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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-03-11 · Heft 11 (11.3.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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sunden. Die PoMimk, Wohl die größte in Berlins Zähle Durchschnitt lich im Jahr 70—80 000 Patienten, und der Vvrstand hab^ die Pflicht, dafür zu sorgen, daß nichts vorfalle, was das Krankenhaus irgendwie , nach außen zu schädigen' im stände feif trotz der kolossalen Frequenz sei jedoch niemals im Laufe des Viertes jahrhunderts eine Klage über schlechte Behandlung gekourmen. die gynäkologische Poliklinik überhaupt notwendig sei, werde die Zukunft lehren; bisher hätten die Frauen ebenso gut ihren ärztlichen Rat erhalten und seien ebenso gut von Professor Israel behandelt worden, als ob. ein Gynäkologe angestelltjet. Für die Operatibn stehe nur ein Operationssaal zur Verfügung, und Israel könne e^. nicht zulassen, daß dort ein anderer Arzt Operationen ausführe. Keirier der Bewerber, unter denen sich Gynäkologen von Ruf befinden/ hätte sich auch geweigert, , und es sei gewiß keine Schande für einen Gynäkologen, einen Mann wie Israel über sich zu haben, der woM über allen stehe. Der Vorstand werde unter den heutigen Verhältnissen im alten Hause sich nicht dazu hergehen, dein neuen Arzte em£ unabhängige Stellung zu geben. Mit der Ablehnung des ÄntraM in der Fassung des Krankenhausvorstandes werde auch die Einrichtung der PolMinik überhaupt in Frage gestellt sein. GehenniÄ Senator stimmt den von Baginsky und Landau geäußerten Bedenken zu, da ein Gynäkologe nicht einen Chirurgen als Chef habU könne. Ihm erscheinen nähere Bestimmungen über die Stellung erforderlich besonders für den Fall, daß die eine oder andere Patientin stationär werden müßte. Professor Landau beklagtes daß, nachdem innerhalb 25 Jahren keine einzige Reform zur Durchführung gelangt sei, jetzt, wo der erste Anfang hierzu gemacht werdest solle, den Befürwortern der Reform Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Für das Votum des Krankenhausvorftandes ser nicht ein einziger sachlicher Grund beigebracht worden. Daß die Bewerber um die neue Stellung sich dem Chirurgen unterotdneli wollen, sei doch etwa kein Argument. Der Beschluß sei eine sachliche Verschlechterung der Poliklinik, die von Hause ans nicht «angeführt werden dürfe, und es sei um so mehr Veranlassung, bei dieser inirii=r malen Bagatelle vorsichtig zu sein, als man für das zu errichtende' neue Krankenhaus kein Präjudiz schaffen wolle. Gerade von dem prinzipiellen Standpunkt aus, daß man es müde sei, sich für düs' Krankenhaus immer nur mit einer inneren und äußeren Abteilung" zu begnügen, müsse die Vorlage des Vorstandes abgelehnt Werdens Der Leiter der chirurgischen Abteilung, Professor Israel, sei auch viel' zu klug und meine es mit den Interessen des Krankenhauses viel zu gut, als daß er sich durch die gedachte Modifikation unangenehm berührt fühlen könnte. Auch nicht der Schatten eines einzigen sachlichen Grundes sei erbracht worden für den Standpunkt des Kranken-^ Hausvorstandes, die Gynäkologie als eine Spezialabteilüng der Chirurgie zu betrachten. Der Vorstand werde zweifellos keinen Arzt, anstellen, der betreffs der Verantwortung, die er in selbständiger f Stellung zu übernehmen hätte, nicht die besten Garantieen böte., Ein Versuch könne ja. wohl um so eher gemacht werden, als . es sich ausdrücklich nur um ein Provisorium handle. Sollten.-, sich durch den gewünschten Modus Schwierigkeiten ergeben, so würden. die Befürworter desselben bereitwilligst von selbst sich dem Votum-, des Vorstandes anschließen.. Vorsteher Jacoby hält die Früge, ob > man überhaupt den Gynäkologen einem Chirurgen unterordnen kann, wohl für diskutabel. Im vorliegenden Fälle sei aber die Ent->> scheidung gegeben, da Professor Israel die Oberaufsicht verlangt^ habe. Einem jungen Arzte könne man auch nicht die Verantwortung ., für die Leitung einer, solchen Station anvertrauen. Falls der Antrag, abgelehnt werde, müsse von der Einrichtung abgesehen werden, und die Frage könne erst dann im neuen Krankenhause in nochmalige/. Erwägung gezogen und im Sinne Landaus gelöst werden. Professor<•; Geiger erklärt sich entgegen seiner Stellungnahme im Ausschuß., nunmehr gegen den Antrag Landau, da die Festlegung , der Position/; des Arztes, wie sie jetzt provisorisch gewünscht werde, für das neuer Krankenhaus nicht beabsichtigt sei. Herr Man heim er legt dar, daß in. den engen Räumen des alten Hauses nicht neue Dinge geschaffen werden können. Ein Provisorium mit der selbständigen Stellung des Arztes könne späterhin nicht mehr geändert, ein Manul: wie