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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-03-11 · Heft 11 (11.3.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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WWMMMMMW jY*>;V Vf ~ *,‘ MMzfEK^WWEWKHKWKDGK ffW Obpffft r= ,unt;ciVs bemiJßQrfi^e .©fituibüiüg in.-bein .zweiterr ^Teilprozesse gegen die Mörbe^ Aprils v origen- Jahres gefällt Mt.>/Ss -war nach > den Instruktionen, welcheber Gerlchtspräsidentunmittelbarvor - dem Prozeß .in Petersburg - persönttch.eingehott hatte (!!) nichts.anderes zu ^erwarten: ■, L>ie diesmalige Verhandlung würbe noch flüchtiger geführt alKbie erste, trotz. einer Reihe Won Belastungszeugen würben nuk/f die/ widerspruchsvollen - Angaben., Plötzlich.- nufgetauchter . neuer! Zeugenberücksichtigt,- welche wie Angeklagten - zu entlastenMilchten. j Staatsanwalt und- Verteidiger unterschieben sich-in ihren Reden, nicht j viel - von einander. Bezüglich des freigesprochenen'Angeklagten Thomas | Korchow hatten mehrere Zeugen bestätigt, baß er nicht nur an der i Ermordung Ulmannsteilgenommen, sondern auch nachher bie_ Leiche ] Mrnanns mit Füßen getreten und den Körper verunstaltet habe; ^;bie : beiden -Külber des Ermordeten, Peffach/ und -Jacob,- welche, bei 'der j Mordszene zugegen waren, haben in ihren Zeugenaussagen anschau- ' lich dargestellt, in welch bestialischer Weise die Mörder ihren armen"' Vater ums Leben brachten. Der Vertreter der Privatkläger, Advokat Sarndny, bemühte sich vergebens,. den 'aus dem ersten Prozeß her btzH kannten allgemeinen Redensarten der antisemitischen Verteidiger ent- „ ' gegenzutreten und eine objektive, gewissenhafte Behandlung des Falles durch den Gerichtshof herbeizuführen. Der Staatsanwalt Dschibelli^ blies in dasselbe Horn wie die judenfeindlichen Verteidiger, - obwohl er formell die Anwendung des Strafgesetzes .gegen, die ^Mörder. vertz langte.. Advokat- Sarudnh verwies darauf,daß derGerichtshof weder Veranlassung habenoch kompetent sei, über. die Gesamthe^Z der Juden, ihre Fehler und Vergehen Recht zu sprechen^ und daß nu^ die Tatsachen in-Bezug auf diebegangenen Delikte maßgebend sein müssen; es nützte jedoch nichts, und das Schlußergebnis tvar das<- bereits erwähnte Urteil— der Freispruch Korchows. — Heute fanden^ die Verhandlungen gegen die inhaftierten Mörder Daniel und Jakob Petrescu statt, welche am 20. April um. 12 Uhr Mittags im Hose des Sobelmannschen Hauses in der Kierowskagasse Juda und Jsaac^ - Krupnik, Vater und Sohn, ermordet, und einen jüdischen. Lehrer., namens Moses Uscherniersky mit Knütteln derart bearbeitet Habens daß er bewußtlos in das Spital gebracht werden mußte, wo er durch/ länger als drei Monate zwischen Leben und Tod schwankte.. Fünfzehn Zeugen waren vorgeladen, welche fast sämtlich die beider^ j Mörder erkannten und unter Eid die Einzelheiten derbegangenen Verbrechen zu Protokoll gaben; einen besonders tiefen Eindruck machte die,Aussage eines neunjährigen Mädchens, der Tochter Sobelmanns, welche mitangesehen, wie die, beiden Krupniks erschlagen wurden.— Von seiten der Mörder traten auf einmal Zeugen auf, welche deil^ Alibibeweis erbringen wollten; sie behaupteten, mit ihnen zur angegebenen Zeit anderweitig in Gesellschaft gewesen zu sein. Die Unsicherheit dieser- Zeugen, sowie die Widersprüche in ihren Aussagen" wurden allgemein bemerkt; wenn.es ernstlich darum zu tun gewesen wäre, die Wahrheit zu erforschen,, hätte es sich vom kriminalistischen^ Gesichtspunkte aus wahrlich gelohnt, eine Untersuchung darüber einzuleiten, wer diese Zeugen hergesendet und zu ihren Aussagen in?, strniert hat; aber das Repertoire der Verhandlungen steht ja längst fest und ist auch - bereits - vor wenigen Tagen ganz genau im „Beffarabetz" (ein berüchtigtes Hetzblattin Kischinew) veröffentlicht - wordei^ Danach mußte heute unter allen Umständen die Angelegenheit KrupnÄ abgeschlossen werden. Dschibelli hielt eine ganz kurze Anklagerede, desgleichen die Verteidiger, und das Ergebnis war, daß die mehrerer Mordtaten überwiesenen Brüder Petrescu zu vier Jahren Arrestanten- Kompagnie verurteilt wurden. .. . Von Mh und ssern. Nach der Altersliste der Berliner Stadtverordneten ist de^ Senior'der Versammlung Sanitätsrat Dr. med. Neumann. Geboren iM Jahre 1819 wird er auch in Bezug auf seine Amtszeit vow keinem Stadtverordneten übertroffen. - Er trat schon 1859 in daD Stadtparlament ein und ist seitdem achtmal wiedergewählt worden^ — Zu den ältesten Mitgliedern desselben gehört auch der Stadt^ verordnete B. Hammerstein^der;am 8. d. M. unter lebhafter Teil-, nähme den 70. Geburtstag gefeiert hat." Hammerstein,, der Begründer«- der Firma Posnanski und Hammerstein, bekleidet seit. mehr aM einem Dezennium.eine. Reihe städtischer Ehrenämter und ist nebey.