Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3228581-3228593--60648-3274427- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und aufmerksamen Beobachter auf diesem Felde neue Erfahrungen dar, mm durch geeignete Mittel der Natur nachzuhelfen und das Gedeihen wesentlich zu fördern.; •. Nach dieser Richtung hin dürfte wohlin Preußen) vielleicht auch über die Grenzen dieses Landes hinaus, : kein Mann praktischere Erfahrungen besessen und augenscheinlichere. Erfolge erzielt haben, als- Jos. Jak. Flat au, der älteren Berlinern sicher noch, in Erinnerung ist. . Er war gebürtig in Posen, lebte aber bis zu seinem Tode (1873) in Berlin. Sein ganzes Leben war den Interessen des Hopfenbaues in.Preußen gewidmet. Wir erinnern hier nur an das von Flatau eingeführte Verfahren, den Hopfenstock in holzarmen Gegenden am Drahtgestell zu ziehen, Hopfenextrakt zu gewinnen, Anwendung des Salzes zum Düngen, Brennen der Hopfenstangen, um das Ungeziefer nicht aufkommen zu lassen, Pinzieren der Spitzen der Hopfenranken, um größere Ernten und bessere Produkte zu erzielen, Abräuchern großer Hopfenanlagen, um. die Pflanzen von schädlichen Insekten zu reinigen, und. so mehreres, welches erst später vom Airslande anerkannt und Nachahmung gefunden hat. : : , : Während in den srühern Jahrhunderten der Hopfenbauzuletzt, noch unter der Negierung Friedrichs des Großen, in Gegenden Preußens gefördert wurde, war derselbe bis vor ungefähr siebzig Jahren fast bis zur Nullität herabgesunken. Merkwürdig! Zu einer Zeit, wo das Bier, folglich auch der Hopfenbau, noch nicht wie heute eine Bedürfnisfrage der Bevölkerung war, .ward dem Hopsenbau eine größere Aufmerksamkeit geschenkt als in spätern Jahrzehnten, wo Bier, flüssiges Brot für Arm und Reich, eine Lebensfrage geworden. Josef Jakob Flatau, dem uneigennützigen Einführer und unermüdlichen Förderer des Hopsenbaus, verdankt Preußen in der Gegend von Neutomifchel, Provinz Posen, trotz der dort sehr ungünstigen Verhältnisse (Sandboden), einen Hvpfenbau, der geradezu ein - Zweig des Nationalreichtums geworden ist. Im Jahre 1838 mit Einführung geeigneter Fächser beginnend, war Flatau bis zu seinem Tode in ökonomischer, kommerzieller und wissenschaftlicher Beziehung unermüdlich, tätig und scheute selbst nicht Geldopfer; und so ist sein vor Jahrzehnten durch Werk und Schrift verkündeter Ausspruch: „Der Hopfenbauvon seinem ökonomischen Anfänge bis zu seinen: kommerziellen Ende richtig geleitet, ist geeignet, den Wohlstand, namentlich der kleineren Grundbesitzer eines umfangreichen Kreises zu heben", zur Wahrheit geworden. . Noch im Jahre 1853 hatte das landwirtschaftliche M inisterium an der Möglichkeit .eines nutzbringenden Hopfenbausin ge^eifelt (vergleiche „Das königl. Preußische Landes-Oekonomie-Kollegium in seiner zehnjährigen Wirksamkeit", Berlin, 1853); wenige Jahrespäter, hatte Preußen um Neutomifchel einen Hopfenbau, der fa^t den ausschließlichen Erwerbszweig einer Bevölkerung . von mehr denn 16 000 Menschen bildete und einen früher nie geahnten Wohlstand , verbreitet hat. lieber 6000 Morgen waren mit Hopfen bepflanzt, worauf bei einer vollen Ernte circa 40 000 Zentner produziert werden konnten, und brachte ein Jahr, in welchem nur 20000 Zentner gewonnen wurden, ein Kapital von circa 2200000 Talern. ' Auch in-.Buckow in der Mark Brandenburg war Flatau seit 1861 bemüht; den Hopfenbau, der dort in früheren Jahrhunderten in großer Blüte gestanden hat, aber in den letzten Jahrzehnten verschollen war, wieder in Aufnahme zu bringen, und ihm war es zu danken, daß sich dort mehr als 150 Landwirte mit nutzbringendem Hopfenbau beschäftigten. Die dankbaren Bewohner jener Kreise haben auch Flatau. seinerzeit das Ehrenbürgerrecht von Neutomifchel und Buckow verliehen. Die jüdische Gemeinde zu Neutomifchel hat damals in Ihrer Synagoge Flataw einen Ehrensitzuneben dem Rabbiner tingeräümt.