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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-02-05 · Heft 6 (5.2.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 6 (5.2.1904)
Date
1904-02-05
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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68. Jahrgang. No. 6. ' Berlin, 5. Februar 1904. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums lkorrrlMndtNHM und Kschrichten. Deutschland. Berlin, 2. Februar. Der Bericht der Ar menkommi ssion der jüdischen Gemeinde, umfassend die Verwaltungsjahre 1900/01 bis 1902/03, ist soeben an alle Mitglieder verschickt worden. Derselbe gibt ein getreues Bild von der.weitverzweigten und umfassenden Tätigkeit dieser Kommission auf allen Gebieten des Armenwesens und .wird derselben sicher zahlreiche Gönner und Freunde zuführen. Ein näheres Eingehen auf den interessanten Bericht behalten wir uns für nächste Woche vor. -*V Berlin, 1. Februar. Die Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter deu Inden im Preußischen Staate, gegründet 1812, eingetragener Verein, läßt in nächster Zeit ihren Jahresbericht erscheinen. An-' gesichts des näher rückenden Osterschulschlnsses wünscht sie indes scholl heute rechtzeitig darauf hinzuweiseu, daß die ein Handwerk erlernende Jugend seitens obiger Gesellschaft statutengemäß während der Lehrzeit durch Rat und Tat und auch späterhin in geeigneten Füllen bei der Selbständigmachung durch Gewährung von Mitteln und durch tatkräftigen Beistand der sachverständigell Vorstandsmitglieder unterstützt wird. Der Gesellschaft sind bereits geeignete Lehrstellen gemeldet. Anträge sind an den derzeitigen Vorsitzenden Herrn Moritz Rosenow, 8. Ritterstraße 87 zu richten. g. Berlin, 1. Februar. Am 26. v. M. fand eine außerordentliche Generalversammlung des Vereins „Jüdische Lesehalle und Bi bliothek" .statt. Es wurde in derselben die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister mit entsprechender Statutenänderung beschlossen. Hieran anschließend wurde die zehnte ordentliche Generalversainmllrng abgehalten.. Der Vorsitzende Dr. Max Ginsberg eröffnete dieselbe mit Worten herzlichen Gedenkens an den am 26. Mai 1903 verstorbenen bewährten Bibliothekar Adolf Pick, und gab erschöpfenden Bericht über die Entwicklung des Vereins im Jahre 1903'. Infolge der stetig wachsenden Besucherzahl mußte die Lesehalle zu Anfang des Berichtsjahres in bedeutend größere und zweckentsprechendere Räume verlegt werden; aber auch diese reichen anscheinend kaum mehr aus und sind überfüllt. Es verkehren dort an Wochentagen 40—50, an Sonnabenden und Sonntagen 70' bis 90 Personen täglich, so daß eine Besucherzahl von über 20 000 Personen aus den verschiedensten Kreisen unserer Glaubensgenossen im Laufe des Jahres festgestellt werden konnte. In der Lesehalle liegen beständig 64 jüdische Zeitungen aus, nämlich 31 deutsche, 9 hebräische, 8 englische, 4 französische, 3 russische, 3 polnische, 3 jüdisch-deutsche, 2 holländische und 1 italienische. Die Bibliothek besteht aus 3962 katalogisierten Büchern, welche alle Gebiete der jüdischen Wissenschaft, Belletristik rc. umfassen. Im ganzen sind 1494 Bücher im Jahre 1903 ausgeliehen worden, trotzdem das Institut wegen des Umzugs acht Wochen geschlossen war. Es verkehrten während einer nur dreistündigen Besuchszeit in demselben jüngere und ältere Gelehrte, Rabbiner, Schriftsteller, Redakteure, Lehrer, Studenten, Aerzte, Kauflente, Handwerker, Schüler, Kausmannslehrlinge, Maler, Schriftsetzer/Buchdrucker, Kassenboten, Beamte, Zigarettenarbeiter rc. Alle diese, sowie zahlreiche Damen, fanden willkommene Gelegenheit, Belehrung und Anregung zur weiteren Fortbildung zu schöpfen und sich eingehend über alle jüdischen Angelegenheiten zu orientieren. Die Besuchszeit der „Jüdischen Lesehalle und Bibliothek" war dieselbe wie bisher, Wochentags von IV2 bis 4^/2 Uhr nachnrittags, Sonnabends und Sonntags von 11 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags. An mehreren Abenden in der Woche wurde die Lesehalle dem Verein für jüdische Geschichte und Literatur zur Abhaltung von Fortbildungskursen ini Hebräischen und zu Vorträgen über die Geschichte der Juden und des Judentums zur Verfügung gestellt. Ferner wurden jüdische Lesehallen in anderen Städten des Reiches mit Rat und Tat unterstützt. . Nach dem Bericht des