Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1904)
- Date
- 1904-03-04
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Babel und Bibel (Hiob 24 18, 19 und Jesaja 51, 9)._ Mil einer Besprechung des Buches „Die neueren Entdeckungen und die Bibel von Urquhart" durch Kollegen Kaatz schließt die Sitzung. — Dresden, 29. Februar. Die Erste Kammer beschäftigte sich dieser Tage mit dem Gesetze über die israelitischen Religionsgemeinden. Nach einer Darlegung des Gemeindekirchenrats Dr. Pank wird das Gesetz folgende Konsequenzen Haben: 1. Bisher konnte unter den mangelnden gesetzlichen Bestimmungen ein Israelit auch unter 21 Jahren in die christliche Konfession ausgenommen werden. Das ist in Zukunft ausgeschlossen. 2. Während bisher der zum Christentum übertretende Israelit sich nur beim christlichen Pfarrer zu melden brauchte, so hat er in Zukunft vorher seinen Neligiousbeamten aufzusuchen und ihm seinen Abfall vom Judentum anzuzeigen. 3. Konnte bisher eine jüdische Witwe,, welche Christin ward, ihre Kinder ohne weiteres mit zum Christentum hinübernehmen, so wird ihr dies fortan verwehrt sein, wenn nicht der verstorbene Vater ausdrückliche Bestimmungen in dieser Richtung getroffen hat. Auf den Antrag des eben genannten Mitgliedes der Ersten Kammer wurde der Gesetzentwurf zu nochmaliger Beratung an die Deputation zurückerwiesen. des.Judentums, sondern auch im Dienste des Staates, per Vaterstadt, der Bürgerschaft^ und der gesamten Menschheit vollendet werde, in diesem Sinne' möge das bescheidene Haus seine Räume erweitern, damit es jedes hilfesuchende Kind aufnehmen könne, das an seine Pforten um Einlaß klopft. Als Vertreter der städtischen Verwaltung übermittelte Beigeordneter Brugger deren wärmste Glückwünsche für das weitere Gedeihen und die fernere Entwicklung der neu gegründeter: Anstalt, aus der viele tüchtige Bürger hervorgehen möchten. Das irr dem freundlichen Villenvorort Lindenthal schön gelegene Waisenhaus ist in einem neu erbauten, geräumigen Hause vorläufig mietsweife untergebracht; es hat eine freie Lage, einen schattigen Garten, sowie eine einfache, aber zweckmäßige und gediegene Inneneinrichtung. Das Haus bietet genügend Unterkunft für 40 Waiserr und tvird demnächst mit 18 Zöglingen seine Wirksamkeit beginnen. In der Leiterin, Fräulein Johanna Lichtenfeld, die mehrere Jahre in dem Kuabenwaisenhaus in Posen gewirkt hat, ist eine zweifellos tüchtige Leiterin gefunden worden. .Bei der bewährten Opferfreudigkeit und Wohltätigkeit unserer Glaubensgenossen tvird es dem Kuratoriinn der israelitischen Waisenstiftung hoffentlich bald vergönnt sein, an Stelle des gemieteten Hauses fein eigenes Heim zu beziehen. — Chemnitz, 25. Februar. Am 21...d. M. feierte der. hiesige : Synagogen-Chorverein das Fest seines fünfjährigen Bestehens.! Die überaus zahlreiche Beteiligung — es hatten sich, mehr, als > 200 Personen im Festsaal des Vereinshauses versammelt. — bewies, i welcher Sympathien sich der Verein erfreut.. Mit einem . Konzert j unter der bewährten Leitung des Herrn Öberkantors Golpbexg! wurde der Abend eröffnet, und. Chorgesang, Quintette,. Duette , und! Solovorträge zu Gehör gebracht. Der. Hauptteil des Festes war natürlich bei der zahlreichen, tanzlustigen Jugend, dieser edlen Muse; gewidmet. Eine Unterbrechung fand das lustige.Treiben nach Alitier- : nacht durch eine Kaffeepause, bei der der Vorsitzende Herr Grünberg die Begrüßungsrede hielt; ein von Herrn Hirschstein verfaßtes Tafellied wurde mit großer Begeisterung gesungen. Herr Rabbiner Dr. Zimels ergriff dann das Wort, um den edlen Zweck des Vereins und den Idealismus der Vereinsmitglieder. zu feiern. Die Damen wurden noch durch eine geschmackvolle Spende erfreut. Al. Hamburg, 19. Februar. Herr Israel Haarburger, ein angesehenes Mitglied unserer Gemeinde, Mitinhaber, der altbekannten Bank- und Geldwechselfirma Cohn & Haarburger, ist im 78. Lebensjahre plötzlich verschieden. Die Beerdigung des sich allgemeiner Achtung und Wertschätzung erfreuenden Mannes fand unter großer Beteiligung w.eiterer Kreise statt. Unter den Leidtragenden bemerkten wir namentlich viele Vertreter der Börsenwelt, war doch der Verstorbene einer der -ältesten Börsenbesucher Hamburgs. Das Vereinigte Klausinstitut der Deutsch-israelitischen Gemeinde, deren Vorstand Herr Haarburger mehrere Jahrzehnte angehörte, war durch die Herren Rabbiner I. Cohn und Dr. Bamberger vertreten; außerdem war der gesamte Vorstand vollzählig erschienen. Die Trauerrede hielt Herr . Dr. Bamberger. Anknüpfend an ein Schriftwort aus Genesis Kap. 18 