Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1904)
- Date
- 1904-03-04
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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#8: Jahrgang.-N». 10. EtHÖOt^ Berlin, 4. März 1004. Betts se zur „Alltzemeinen Lettuns de^ Judentums. Korrrlpondkn?rn und Sschrichtm' Deutschrand. 8 Bevlitt, 28. Februar. Die heutige Repräsentanten-Versammtung erledigte ihre nur zehn Punkte.umfassende Tagesordnung in einftündiger Sitzung. Die Zuwendung der Frau Emmelin e FidSlmann geb. I affe in Höhe von 10 000 Mark an das Hospital wurde debattelos angenommen. lieber den Rechnungsabschluß der . Schulverwaltung pro 1902/03 referierte alsdann Herr Isidor Sachs. Der Abschluß betrifft die jüdische Knaben- und Mädchenschule, sieben hiesige Religionsschulen, eine Schule in Pankow, eine in Weißensee, das Talmud Thora-Institut und die Praparandenaustalt. Das umfangreiche Material konnte nur rechnerisch geprüft werden. In den elf Anstalten wurden insgesamt 3223 Personen unterrichtet; dazu waren 111 Lehrkräfte, darunter - zwei weibliche, erforderlich. An Kosten wurde hierfür die Summe von 181956 Mark von der Gemeindeverwaltung aufgewendet. Die Knaben- und Mädchenschule "ist in die staatliche Neberwachung einbezogen, während für die neUn Religionsschulen die Inspektions frage bedauerlicherweise noch nicht gelöst ist. Der Referent beklagt es ferner, daß den Gesuchen der Eltern um Befreiung vom Schulgeld für den Religionsunterricht — das Honorar beträgt nur 3 Mark quartaliter — ohne weiteres Folge gegeben wird; es bestehe ohne Zweifel eine gewisse Beziehung zwischen der Zahlungsverpflichtung der Eltern und dem Fleiß der Kinder. In den neun Religionsschulen betrug der Ausfall an Schulgeld 2787 Mark; in der vierten Religionsschule belief sich die Mindereinnahme an Schulgeld auf 1251 Mark, es zahlten, hier von 317 Zöglingen nur 135. Für freie Schulbücher wurden 448 Mark ausgegeben, für fernere Schnlbedürfnisse wurden 6406 Mark in Rechnung gestellt. In den Religionsschulen wurde auch Barmizwa-Unterricht erteilt. In der Mädchen--, schule wurden für den Fortbildungsunterricht (Buchführung, Stenographie, Handelskorrespondenz, Sprachen) 600 Mark, für die Erteilung von Handfertigkeitsunterricht an 56 Knaben 830 Mark ausgegeben. Eine Aenderung wünscht der Referent noch in der Art der Einziehung des Schulgeldes, damit die Kinder nicht die Namen der vom Schulgeld befreiten Kameraden erfahren. Die -gesamte Schulverwaltung hat an Mindereinnahmen 5830 Mark zu verzeichnen, an Mehrausgaben mußten 3495 Mark ansgewendet werdend In der Diskussion bedauern Kommerzienrat Friedländer-und Professor Blaschke, daß der . in einer früheren Vorlage niedergelegte Antrag, das Schulgeld ganz anszuheben, nicht zur Annahme gelangt ist, und sprechen ebenfalls den Wunsch nach einer anderweitigen Regelung der Einziehung des Schulgeldes aus. Professor Blaschke bestreitet einen Zusammenhang zwischen den Leistungen der Kinder und der Zahlungsverpflichtung der Eltern. Herr Weinberg glaubt den großen Ausfall an Schulgeld darauf zurückführen zu müssen, daß die Prüfung der Vermögensverhältnisse der Eltern nicht mehr so sorgsam wie früher durchgeführt wird, was der Referent bestätigt. Für den Abschluß der Schulverwaltung wurde darauf dem Schul- und Talmud Thora-Vorstand Entlastung erteilt, die Mehrausgabe wurde nachbewilligt. — Der „ G e s e l l s ch a s t z ür F ö r d e r u n g d e r W i s s e n schaftdes I u d e ntu m s" wurde nach kurzer Befürwortung der Vorlage durch Professor Gei g er auf die laufende Etatsperiode von 1904—1907 ein jährlicher Beitrag von 1500 Mark widerspruchslos bewilligt. --- Zur Anschaffung eines Flügels für die. Lehrerbildungsanstalt wurden 1200 Mark genehmigt; tne Vorlage, zur Anschaffung eines Harmoniums für die Mädchenschule 700 Mark zu gewähren, wurde in die Kommission'Zurückverwiesen. Professor Blaschke hielt es nicht für zweckmäßig; zur Begleitung des Chorgesanges eine Violine, wie es jetzt geschieht, zu benutzen, sondern empfahl die Anschaffung eines Klaviers, das alsdann auch — anstatt eines Harmoniums — bei Schulfeiern Verwendung finden könne. — Für Reparaturen in der Synagoge Lützowstraße würden 1010 Mark bewilligt.