- Eine 'Marmortafel in der- Wand kennzeichnet denselben mitden Worten: „Jos. Jak:' Flatau, geb. zu- Posen, Ehrenbürger zu Neutomifchel." Bei Einweihung dieser Synagoge aur 20. November 1861 (17. Kislev 5622) wurde von der Kanzel herab -der Name Flataus gesegnet, weil durch seine Hebung des Wohlstandes der Bewohner jener Stadt wie auch durch seine -Beisteuer der Synagogenbau ermöglicht wurde. Auch in den Kirchen jener Gegend wird an bestimmten Feiertagen das Gehet verrichtet: „Herr, gib Segen unserem Hopfenbau" ic., da der Hopfenbau eine Lebensfrage für die Bewohner jener Kreise ist. Von seiten der Nationalakademie für Ackerbau zu Paris empfing Flatau, gleich Schubart für seine Verdienste um den Kleebau Schubart von Kleefeld, im Munde des Volks „Flatau von Hopfenfeld" genannt, die goldene Medaille, für „Einführung und Förderung des Hopfenbaues in Preußendie Medaille- und 1855 das Ehrendiplom; vom König von Preußen als Protektor der Landwirtschaft 1860 das Ehrendiplom, 1861 den Ehrenpreis; von der Ausstellung' der. deutschen Land- und Forstwirte zu Gotha 1857, zu Braunschweig 1858 die Medaillen; von dem Verein zur Förderung der deutschen Interessen in der Provinz Posen die Medaille, vom königlich preußischen landwirtschaftlichen Ministerium zwei Medaillen. So sind von Akademien, wissenschaftlichen und landwirtschaftlichen Vereinen des In- und namentlich des Auslandes dem Manne in gerechter Würdigung für seine Verdienste um Einführung und Förderung .des Hopfenbaues in Preußen einige 40 Auszeichnungen innerhalb zweier Jahrzehnte überreicht worden. Wir lassen hier einen von den vielen Erlassen des damaligen preußischen landwirtschaftlichen Ministers an Flatau.folgen; , „Die ostpreußische landwirtschaftliche Zentralstelle zu Königsberg bezweckt, innerhalb ihres Vereinsbezirks den'Hopfenbatt anzub.ahnen und hat sich um Unterstützung in diesen Bestrebungen an mich gewandt. Da ich für diesen Kulturzweig lebhaftes Interesse hege und die Fortschritte, welche der Hopfenbau in Neutomifchel gemacht hat, wie die patriotischen und erfolgreichen Bemühungen Ihrerseits, welche zu den dort erreichten erfreulichen Resultate wesentlich beigetragen haben, Wohl zu würdigen weiß, so glanbe W dew Wünschen der landwirtschaftlichen Zentralstelle am besten-zu entsprechen; wenn-ich Sie auf die Bestrebungen der ostpreußischen Vereine in dieser Hinsicht aufmerksammache .und an Sie das Ersuchen richte, ..denselbenmit Rat und Tat förderlich, namentlich der Zentralstelle durch Ihre Vermittelung zur' Erlangung'geeigneter Fächjer -behilflich sein zu wollen, damit solche Mn hie Zwergvereine .Ostpreußens zu zweckentsprechenden Anbauversuchen verteilt-werden können." -- Ich halte mich überzeugt, daß Sie .diese Ihnen gebotene Gelegenheit, sich ein neues Feld gemeinnütziger Tätigkeit zu eröffnen, willkommen heißen werden, wie Sie sich auch des Dankes der Beteiligten versichert halten dürfen. - Berlin, den 16. April 1862. Der Minister für die landwirtschaftlichen Angelegenheiten (gez.) Jtzenplitz." Die 24. Versammlung deutscher Landwirte und Forstwirte 1863 zu Königsbergs in Preußen ernannte . Flatau zu ihrem Referenten für die achte Frage -:, - .„Welche - Mittel .sind geeignet, den Hopfenbau in Preußen zu ' heben?" : Im Jahre 1864 wurde Flatau von dem Minister für landwirtschaftliche. .Angelegenheiten mit den- Worten : „Sie haben den Bewohnern der Provinz:Posen einen neuen Erwerbszweig gegründet", ein silberirerMhrenPokal überreicht, worauf eingraviert ist : „Die Bürgerschaft von Neutomifchel am 19. Mai 1864 ihrem Ehrenbürger Herrn Jos. Jak. Flatau u m