Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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iKäP* für die. ^dep,^Ku^g^e^ML^zi^io^AkH.L^Vr7>^MHrt zunächst einzelne betrüHerifch^e ^anqcjf Juden.,- m• ihrernWerke^v-Mrit^KveSlaLÄ- Konnnissionären, die so ungeheuerlich sind, daß sie uns fast! unglaublich erscheinen) undgedenkt der, .üblen Wirkungen, >die.von . diesen östlichen Elementen der.deutsch-jüdischen Bevölkerung in BreAlaudrohem Er. sieht ein Hindernis.der .völligen, inneren Gleichstellung .der Juden mit. denChristen in.den Speisegesetzen,..in. den chriften^ feindlichen Gebeten und .Ln , dem Sabbath. Zur Beseitigung dieser Vorschriften, und derdurch, sie bedingten Trennung, von den übrigen -Staatsbürgern schlägt er ein S anhedrin dort Dieses soll.aus einigen namhaften,, durch den Staat.ernannten Rabbinern bestehen, die.sich durch Deputierte,, .je einen aus jeder Provinz, ergänzen. Das Sanhedrin entwirft Pläne einer Organisation der Juden, hat aber namentlich -folgende dre; Dinge zu beschließen: 1.. Aufhebung. aller Kultuszeremonien> Gebete und Formeln, welche den Grundgesetzen des neueih Staates widersprechen und Abneigung .oder.Kälte gegerz Andersgläubige nähren, 2. Verlegung, des Sabbaths aus den Sonntag. 3. Erklärung, daß ihrem Gewissen und ihrer Uebevf zeugung nach die Ehe zwischen Juden- und Christen erlaubh sei. Rur die, welche diese Bedingungen unterschreiben, nehmeyj teil an allen Freiheiten; die übrigen bleiben t o leri e r te Juden-^ und behalten auch in rechtlichen Dokumenten die Bezeichnung^ Jude.. Freytag verhehlt sich nicht, daß. diese Maßregel, die wirheute alle entschieden einen. starken Gewissenszwang nennenwürden, tyrannisch sei, aber er rechtfertigt sich, sie sei. nötig^ um dem gebildeten Juden gegen den ungebildeten zu Hilfe zu, kommen. Zu diesen Vorschlägen gehört auch.noch, der, daß an-, einer oder mehreren Universitäten ein jüdischer Theologe als,. Lehrer angestellt werde, bei dem die künftigen Rabbiner ihre. Ausbildung erhalley. sollen, . und daß an jedem Lehrerseminar jüdische. Schulamtskandidaten aufzunehmen seien, die ihre allgemeine Ausbildung zusauunen mit ihren christlichen Genossen,^ ihre 'theologische bei dem Rabbiner des betreffenden Ortes., erhallen sollen. Wie einsichtig und weitgehend die beiden letzten Vorschläge, sind,' sieht man daraus, daß ihre Erfüllung noch heute ein. pium desiderium genannt werden muß. In eine Einzelkritik, der ersten drei dem Sanhedrin zu. unterbreitenden Anträge soll hier nicht eingegangen werden. Nur soviel mag . gesagt) sein, daß die Sage, von den christenfeindlichen Gebeten wohlendgültig aufgegeben ist, und daß jeder Denkende, namentlich auch jeder liberale Jude Freytag einwerfen mußte, daß Beobachtung der Zeremonialgesetze und Heilighaltung des Sabbaths' nur.dann als störend betrachtet werden könnten, wenn sie der, vollen.und ganzen Ausübung der staatsbürgerlichen Pflichten, durchaus, hindernd in den Weg träten, was aber nicht der Fall ist. . Auch sonst, ist es nicht uninteressant, Freytag über Juden! und Judentum zu vernehmen. Der sehr hübsche Aufsatz 1869: > „Der, Streit. über das Judentum in der Musik", der schon bei dem oben erwähnten Nekrologe Freytags in diesen Blättern hervorgehoben worden ist, gipfelt in dem witzigen Satz, daß Wagner im Sinne. feiner Broschüre der schlimmste Jude sei, weil bei ihm.sich gerade, das finde, was er den Juden vorwerfe:' . Effekthascherei,' Mangel an melodischem und har-' mimischem Ausdruck, Freude am Gesuchten und Raffinierten,. Regie. der Effekte usw. ,. .. : .... Aber auch,auf einen anderen