^ seiner Tätigkeit als Stadtverordneter Mitglied der Armen direkt! on^' > der Waisen- --und Siechenverwaltung. — - Dem antisemitischen Pfarrer Heg ni tz in Dr e s dender, ineinen Ehebruchskandal verwickelt, sein Anck an der Dresdener Ännenkirche niederlegte, hat nunmehr die Disziplinarbehörde die Qualifikation abgesprochen, je . wieder ein geistliches Amt zu übernehmen.. Segnitz kandidierte bei der letzten Reichstagswahl in Dresden-Altstadt als antisemitisch - konservativer Kandidat,- trat aber kurz vor dem Wahltage von seiner -Kandidatur zurück, und zwar -schon infolge dieser- Geschichte. — Anläßlich des Geburtstags des Königs von Württemberg erhielten Auszeichnungen: Geheimer Kommerzienrat Oberkirchenvorsteher Alex Pflaum den Olgaorden, Rechtsanwalt Gemeinderat Dr. Schloß in Heilbronn das Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens, Vorsänger Gundelfinger in. Stuttgart die Verdienstmedaille des Kronenordens. — Dr. Israel Nobel, früher Prediger und Schuldirigent zu Berlin, ein Zögling des.Rabbinerseminars daselbst, ist zum Direktor der Jüdischen Bürgerschule" in' Ant'werp'en gewählt' worden. — In Verona ist aus An-' ordnuug des Präfekten die Erziehungsanstalt Seghetti geschlossen worden, weil in der von Nonnen geleiteten Mädchenschule anläßlich der Karnevalstage ein Theaterstück I,die falsche Bettlerin" von Garag- ' liano aufgeführt worden war, in dem ein „Ritualmord" vorkommt.— In London starb im-Alter von 56 Jahren der Gründer und langjährige Besitzer der in London erscheinenden ^Jewish World", Mr. George L. Lyon. Er genoß sowohl als Publizist, wie auch wegen seiner Verdienste um die Lösung verschiedener, die Juden Englands betreffenden Fragen, großes Ansehen. Die Wochenschrift „Jewish World" leitete er länger als ein Vierteljahrhändert. — Ein häßlicher Prozeß fand am 25. v. M. vor dem Gericht in Liverpool statt. Zwei Schächter hatten den Chief Rabbi und die Schechita-Kommission von Liverpool wegen wiederholter Veröffentlichung eines. Verbots (Jssur) gegen ihre nichtapprobierten Schechita angeklagt. Das Gericht verurteilte Herrn Dr. Adler und die Kommission zum Schadenersatz in Höhe von 100 Pfund Sterling. Die ganze Verhandlung war ein Chillul Haschern in des - Wortes traurigster Bedeutung: — Infolge der Intervention derÄNilitärbehörde ist die Ausweisung der Familien der jüdischen Aerzte, die in den Krieg zogen, rückgängig gemacht worden. Nur die Familien der in-der Kiew er Umgebung ansässig gewesenen jüdischen Aerzte. müssen einzelweise die Wohrtungserlaubnis für Kiew vom Gouverneur erlangen. — Das Angebot des Odessaer Bankiers Aschkenash, eine jüdische Sanitätsabteilung von Krankenpflegern, die sich freiwillig bei ihm meldeten, nach dem Kriegsschauplätze auszurüsten, wurde im Aufträge der Kaiserin-Mutter von Rußland dankend abgelehnt. — Das in Petersburg unter Leitung des bekannten Schriftstellers L. Rabbinowitsch erschienene hebräische Tageblatt „Hameliz" gab vor einigen Tagen seinen Lesern bekannt, daß es sein Erscheinen aus unbestimmte Zeit einstelle. Wie der „Fremd" meldet, wurde der karäische Chacham in Eupatoria, Pampulow, in den erblichen Adelsstand erhoben. — In Brisk (Litt.) sollte eine Bibliothek und Lesehalle gegründet werden. Der Minister des Innern verlangte, daß nach den Statuten nur ein Drittel des Vorstandes Juden sein dürfen, obwohl 80 Prozent der Gründer- Juden sind! Die Juden traten daraus zurück.. — Im Militärbezirk Wilna wurde den Militärkapellen das Spielen bei jüdischen Hochzeiten verboten. — In den jüdischen Bauernkolonien Rußlands sollen mehrere Reformen eingeführt werden. Seit einiger Zeit weilen zu diesem Zwecke einige Agronomen bet Jewish Colonisation Association in Petersburg, um mit den Deputierten der Kolonien zu konferieren. — Die im Auslande verbreiteten Meldungen, wonach eine neue Judenhetze in Kischinew stattgefunden habe, werden von der offiziösen „Petersb. Tel.-Agent." als unbegründet bezeichnet. — In Fez ist der Rabbiner Jacob Benzimra, Vorsitzender des Komitees der Altianze-Schulen daselbst, gestorben. Sein Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imponierenden Trauerseier. Zum erstenmal sah man in Fez die Muselmänner mit den Juden trauernd die Leiche bis zum Friedhöfe begleiten, ein Beweis dafür,' daß der Verlust dieses ausgezeichneten Mannes nicht nur von den Juden, sondern von der ganzen Bevölkerung schmerzlich empfunden wurde. — Zum Präsidenten des Benai Berith-Ordens in Amerika ist der bekannte Staatsmann und Schriftsteller Simon Wolfs in' Washington an Stelle des verstorbenen Leo Nv Levi gewählt worden.- - -_ ■.

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