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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-02-19 · Heft 8 (19.2.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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WW WWWWWWWWWW Lehre";, in Würzburg Dr. -L ö w en stein -Mosbach über „Jüdische Sittenbücher": in Mannheim Dr. V. Jacob-Göttingen' über „Schillers Sendung Mosis". — In Winterthur sprach Rechtsanwalt Dr. Fär b stein- Zürich über „Die sozialen Gesetze der Juden". -r* Nun hat auch Dresden seinen „Verein für jüdische Geschichte und Literatur". Am verflossenen Donnerstag abend, so wird uns von dort geschrieben, fand unter großer Beteiligung seitens der Gemeinde die konstituierende Versammlung statt. ' Rabbiner Dr. Winter hielt den einleitenden Vortrag, worin er sich über die itt den: Verein zu entfaltende Tätigkeit und dessen Ziele verbreitete. Alsdann erfolgte die Borstandswahl. Gewählt wurden die Herren Max Elb 31tnt.lt und Dr. Zimmermann zum 2. Vorsitzenden, Rabbiner Dr. Worms, zum Schriftführer, Carl Meyer zum Schatzmeister und M. Auerbach zum Bibliothekar. Das Ergebnis der Meldungen >var ein vorläufig befriedigendes, da bereits ca. 70 in die Mitgliederliste sich einzeichneten. Noch in diesem Winter soll mit den Vorträgen begonnen werden. —- Außerdem wurden neue Literaturvereine begründet inWesthofeni.E./ wo Dr. Marx den erstell Vortrag über „Die Stellung der Juden im Elsaß vor der französischen Revolution" hielt und in Ros heim, wo Dr. Block-Oberehnheim beti erstell Vortrag über „Die Sektelt im Judentum" hielt. JR Pankow, 11. Februar. Herr Sanitätsrat Dr. Max Schäfer Hierselbst ist zunl Mitgliede der hiesigen Ortsschlllkonllilissioll gewählt mld voll der Königlichen Regierllng zu Potsdam bestätigt worden. — Dieser Fall verdient deslvegetl hier registriert zu lverdert, weil der in ullserem Ort bestehende „Deutsche Reformverein" es, trotz dev großen Anzahl seiner Mitglieder, die in verschiedertell hiesigen Verwaltungen sitzen, doch llicht verulögen konnte, die obige Wahl, die einstimmig erfolgt ist, zu verhindern. Pankow zählt unter seinen 26 000 Einwohnern rnit einer ganz geringen jüdischen Eillwohllerzahl bereits vier Jllderl (Professor Dr. Mendel, Sanitätsrat Dr. Schäfer- Waisenhansdirektor Grnnwald irnd Dr. liled. Fischer) iln ehrenamtlichen Kollununatdienst. n. Königsberg, 12. Februar. Zu Ihrer Notiz über deil verstorbeneil Stadtrat Benny Michellh erlaube ich mir berichtigend zu bemerken, daß derselbe in den letzten Jahren llicht mehr dem Vorstand der Synagogengemeillde angehörte, der er übrigens lange Jahre hindurch feine große Arbeitskraft gewidmet hat. Aber es ist sicher für Ihre Leser voll Interesse,' ans der Rede, die der Oberbürg ermeister Körte an der Bahre des Verstorbenen gehalten, ztl ersehen, lvie auch llilter beit gegenwärtigen Verhältnissen noch die ehrliche Arbeit eitles Juden int städtischen Dienste vollauf gelvürdigt lvird. Die Rede lautete folgendermaßen: „All der Bahre ttrlseres lieben Heimgegangenen Kollegen ihm ein letztes Lebewohl zuzurufen, vor seiner irdischen Hülle nochmals in herzlicher Dankbarkeit zu bekenltetl, was unser allverehrter Michellh dem Magistratskollegium mld seiner Vaterstadt gelvesetl ist, war ilns ein Herzensbedürfttis. Und lvenn mir die ehrenvolle Pflicht obliegt, dein Ansdruck ztl geben, was uns bei dem Verlust itnseres hochverehrten Seniors besonders bewegt, so möchte ich es dahin zusammenfassen: Wir empfinden es alle in besonderem Maße, daß einer von uns ging, auf den im wahrsten Sinne das Dichterwort Anloeildilllg filldet: „Es war ein Mann, nehmt alles ltur in allenl!" Ein Manll mit all beit Gaben ausgerüstet, um sich im Getriebe des Lebens Achtung/ Vertrauen, Liebe zu ertverben und Segen zu ernteit. Eill Mann, der auf diejenigen, die nlit ihm in Berührung kamen, vorbildlich gewirkt hat. Wir sehen ihll vor uns, wie er in scheinbar nie ertnüdender geistiger Kraft, der Jahre nicht achtend, kein schöneres Lebens-Geleitwort zu kennen schien, als unser deutsches Dichterwort: „Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis!" „Ja, bis in die letzten Tage seiner Krankheit hillein hat ihll vor allenl der Gedanke an seine vielfachen Arbeiten erfüllt, und sein bester Trost in den Tagen des Verlöschens seiner Kräfte ist es gewesen, daß er doch bis zuletzt mitten in der Arbeit des Lebens habe stehen dürfen. Wir vergegenloärtigen uns aber vor allem airch: wie arbeitete unser Michellh? Niemals tun seiner selbst willen, nie in der Erwartung von Anerkenllung oder gar Ehren! Nein, die Arbeit tvar ihm um ihrer selbst willen, um der Allgemeinheit willen, der er sie leistete, ein Lebens- und Herzellsbedürfnis. Wie