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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-02-26 · Heft 9 (26.2.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 9 (26.2.1904)
Date
1904-02-26
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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A. Auerbach (N, Wörtherstraßc 42), städtischer Lehrer M Hauff (NW, Lessingstraße 26) und Rektor Dr. Gutmann (0, Alexanderstr. 14), zugehen zu lassen. — Der „Verein jüdischer Lehrer der. Provinz Brandenburg" hatte in seiner letzten Sitzung eine Resolution gefaßt, in der der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin gebeten wird, die Benutzung der Gemeindebibliothek auch den auswärtigen Mitgliedern möglich zu machen. Der Vorsitzende des Brandenburger- Vereins, Dr. Fiegel, berichtete, daß er am 6. v. M. vom Vorstande der Gemeinde folgendes Schreiben erhalten habe: „Unter Bezugnahme auf die in Ihrem Schreiben vom 4. d. M. mitgeteilte Resolution des „Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg" ersuchen wir Sie um gefällige Auskunft, nach welcher Richtung hin der Verein für seine Mitglieder eine Erleichterung bei der Benutzung der Gemeindebibliothek wünscht." Dr. Fiegel bittet die Kollegen, etwaige Wünsche über die Art der Benutzung ihm mitzuteileu. — Auf Vorschlag des Vorsitzenden, Rektor Dr. Gutmann, wurde Punkt 2 der Tagesordnung „Antrag des Vorstandes betreffend die Aufnahme von Lehrerinnen" zuerst verhandelt. Nach längerer Diskussion wurde der Antrag des Vorstandes abgelehnt, da die zur Aenderung der Statuten notwendige ^-Mehrheit nicht erreicht wurde. — In der Sitzung am 6. d. M. hielt Kollege Hirschfeld einen Vortrag über die äußere Organisation des jüdischen Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten und den Religionsschulen in Berlin. Im Anschluß au diesen Vortrag kam es zu einer Debatte über die Besoldungsverhältnisse der Lehrer an den Religionsschulen. Bekanntlich ist vor kurzem eine neue Gehaltsskala festgesetzt worden, Mehrere Kollegen beklagten sich darüber, daß das Dienstalter nicht gleichmäßig angerechnet worden sei. Auf Antrag des Kollegen Dr. Fiegel wurde eine Kommission, bestehend aus fünf an den Religionsschulen beschäftigten Herren gewählt. Diese soll das Material, betreffend die Festsetzung des Dienstalters, sammeln und der Vereinigung behufs weiterer Verfolgung der Angelegenheit zur Verfügung stellen. A. S. Berlin, 20. Februar. Von dem Komitee für Chanukah- Bescherung (Vorsitzende: Frau Julie Neumann) wird folgender Bericht versandt: „Den gütiger: Spendern, welche uns wiederum die Mittel gewährten, zu Channkah armen Kommunalschülern die notwendigsten Kleidungsstücke mrd Lehrmittel Zu bescheren, statten wir hiermit innigsten Dank für das unS bewiesene Vertrauen und zugleich Bericht über unsere Tätigkeit ab. Wir empfingen bar 18 727,70 M., außerdem wertvolle Textilstoffe, Kleidungsstücke, Spielzeug und andere Gegenstände. Ferner von Herrn und Frau Dr. Grabower und Herrn und Frau Max Meyer Mende, anläßlich ihrer Silberhochzeit je 50 M. Für diese Gaben danken wir den gütigen Spendern noch ganz besonders. Wir verausgabten 19 600,85 M.; es ergab sich'demnach ein Atinus von 833,15 M., den wir unserem Reservefonds entnehmen mußten. 677 Fanlilien mit 1308 Kindern erbaten die Unterstützung; davon tvurdell 29 Kinder abgewiesen. Für die übrigen 1279 Kinder lvurden durchschnittlich je 15,37 M. verwendet. Für diesen Betrag erhielt fast jedes Kind Kleidung, Stiefel und Wäsche nach Maß gefertigt. Zur Ausführung unserer Arbeiten beschäftigen wir ausschließlich kleine Handwerker ulld erleichtern denselben dadurch vielfach ihr Fvrtkvnnnen. Die Herren Moritz Manheimer, Wolf Lewiu uild 'Dr. Otto Wiesenthal unterzogen sich freundlichst der Mühe, obige Rechnung an der Hand der Belege zu prüfen, dieselbe wurde für richtig befunden. Wir hoffen demnach, Ihre gütige Spende für die armen Kinder' sorgsam verwaltet zu haben, und wagen die Bitte, unseren: Verein auch ferner Ihr Wohlwollen zu bewahren." Wiederum zeigt sich die Opferfreudigkeit unserer Glaubensgenossen im schönsten Lichte. Der: edler: Spendern sowohl, als auch den Damen des Komitees, welche sich der mühevollen Arbeit der sorgsamen Verlvendullg dieser Spender: :n:terzoger: habe::, gebührt rvärnrster Dank. Wenn trotz dieser Opferfreudigkeit die Mittel, die gespendet rorrrder: nicht ansreichten, sondern der Refervefond in erheblicher Weise angegriffen loerder: mußte, so zeugt dies von den in bedeutendem Maße steigenden Ansprüchen, die an das Komitee gestellt werden. Es bietet sich somitfür Wohltäter recht passende Gelegenheit, diesen: edlen Zwecke noch nachträglich zu diepen und etwa Versäiuntes uachzuholen. a. Thorr», 