Aufsatz ist hinzuweisen, devi nach dein Tode"Freyiags in dem ersten Band der Sammlung, abgedruckt wurde, die zu. diesen Bemerkungen Anlaß: gab.) Dieser Aussatz: Die Dichter des Details' und Leopold Kom-si pert", ist, wie alle Freytagffchen kleinen Studien, ein hübsches: Kulturbild.' Er geht'von' allgemeinen-Betrachtungen, aus, um zur ' Würdigung: des einzelnen , zu gelangen. So ist ihm Kompert nur einer der Detailpoeten, als. deren bedeutendster nfjnt Berthold Auerbach erscheint. Das eigentümliche dieser Dichter -sieht er an folgendem:' Die Stoffe, werden vaterländifche/ die - Darstellung des Details wird genauer, und: ob-. jektiver, die Sprache wird charakterisierende Prosa." Bon Kompert, der dieser Schule zngerechnet wird, wird dann folgendes gesagt: „Der Kreis der Stoffe, . welchen Kvnrpert verarbeitet hak, ist-das', enge- Leben 'der böhmischen Judengemeinden, welche durch hölzerne Tore, beschränkende Gesetze, Mißtrauen und Haß und wie alle die mittelalterlichen Schlagbäume heißen, von-ihren christlichen Nachbarn getrennt leben. Er ist selbst ein Kind des Ghettos, und wie bei Auerbach sind es Eindrücke der Jugendzeit, welche sich .bei ihm verklärt haben . . . Der Sohn des böhmischen Ghettos wuchs mit größern inneren Kämpfen und in größerer Abgeschlossenheit von der Welt aus der dumpfen Judenftadt heraus. Die Anschauungen und Empfindungen seiner Kindheit waren einseitiger, und der Gegensatz, in welchem sich der gebildete Mann zu seiner Vergangenheit befand; war größer. Ein märchenhafter Dust kam ihm über die Erinnerungen aus seiner Jugend und überzog ihm die vielen eckigen und seltsamen Gestalten soweit, daß er sie mit Liebe vor sein poetisches Auge ziehen konnte." : Freytag gibt dann den Inhalt der Sammlung Komperts „Aus dem Ghetto (1848)" an, tadelt den etwas losen Zusamnrenhang der meisten Erzählungen und wünscht zum Schluß, den deutschen Dichter, als den er Konrpert begrüßt, in der Zukunft da zu finden, „wo wir die stärksten Kräfte' hin wünschen, bei den dramatischen Stoffen unseres Lebens." - Die angeführten Stellen sind, wie ich glaube, höchst charakteristisch;. sie zeigen, wie ernst sich Freitag mit dengroßen Problemen der Judensräge beschäftigte. Sind seine schauungen auch nicht immer richtig, .seine Vorschläge nicht durchführbar, so kann man bei ihm weder von Vvreingenolnmenheit, noch von Böswilligkeit sprechen, sondern muß überall das redliche/Streben des ernsten Mannes' anerkenNnen, der sich Klarheit über schwerwiegende Fragen zu verschaffen sucht, und. die Offenheit rühmen, mit der der Schriftsteller diese seine Ansichten ausspricht. 7 Der hopkknbsu in Krruhrn. Von Th. Broun. - opfschüttelnd wird mancher Leser die lleberschrift dieses Aufsatzes lesen. Wie? Sollte etwa ^dieses Blatt „aus seine alten Tage" . agrarisch geworden sein? Gewiß nicht. Aber eine vielleicht törichte Reminiszenz geht mir nicht aus dem Sinnseit ich vor kurzein in den Zeitungen die Nachricht von dem. Tode einer Dame von altem ostelbifchen Adel gelesen habe, zu welcher Nachricht ein Blatt die lakonische Notiz hinzufügt: „Sie war die Tochter des bekannten Konunerzienrats Flatau". . . Mt einem Male war mir die ganze Situation klar geworden, und die Gedankenreihen, die sich daran knüpften, lche ich den geneigten Leser in folgenden Mitteilungen vor. Von allen den in ihrem gewöhnlichen Vorkommen bekannten Produkten der Landwirtschaft bedarf wohl keines solch reicher Erfahrung und Sachkenntnis als der Hopfenbau. Bei ihm heißt es nicht : „Ich habe gesäet, der liebe Gott läßt es wachsen", vielmehr bietet jeder Tag dem sachverständigen.