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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-02-19 · Heft 8 (19.2.1904) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
Seite 94 (sequence 10)
Language
German
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wm WWUUMWM 94 schlag in dein Streben der Frau. Sie begnügt sich nicht mehr mit der häuslichen Arbeit, mit der Erfüllung der Pflichten als Gattin und Mutter, sie tritt in Wettbewerb mit dein Manne, wirft die Vorteile ab, die ihr eine fortschreitende Entwicklung gebracht hat, und greift, ohne es zu.wissen, nach jener Last zurück, die ihr Roheit und Unkultur allserlegt haben. Zu verstehen ist. dieses Streben wohl. Die männerulvrdenden Kriege haben eine Ueberzahl an Frailen ergeben, die selbst für ihren Unterhalt sorgen müssen. Andererseits sucht das erlvachte Freiheitsgesühl sich vom Manne unabhängig zu machell, ulld glaubt dies in einem selbständigen Berufe zu erreichen. Es wird aber, meint Spencer, zu einer wesentlichen Blenderung tm Frauenberuf nicht kommen. Sollte aber die Erziehung darauf gerichtet sein, die. Frau zu Geschäften und anderen Berufen geeignet zu luachen, so köllnten nur nachteilige Folgen daraus entstehen. Spencer schließt seine Ansicht über den Berns der Frau mit folgenden Worten: „Wenn alle Frauen das begriffen, was das Gebiet des Hauswesens umschließt, sie würden nach nichts anderem begehren. Werm sie all das übersehen könnten, was die richtige Erziehung der Kinder in sich begreift, zll dessen voller Erfassung sich noch kein Mann, viel'weniger eine Frau aufgeschwnngen hat, so würden sie nach keiner höheren Aufgabe suchen." (Soz. p. 678.,) Ich muß es mir versagen, mtf den Gedanken Spencers in Betreff des Frauenberufs vorn Standpunkte unseres Schrift-- tulns einzugehen, und deute nur an, daß in bent herzlich en Liede, in dein der jüdische Dichter das Lob der Frauen singt (Spr. 31, 10 bis Ende) wohl voll einer Betätigllng der Frau für das Wohl lind den Glanz des Hauses, aber nicht von einer solchen in der Oeffentlichkeit die Rede ist. Indem der Dichter die Frau verherrlicht, halt er ihr die von ihr zu erfüllenden Pflichten vor, bestimmt ihren Beruf. Da er die verheiratete Frau inr Auge hat, lvird von ihr zunächst unverbrüchliche Treue verlangt. „Das Herz des Gatten soll ihr vertrauen können." (V., 11.) Sie lvird auf Rocken nnh Spindel verwiesen, auf sonstige Verrichtungell im Hause. Feld lind Weingarten bebaut sie nicht, sie sinnt aber auf deren Allkauf. Da sie emsig schafft, ein strenges und dennoch freundliches Regiment im Hause führt, „das Brot der Trägheit nicht ißt", darf sie sich mit dein Gedanken tragen, Feld und Weinberg anzukaufen. Fleiß Ulld Umsicht luachen sie zur Herrin des Hauses, sie kleidet sich in Purpur und sieht ruhig ben kommenden Tagen entgegen. Dabei versäumt sie die Pflicht der Menschlichkeit llicht, sie spendet bent Armen, „ihre Hand streckt sie dem Dürftigen entgegen". Durch Hebung dieser Tugenden erzieht sie ihre Kinder, wird ihnen zulil Vorbild. Ihre Liebe zllr Arbeit, ihr Wohlwollen für die Menschen ist ein Ansporn für die Kinder zll gleicher Betätigung. „Ihre Söhne treten auf und preisen sie, ihr Gatte rühnlt sie." Wir seheil: der jüdische Dichter hat ben Pflichtkreis der Frau nicht so eng gezogen als Spencer. Ihr Pflichtkreis ist: Treue gegen den Gatten, Schalten und Walteil im Hause, Wohltätigkeit den