— In den Vorstand des Jüdischen Krankenhauses wurden die Herren Professor Landau, Professor Bagiusky und Stadtverordneter Witkowski wiedergewählt, Herr Zamory an Stelle des verstorbenen Herrn Alexander nengewählt, — Der Rechnungsabschluß der Hauptkasse pro 1902/03 sowie die Vorlage betreffend die Niederschlagung' von Beitragsresten pro 1902/03 wurden von der Tagesordnung abgesetzt. — Die Beratung des Etats pro 1904/1907 blieb ebenfalls unerledigt. Obwohl mehrere Redner eine Aussprache über verschiedene allgemeine Punkte des Etats wünschten, um. dem, wie bisher üblich, mit der Vorberatung betrauten Etatsausschuß einige Direktiven zu geben, wurde doch die Generaldebatte in der Abstimmung mit 9 gegen 8 Stimmen abgelehnt! Damit schloß die öffentliche Sitzung, welcher eine kurze geheime Sitzung folgte. Berlitt 28. Februar. Im Verein für jüdische Ge-, schichte und Literatur eröffnete Herr. Rabbiner Dr. Bäck aus Oppeln am 25. d. M. in Dräsels. Festsälen den Zyklus von drei Vorträgen über das Wesen des Judentums. Wir werden nach Beendigung des ganzen auf diese Vortrüge eingehend zurückkommen und bemerken daher nur für heute, daß schon der erste Vortrag durch die Klarheit der Disposition, durch die fesselnde Darstellung und den geschickten systematischen Aufbau allgemeinen Beifall gefunden hat.— Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Königsberg sprach Frau Dr. Rosalie Perles über „Unsere Großmütter"; in Tilsit Dr Zlocisti-Berlin über „Jüdische Renaissance"; in Osterode Ostpreußen wurden folgende Vorträge gehalten: Rabbiner Dr. E p P en - stein-Briesen über „Jüdische Staatsmänner in Spanien",. Herr Jacob Zacker-Berlin, über „Was war Jesajah — was könnte er uns heute sein", Zahnarzt Salomonsohn über „Zur Emanzipation der Juden Deutschlands", Regierungsbausührer Alfred Wittenberg über „Die Musik der Hebräer"; in All enstein sprach Dr. Guttmann-Kulm über „Judentum und Toleranz"; in Frankfurt a. O. Dr. Ackermann-Brandenburg über „Die Arbeiterfrage? im Judentum"; in Forst Herr W. Bambus-Berlin über-„Palästina, Land und Leute"; in Schroda Professor Warschauer-Posen über „Friedrich der Große und die Juden der Provinz Posen";, in Fordon Kantor Lemke-Bnblitz über „Die Geschichte der Juden in Spanien", Dr. Epp enstein-Briefen über „Die deutschen Juden im Mittelalter"; in Kolmar i. P. Lehrer Schwarz-Iastrow über „Die Kunst zu leben und jetzt als Jude zu. leben"; in Rawitsch Dr. Münz-Gteiwitz über „Was uns Wald und Baum in der althebräischen Poesie erzählen"; in Breslau Dr. Nosenthal über „Die Juden im deutschen Reiche während des 17. Jahrhunderts"; in Gr. Strehlitz Dr. Tiktin-Leobschütz über „Das Prophetentum in Israel"; in Militsch Lehrer Margolius-Krotoschin über „Die Bibel Und deren Einfluß auf große Dichter und Denker"; in Leipzi g Kantor R. Frank über „Die Gebärdensprache bei den Inden"; in Hannover Dr. Pinn-Berlin über. „Die Bedeutung des Judentums für die Wissenschaften"; in Hamburg Dr. Ackerm ann-Brandenburg über „Christentum Md Judentum"; in Elberfeld Dr. med. Daniel über „Arzt -und.Heilkunde im alten Testament". .—.Neue Literatnrvereine wurden begründet in Deutsch-Krone durch Kantor Kochanowski und in Bruchsal durch Herrn Rabbiner Dr. Doetor. Der letztere zählt bereits ca. 100 Mitglieder.. Zur Schaffung einer Bibliothek spendete Herr Ferdinand Katz 100 Mark, ein Lesezimmer stellt der Synagogenrat zur Verfügung, der dem Verein auch seine Bibliothek überläßt. In den Vorstand wurden (nach der Reihe der Aemter) gewählt die Herren Wilh. Schräg, Jak. Oppenheimer, Sigm. Sulzberger, Hilb, Nathan, Dr. Doctor,. Dr. Fuchs, Lonis Marx, Rechtsanwalt Strauß. — Berlitt, 28. Februar. Die feit.längerer Zeit zu Tage tretenden Bestrebungen zur Erforschung der verborgenen. Schätze Per hebräischen Musik haben seit einigen Tagen durch Begründung eines „Vereins zur Pflege öer hebräischen Musik" einen Sammelpunkt erhalten. Der Verein, der sich in jüngster Woche konstituiert hat und zunächst im wesentlichen, den Charakter eines Chorgesangvereins (gemischter