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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-02-19 · Heft 8 (19.2.1904) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
Seite 91 (sequence 7)
Language
German
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habe zu schulden kommen lassen: denn eigentlich enthalt es nur die! Würdigung der natürlichen Neligion. Die Anführung einiger biblischer j Schnftstellen, zur Bestätigung gewisser reiner Vernunstlehren der! Neligion, kann allein zu diesem Mißverstände Veranlassung gegeben! haben. Aber der seel. Michaelis, der in seiner philosophischen Moral ebenso verfuhr, erklärte sich schon hierüber dahin, daß er da-! durch weder etwas Biblisches in die Philosophie hinein-, noch etwas! Philosophisches aus der Bibel herauszubringen, gemeint habe, ....! Daß ich serner meine große Hochachtung für die biblische Glaubenslehre im Christentum unter anderen auch durch die Erklärung in demselben obbenanntem Buche bewiesen habe, daß die Bibel als das beste vorhandene, zur Gründung und Erhaltung einer wahrhaftig seelenbessernden Landesreligion auf unabsehliche Zeiten taugliche Leitmittel der öffentlichen Religionsunterweisung darin von. mir angepriesen, 1 und daher auch die Unbescheidenheit gegen die theoretische, Geheimnis enthaltende Lehren derselben irr Schulen oder auf Kanzeln, oder in Volksschristen (denn in Fakultäten muß es erlaubt fein]), Ein würfe und Zweifel dagegerr zu erregen, von nur getadelt urrd für Unfrrg erklärt worden ... Daß ich endlich, so wie ich anderen Glarrbensbekennern jederzeit und vorzüglich gewissenhafte Aufrichtigkeit nicht inehr davon vorzugeberr und anderen als Glauberlsartikel aufzudringen, als sie selbst davon gewiß sind, empfohlen, ich auch diesen Richter in rnir selbst bei Abfassung rneiner Schriften jederzeit als mir zur Seite stehend, vorgestellt habe ..." Dir Stellung der Frau in der Libel und bei Herbert Spencer. Von Rabbiner Dr. Stier. II. mit wir so dein Gedankengange Spencers betreffs der Stellung der Frau gefolgt find, wollen wir noch einen Blick auf unser heiliges Buch, die Bibel, werfen und sehen, ob sich ihre Aufstellungen mit der Anschauung Spencers verbinden lassen. Indem ich den Versuch mache, sei nochmals daraus hingewiesen, daß die Bibel in ihrem Grundgedanken ganz anderes lehrt als Spencer. Der Grundgedanke der Bibel ist Gott, die Welt ist seine Schöpfung. Der Grundgedanke Spencers ist Entwicklung, eine direkte oder, wenn man will, indirekte Leugnung Gottes. Das muß man sesthalten und sich durch nichts beirren lassen. Will man einen Vergleich zwischen der Auffassung der Bibel und Spencers ziehen, muß ment serner eine bestimmte Zeitgrenze im Auge behalten. Es muß jene Zeit sein, in der uns Israel als Stamm, Gruppe, als werdendes Volk entgegentritt. Als solche kann die Zeit vor Abraham wohl nicht angeseheit werden. Mit Abrahaut war der Anfang zu einem israelitischen Volke gemacht, insofern, als er sich von seiner Zeit loslöste, dem Gedanken des Monotheismus lebte und ihn seineut Sohn als heilige Erbschaft hinterließ. Ebenso wenig kann man die Zeit nach David als solche, ansprechen, die zum Vergleich herangezogen werden kann. Wenn auch nach David 'Israel seine Eigentümlichkeit behielt, die Frauen höher achtete als die heidnischen Völker, so hat es doch vieles von den Sitten und Gewohnheiten der es umgebenden Völker angenommen. Als Vergleich kamt also nur die Zeit zwischen Abraham und David herangezogen werden. Läßt man nun die Frage nach dem Urgrund der Dinge beiseite — auch Spencer gesteht ein, diese Frage nicht lösen zu können — und fragt