Schatzmeisters Benas Levy betrugen die Einnahmen 5560,39 Mark, die Ausgaben 5399,09 Mark. Durch Subventionen seitens der jüdischen Gemeinde, des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, der Bnai-Bris-Logen u. a. gelang es, durch größte Sparsamkeit und Einschränkung in. den Ausgaben die Weiterführung dieser segensreichen Bestrebungen zu ermöglichen. Auch Frau Franziska Ginsberg hat den Verein in hervorragender Weise gestützt. Trotz alledem reichen die Mittel nicht aus, den vielen berechtigten Wünschen, insbesondere betreffs Verlängerung der Lesezeit, Folge zu geben. Mit bewegten Worten schilderte der Vorsitzende die Notwendigkeit, die Zahl der Jahresbeiträge zu vergrößern, da sonst das Bestehen des Vereins gefährdet sei, zumal Extrabeiträge und Subventionen naturgemäß schwankend sind, eventuell sogar ganz aussallen können. Nachdem dein Vorstande Decharge erteilt war, wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt. Einer Anregung aus der Versammlung zufolge wurde der Vorstand ersucht, eine wesentliche Verlängerung der Lesezcit einznführen und hierbei auch speziell die Abendstunden zu berücksichtigen. Der Vorstand begrüßte diesen Vorschlag aufs wärmste, besonders da derselbe Wunsch bereits wiederholt ans dem Kreise der Leser selbst ausgesprochen worden ist. Die Durchführung dieses Gedankens hat bisher lediglich wegen Mangel an Mitteln scheitern müssen, da hierdurch bedeutende Mehrkosten für Salär, Heizung, Beleuchtung rc. entstehen, die der Verein leider noch immer nicht tragen kann. Mit dem Wunsche, daß der Fortbestand dieser segensreichen Bestrebungen durch tatkräftige Unterstützung dauernd gesichert sein möge, schloß der Vorsitzende die anregend verlaufene Generalversammlung. — Berlin, 1. Februar. Am 3. v. M. fand im Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes eine gemeinschaftliche Sitzung des Vorstandes und des Wohlfahrtsausschusses des „Vereins Jüdische Arbeiterkolonie" statt. Aus dem Berichte über das letzte Halbjahr ist zu entnehmen, daß das Institut in erfreulicher Weise seinen nachstehenden Aufgaben gerecht wird. Infolge der.Euiführung neuer Beschäftigungszweige war es möglich, die Frequenz ans die Zahl 80 zu erhöhen. Der Zudrang Arbeitssuchender ist aber so groß, daß das Kuratorium sich entschlossen hat, sofort die Vorbereitung zur j Aufnahme von zehn weiteren Insassen zu treffen. Wiewohl sich die Anstalt bei den höchsten Staatsbehörden, die ihr kürzlich die Rechte einer milden Stiftung verliehen haben, wie auch beim jüdischen Publikum schätzbarer Sympathie erfreut, so hat doch die zu Rausch Hascho.no veranstaltete Propaganda nur ein dürftiges Ergebnis gehabt: der Etat des Instituts ist durch feste Jahresbeiträge längst nicht gedeckt. Eine besonders eingesetzte Propagandakommission wird sich bemühen, von Gemeindebehörden, Vereinen und Privaten die erforderlichen festen Beiträge zu verschaffen. Eine Vergrößerung der Einnahmen wird auch von der Begründung von Jahrzeitstiftungen erwartet. Der Gesundheitszustand in der Anstalt ist ein günstiger. Geistige Anregung wird den Insassen durch eine aus sechs Herren bestehende VortragSkommission geboten. Für die Zuwendung von Kleidungsstücken und Naturalien wäre der Vorstand sehr dankbar. Man bittet derartige Geschenke direkt an die Anstalt Weißensee, Wörthstraße 20' 31t richten. Geldsendungen aber zu adressieren: An den Deutsch- Israelischen Gemeindebund, Berlin W., Steglitzerstraße 85. s. Berlin, 1. Februar. Die Beerdigung von Karl E m i l F r a n z 0 8 fand gestern unter sehr zahlreicher Teilnahme literarischer Kreise ans dem Friedhofe in Wcißensee statt. Auch außerdem hatten sich Hunderte von Leidtragenden eingefunden, von denen viele vor der überfüllten Leichenhalle vergeblich Einlaß begehrten. In seiner Trauerrede, die an das Bibelwort anknnpfte: „Die da Aufklärung verbreiten, leuchten gleich den Sternen, und die die Menschen zur Gerechtigkeit führen, wie der Glanz des Himmels für und für," legte Rabbiner Dr. Rosen zweig mit Schwung und Wärme dar, daß der Dahingeschiedene nicht nur seiner Familie, sondern der Welt angehört habe. In ihm Hutten sich Deutschtum und Judentum harmonisch geeint. Als Jude war er ein „Wahrheitssucher" geworden, hatte er, der in die Enge des Ghetto hineinblickte und auf die bestaubte Heerstraße hinabschaute,

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