Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1904)
- Date
- 1904-02-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 1 - .... ^111 l| t ,l .^ '■■« Liebe zir den Annen und Enterbten, zu den Ringenden und Kämpfen-, deir empfunden: so wurde er ein Kämpfer für Wahrheit und Recht, ein deutscher Dichter, der Werte von bleibendem Werte schuf. Alsdann zeichnete in ungemein eindrucksvoller Rede Professor Ludwig Geiger, des Verblichenen langjähriger Freund, ein umfassendes Charakterbild des Schöpfers von „Halbasien". Mit diesem Werk erschloß er eine neue Welt, in ihm zeigte sich eine neue Kraft, die nicht im Mittelalter stand, sondern aus ihm herausführte. Er besaß die Kraft zu lächeln; drum deckte er die Wunder auf, ohne zu beschönigen. Wie er ein Jude, der eine neue Heimatskunst schuf, aus Pflichtbewußtsein und historischem Sinn war, so fühlte er sich auch als Deutscher, kämpfte für deutsche Sitte und Sprache, suchte das Deutschtum dort zu erhalten, wo er es gefährdet sah. Er belauschte die deutsche Volksseele, und in seiner Zeitschrift, für die er bis zum letzten Atemzuge tätig war, suchte er der deutschen Dichtung eine vornehme Stätte zu bereiten. Dabei sah er es als seine wesentliche Aufgabe an, ein fördernder Freund seiner Mitarbeiter zu sein, jungen aufstrebenden Talenten als warmherziger, guter Mensch die Wege 31t ebnen. Sein idealer Optimismus täuschte ihn aber nie über die Grenzen seines Schaffens. Nie geizte er, der nicht nur ein Dichter, sondern auch ein feinsinniger Philosoph und Politiker, ein wissenschaftlicher Schriftsteller, freilich kein Notizenkrämer war, nach äußerer Anerkennung und Ehren. . Der hervorstechendste Zug seines Wesens war es, Freundschaft zu zeigen und Treue zu üben. In der Mahnung, von dem Verblichenen zu lernen, deutsche Sprache und deutsches Wesen hochzuhalten, klangen die von wärmer Freundschaft getragenen Ausführungen aus. Dann wurde der Sarg zur Gruft geleitet. Zahlreiche Kränze von Freunden und Verehrern aus Nah und Fern bedeckten ihn. Neben dem Kranze des „Vereins Berliner Presse" erblickte man einen Kranz mit schwarz-rot-goldener Schleife und der Inschrift: „Dem Dichter und Freunde der Verein deutscher Schriftsteller und Künstler in Böhmen Concordia." In der Ehrenreihe des Friedhofs — die Gemeinde erklärte ihn mit Recht eines Ehrenbegräbuisses würdig — fand Franzos seine letzte Ruhestätte. 1 Pasewalk, 29. Januar. Am letzten Sonntag feierte die hiesige Chevra Ner Tomid (Lichtverein) ihr siebzigjähriges Stiftungsfest. Nachmittags leitete die Festlichkeit ein Gottesdienst - ein, bei dem Rabbiner Dr. Finkel die Festrede hielt. In derselben führte er mit schönen Worten aus, daß das ewige Licht im Heiligtum und in den Gotteshäusern Israels daran erinnere, daß seine Religion eine Lehre des Lichts sei, deren Endziel Aufklärung und Erleuchtung bedeutet und daß ferner das ewige Licht den Israeliten in der Hoffnung auf eine lichtvolle, menschenfreundliche Zeit, wie die Propheten es vorher gesagt hatten, bestärkt. Selbst in den finstersten Tagen des grauen Mittelalters wurde der Jude beim Anblick des Aer Tomid-Lichtes gestärkt und ermutigt, so daß er getrost ausrnfen konnte: Gott ist mein Licht und mein Heil. Nachdem die verschiedenen Ehrenmitglieder, die dem Verein seit seinem Bestehen angehören, am Nachmittag mit Blumen erfreut wurden, feierte man abends das Fest in gemütlichster Stimmung. Wohl sämtliche Gemeindemitglieder hatten sich hierzu eingefunden. Den ersten Toast hielt der Vorsteher des Vereins auf den Kaiser, den zweiten Dr. Finkel auf den Vorsteher und so reihte sich Toast an Toast in schwungvoller: Worten. Erfreulich und ehrend zugleich war es, oben an der Tafel die alten ehrwürdigen Ehrenmitglieder sitzenzu sehen: Frau Sarette Iacobi, Herr und Frau Salomon Behrend. Erhebend war die Ansprache, welche die alte neunundachtzigjährige Frau Iacobi irr kräftigen Worten hielt, indem sie über den Werdegang des Vereins berichtete; konnte sie doch auf eine siebzigjährige Mitgliedschaft znrückblicken. Sie führte aus, wie der .Verein mit wenigemMitgliedern, die kaum den Kinderschuhen end wachsen waren, gegründet wurde und sich erfreulicher Weise zu einem großen entwickelt habe. Reichen Beifall erntete die kurze, aber sinnige Ansprache. Wir fügen hinzu, daß der Verein sich weiter so entwickeln möge, Gott und den Menschen zur Ehre. N' Myslowitz, 24. Januar. Seltene Ehrungen wurden Hierselbst dem jüdischen Lehrer Herrn Jacob Bach aus Anlaß seines Rücktritts in den Ruhestand zu teil. Bach ist ein Sohn des seligen Rabbiners Moses Aron Bach, der in den Jahren 1845—52 hier gewirkt hat. Vor 41 Jahren wurde Bach an die jüdische Gemeindeschule in Myslowitz berufen. 