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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-02-19 · Heft 8 (19.2.1904) · p. Seite 96

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
Seite 96 (sequence 12)
Language
German
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Geschichte der Inden in Bayern" werden uns - siebenMbensbiÜM bayerischer Parlamentarier jüdischen Glaubens: Dr. Fischel ÄrM^mß aus Bayreuth, Dr. David Morgenstern aus Fürth, Iüstizrat Wo?f Frankenburger ans Nürnberg, Simon Levi aus Landau (Pfalz), Höfrat Sigmund v. Henle aus München, Iüstizrat Wolfg. Gunzenhäuser aus Fürth und Kommerzienrat Carl Maisort aus München, in märligew" charakteristischen Zügen entrollt. Der Eindruck, den die Lektüre dieser Lebensbilder hinterläßt, ist für die deutschen Jude:: ein erhebender': daß eine so stattliche Anzahl von Männern ersten Ranges ans ihrem Bekenntniskreise sich um die Gesetzgebung ihres Vaterlandes dse anerkanntermaßen hervorragendsten Verdienste erworben haben; chn dem vorurteilslos denkenden Nichtisraeliten aber muß diese geschichtliche Studie den Eindruck des Bedauerns und der Wehmut zurücklassen, daß ein Kreis von .Staatsbürgern, der solche Männer dem Dienste des Vaterlandes zur Verfügung gestellt hat, gegenwärtig ip: bayerischen Parlament durch keiner: einzigen Abgeordneter: vertreten ist! Der Geschichtsschreiber ist ein „rückwärts gewandter Prophet", der Prophet will aber aufs Leben einwirken. Möge die sehr lesenswerte Arbeit dazu beitragen, „die Geister des Vorurteils zn bannen und zu überwinden!" G.. — Sichrem Nalium, Festpredigten, Kasualreden nsw. von Dr. I. I. Niemirower. Berlin, 1903. M. Poppelauer. Wer die Pforten dieses Buches durchschreiten will, lasse alle schablonenhafte:: Anschauungen von Form Und Wesen der modernen jüdischen Predigt draußen; wer gangbare homiletische Scheidemünze sucht, wird lyü . diesen Erzeugnissen kaum seine Rechnung finden. Verfasser gehört nicht zu den Predigern, welche zur Masse ihrer Hörer, ihrer Leser hinabsteigen. Er ist im besten Sinne bestrebt, diese Hörer, diese Leser zu sich heraufzuziehen. Die seelische Natur unserer Glaubensgenossen in östlichen Ländern ist von der Beschaffenheit, daß, wer auf sie einwirken will, sich zunächst Zugang, nicht zu ihrem Herzen, sondern zu ihrem Verstände zu sichern hat. Demgemäß haben wir hier nicht Ueberredungsversnche, die im Zwielicht der Gefühlserregung sich abspielen: dieser Prediger will seine Leute durch aufrichtige Erleuchtung ihrer Erkenntnis überzeugen. Nur in der Helligkeit begrifflichen - Denkens fühlt er sich wohl, und von: Boden klarer, verstandesmäßiger Betrachtung getragen, streut er eine überreiche Fülle von Gedanktzn und Ideen aus. Dabei ist der Verfasser Meister in der Kunst, Gedanken zusammenZupressen, auf engem Raum umfassende Gedankenkomplexe zusammenzudrängen, eine so gedrängte Fülle von Reflexionen, daß dadurch nicht selten die Kunstsorm der Predigt gesprengt wird. Letzteres dürfte in hervortretendem Grade auch bei den gesprochenen 'Reden der Fall gewesen sein, die wir hier nicht immer in getreuer Widergabe, sondern oft nur extraktweise vor uns haben, lieber die Berechtigung solcher Predigtformsprengung einerseits und der extraktiven Widergabe gehaltener Predigten in einer gedruckten Sammlung ander rseits könnte man von einem strengen Standpunkt aus wohl das Haupt schütteln. Allein schließlich ist doch zu bedenken, daß den wahren Wert eir:er Predigt nicht ihre äußere Form, sondern ihr Gedanken-, Gefühls-, Stimmungswert ansmacht, und. am Ende ist auch die jüdische Predigt ein Proteus, der nach dem Milieu, jn dem er auftritt, seine Gestalt einrichten wird. Der Pfeil soll vor allem ein Pfeil sein, der sein Ziel trifft. Ist er nebenbei auch kunstvoll gearbeitet, um so besser. Der in diesen: Buche zu Worte kommende Prediger, Journalist und Gelehrte, dessen Name als eines ebenso tatkräftigen wie erfolgreichen Vorkämpfers moderner, jüdisch-rumänischer Kultur rühmlichst bekannt ist, versteht es ausgezeichnet, solche Pfeile zu schmieden, die in seinem Volke und in seinem Lande den schwarzen Punkt treffen. In diesen: Sinne betrachtet, find berspielsweise die mächtigen Töne der „Kolnidrepredigt" über den Eid „mors judaico“ (Nr. III) sicherlich weit hinaus ins Land erklungen, wenn sie auch leider bei den Machthabern noch verschlossene Herzen finden. Diesen Predigten und literarischen Erzeugnissen haftet Erdgeruch des i Bodens an, dem sie meist entsprossen sind. Wir haben in ihnen : lebendige Ausschnitte, getreue Spiegelbilder der jüdisch-rumänischen Kulturbestrebungen, ihres Sichanfbäumens gegen den aus ihnen lastenden furchtbaren Druck und ihrer geistigen, sozialen und politischen Gährungen vor uns. Gewisse spezifisch religiöse Bestandteile ches Judentums betrachtet der vom Geiste der modernen und zuweilen der Modernsten Philosophie durchdrungene Verfasser allzu sehr nur ,.Mis der Vogelschau der-Philvsophie. Hiermit hangt der keinen Vorzug begründende;-.Umstand: zusamnren, daß gegenüber der.ausgeprägten Verstandesreife dieser Predigten .die Gefühlsseite in ihren religiösen Darlegungen allzu sehr zurücktritt.'