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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-03-04 · Heft 10 (4.3.1904) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
Seite 120 (sequence 12)
Language
German
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sträuben sich gegen die Scheidung nicht aus, Sympathie für,, meine Tochter, oder weil Sie glauben^ daß die Kluft zwischeiM Ihnen sich noch überbrücken ließe, sondern aus materiellem Gründen, die ich durchschaue. Sie brauchen aber, in dieser^ Hinsicht keine Furcht zu hegen, denn Erna verzichtet auf ihx^ Vermögen." „Wie können Sie mir dies zumuten?" ries er heftig. Durch die Scheidung hört jede Gemeinschaft zwischen uns auf, und ich lasse nur von einer Fremden kein Vermögen schenken." Herr Berger sagte düster: „Es ist der letzte Wunsch Ihrer kranken Frau an Sie.. '¥ Erna möchte Sie wenigstens von materiellen Sorgen befreit wissen, da sie sich auch nicht ohne Schulden der Entfremdung glaubt. Sie dürfen dies unbedenklich annehmen, ohne Ihr Zartgefühl zu beunruhigen. Und nun gehen Sie zu Erna, Abschied nehmen." Er begab sich zu seiner Frau, die er im traulichen kleinen Wohnzimmer im Sessel liegend fand. „Du weißt, daß wir nach Mentone reisen, die weiche Lust des Südens soll mich kräftigen." . Er sah sie erschüttert an.' Die einst so lebenslustige, blühende, junge Frau saß da vor ihm, blaß, apathisch. „Erna, woher diese furchtbare Erbitterung! Dein- Vater, redet von Scheidung, hast Du wirklich dieses Wort. ausgesprochen?" - Sie richtete sich auf. Ein mattes Not überflog ihre Wangen^ „Ja, ich verlange die Scheidung gegen den Willen Deiner Mama, gegen den Willen meiner Eltern." „Erna, können wir nicht mehr glücklich zusammen werden, wenn wir uns besser verstehen lernen?" „Zu spät. Ich kann nicht mehr vergessen und nicht mehr glauben. Erst war ich Dein Spielzeug. Du hast mich durch Nichtachtung niedergedrückt. Du hast durch Lieblosigkeit mein heiligstes Eurpfinden verletzt, alles, was mir teuer war, mit Füßen getreten. In Deinen Salons war ich die Honneurs machende Puppe unter der Aufsicht Deiner Schwester.; waren wir allein, hattest Du niemals ein inniges, vertrauliches Wort für mich. Deine vornehme Gesellschaft zwang sich zu einer halb spöttischen Unterhaltung mit mir, ich konnte ja kein Verständnis für Eure Interessen haben, und an. Dir hatte ich keine Stütze." Sie sprang mit ihrer alten Kraft auf. „Hugo, ich schwieg. Ich wußte, daß ich hoch über Dir und Deinem Ehrgeiz, der nichts von Größe an sich hat, stand, aber wenn ich jetzt noch länger bei Dir bleiben müßte, würdeich wahnsinnig.. Lebe wohl, Hugo. Wenn Du nun, ungehindert' durch die getaufte Jüdin, den hohen Flug nehmen wirst, so denke meiner als einer Abgeschiedenen." Sie preßte ihr Tuch vor die Augen und bat ihn, zu gehen. Er setzte mehreremal vergeblich an zu sprechen, endlich sagte er in heiserem Tone: „Erna, ich meinte es gut, meine Art aber war zu rauh. Vergib mir. Du ninunst meine Zufriedenheit mit Dir fort." Er stürzte hinaus. Draußen traf er seine Mutter und Liska, die eben ge-> kommen waren. Er sagte finster zu seiner Schwester. - „Du kannst zitfrieden sein, Erna läßt sich von mir scheiden." Liska konnte ein Erschrecken über die nunmehr feststehende Tatsache nicht unterdrücken. „Du mußt einen sehr tüchtigen.Rechtsanwalt