1872 wurde die Schule von der Stadtgemeinde übericommen, und Bach trat nunmehr in den städtischen Volksschuldienst. Nach weiteren vier Jahren wurden die drei am Orte befindlichen konfessionellen Schulen ausgelöst und zu einer Simultanschule vereinigt. An dieser hat Bach bis jetzt gewirkt, und wie sehr er es verstanden, sich die Liebe seiner Kollegen und die Wertschätzung seiner Behörde zu erwarten, davon legte die Feier Zeugnis ab, die ihm zu Ehren von dem Lehrerkollegium der Mädchenschule am 23. v. M. veranstaltet wurde. Erschienen waren die Rektoren und Lehrerkollegien der drei städtischen Volksschulen, Kreisschulinspektor Kober aus Kattowitz, Vertreter der städtischen Körperschaften, sowie zahlreiche Schüler und Freunde des Gefeierten.' Bürgermeister Dr. Heuser, der infolge einer Amtsreise der Feier nicht beiwohnen konnte, hat in einem freundlichen Briese, der zur Verlesung gelangte, sein Fernbleiben entschuldigt. Nach dem vom Jubilar ausgebrachteu Kaiserhoch würdigte Rektor Härtel in längerer Ausführung die schwere Berufsarbeit des Volksschullehrers und rühmte die Pflichttreue und den kollegialen Sinn des Scheidenden. Lieder und Trinksprüche folgten nun in bunter Reihenfolge. Aus die Gattin und die Kinder toastete Dr. med. Breit, während Rabbiner Dr. Norden das einträchtige Zusammenwirken von Lehrer und Rabbiner an der von letzteren geleiteten hebräischen Unterrichtsanftalt hervorhob und den unverwüstlichen Idealismus feierte, der sich in den Reihen des Lehrerstandes findet. Die ganze Feier war eirr beredtes Zeugnis von der Eintracht, die in unserer Stadt unter den drei Konfessionen herrscht. Bach hat sich übrigens seit jeher für die verschiedenen Institutionen lebhaft interessiert, so ist er Vorstandsmitglied des Wohltätigkeitsvereins und des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur („Talmud-Thora“). Die eigentliche Abschiedsfeier in der Schule fand erst am 4. v. M. in Gegenwart des Kreisschulinspektors, des Bürgermeisters und anderer Herren der städtischen Verwaltung statt. Nachdem sich Herr Bach mit herzlichen Worten von den Kollegen und von seiner Klasse verabschiedet, wurde ihm vom Kreisschulinspektor Kober unter rühmender Anerkennung seiner gewissenhaften Amtstätigkeit, der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern überreicht. Möge dem Jubilar die körperliche und geistige Rüstigkeit, der er sich erfreut, noch viele Jahre erhalten bleiben.. An Stelle des Herrn Bach wurde Herr Lewin, ein Zögling des Berliner Lehrerseminars, bisher in Nicolai tätig, von der städtischen Schuldeputation als jüdischer Lehrer an die hiesige Simultanschule berufen. n.'Breslau, 28.Januar. Das Jüdisch-theolqgische Seminar hat, wie üblich, gestern die Feier zum Gedächtnis seines Stifters, des seligen Kommerzienrats Jonas Fränkel, zugleich mit der Geburtstagsfeier des Kaisers in der Seminarsynagoge begangen. Der Vorsitzende des Lehrerkollegiums, Dr. Horovitz, hielt die Festrede, in der er die berühmte Reiseschilderung des arabischen Juden Abraham ben Jakob aus dem zehnten Jahrhundert in geistvoller Weise besprach. Darauf fand die feierliche Entlassung der beiden diesjährigen Kandidaten Dr. Julius Guttmann und Dr. Julius Lewkowitz durch Herrn Dr. Levy statt. Ausgehend von dem Wunsche des Propheten Elisa an seinen Lehrer Elia, daß der Geist des Lehrers in doppelt verstärktem Maße über ihn komme, gab er der Hoffnung Ausdruck, daß die Jünger die Meister in den Schatten rücken, ermahnte sie aber besonders über der Wissenschaft, deren Früchte.nur wenige zu pflücken berufen sind, ihren Hauptberuf, die Belehrung der Gemeinde, der Jugend nicht aus den Augen zu lassen. Dann erteilte er ihnen nach Ueberreichung der Rabbinatsdiplome den Segen. Die Abschiedsrede hielt Dr. Julius Guttmann, der älteste Sohn unseres verehrten Gemeinderabbiners, der leider das Unglück hatte, aus einer Reise nach Schweidnitz zmn Begräbnis des Rabbiners Blumenfeld auf dem Bahnhof einen Beinbruch zu erleiden. Möge der Allgütige ihm bald Heilung und Genesung schicken! — Dem Jahresbericht des Seminars geht eine sehr interessante Rede von Dr. I. Levy über das Ritual des Seder-Abends statt der üblichen Programmarbeit voraus. Von den drei Preisaufgaben haben zwei einen Bearbeiter gefunden. Die erste (Lehmann'sche) war wiederholt gestellt: „Historische Typographie der Judenstadt in Köln am Rhein." Ihr Bearbeiter, Herr Adolf Kober, hat einen Preis erhalten. Die zweite (Rosin'sche „Rekonstruktion des Kommentars Ibn Esra zu den ersten Propheten") wurde von Herrn Dr. Ludwig Levy gelöst. Die dritte Aufgabe