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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-03-11 · Heft 11 (11.3.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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#8. Jahrgang. No. 1K VlPElUEinUEUUU^ Berlin, «19*4. Veilage zur „Allgemeinen Letrung de§ Judentums SorrrlponÄrnHM und Machrichten. Deutschland. .. 8. Vertin^ 6. Januar. Während der erste Teil der heutigen N epräsentanten - Versamml-ung in ruhiger, geschäftsmäßiger Weise verlief, wurde der zweite Teil durch eine sehr lebhafte und erregte 'Debatte äusgesüllt, zu welcher wieder einmal das' Jüdische Krankenhaus herhälten muhte.' Fast debattelos würden folgende Zuwendungen angenommen: der Frau Natalie Latz zum Andenken ihres ^erstorbenen Mannes an die Benno Latz-Stiftung (5000 Mark), des, Herrn 'S. Blumenreich an das Krankenhaus (9000 Mark), ferner folgende drei Legate zum Zwecke der Grabeserhältung: des Herrn A r o n Fa l k (1OOO Mark), des Herrn L o u i s Philipp (30ÖQ Mark) und der Eheleute Heinrich und Rosalie Oppenheim (1000 Mark). — Herr Jsidor'Sächs berichtet alsdänü über.den Rechnungsabschluß der Gemeinde-H'auptkasse Pro 1902/03. Herr Adolph Mäher hat diesen sehr umfangreichen Abschluß geprüft, nichts zu monieren gefunden und sich sehr lobend über die mnftergiltige Buchführung ausgesprochen. Die Gesamteinnahmen betrugen im Berichtsjahre 1 588 704 Mark; darunter befinden sich u. a. aus Zinsen 58 000 Marl, aus Grundstücken 191 000 Mark, aus Gemeindebeiträgen 1387 000 Mark, ohne Titel 1498 Mark. Unter den Ausgaben figurieren: an Zinsen 251'000 Mark, an Gehältern .und Pensionen 271.000 Mark, für gottesdienstliche Veranstaltungen '2171)00 Mark, für das Schulwesen 186 000 Mark, für die Wohltätigkeitsanstalten 304 000 Mark, für Subventionen 94Q00 Mark, für die Gemeindebibliothek 13 000 Mark, für Inserate 3000 Mark, für das Gemeindebureau 19 000 Mark rc. Die Decharge wurde widerspruchslos erteilt, die erforderten Mehrausgabest bewilligt. — Syndikus Dr. Minden gibt darauf die zusammenfassende Abrechnung über die Vermietung der Synagogenstände pro 1903/04. An' Einnahmen haben sich ergeben: für die alte Synagoge. 11 600 Mark,' für die Kaiserstraße 16 600 Mark, für die Oranienburgerstraße 27 400 Mark, für die Lindenftraße 39 000 Mark, für die Lützowstraße 49 500 Mark. Der Bericht hebt hervor, daß die höheren'Ziffern füt die Synagogen Lindenstraße und Lützowstraße sich daraus ergeben, weil in diesen Gotteshäusern alle Plätze zur Vermietung gelangten und kein Platz zum Verkauf gestellt werden brauchte. Auch in der Oranienburgerstraße waren sämtliche Plätze vermietet, das in der Synagoge Lindenstraße erreichte Resultat ist das günstigste, welches' bisher' seit Eröffnung derselben erzielt /worden ist. — Alsdann folgen 6 Vorlagen betr. Bewilligung von Subventionen. Der Verein für Arbeitsnachweis erhält für 1 Jahr 2000 Mark. Dieser jährliche Zuschuß war zwar vom Verein für die laufende Etatsperiode gefordert, doch hält es der Gemeindevorstand für notwendig, je nach dem Arbeitsergebnis des Vereins die Bewilligung auszusprechen. Dem Verein „Jüdische Arbeiterkolonie und Asyl" werden 1000 Mark, gewährt. Der Referent HerrManheimer betont,daß sich die getroffenenEinrichtnngen sehr segensreich bewährt hätten; auch die Herren Professor'Blaschke, Syndikus Dr. Minden und Weinberg verweisen auf die Vorzüge dieser Institution und bitten um möglichste Förderung der Anstalt. Vorsteher Jacobh hebt besonders die durch die 'Arbeiterkolonie bewirkte wesentliche Entlastung der Armenkommission hervor, weshalb sich auch der Gemeindevorstand gern entschlossen hat, die diesjährige Subvention gegen das Vorjahr um 400 Mark zu erhöhen. Wenn auch einzelne dort verfertigte Arbeiten, wie z. B: Tischlerarbeiten, bei der Kürze des Aufenthaltes Und den völlig maNgAnden VorkenntnisseN der Insassen nicht auf der Höhe stehen könsten, so sei es doch für die Gemeindeverwaltung von größter Bedeutung, daß diein ihrem Beruf beschäftigungslosen Leute' in geschlossenen Räumen ein Nnterkommen finden und eine Tätigkeit im der Anstalt ausübend — Dem i fr a e li t i s ch en Volks ki n d'e r g ä r t e n ' im d H ö r t wird 'füüdie Etatsperiode nur ein jährlicher Gemein deznschusl