Israel dürfe auch nicht bei einem solchen Beschluß umgangen Twerden. Professor Landau erklärt sich durch keinerlei Gründe überzeugt, denn der einzige sachliche Grund, welcher vom Vorsteher Iacoby angeführt sei, sei ein rein persönlicher und unsachlicher gewesen, daß nämlich die Unterordnung erfolgen müsse, : weil Professor Israel es verlange. Damit werde das persönliche Regiment, welches leider Gottes im Krankenhause existiere, stabilisiert und alle materiellen Gründe, welche zum Vorteil der Kranken, der Aerzte und der Gemeinde beständen, hintangesetzt. Die Verantwortung für den Arzt Würden diejenigen zu tragen wissen, welche das Engagement desselben befürworten. Gerade wegen der vorgebrachten Gründe müsse er (Redner) sagen: Principiis obsta! Vorsteher Iacoby erklärt, daß der Gemeindevorstand nicht seine Hand dazu bieten werde, einem jungen Acht eine verantwortliche Stellung zu übertragen. Die Bewerber um die neue Stellung, welche sich dem Chirurgen unterordnen wollen, könne man doch daran nicht hindern. Er wiederholt nochmals, daß prinzipielle Bedenken gegen eine gynäkologische Poliklinik nicht mehr vorhanden seien, doch werde die Poliklinik jetzt nur im Sinne des Antrages des Vorstandes oder überhaupt nicht eingerichtet. In sehr erregten Worten äußert Herr Louis Sachs sein Erstaunen, daß bisher keine sachlichen Gründe gegen den Ausschußantrag vorgebracht seien. Er wiederholt die von ihm dargelegten Gründe und weist darauf hin, daß Professor Israel die kontraktliche Verpflichtung übernommen hätte, alle Fälle des Krankenhauses zu operieren. Entschiedenen Protest legte Herr Louis Sachs noch gegen die Behauptung vom persönlichen Regiment Israels ein, der sich in allen verwaltungstechnischen Angelegenheiten genau so wie die übrigen Aerzte dem Vorstande des Krankenhauses zu fügen hätte. Professor Baginsky verteidigt nochmals den Beschluß des Ausschusses unter ausführlicher Darlegung der Stellung, welche der Gynäkologe einnehmen muß; er glaubt auch, daß Professor Israel nach nochmaliger Klarlegung sich ohne weiteres fügen wird. Geheimtat Senator tritt ebenfalls noch einmal für den Ausschüßantrag ein. Falls Professor Israel als Chef dem Gynäkologen übergeordnet würde, so würde dies ja auch nur zum Schein erfolgen, nämlich unter der Voraussetzung, daß dieser sich nicht in die gynäkologische Behandlung einmischen würde. Stadtrat Dr. Weigert hält die Bestimmung des Vorstandes für nichts weiter als eine notwendige Äerwaltungsmaßregel, daß man darüber überhaupt nicht diskutieren sollte. Er bezeichnet es als undenkbar, daß ein nur oberflächlich mit der Struktur des Krankenhauses verbundener Arzt, wie es der Leiter der gynäkologischen Poliklinik wäre, unabhängig ohne eine leitende ärztliche Kraft angestellt werde, welcher er im Verwaltungswege untergeordnet sei. Professor Baginsky weist diese Ansicht als unzutreffend zurück; denn wenn Professor Israel nur dev Verwaltungschef des gynäkologischen Poliklinikers sein sollte, so würde sicherlich ein genehmer Modus gefunden werden. Vorsteher Solmitz, der zugleich auch Mitglied des Krankenhausvorstandes ist, befürwortet warm den Vorstandsbeschluß, welcher in eine Form gekleidet sei, wie sie nach Ansicht des Krankenhaus- und Gemeindevorstandes praktisch erscheine, und bittet, dem allseitigen Wunsche Rechnung zu tragen, schon jetzt die Errichtung der Poliklinik zu ermöglichen. Darauf wurde der Schluß der Debatte beantragt und angenommen. Ein noch kurz vor Toresschluß eingebrachter Antrag Minden, die Vorlage abzulehnen und den Vorstand um eine neue Vorlage zu ersuchen, in welcher die Gfellung des Gynäkologen genau fixiert wird, wurde erst nach Abnahme des Debatteschlusses vorn Vorsitzenden verlesen. Die Abstimmung hierüber wurde als parlamentarisch unzulässig von Herrn Louis Sachs bezeichnet, ebenso die nunmehr von Dr. Minden beantragte Vertagung der Vorlage. In der alsdann folgenden Abstimmung siel der Antrag des Ausschusses gegen eine sehr große Minorität, er wurde mit 8 gegen 9 Stimmen abgelehnt. Das umgekehrte Stimmenverhältnis ergab sich somit für den Antrag des Gemeindevorstanpes, welcher mit 9 gegen 8 Stimmen zum Beschluß erhoben wurde. — In den Vorstand der Synagoge Lützowstraßd wurde an Stelle des verstorbenen Herrn Alexander Herr Michael Fi egel gewählt. — Die Beratung des Etats wurde heute infolge der vorgeschrittenen Zeit wiederum abgesetzt. Auf die Bitte des Herrn Weinberg, den Etat als ersten Beratungsgegenstand auf die nächste Tagesordnung zu setzen, sagte der Vorsitzende zu, eine besondere Sitzung zur Beratung dieses Gegenstandes anznberaumen. Damit schloß die öffentliche Sitzung.

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