17. Februar. In einem orthodoxen Blatte war kürzlich zu lesen, daß „durch das würdevolle Auftreten der Konservativer:" Harmonium und gemischter Chor aus unserer Synagoge wieder verschwunden seien. Der gemischte Chor und das Harmonium, sind tatsächlich' ^verstummt, daß aber das würdevolle Auftreten der Konservativen der Grund hierfür, ist durchaus nicht der Wahrheit entsprechend. Nicht nur mieden die Herren, seitdem die Neuerung eingeführt war, auch an Wochentagen das Gotteshaus, .nicht nur verschmähten sie die ihnen zur Abhaltung einer besonderen Andacht eingeräumte Aula des Gemeindehauses, sondern sie trieben eine Agitation, die ich zum Teil als „unwürdig" bezeichnen muß. Dadurch gelang es ihnen, einen beträchtlichen Teil der urteilslosen sogenannten „Liberalen" auf ihre Seite zu bringen, diese, ihre Frauen und Töchter von der Mitwirkung in: Chor abznbringen, die Zahl der Synagogenbefucher immer mehr zu vermindern. Da der Chor in einer Stadt wie der unsrigen, nur aus Gemeindemitgliedern bestehen kann, so mußte, er unter solcher: Umständen immer schwächer werden, und da diejenigen, die in ihm ausharrteu, sahen, daß die Synagoge entvölkert war, legten auch sie ihre Tätigkeit nieder. Der Chor ist demnach durch Selbstauslösung von der Bildfläche verschwunden. Daß die Konservativen energisch gewesen sind, muß zugestanden werden, würdevoll dagegen kann ich ihr Auftreten unter keinen Umständen nennen. Die Schuld liegt aber auch an den Liberalen, die schon um des Prinzips willen in die Synagoge hätten kommen müssen. v. Zitta»», 20. Februar. In der Ende Januar stattgefundenen Generalversammlung des israelitischen Frauenhil-fsvereins hier wurden die Damen: Frau Dr. Pinner, Frau Glaser und Frau Neubauer, die seit den 15 Jahren feines Bestehens dessen Geschäfte geführt haben, wieder zu Vorsteherinnen gewählt und gleichzeitig beschlossen, am 6. Februar ein Stiftungsfest zu feiern. Unter Beteiligung fast aller Frauen unserer Gemeinde fand dieses statt. Vorstand und Ausschuß unserer Gemeinde sandten den Vereinsvorsteherinnen zu demselben herrliche Blumenspenden und ließen durch ihren Vorsitzenden, Herrn M. Glaser, ihre Glückwünsche ausdrücken. Letzteres geschah auch durch einen Vertreter der Chewra-Kadischa. Noch vor Schluß der Tafel erschienen auch die ' Männer, und bei musikalischen und deklamatorischen Vorträgen -ernsten und heitern Inhalts war fast die ganze Gemeinde froh und harmonisch bis 3 Uhr früh vereint. Alle Damer: unserer Gemeinde, die bisher dem Vereine fernstanden, haben sich nun ihn: angeschlossen. Leipzig, 21. Februar. Das Reichsgericht hat die Revision des Grafen Pückler und Stenographen Schimmelpfe n nig gegen das Urteil von: 6. Oktober v. I. verworfen, ebenso die Revision der Nebenkläger. Es handelte sich seinerzeit um eine Anklage wegen Aufreizung und Beleidigung, wegen der sich Graf Pückler und der Stenograph Albert Schinunelpfennig vor der Strafkammer des Landgerichts II zu verantworten hatten. Der Prozeß wurde wegen einer gegen die Juden gerichteten Kampfesrede angestrengt, die Graf Pückler über das Thema „Das deutsche Volk an: Rande des Grabes" am 6. Juni 1902 in den Berliner Konkordia-Sälen gehalten hatte. Graf Pückler wurde damals zu 60 Mark, Schitinnelpfennig zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. 1>. Dresden, 21. Februar. Zu dem von der sächsischen. Staatsregierung den Ständen vorgelegten Gesetzentwurf. die jüdischen R eli gionsgelneinden betreffend, hat soeben die erste Deputation der Ersten Kanuner Bericht erstattet, aus dem wir folgendes entnehmen: „Die gesamte jüdische Bevölkerung des Landes ist von: Jahre 1837 bis 1900 von 848 Seelen auf 12 416 gestiegen. Jüdische Gemeinden bestehen zur Zeit in: ganzen sieben, außer in Dresden und Leipzig noch in Chemnitz, Plauen, Bautzen, Annaberg und Zittau, und zwar sind die in Chemnitz und Plauen durch Genehmigung der Negierung in ähnlicher Weise organisiert worden, wie die zu Dresden und Leipzig. Die Deputation hatte anzuerkennen, daß sowohl die tatsächliche als die rechtliche Entwicklung der Stellung der israelitischen Neligionsgemeinden eine Fortbildung der gesetzlichen Grundlagen als Bedürfnis erscheinen lassen, und sie hatte sich demzufolge mit dem allgemeine!: Gedanken des vorgelegten Gesetzentwurfs einverstanden zu erklären. Es soll hierbei nicht verschwiegen werden, daß von sehr beachtlicher Seite außerhalb der Deputation das Bedenken ausgesprochen worden ist, ob der Staat das Recht habe, die unter den Juden vorhandenen verschiedenen Richtungen in eine einheitliche öffentlich-rechtliche Korporation hineinzuzwingen.' Dieses Bedenken ist von Juden selbst nicht erhoben worden, und eine Eingabe

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