine Wohnung, und der schon erwähnte geniale Dichter Ludwig August Frankl richtete im Namen derselben eine warme Ansprache an den ausgezeichneten Künstler und liebenswürdigen Charakter, worin er u. a. sagte: „Wir hörten, wenn . Sie fangen, bald den Psalmenjubel von Zion her, bald war es wieder wie Rauschen der Harfe an den Bäumen Babylons. Unser Herz schwelgte in freudiger Sehnsucht, wenn Sie die Sabbatruhe als süße Braut, begrüßten. Es klang mächtig und tröstend wie die Posaune der Auferstehung, wenn Sie an Grüften den Klageruf erhoben. Weil aber die Kunst des Sängers nur an diesen selbst gebunden ist, haben Sie mit weiser Vorsichtdie heiligen Melodien. gesammelt und in einen: Werte zusammengefaßt, das ein Eigentum fast aller Gemeinden Israels diesseits und jenseits des Ozeans geworden ist. - Sie haben, wie es einst Prophetenschulen gab, eine heilige Sangesschnle gegründet, deren Tempebdie Welt ist. Wir aber waren die Beglückteren! Wir haben Sie selbst gehört, wir durften, wenn -auch auf anderen. Gebieten tätig, Sie unseren Kollegen nennen, von dessen Ruhm und Glanz auch ein Widerschein aufmns gefallen ist. Wir haben dann dankbar beschlossen, die Gedichte, die Sie gefeiert, die Stimmen, die Sie gepriesen haben, zu sammeln imd die fliegenden Blätter zu einem Lorbeerkranz zu verbinden, der unvergänglich ein Zeugnis geben soll, wie wir selbst und Ihre Mitwelt Sie geehrt und geliebt haben." Bei seinem Scheiden-aus dem Amte vereinigten sich auch die Wiener Damen, unter anderen die Baroninnen Sophie Todesko, Charlotte Königswarter, Josephine von-Wertheimstein und Paula von Frankl-Hochwart, um einen Aufruf an die Frauen der Wiener Kultusgemeinde zu erlassen, und dem scheidenden Meister eine dankbare Huldigung zu bereiten. Dieser Ausruf zündete, und es kam eine bedeutende Summe für diesen Zweck ein; dem Jubilar wurde ein massiver goldener Palmenkranz und noch eine Ehrengabe persönlich durch die genannten Damen mit poetischer Ansprache überreicht.' Es hat noch nie einen jüdischen Kantor gegeben, der von den Souveränen Europas, wie von wissenschaftlichen Akademien so ausgezeichnet worden wäre, wie Salomon Sulzer. Er war unter anderem Ritter des Franz Josefordens, des Ordens der italienischen Krone, des türkischen Medschidieordens, Besitzer der russischen großen, goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft, sowie der bayerischen goldenenMedaille fürKunst und Wissenschaft und Mitglied zahlreicher musikalischer Akademien und Vereine. ' Auch ehrten ihn viele Fürsten durch. - eigen-: händige Zuschriften.

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