Armen gegenüber. Erzieherin ist sie direkt und indirekt. Von der Beteiligung ain öffentlichen Leben schließt ailch er sie aus. Ihr Interesse ulld ihren Sinn für öffentliche Angelegenheiten mag sie bekunden, indenl sie dem Manne die Teilnahme au ihnen ermöglicht. Seines Ruhmes mag sie sich freuen und an seiner Ehre teilnehmen, wenn „berühmt ist ihr Manil in den Toren, wenn er sitzt mit den Vornehnlen des Landes." Von Unverheirateten, von der Menge jener, denen alls verschiedenen Gründen es versagt blieb, in den Ehestand zu treten, spricht der Dichter nicht. Linder unterer Leit. Noinan von Jacob Levy. Kapitel 19. Gesellschaft, die so heiter begonnen, löste sich rasch auf. Die junge Frau hatte ihre Fassilng verloren und war ihrer Schwiegermutter lind ihrer Schwägerin dankbar, daß dieselben ihr die Abschiedshonneurs abnahmen. Liska sagte zu ihreln Bruder: „Wenn Du Dich llicht von diesen Leuterl lossagst, kannst Dil künftig Deine Salons dein roten Manasse öffnen." Er erwiderte finster: „Unterlaß doch Dein beställdiges Hetzen." Sie legte ihre Hand alls seinen Arin. „Weml Du Dich damit begnügen würdest, allein mit Deiner Frau ein idyllisches Schäserdasein zu leben, ohne jebett weiteren Verkehr, würde ich ja schweigen. Dil strebst aber nach höherer Stellung unter Deinesgleichen, in der christlichen Welt, und da hängt Deine neue Verlvandtschaft lvie Bleigewichte an Dir, Dich niederziehend. Wenn Dll Dich nicht ermannst, wirst Du ein vergrämter, verdrießlicher Mann; das Judengeld allein inacht Dich nicht glücklich." „Söll ich mich etwa von meiner Frau scheiden lassen?" „Nein, aber bewege sie zur Taufe und brich die Freundschaft mit ihrer Sippe. Gute Nacht!" Die Gäste waren verschwunden, die Lichter ausgedreht. Die Salons mit der warmen, dunstigeil Luft, den durcheinanderstehenden Sesseln, den jetzt unordentlich geöffneter: Mappen nlit herumliegendeil Inhalt, mrd der Speisesaal mit dem wüsten Durcheinander der plötzlich aufgehobenen Tafel inachten einen trübseligen Eindruck. In einem kleinen Budoir, durch eine Stehlampe mit rotem Schirm erleuchtet, fand Hugo seine Frau aus einenl Sessel liegend, ein weißes Tilch gegen die Stirn pressend. „Nun," rief er auf und ab schreitend, „trog mich meine Ahnung, daß Deine Eltern nicht in meine Gesellschaft passen? Morgen werden die Blätter über die Judendebatte in meinen Salons zu. witzeln haben. Himmeldonnerwetter!" „Hugo, wer begann den Streit, war nlein Vater nicht der Beleidigte?" „Ja, aber er kann sich doch denken, daß die Leute sich nicht ail seinen Glauben erinnern, wenn sie eine politische Ansicht ällßerir wollen, llnd nleine Glaubens- und Parteigenossen brauchen sich bei mir keine Zurückhaltung aufznerlegen." „Wie kannst Du so klein und lmgerecht denken! Wie durftest Du um mich werben, da Du doch diese Konflikte voraussehen mußtest." Er redete sich in eine größere Wut hinein. „Ich konnte dies nicht voraussehen. Außerdem durfte ich von Deinem Taktgefühl erwarten, daß Dir diese Konflikte vermeiden würdest. Das geht nicht mehr. Um ganz zu mir zu gehören, mußt Du Dich taufen lassen." „Hugo, Du versprachst nur, einen Glaubenswechsel niemals zu verlangen. Du sagtest so häufig: was bedeutet der Unterschied der Religion bei Kindern unserer Zeit." „Ich will keine Jüdin zur Frau. Die Verhältnisse haben sich eben geändert!" Er lachte höhnisch.

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