ntan, wie in der nun bestehenden Welt die Ansicht Spencers sich mit der Bibel verträgt, so kann, wie ich glaube, aus Grund geschichtlicher Tatsachen folgendes geantwortet werden: Die Bibel fuhrt uns Israel nicht als kriegerisches Volk vor. Die Stammväter, von denen wir Israels Geschichte ableiten, waren bekanntlich Hirten. Das Wort, das die Söhne Jakobs bei Gelegenheit ihrer Vorstellung zn Pharao sprechen, ist dafür bezeichnend. Es lautet: Schafhirten sind wir und waren unsere Väter (Gen. 47, 3). Wenn Israel, besonders unter Mose und Josua, kriegführend aufgetreten, so macht ein Krieg, den ein Volk einmal zu einem bestimmten Zwecke führt, es nicht zu einem kriegerischen. Auch das friedsamste Volk kommt einmal in die Lage, das Schwert Ziehen zu müssen. Der Krieg wird dort aber keineswegs des Krieges wegen geführt. Hat sich doch das Gesetz herausgebildet: Wenn du einer Stadt nahest, sie zu belagern, so mußt du ihr erst Frieden anbieten. i Als idealer Zustand ward Israel in Aussicht gestellt, daß! jeder sitzen werde unter seinem Weinstock, unter seineut Feigen-! bäum. Nur einem friedliebenden Volke kann ein solches Ideal I gestellt werden. Im Segen Isaaks ward Esan, nicht Jakob- I Israel das Schwert in die Hand gedrückt. Tatsächlich hatte! sich Israel frühzeitig dem Gewerbe zngewandt, oder, um mit! Spencer zu reden, es hat den industriellen Typus angenommen, j Die Folge hiervon lvar, daß die Frau allenthalben einer - guten Behandlung begegnet, sodaß ihr eine bevorzugte Stellung eingerüumt ist. Wohl spricht die Bibel das sogenannte Herrenrecht in dem Satze aus: „Er soll über dich herrschen" - hierdurch aber wurde die Stellung der 'Frau wenig beeinträchtigt. Vielleicht ist in der angeführten Stelle ein Gegensatz zn dem, wie es scheint, unnatürlichen Rechte, wie es bestanden haben soll, ausgesprochen: Es ist das sogenannte Mutter recht, das geschichtlich wohl nicht bewiesen ist, aber doch angenommen wird, und den Mann ganz in die Botutüßigkeit der Frau stellt. Nach diesem Rechte behält die Frau auch nach der Heirat ihren Familiennamen. Die Kinder tragen den Namen der Mutter, nicht den des Vaters, die Mutter vererbt ihnen das Vermögen. In Ermangelung von Kindern erbt nicht der Mann, sondern die Brüder «der Frau. Demgegenüber verfügt die Bibel: „Er soll über dich herrschen." Die Frau tritt in die Familie des Mannes, sie wie die Kinder tragen seinen Namen, er verfügt, wenn auch nicht ausschließlich, über das Vermögen. Hierdurch aber ist, wie gesagt, die Stellung der Frau nicht beeinträchtigt. Dies bezeugt schon der Umstand, daß in ehrender . Weise um die Frau geworben uürd. Abrahaut schickt seinen : bewährten Hausverwalter um Rebekka werben, dieser tritt mit einem ganzen Hofstaat auf und ist der Ueberbringer reicher Geschenke. Der triftigste Beweis aber für die hohe Stellung der Frau ist in dein Satze ausgesprochen: „Tue alles, was Sarah dir sagt." Aus die Stimme der Frau in allein hören, d. h. ihr in allen Dingen gehorchen, dahin hat es auch unsere Zeit noch nicht gebracht. Nicht so leicht hatte es der Stanunvater Jakob, als er um die von ihnt geliebte Rachel warb. Er diente vierzehn Jahre : um seine zwei Frauen. In dieser Dienstleistung liegt eine große Wertschätzung der Frau. Wie hoch ntuß sie in den! Augen des Mannes stehen, weitn er es unternintmk, sieben! Jahre um sie ztt dienen! Wie muß sich das Selbstbewußtsein l der Frau heben, wie ihr Wert in den eigenen Augen erhöhen, j wenn sie sieht, daß sich der Mann auf Jahre hinaus für sie i verdingt! Von welch ausdauernder Treue und Hingebung

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