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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-03-11 · Heft 11 (11.3.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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— Potsdam, 6. Ntärz. Ein Verbot des Sch achtens Wird der. Potsdamer Magistrat, wie er der Stadtverordnetenversammlung mitgeteilt hat, noch im Laufe dieses Jahres bei der neuen Betriebsordnung für den städtischen Schlachthof erlassen. Seit Jahren hat das Schächtverbot die Potsdamer städtischen Behörden beschäftigt. Erst als eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts, die Stadt Angermünde betreffend, vorlag, trat der Potsdamer Magistrat auf wiederholtes Drängen der Stadtverordnetenversammlung der Sache näher, nachdem, der Tierschutzverein und speziell der antisemitische Abgeordnete Frölich das Schächtverbot aus sogenannten „Humanitätsrücksichten" angeregt hatten. i. Magdeburg, 6. März. Unsere Gemeinde und mit ihr das Gesamtjudentum haben einen schweren Verlust erlitten. Am 2. d. M. vormittags 8 Uhr, verstarb der langjährige Rabbiner unserer Shnagogengemeinde, Dr. Moritz Ra hm er, nach, schweren Leiden. Er wurde am 16. Dezember 1837 zu Rybnik in Oberschlesien geboren, - besuchte das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau, wurde. 1862 mit Güdemann und Perles als der erste Hörer entlassen und bald daraus als Rabbiner nach Thorn und 1867 als Nachfolger des nach Wien berufenen Dr. Güdemann nach Magdeburg,, berufen. In dieser Stellung wirkte er mithin 37 Jahre in segensreichster Weise als Rabbiner und Leiter der Neligionsschule. Von Schöpfungen, die er in seiner Gemeinde ins Leben gerufen hat, verdienen in erster Linie genannt zu werden: der israelitische Witwen- und Waisen-Unterstützungsverein und der Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Rahmer war auch schriftstellerisch in hervorragendem Maße tätig; so redigierte er etwa 25 Jahre lang die von A. Treuenfels begründete „Israelitische Wochenschrift". Seit seinen Studienjahren hat er unablässig einer großen Arbeit seinen ungewöhnlichen Scharfsinn und und sein gründliches Wissen zugewandt: den hebräischen Traditionen bei den Kirchenvätern. Auf diesem bis dahin so gut wie gar nicht betretenen Gebiete hat er Arbeiten von dauerndem Werte hinterlassen. Auch eine Reihe guter und beliebter Schulbücher und viele sehr wertvolle Predigten sind von Rahmer erschienen, dessen Geist und Witz ihn aber vor allen! zu einem ausgezeichneten Journalisten erhoben. Ilm das öffentliche Wohl hat sich der Verstorbene vielfach verdient gemacht; infolgedessen wurde er durch das Vertrauen seiner Mitbürger 1876 in das Stadtverordnetenkollegium gewählt, dem er bis 1894 angehörte. Vor etwa vier Jahren wurde er von einem tückischen inneren Leiden befallen; seitens, der Gemeinde wurde ihm deshalb ein Substitut in Herrn Dr. Grzhmisch gestellt. Mit dem 1. April d. I. sollte er laut Gemeindebeschlnß in den Ruhestand treten; es war ihm leider nicht mehr vergönnt, die Nwhlverdiente Ruhe noch zu genießen. Die Beerdigung fand heute von der Synagoge aus nach dem jüdischen Friedhof Hierselbst statt. Vorher fand in der Synagoge eine würdige Trauerfeier statt für den Heimgegangenen, dessen Andenken in Ehren sortleben wird! i°. Dresden, 6. März. Wie alljährlich fand am Todestage Einil Lehmanns, am 25. v. M., eine. Gedächtnisfeier in der hiesigen israelitischen Gemeinde, die das Andenken dieses verdienstvollen Mannes in Ehren hält, unter zahlreicher Beteiligung statt. Einer der Vorsteher der Gemeinde leitete die Feier durch Hinweis auf die Bedeutung Emil Lehmanns und mit Verteilung der Preise ein, die aus den Mitteln der. Emil Lehmann-Stiftung in diesem. Jahre an drei um die Förderung des geistigen Lebens im Judentum und um die Aufklärung über seine Religion und Geschichte verdiente Gelehrte verliehen worden sind. Den Vortrag hielt Herr Rabbiner Dr. Winter über den Propheten Jeremias. Zum Schluffe trug die, ans der Ferste zur Feier erschienene Tochter Emil Lehmanns in ebenso sinniger als formvollendeter Weise mehrere? aus den gemütvollen Dichtungen Emil Lehmanns vor. wodurch, die auf alle Anwesenden einen erhebenden Eindruck machende Feier einen weihevollen Abschluß fand. — Die diesjährigen Preise der Emil. Lehmann- Stiftung sind den Herrn Dr. E. Baneth in Berlin, Dr, M. Stern in Charlottenburg und cand. S. Jampel in Heidelberg zugesprochen worden. ..,, . ,. s. Frankfurt a. M., 7 März. Der bekannte Nationalökonom Dr. G. Schnapper-Arndt ist am 2. d. M. an den Folgen einer Operation, der er sich in Halberstadt