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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-01-29 · Heft 5 (29.1.1904) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 5 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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gumi 59 der Wissenschaft des Judentums, der Gewährung von Stipendien und auch sonst in einzelnen Fällen ihren Wirkungskreis weiter erstrecken werden. Es steht noch zu gedenken, auf welche Weise man um Bewilligung von Mitteln.aus der Stiftung nachsucht. Zu diesem Zwecke hat man sich an den Vorsitzenden der Stiftung, Geheimrat Sonnenthal, zu wenden, und zwar, falls es sich um Unterstützungen für Arme.oder um Gewährung von Stipendien handelt, unter. Benutzung des dazu vorgeschriebenen Formulars. Es ist vorgeschrieben, daß der Etat der Stiftung im dritten Vierteljahr eines jeden Jahres festgestellt wird, daß alsdann über die bis zmn 1. Juli eines jeden Jahres eingegangenen Gesuche Beschluß gefaßt wird. Bewilligungen können immer nur auf ein Jahr erfolgen, es müssen also die Anträge von Jahr zu Jahr wiederholt werden. Für das erste Geschäftsjahr 1904 wird man von diesen Fristbestimmungen, soweit notwendig, abweichen. Mit warmem Herzen hat die Stifterin gegeben, mit warmem Herzen wird ihre Gabe verwendet werden. Not zu lindern, an der Hebung der sozialen und moralischen Kräfte des Judentums wie der Allgemeinheit zu arbeiten, das sind Aufgaben, deren Lösung die jüdische Gemeinde in Dessau vor eine schwere Pflicht, aber auch vor einen ewig sprudelnden Quell hoher Freude und Genugtuung stellt. Die Heimatsgemeinde Moses Mendelssohns wird sich die Auszeichnung, die ihr durch die Stiftung widerfahren ist, noch zu verdienen haben, sie wird sie sich aber auch, so hoffen alle, die es mit ihr wohl meinen, in Erinnerung an ihre Geschichte zu verdienen wissen, ihr wie dem deutschen Judentum zur Ehre! MiiiLecM Linder unterer Leit. Roman von Jacob Levy. Kapitel 16. „Wie hast.Du Dich unterhalten, Liebchens" fragte Hugo. „Sehr gut. Ich finde'über die Pastorsdamen ungenießbar. Sind diese fronnnen Damen alle so salbungsvoll?" Hugo lachte. „Sind Eure fronnnen Frauen nicht so?" „Keineswegs, sie sprechen niemals von der Religion und sind weltlichen Freuden durchaus nicht abhold." „Ja, liebes Kind, das ist hier eine andere Sache. Diese Pastorin ist ein sehr tätiges Missionsmitglied, sie wirkt überall und möchte die ganze Wett fromm machen." „Ach, da könnte ich mich ja fürchten. Weiß sie überhaupt, daß -ich Jüdin bin?" Das muß ich doch bezweifeln. Sonst wäre es doch eure seltene Taktlosigkeit, Dich für die Bekehrung der Juden interessieren zu wollen." „So, dann muß ich sie bei nächster Gelegenheit darüber aufklären." Hugo schwieg eine Weile, dann sagte er: „Liebes Kind, wenn Du nicht gerade danach gefragt wirst, brauchst Du Dein Hebräertum nicht urbi et orbi zu verkünden." „Das werde ich gewiß nicht tun, weil ich es überhaupt nicht passend finde, in Gesellschaft von Religion zu reden; übrigens werde ich ebensowenig meine Konfession verheimlichen. Diese wird aber auch in Deinen Bekanntenkreisen kein Geheimnis sein." „Das stimmt, liebes Kind. Ich selbst habe mit Stolz erzählt, daß eine schöne Tochter Judas die Meine wird, aber dies wird rasch vergessen, und so werden harmlose Bemerkungen, die Dich vielleicht verletzen können,. nicht ausbleiben. Wenn Juden erwähnt werden, geschieht dies leider selten in gutem Sinne." - „Ich weiß dies, Liebster. Mein Vater sagte mir dies schon voraus. Wenn aber die böse Welt mich verletzt, wird Deine Liebe mich trösten und stärken." Er zog ihren Arm fest an sich und küßte sie. Die Zeit verfloß dem jungen Paar wie im Paradiese. Sie wurden überall eingeladen, die junge Frau erregte durch ihren Geist und ihre Schönheit Bewunderung. Die Bekannten Rodes sagten häufig: „Dieser verfluchte Kerl, der Rode hat doch riesiges Glück. Diese Jüdin, die ihm so immensen Reichtum mitgebracht, ist auch ein reizendes Geschöpf, die ihn, holl mich der Teufel, wirklich lieb hat." Hugo hatte in der letzten Zeit einigemal. nervöses Kopfweh und freute sich auf die Ferien. Er kam eines Mittags nach Hause und rief seiner Frau entgegen: ' „Liebchen, unserer sofortigen Abreise steht nichts mehr im Wege. Ich nahm mir schon jetzt Urlaub, mag der Staat sehen, wie er fertig wird." Sie schwiegte sich an ihn und sagte: „Jetzt sollst Du Dich aber auch erholen. Erst reisen wir nach Hause und dann an die See. Wir suchen ein ruhiges Dörfchen auf, wo Du nur mich und das Wasser siehst." Er scherzte. „Das hältst Du ja nicht aus. Du bist jetzt so an die Huldigungen gewöhnt, daß Du ohne einen Stäb Verehrer nicht mehr existieren kannst." Sie lachte: „Wie magst Du Dein armes Weib so verspotten!" