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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-03-04 · Heft 10 (4.3.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 steigen von Jahr zu Jahr. Den Vorstand des Frauenvereins bilden: Frau Hch. Zivi-Lang, 3. Vorsteherin; Frau Moritz Mayer, Rechnerin; Frau A. H. Dreyfuß, Frau N. Geimar, FranIsak Kahn, Frau Vierselder; Hauptlehrer A. Heidingsfeld, Schriftführer; Rechtsanwalt Dr. D. Mayer und Herr E. Wolf,' Revisoren. '/ — Stuttgart, 29. Februar.. Eine Abordnung des „Israelitischen Lehrervereins" wurde dom Kultusminister Tr. v. Weizsäcker behufs Neberreichuug einer Petition, die wir seinerzeit mitgeteilt haben, in Audienz empfangen.' Infolge des rapiden Rückgangs der Seelenzahl israelitischer Landgemeinden stehen mehrere israelitische Volksschulstellen vor der Auflösung, und nmngels neuer Stellen droht den Lehren: der betreffenden Schulstellen in: besten Mannesalter wenigstens vorübergehende Zuruhesetzung. Die Petition macht deshalb Vorschläge, wie durch anderweitige Organisation die betreffenden Lehrkräfte im heimischen Schuldienste Verwendung finden oder in den ausschließlichen israelitischen Kirchendienst (als Vorsänger und Religionslehrer) übernommen werden könnten. (Abänderung des Art. 53 des Jfraelitengefetzes vom Jahre 1828.) Der Minister versprach, die vorgebrachten Wünsche in wohlwollende Erwägung zu ziehen. GesterreLch-Nngarn. LI Wien, 29. Februar. In der Fachgruppe für Architektur und Hochbau des Oesterreichischen Ingenieur- und Architektenvereines hielt Architekt Max Fleischer einen Vortrag über die von ihm während der letzten Monate ausgeführten Bauwerke für Knltuszwecke. Herr- Fleischer berichtete zunächst, über die Errichtung einer Friedhossanlage in Gleiwitz im Regierungsbezirke Oppeln (Preußisch-Schlesien), wohin er zur Uebernahme dieser.. Arbeiten, berufen wurde. Dann kam Architekt Fleischer auf. die unter feiner Leitung erbauten Synagogen in Wien im VI., VIII. und IX. Bezirke zu sprechen und erläilterte dieselben an der Hand der ausgestellten Pläne und Ansichten. Dem interessanten Vortrage, den: zahlreiche Fachkollegen des Architekten Fleischer beiwohnten, folgte lebhafter Beifall. Es wurde beschlossen, unter Führung des Architekten Fleischer eine Besichtigung der Synagogen im VIII. und IX. Bezirke vorzunehmen. — Auch in Brünn hat die Vorstehung der dortigen Kultusgemeinde beschlossen, einen zweiten Tempel zu errichten, da die einzige Synagoge für den religiösen Bedarf der stets wachsenden und aus den Dörfern und Landgemeinden nach der mährischen Hauptstadt zuströmenden jüdischen Bevölkerung nicht ausreicht. — Der Kaiser verlieh in Anerkennung der Verdienste um das Verkehrswesen den: Generaldirektor der Schiffahrtsgesellschaft „Adria" Emil Kur an da den Titel eines königlich ungarischen Hofrates. — Vor dem Erkenntnissenate des Landesgerichts Czernowitz hatten sich heute mehrere Insassen des Ortes Piedekuts bei Zablotow wegen Hausfriedensbruches und Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit zu verantworten. Die Anklage schildert die bekannten Exzesse in Zablotow als typische Judenexzesse, bei denen Hab und Gut vieler Juden vernichtet wurde. Der Staatsanwalt forderte des warnenden Beispiels n«gen doppelt strenge Bestrafung der Exzedenten. Der Gerichtshof unter Vorsitz des Landesgerichtsrates Olinski sprach alle Angeklagten schuldig und verurteilte Pruszkowsti zu einem Jahre schweren Kerkers, verschärft mit einen: Fasttag monatlich, Bednar zu siebzehn Monaten, Chnrina, Fedoezek und Szokan zu je acht Monaten schweren, verschärften Kerkers. Von MH und Fern. — Dr. Arthur Liebermann, Rabbiner und Religionsschulleiter der Gemeinde Ohel Jizchok, ist zun: Rabbiner der orthodoxen Gemeinde in Königsberg gewählt worden. Derselbe ist ein Schüler des Berliner Nabbinerseminars. — Au: 21. d. M. ist hier der bekannte Geh. Sanitätsrat Dr. Wolf Hamburger gestorben. Er war 40 Jahre lang der Vertrauensarzt der „Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen". — Au: 25. d. M. ist hier Herr Max Berg gestorben. Derselbe war während eines Zeitraums von 19 Jahren Mitglied der Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisches, der Kommission für die Friedhofsangelegenheiten, des Vorstandes der Synagoge Kaiserstraße und der Kommission zur Unterstützung durchreisender Glaubensgenossen; er hat. überall mit Eifer und Hingebung gewirkt. — Die schlesische Dichterin Fri ed er: ke Kempner ist am 23. d. M. auf ihren: Gute Friederikenhof bei Reichthal an Gehirnschlag verschieden. Ihre Gedichte sind bereits in achter Auflage erschienen: Ebenso ihre Schrift über Leichenhäuser. Sie war eine humane, edle Natur, eine treue Jüdin. Zuletzt traf sie eine harte Heimsuchung, sie verlor ihr Augenlicht/ Ehre ihren: Andenken! — Verschiedene jüdische Blätter machen sehr viel Aufhebens davon, daß in Gießen ein jüdischer Student, der slucl. phil. dass. Siegfried Kann in die Burschenschaft Arminia (in: A. D. B.) aufgenönnnen wurde. Zu den Prinzipien des A. D. B., der etwa 15 Burschenschaften umfaßt, gehört auch jenes, jeden konfessionellen Unterschied zu ignorieren. Er kämpft zugleich gegen den Komment des S. C. (Verband der Korps) und die sogenannten Bestimmungsmensuren. Nichtsdestoweniger wurden in den letzten Jahren Juden nicht ausgenommen.— In Frankfurt a. M. feierte an: 21. d. M. Herr- Alfred Geiger, der langjährige Direktor des dortigen Stenographischen Institutes, der für alle jüdischen Angelegenheiten stets das wärmste Interesse bekundet hat, seine:: 70. Geburtstag unter allgemeiner Teilnahme weiter Kreise. — In Pisa ist Graf Leonettö Ottolenghi infolge eines Schlaganfalls gestorben. Er war für feine Vaterstadt ein wahrer Mäcen; ihn: verdankt Asti nicht nur zwei prächtige Monumente — das , Denkmal des italienischen „Risorgimento" und ein . Denkmal des Königs Humbert — sondern auch das großartige Alfieri-Museun:. Ottolenghi war vom König Humbert in den Grafenstand erhoben worden. — Der neue General-Gouverneur von Kiew, General Kleigels, welcher früher als Stadthauptnmnn von Petersburg viele Juden aus der russischen Hauptstadt ausgewiesen hatte, hat nunmehr auch die Vorschriften über das Wohnrecht der Juden in Kiew verschärft. Wie die „Kiewskoje Slowo" meldet, hat der Polizeiches angeordnet, die Wohnrechte der jüdischen Augestellten in Kiew zu prüfen und jene, deren Rechte nicht unbestreitbar sind, ausznweisen. Grlchäktlichr Mttzrn. j , — Das hohe Passahfest naht, und damit wächst die Fürsorge der! einzelnen Glaubensgenossen, welchen wohlfeilen Labetrunk ein jeder! seiner Faiuilie während der Festzeit darreichen soll. Bei Prüfung! dieser Frage gereicht es uns zur besonderen^Genugtuuug, aufwin Volksgetränk Hinweisen zu können, das ganz den rituellen Vorschriften entspricht, außerordentlich wohlschmeckend^ ist und, dabei verhältnis- : mäßig doch einen sehr billigen Preis hat, den jeder zu erschwingen! in der Lage sein dürfte. Es ist dies der wohlbekannte Pomril, i alkoholfreier, perlender Apfelsaft, der Berliner Pomril-Gesellschnst. j Chnrlottenburg, welchen genannte Gesellschaft unter Aufsicht des! Rabbinats der großen jüdischen Gemeinde Berlin (Dr. Eschelbacher) I den rituellen Vorschriften entsprechend hat aufertigen lassen und auch; dieses Jahr wieder in den Handel bringt. Dieser Pomril al Pesach I ist in den verschiedensten Spezialhandlunge:: für'Osterlvaren zu haben,; eventuell aber auch von der Fabrik direkt, welche auf Verlangen gern i Prospekte gratis und franko versendet. i — Germanice^Lebens-Versicherungs-Aktieu-Gese.llschaft zu Stettin. Die Germania hatte bis Ende September v. Js.! 8615 Anträge über 408/iO Millionen Mark Kapital zu erledigen, > wovon bisher 7306 Policen über 33l/io Millionen Mark Kapital ausgestellt worden sind. Der Versicherungsbestand stellte sich Ende! September v. I. auf 67l4/10 Millionen Mark Kapital, und umfaßt! 50 Millionen Mark Jnvaliditätsversicherungen, wofür die Germania die weitere Verpflichtnng übernommen hat, bei Eintritt dauernder Erwerbsunfähigkeit durch Krankheif oder Unfall die Prämie zu erlassen und eventuell eine Invalidenrente zu gewähren. Bisher sind in 56 Jnvaliditätsfällen 21 000 Mark an Prämien erlassen und als Invalidenrenten geleistet worden. Die mit Gewinnanteil Versicherten beziehen von: 3. Versicherungsjahr ab jährlich die Dividende, die: bei Plan B für das Versicherungsjahr 1904/05 23/4 Prozent der Prämiensumme beträgt, das ist eine für den neuesten Jahrgang mit 5^ Prozent beginnende und für den ältesten Jahrgang auf 66 Prozent einer Prämie steigende Dividende. Die Sicherheitsfonds von 275 Millionen Mark sind in sicheren Werten angelegt nnd die Bestände des/Prämienrefervefonds von mehr als 230 Millionen Mark bereits für die Gesamtheit der in Kraft stehenden Versicherungen in das gesetzlich vorgeschriebene Register eingetragen. . — Die Ausstellung dekorativer Kunststickereien nach Entwürfen des Professors Hans Christiansen in Darmstadt in der Aula des Lette-Hanfes, Viktoria Luise-Platz 6, ist von jetzt ab während der Dauer der Ausstellung täglich bis 8 Uhr Abends zu besichtigen, worauf wir unsere Leser besonders aufmerksam machen.

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