konsultieren, »denn Dein Schwiegervater wird Dich nicht schonen." ■ . „Du verkennst die Leute wiederum. Erna will nur von nur befreit sein; ihr Väter erklärte mir, daß sie auf ihn ganzes Vermögen verzichtet." > ' ' . , Liska atmete auf, sie konnte jedoch die Bemerkung nicht unterdrücken. „Das ist ja schmeichelhaft für Dich." Er fuhr auf. „Du bist das Unglück meines Lebens. Wenn ich Deinen unaufhörlichen Einflüsterungen nicht nachgegeben hütte, wäreuvielleicht keine Konflikte zwischen uns entstandeli." Liska. erwiderte kalt: „Diese Frau hätte Dich niemals auf die Dauer gefesselt. Später wirst Düs mir danken, daß ich Dir die Äugen über die Judensippe geöffnet." Frau Rode sagte ernst: „Schmähe die Leute nicht. Sie zeigen eine sittliche Größe, an die Ihr nicht heranreicht. Ich bin stolz darauf, von ihnen Freundin genannt zu werden. Du und - Hugo, Ihr habt die Familie Berger unglücklich gemacht." (Forts, folgt.) Literarische Mitteilungen. — Professor Dr. Moritz Steinschneider, der bekannte Bibliograph und Orientalist, hat trotz seines hohen Alters — er wird am 30. d. M. 88 Jahre — soeben wieder ein. größeres wissenschaftliches Werk vollendet, das „Die europäischen Uebersetzungen aus dem Arabischen bis Mitte des 17. Jahrhunderts" betitelt ist. Die Einleitung zu diesem Werke hat er der kaiserlichen Akademie der ^Wissenschaften in Wien überreicht, wo sie in einer der letzten Sitzungen zur Verlesung kam. Von der geistigen Rüstigkeit des Altmeisters der Bibliographie zeugt ferner der Umstand, daß er noch nebenher in den letzten Jahren eine große Reihe von Aufsätzen und Abhandlungen in den verschiedensten bibliographischen und orientalischen Zeitschriften veröffentlicht hat. Ad mul tos ruinös! . ■' ÄiWK SxreHM Geehrter Herr Redakteur! . enn der Bericht Ihres werten Blattes (Seite 87) über bcu von Herrn Salomon im Parlament von Transvaal erngebrachten Antrag zutreffend ist, hat Jeder, der sich als Jude fühlt, Grund, rnit Entrüstung gegen dieses Vorgehen zu protestieren. Es könnte Herrn Solomon durchaus nicht entschuldigen, daß er den Antrag, wonach Farbige mit Weißen nicht.in einein Eisenb ah »Wägern, fahren sollen,, auf Ersuchen seiner Wähler eingebracht hätte; ein Mann von Charakter muß eben in solchem Falle ans sein Mandat verzichten und seinen Wählern überlassen, einen solchen Antrag von anderen Personen stellen zu lassen. Die^Abfertigung, die Herrn Salomon durch den christlichen Dr. Terner zu teil geworden ist, war eine wohlverdiente. Wenn Herr Salomon demgegenüber bemerkt hat, daß er auf sein Judentum stolz sei, so möchte ich bemerken, daß das Judentum anscheinend keinen Grund dazu hat, auf ihn stolz sein, der gerade einen grundlegenden Gedanken des Judentums nicht erfaßt hat. Unbestritten ist ein Hauptsatz der jüdischen Lehre die Abstammung aller Menschen von einem Menschenpaar und zwar mit der allgemein anerkannten Schlußfolgerung, daß danach 'niemand sich amnaßen . dürfe, mehr oder besser .zu sein, als andere Menschen. (Ben Asai in Sifra Kedoschim 4. Mischna Sanhedrin IV, 5, bergt. Belegstellen zu den Grundsätzen der Jüdischen Sittenlehre, zusammengestellt von Dr. Kristeller, Berlin 1891, S. 7.) .Hochachtungsvoll C. Druck und Verlag von Rudolf Messe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwih in Berlin.

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