unterzog, gestorben. Weite Kreise werden das mit großen! Bedauern vernehmen. Schnapper- Arndt war nicht nur in Frankfurt wohlbekannt, sein Name hat auch in der ganzen nationalökonomischen Gelehrtenrepublik einen guten Mang. Er knüpft sich au sein Werk über die Dorfgemeinden aus dem Hohen Taunus, das in der ersten Hälfte der 80 er Jahre erschien. Ilm dieses Werk richtig zu würdigen, muß man sich erinnern, daß damals noch die nationalökonomische Wissenschaft. ihre wichtigste Ausgabe in der Feststellung des tatsächlichen Materials sehen mußte. Die aprioristische Behandlung der wirtschaftlichen Fragen hatte Fiasko gemacht, es galt vor allem, festzustellen, was ist. Das war nicht so leicht, als man meinen mag. Insbesondere wußte man damals, als eben die Agrarfrage in den Vordergrund zu rücken begann, noch wenig wissenschaftlich Zuverlässiges über die ländlichen Zustände. Da war nun Schnapper-Arndt einer der ersten, der durch seine Studie über fünf Dorfgemeinden auf dem Hohen Taunus zeigte, wie man diese Verhältnisse monographisch zu untersuchen habe. Seine Untersuchung ist mustergültig und machte ihn mit einem Male zu einem angesehenen Nationalökonomen. Was man von ihm hielt, mag man aus folgendem entnehmen: Als Oberbürgermeister Miquel den Posten des Vorstandes unseres städtischen statistischen Amts neu zu besetzen hatte und einen der ersten Statistiker ersuchte, jemanden zu empfehlen, antwortete dieser, er wisse keinen besseren, als den in Frankfurt lebenden Schnapper-Arndt. Wenn dann dennoch nicht Schnapper den Posten erhielt, so lag dies daran, daß Miquel zur Erledigung der Pensionsfragen der städtischen Angestellten einen Mann wünschte, der auch' Sachverständiger in Versicherungssragen war. Schnapper-Arndt ist Nach seinem Taunus-Werk scheinbar nicht mehr produktiv gewesen, da er außer einigen kleinen Aufsätzen, unter anderem auch in der „Zeitschrift der Juden in Deutschland", nichts veröffentlichte. Aber das schien nur denen so, die ihn nicht kannten. Es war bloß seine peinliche wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit, die ihn hinderte, an die Oeffentlichkeit zn treten, aber er hat ununterbrochen weiter gearbeitet und ein riesiges Material über die Wirtschaftsgeschichte Frankfurts angehäuft. Seine Hoffnung, es auch zu verarbeiten, wäre vielleicht nie in Erfüllung gegangen, da er zu sehr Zauderer gewesen ist, aber es wird sich nun fragen, ob nicht dieses Material wertvoll genug ist, einern Bearbeiter übergeben zu werden. — Dr. Schnapper war in Frankfurt am 2. Oktober 1846 als Sohn eines Sensals geboren. Er war in jungen Jahren leidend, bereitete sich zu Hqus für das Studium auf der Universität vor und promovierte in Tübingen, Er war Dozent an der hiesigen Akademie für Sozial- und Handels- Wissenschaften. Ehre seinem Andenken! Gesterretch-Angsrrr. □ Wien, 7. März. Eine Anerkennung und Huldigung von sehr fragwürdigem Werte ist dem russischen Reiche von seiten der Wiener Antisemiten zu teil geworden. In einer Antisemitenversammlung sagte der Hauptredner: „Wir Oesterreicher haben das Recht, oder besser ausgedrückt die Pflicht, Rußland gegenüber mit unserer Sympathie nicht zu kargen, weil Rußland der Staat ist, der uns Antisemiten am allernächsten steht. Wir wünschen und hoffen daher, daß die russischen Waffen gesegnet sein werden, um den Gegner zu bezwingen. Wir haben alle Ursache, uns über die kommenden russischen Siege zu freuen, und werden auch in Wien den Krieg ausnützen, um für ein österreichisch-russisches Bündnis Propaganda zn machen:" — Eine Versammlung des Antisemiten!» und es, in der der Obmannstellvertreter Rosenkranz(!) zur Bekämpfung der Juden sprechen, und in welcher sich Gregorig von den AnklägemLie gegen ihn erhoben werden, rein waschen sollte, gestaltete sich derart skandalös, daß sie gesprengt wurde. Jcunmerschade unr die geistvollen Reden, die der Mitwelt da sicher verloren gegangen sind. — Der Kaiser hat dem kaiserlichen Rate Leopold Sachs den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse, dem Prokuristen Ferdinand Goldstein den Titel eines kaiserlichen Rates verliehen. — Der Unterrichtsminister verlieh dem israelitischen Religionslehrer, an der Staatsrealschulschule in Teschen, Dr. Adolf Leimdörser, den Titel eines Professors. Lußland. — Kischiirew, im März, lieber die aller Gerechtigkeit Hohn sprechenden skandalösen Vorgänge' beim zweien Kisch in e w er Prozeß wird der „Neuen Freien Presse" berichtet: Der Draht hat bereits die Urteile verkündet, welche dev' delegierte Gerichtshof von

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