schilderte der Trauerredner in wirkungsvoller Weise den Lebensgang des Dahingeschiedenen, der zu allen Zeiten dafür eintrat, die Not der Armen zu lindern, der aber auch gern und willig seine segensreiche Tätigkeit in den Dienst gemeinnütziger Institutionen stellte. Mit Trostesworten an die Hinterbliebene Gattin und Kinder schloß die wirkungsvolle Rede. n. Köln, 23. Februar. Das i s r a e l i t i s ch e W a: s e n h a u s, über dessen Entstehung und Gründung bereits berichtet worden - ist, wurde am 21. d.. M. in Gegenwart der städtischen und königlichen Behörden, des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiums sowie zahlreicher Mitglieder der hiesigen Shnago gengemeinde feierlich eröffnet. Die stimmungsvolle Feier wurde durch-die Mitwirkung des Mädchenchores des stadtkölnischen Waisenhauses wesentlich verschönt. In seiner Festrede hob Rabbiner Dr. Frank diese erfreuliche Tatsache als ein herzerquickendes Moment in unserer konfessionell..zerklüfteten Zeit und als ein rühmliches Ehrenzeugnis .hervor .für den Geist,- der in der Verwaltung der Stadt Köln herrscht. - Das - städtische Waisenamt habe der israelitischen Anstalt dasselbe Wohlwollen und dieselbe Unterstützung , zugesagt, die den christlichen Wohlfahrtsanstalten gewährt werde. Redner betonte mit besonderem Nachdruck, daß düs Erziehungswerk in dem neuen Hause nicht ausschließlich im Dienste Frankfurt a. M., 26. Februar. Aus Anlaß der Jahrhundertfeier des Philanthropins -wird anfangs April eine Festschrift im Umfange von ,etwa 40 Bogen im Druck erscheinen. Sie bringt, aus einem Gedenkblatt in künstlerischer Ausführung die. Porträte, des Begründers der Schule und der vier Direktoren, die. im Laufe des Jahrhunderts die Schule geleitet haben. Nächst einer, ausführlichen Geschichte der Schule, von den Direktoren. Dr. Baerivald und Dr. Adler, sowie einer Biographie sämtlicher Lehrer und.Lehrerinnen, die seit Begründung, der Anstalt an ihr gewirkt haben —. mit den. Porträts, der bereits Verstorbenen — wird diese Festschrift eine Reihe .wissenschaftlicher Abhandlungen sowie solche von allgemeineren: Interesse, darunter zwei bisher nicht veröffentlichte Arbeiten der. in jüngster. Zeit verstorbenen Oberlehrer Blum und Dr. Dodritter. enthalten.. Auch die Abhandlungen der zurzeit am Philanthropin tätigen. Lehrer — Epstein, (über. Sonnenflecken), Herz (Adverbien und adverbiale Redensarten im Neufranzösischen), Kuttner (über de:: Religionsunterricht am Philanthropin im ersten Vierteljahrhundert), Cohn (über Shakespeares „Kaufmann von Venedig"), sowie eine-urknudliche Darstellung der Geschichte , der Frankfurter Judengaffe vor: Professor Kracauer mit zahlreichen Illustrationen und Lichtdrucktafeln.— dürften selbst für weitere Kreise von Interesse sein. Es sei daraufhingewiesen, daß bis. zun: 1s. März d. I. die Möglichkeit geboten ist, dieses Werk, das gewiß geeignet ist, eine. wertvolle Erinnerung an die bevorstehende Jahrhundertfeier-zu bilden, zum Subskriptionspreise von 5 Mark von der Firma. Gebrüder Fay (Holzgraben Nr. 13) zu beziehen, welche Anmeldungen bis zu-den: genannten Termin entgegennimmt. , — München, 29. Februar. Wie in den Vorjahren, so tritt auch diesmal die dahier bestehende Hermann und Iettchen Müllersche Allgemeine Wohltätigkeitsstistung in die Oeffentlichkeit. Aufgabe der Stiftung ist: a) die Förderung und Unterstützung von Einrichtungen und Veranstaltungen für Erziehungs-, Unterrichts- und Wohltätigkeitszwecke, sowie sonstiger gemeinnütziger Zwecke innerhalb des Judentums, b) Die Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Glaubensgenossen, jedoch nur sofern die Gewährung im mittelbaren oder unmittelbaren Interesse des gesamten Judentums ist. Andere Unterstützungsgesuche können nach dem Stiftungsstatute keine Berücksichtigung finden. - e) Die Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Juden. Die Erledigung der Gesuche, welche bis spätestens den 22. März d. I. an die Kultusverwaltnng der hiesiger: Gemeinde einzureichen sind, geschieht ohne Rücksicht auf Ort und Land der Petenten. — Freiburg i. B., 18. Februar. Der hiesige Israelitische Frauenverein versendet mit der Einladung .zurHauptversammlung auch seinen Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr. Die Einnahmen des Vereins betrugen 2124,34 Mark, die Ausgabe:: 2014,25 Mark, das Vereinsvermögen 8655,51, die Mitgliederzahl 169. Außerdem besteht noch die Hauptlehrer Bodenheimer - Stiftung, deren Fonds 875,27 Mark beträgt. Die Anforderungen an, diese Stiftungv die die Förderung des Iugendunterrichts bezwecken soll,