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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-02-12 · Heft 7 (12.2.1904) · p. Seite 77

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 7 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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Ohne Sittlichkeit aber 'kein Menschentum. Das Gesetz begründet den Begriff des fittlichen Menschen. Das ist der unmittelbare Sinn des kategorischexx, des unbedingten Imperativs. Er heißt Gebot, weil dieses Gebot das Gesetz bringt; das Gesetz, mit dem der Begriff des Menschen steht xxnd fällt. Es ist aber nicht das Individuum allein, noch in erster Linie, welches dxxrch dieses Gesetz der Sittlichkeit Grund und Dasein erlangt; der Begriff des Mexxschen, des sittlichen Menschen erweitert das ' Individuum über seine natürliche xxnd nationale Existenz hinaus. Das Gesetz der Sittlichkeit macht den Menschen zum Menschen der Menschheit. Das Gesetz allein läßt die Menschheit erstehen; verknüpft die einzelnen Mexxschen xxnd Völker zur Einheit des Mexxschengeschlechts. Die Idee der Menschheit, bildet den Inhalt der anderen Formulierung des kategorischen Imperativs. Und in dieser Xvird die Idee der Menschheit zxx der inhaltvollsten und xuarkantestexx Bedexxtung gebracht, welche dexxx Problem des Kosmopolitismus überhaxxpt beilvohnt. Gewöhn- \ lich nämlich. versteht nxan xxxxter der Menschheit nur die Einheit, zu welcher die Völker hinzustreben haben. Es ist immer nur der internationale Sinn, der xxxit der Xoeltbürgerlichen Idee der Menschheit verbunden Xvird. Dieser Inhalt Xvar ixn Zeitalter Kants nichts Neues; xxxxx ihn zu entdecken, und den Schxverpunkt der Ethik in ihn zu legexx, bedxxrfte nxan keines Kant. Das hat sein Schüler Herder redlich geleistet und ausgewirkt. Der weltbürgerliche Sinn der Humanität bildet den Quell xxxxserer klassischen Dichtung. Aber die Humanität hat einen noch andern und beinahe noch aggressivem Sixxxx; den hat Kant aus der Idee der Menschheit herausgexxxeißelt. Und daxxxit ist er der Begründer der xxxodernen Ethik, der sozialen Ethik geworden. Die Menschheit in Deiner Person, Xvie in der Person eines jeden Andern zxx erkennen, zu achten xxnd zu ehren, xxnd demgemäß zxx handeln, jede andere Person zu behandeln, das ist der Sinn jener anderen Formulierung.- Und dieser Sixxxx des Gedankens konxxxxt zuxxx Axxstrag in der Formel: daß jeder Mensch Selbstzweck und Endzweck sei. Jeder Mensch ist jederzeit zxxgleich Zweck, xxiemals bloß Mittel. So vollendet sich der Begriff des Gesetzes im Begriffe des sittlichen Exxdzwecks und Selbstzwecks des Menschen. Das ist der letzte ' Sinn des Sittengesetzes, daß der Mensch der Menschheit zugehört, uxxd daß die Menschheit in ihm Selbstwerk ist, welcher dxxrch kein bloßes Mittel vernichtet xxnd vereitelt, oder auch nur in Frage gestellt werden darf. Der Begründer der Ethik ist der philosophische Begründer der Hxxmanität. Seine Heiligxxng des Gesetzes hat die reinste Frucht hervorgebracht. Das Gesetz hat den Mexxschen voxxx Tier unterschieden, uxxd es hat ihn zugleich zur Menschheit erhoben; in der Menschheit gegründet xxnd gesichert. Es ist die höchste F r e ich e i t, welche dadxxrch voxxx Gesetze ausstrählt. Der Mensch der Menschheit, das ist der freie Mensch; das ist der Mensch der sittlichen Freiheit, der Freiheit, welche in dem Gesetze selbst sich vollzieht. Die Freiheit hat Kant als Autoxxoxxxie bestimmt. Das Wort ist alt, der Begriff aber ist neu, und er ist sehr schwierig. So viel aber können wir von feinem schweren Sinne hier ableiten, daß der Gegensatz von Freiheit xxnd Gesetz in ihxn ausgeglichexx xxnd überxvunden werden soll. - Keine Freiheit ohne Gesetz. Und kein Gesetz ohne Freiheit. Das Selbst, welches in der Axxtoxxoxxxie Freiheit xxnd Gesetz zu vereinigen hat, das ist kein anderes als das Selbst der Menschheit, zxx welchexxx das Jxxdividxxxxxn sein Niveau zu erhöhen hat, sofern es der Axxtoxxoxxxie xxxüchtig werden soll. Sie ist xvie eine Offenbarung, die stets in uns sich erneuen, dxxrch uxxsere unzulängliche Handlxxng Ereignis werden soll. Es ist das höchste Ideal, das hier der Sittlichkeit axxfgerichtet wird; es ist kein Spielzeug für den g'exneixxexx nxoralischexx Verstand. Es wäre geschxnackxvidrig, Xvenxx Xvir axxx Ende des Breitem axxssührexx Xvolltexx,Xvie diese grundlegenden Gedanken des größten und einheitlichsten Systems der Philosophie, welches ihre Geschichte hervorgebracht hat, xxxit Grxxxxdrichtxxngen unseres religiösen Geistes xxxxverkenxxbar verwandt sind. Wir unterlassen dies. Nur dem Genius wollen wir danken, die Eigenart xxnd die Selbständigkeit seines Geistes verehrungsvoll anerkennen. Alles Tiefe xxnd Fruchtbare ixxx ganzen Gebiete des Geistes hat seine Analogieexx, xmd eine ixxnerliche Verwandtschaft verbindet alles Große. Dennoch aber' bleibt es richtig, daß die Schöpferkraft des Genius eine Eigenart in allem Geistigen bildet. Je reiner sich in ihxn die Idee der -Menschheit verwirklicht, desto xxrsprüxxglicher ist xxnd bleibt die Selbständigkeit des Xveltgeschichtlichexx Individuums. Kaxxts Gesetz der Sittlichkeit, seine Freiheit dieses Sittexxgesetzes, und der höchste Inhalt, den er diesem Gesetze gab, die Idee der Menschheit, diese ethischen Grundbegriffe sind die Leitsterne unseres religiösen Wesens. Sie sollen xxnd sie werden immer leuchtender für uns werden. Das Gedächtnis des Weisen ist xxnvergüxxglich, weil sein Wirken kein Ende hat. Dir Stellung der Frau in der Libel und bei Herbert Spenrer. Von Rabbiner Dr. Stier. 8'kann kaum größere Gegensätze geben als die Gedaxxkexxgänge der Bibel und die Herbert Spencers. Sie sind entfernt wie der Ost vom West. Die Grxxndgedankexx, von dexxexx Spencer ausgeht, xxxxx das Leben, die Sitten xxnd Gewohnheiten der Menschen zu erklären, sind der Bibel frexnd. Sie erzählt uns Tatsachen, Gefühlsüxxßerungen, Handlungen, aus denen wir xxuf das Gefühlsleben der Frau, ihren Charakter, wie auf die Stellxxng schließen könxxexx, die sie zxxr Zeit eingenommen hat. Spencer sucht zu erforschen, welcher Art in den verschiedenen Zeiten das Gefühls- und Geistesleben der Frau gewesen, wie es gelvordexx ist xxxxd sich entwickelt hat, xxnd bestrebt sich nachzuweisexx, daß es unter den jexveiligen Verhältnissen so werden, sich so xxnd xxicht anders exxtwickeln konnte. Wexxn hier von der Stellxxng der Frau in der Bibel und bei Spexxcer gesprochen Xvird, soll wexxiger auf ähnliche, gleiche oder , sich widersprechexxde Stellen in der Bibel xxnd den Schriften Spexxcers hixxgeiviesen Xverdexx; es soll vielmehr versucht werden,

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