vorr 300 Mark 'zugesprochen, obwohl 600 Mark gefordert wordenwaren. Profeffor Baginsky bittet, sich dieses Horts besser anzunehmen und beantragt, £>00 Mark zu bewilligen. Herr Jacobh verweigert diese Erhöhung, da noch ein zweiter Kinderhort ebenfalls von der Gemeinde unterstützt werde. Herr Louis Sachs beklagt es, daß es Mode wird, ohne genauere Prüfung überdie Anträge des Gemeindevorstandes hinaus- Nenbewilligungen zu fordern für Institute, für welche dieser oder jener besondere Sympathien habe. Infolge der Erhöhungen würden nur die anderen Vereine aufgehetzt werden, und der Gemeindeetat käme in einen schwankenden Zustand. Professor Baginsky protestiert gegen solche allgemeinen Bemerkungen, die er für vollkommen - überflüssig bezeichnet. Er habe sich durch mehrfachen persönlichen Augenschein über die Verhältnisse des Kindergartens genau instruiert, und daraufhin seinen Antrag gestellt. Herr Louis Sachs wehrte-diesen Angriff mit der Bemerkung ab, daß er es nur im allgemeinen als einen gefährlichem Weg bezeichnet habe, über die Anträge des Gemeindevorstandes hinauszugehen. Ein von Herrn Weinberg gestellter Antrag, die Vorlage an den Vorstand zurückzugeben, wurde Pom Syndikus Justizrat Lilienthal als statutarisch unzulässig erklärt; die alsdann beantragte Vertagung der Vorlage wurde ab- .gelehnt. In der Abstimmung fiel der Antrag Baginsky, und mit großer Mehrheit wurde die Vorlage des Vorstandes angenommen. Debattelos wurden noch bewilligt: der Jüdischen Lesehalle und Bibliothek einmalig 200 Mark als Beihilfe zu den Nmzugskosten und ein jährlicher Zuschuß von 300 Mark für die Etats- Periode, dem Kaiser Franz Joseph Regierungs- Jübiläumshospiz in Karlsbad eine Subvention von 100'Mark ipro 1904/05 und dem Hospital in Franzensbad' für das laufende Jahr ein Zuschuß von 200 Mark. — Die Versammlung wandte sich .darauf der Vorlage betr. die provisorische Einrichtung einer gynäkologischen Poliklinik im Jüdischen Kränkenhause zu. .Professor Baginsky leitete die Beratung, bei welcher es, wie bereits erwähnt, zu langen und recht erregten Debatten kam; mit einem ausführlichen Referate ein. Der Gemeindevorstand hat sich im wesentlichen den Bestimmungen angeschlossen, welche der Krankenhausvor- 'stand für die Poliklinik getroffen hat und die bereits innerhalb des Krankenhausvorstandes zu sehr intensiver Diskussion Veranlassung'gegeben haben. Insbesondere hat auch der Gemeindevorstand. die Be- . Mmmung genehmigt, welche den Hauptstreitpunkt der heutigen Debatte bildete, daß der neu zu verpflichtende Gynäkologe dem chirurgischen .Leiter — Professor James Israel — unterstellt werden soll. Die Äerzte des Krankenhausvorstandes haben schon deshalb schwere Kämpfe führen Müssen, und speziell Professor Landau hat sich immer wieder ablehnend gegen die Absicht verhalten, dem Gynäkologen den Chirurgen als Chef vorzusetzen. Der vorberatende Ausschuß der Repräsentanten 'hat sich die Ansicht Landaus zu eigen gemacht Und die Einrichtung der Poliklinik mit einem Oberarzt an der Spitze, welcher dem Chirurgen nicht unterstellt, aber selbstverständlich dem Krankenhaus- Vorstand untergeordnet ist, befürwortet. Bestimmend für diese Modifikation war erstens, daß die gynäkologische Wissenschaft so weit.vorgeschritten ist, daß ihr eine selbständige Stellung unter allen Umständen gebührt, daß ferner gar nicht abzusehen ist, wie eine Anzahl Von Frauen, welche zur Behandlung gelangen müssen, der Beurteilung ' des Chirurgen unterstellt werden sollen. Herr Louis Sachs tritt, wie nicht anders zu erwarten, voll und ganz für den Beschluß des "Krankenhausvorstandes ein. Letzterer stütze sich, wie er ausführt, bei dieser Bedingung auf die Erfahrungen eines Vierteljahrhunderts, 'welche nicht dadurch über den Hausen geworfen werden können, daß nun mit Hangen und Bangen eine gynäkologische Poliklinik,. wenn auch nur als Provisorium, in das Krankenhaus hineinkommen soll, j Die bewährten Aerzte der inneren wie äußeren Poliklinik, welche diese seit einer langen Reihe'von Jahren so gut wie selbständig leiten, hätten ohne weiteres die ihnen Vorgesetzten Instanzen stets anerkannt, und däs Krankenhaus habe darin für sich eine große Beruhigung ge-

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