glücklich! strahlten seine freundlichen Augen, wenn der fortschreitenden Entwick- S lung seines lieben Kölligsberg Erwähnung geschah, an der er ja auf i so zahlreichen, seiner speziellen Fürsorge anvertrauten Gebieten Ani teil hatte? Fest, und wo es nötig, karnpfesfroh trat er allezeit für seine Ueberzengullg ein, die nur eill Ziel kannte: gedeihlichen Fortschritt aus allen Gebieten des Lebens und Strebens — ohne Zögern, aber auch ohne utopisches Ueberhasten! Detln so lebhaft und warmherzig in der Vertretung alles für Recht Erkatlntetl, so frei lvar er andererseits von weichlichem Nachgel>en gegen Bestrebungeil, die er! nicht für die richtigen hielt, weil er eben frei vor allem von jebem j Haschen nach Gunst— von oben wie von unten — war. Und so! treu und fest in seiner Lebensarbeit, so treu lvar er beit Menschen, i lvar er vor allem auch seinen Freunden, die sich hellte znnl letzten-; mal in dem Bewußtsein um ihn scharell, der bestell Einen dahin-! gehetl zn sehen, lvie wir sie in unserer unruhigen, teidenschafterfüllten! Zeit nur zn ungern scheiden sehen. Daß wir ihn aber' solange den j Unseren nennen, daß wir ihn fast ein Menschenalter hindurch an der; Leitung unserer Stadt mit raten, Helsen, fördern seheil dllrften, : dafür wollen wir der Vorsehung in dieser Stunde besonders dankbar seilt, daraus tnöge auch Ihnen, seinen tranertldelt Angehörigen, der beste Trost! in ihrenl tiefen Schtnerz erwachsen! So ziehe denn Hill in die Ewigkeit, j Du lieber, treuer, selbstloser Mann! Der Dank Deiner Mitbürger! geleitet Dich zu Deiner stillen Gruft, an der gar mancher denken; lvird: „Sie haben einen guten Mann begraben — mir lvar er mehr!"' ' — Wie wir noch erfahren, ist im Trauerhause utlter anderenl auch ein in; herzlichen Worten abgefaßtes, aus Meiltone datiertes Beileidstetegralnm ' des Oberpräsidenten a. D. Wirkt. Geh. Rats Freiherrn voll Nichti Hofen, in dem er den Hinterbliebenen „seine Teilnahme an dem! Hinscheiden des um seine Vaterstadt so hochverdienten, allvereyrten -! Manlles" zum Ausdruck bringt, eingelaufen. ß A Danzig, 12. Februar. Der hiesigen Synagogengenleillde j hat der bekannte Sammler Herr L. Gieldzinski eine aus ca. 120; Nummern bestehende Sammlung alter kunstvoller jüdischer! Kultusgegenstände geschenkt und daran die Bedingung geknüpft, j | daß sie der Oeffentlichkeit nicht etltzogetl werden darf, aitch soll kein! Eintrittsgeld erhobetl iverdeu. Die Sammlullg lvurde von Herrn! Gieldzinski itl einem Zeitraum von 30 Jahren znsalllmengetragen und? ist die vierte, die besteht; die anderell sind itl dem Besitze des Kett-! singtoll-Museunts ztl Lotldon, des Mnsee Clutlh in Paris, des Museums ■ in Frankfttrt a. M.; außerdem ist noch eine Salunllung Atatthias 1 , Bersvll in Warschau und ein jüdisches Museutn in Wien vorhanden. ■ — Es handelt sich mti in Silber, Kupfer und Messing getriebene j Gegenstände, solvie llm btlutbelltatte, auf Perganlent geschriebene! Gebetbücher rc. Die Sammlung soll inl sogenanntetl Brautzimmer > der hiesigen Synagoge zur Aufstellung koinilten und dürfte eitle herj > vorragende Sehenswürdigkeit für Danzig und Umgegend bilden. Ein! Katalog über die ganze Samtulung ist im Druck begriffen. Sobald J derselbe fertiggestellt, werden lvir eine ausführliche Beschreibung in ) | diesem Blatte geben. t g. Pafewalk, 15. Februar. Aul 9. d. M. ist der Kaufntann; Götz Lehman ll hier gestorben. Mit ihtn schied ein Mann aus dem! Leben, der eng sowohl mit unserer Gemeinde, wie auch mit unserer! Stadt verwachsen lvar und eitle Lücke hinterläßt, die schtver ans- \ I zusüllen sein wird. Welcher Liebe und Anhänglichkeit der Verstorbene U i sich erfreute, zeigte das Begräbnis, an welchem llicht nur Gemeindei .! Mitglieder, sondertl auch die Spitzen der Behörden, viele Bürger tlnd Z Freunde von nah und fern teilnahmen. Rabbiner Dr. Finket gedachte j in seiner in großen Zügen gehaltenen Trauerrede der großen Verdienste, die sich der Verblichene nicht nur um nllsere Gemeinde, sondern auch mit unsere Vaterstadt erworben und zeichnete in aus-; führlicher Weise dessen Lebensbild. Seill Name wird in den Annalen der Gemeinde sortleben. i. Gnesen, 10. Februar. Das seltene Fest des 100. Geburtstages feierte atu 3. d. M. Kantor emer. I. Bär. Er ist am 3. Februar 1804 in Rogowo geboren, widmete sich schon im jugendlichen Alter dem Studium. Bis zunl Jahre 1894 wirkte er ununterbrochen in seinem Amte, zuletzt 31 Jahre an der Gemeinde in Neuteich, Westprenßen. Das Geburtstagskind erfreut sich auch heilte j lloch großer geistiger Frische, schreibt und liest noch viel und verfolgt! mit Interesse alle Tagesfragen. Anläßlich seines 100. Geburtstages

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