. Wahrscheinlich ist das eine Einwirkung des eigentünckicheN Miliens, in dem Verfasser seine Tätigkeit entfaltet. Braucht es noch -bemerkt zu werden, daß Verfasser sich aus dem, weiten Gebiet der Literatur und Geschichte , als tüchtiger Kenner erweist, daß ihn: ihre Gedanken- und Knlturschätze in Fleisch und Blut übergegangen sind, und es ihm vorzüglich gelungen ist, die antiken Schläuche mit dem neuen Weine heutigen Geisteslebens zu füllen? Noch eins: in den Adern dieses Predigers rollt journalistisches Blut im edlen Sinne des Mortes. Diesem Umstand ist es wohl zuzuschreiben, daß der zweite Teil des Buches, die biographischen Skizzen und Nekrologe, Kabinettsstücke geworden sind. Wir bewundern hier vor allen: die Kunst, die auseinandergehenden Strahlen der Individualität einer Persönlichkeit, die besprochen wird, in geistvollster Weise gewissermaßen in einem Brennpunkt zu sammeln, der die Aufmerksamkeit der Leser rnächtig fesselt, wie er die der Hörer gefesselt haben n:uß. Alles in allem ist die moderne jüdische Predigtliteratur hier um ein eigenartiges und in seiner Eigenart wertvolles Stück bereichert werden. Die unter den: Titel „Sichrem Nalium." zusammengefaßten religiös-ethisch-sozialpolitischen Enunziationen sind nicht in: gewöhnlichen Sinne populär. Wer aber den Kern von der Schale zu sondern weiß, wird diese geistreichen Erzeugnisse mit hohem Genuß lesen und mit reichen: Ertrage aus . der Hand legen. F. — Jacob Freund: Biblische Gedichte zum Lernen und Vortragen und als Hilssstoff für den Unterricht in , der biblischen Geschichte. .Neue verbesserte Auflage. Breslau 1904. Wilhelm Iacobsohn & Komp. Jacob Freunds 30 jährige Lehrtätigkeit an der Religionsschule II der Synagogengemeinde Breslau ist unvergessen, seine unbestrittene Pädagogische Begabung, der ein wirklich.poetisches Talent zur Seite stand, zeigte sich in dieser Gedichtsammlung, deren . erste Auslage bald vergriffen war.. Der Tod des Autors verzögerte das Erscheinen fernerer Auflagen. Nunmehr hat die Verlagsbuchhandlung dem Drängen dafür interessierter Kreise nachgegeben und das treffliche Büchlein in zeitgemäßen: Gewände neu erscheinen lassen. Ein billiges r:nd zugleich gutes Prämienbuch für jüdische Schulen ist Bedürfnis, es steht daher zu erwarten, daß weitere Kreise dem Büchlein wieder ihre Gunst zuwenden. — In der allgemein bekannten Sammlung von Meyers Reisebüchern (Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien) ist soeben „Palästina und Syrien" in vierter, neubearbeiteter Auflage zur Ausgabe gekommen. Der Band kommt zur rechten Zeit für die Reisesaison nach dem Orient und bietet in seiner gesamten Anlage gerade das, was dem Reisenden in: Morgenlande zu wissen nötig ist. Meyer's „Palästina und Syrien" ist weniger für Gelehrte bestimmt als für die Vergnügungsreisenden, die die Hauptsehenswürdigkeiten, die ohne Gefahr und große Strapazen zu erreichen sind, genießen wollen. Für unsere Leser wird das Buch von besonderen: Interesse sein. Namentlich gilt dies von den Kapiteln über Jerusalen:, Jaffa, Damaskus und andern, die mit Geschick und Sachkenntnis geschrieben sind. Sprechsaal. Verehrliche Redaktion! eben Sie die Güte, die uns betreffende Mitteilung aus Dortmund V in Ihrer vorletzten Nummer dahin richtigzustellen, daß die Unterhaltungskosten für unsere Schwestern von der Märkischen Loge ganz allein aufgebracht werden und Außenkreise nur zu einem Fonds beisteuern, aus dem wir unentgeltliche Pflegen bestreiten und Unterstützungen an bedürftige. Kranke und ihre Angehörigen bewilligen. Dortmund, 11. Februar. Mit vorzüglicher Hochachtung Das Kuratorium für jüdische Krankenpflegerinnen: S. Flörsheim, Vorsitzender. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion:'Max Bauchwitz in Berlin.

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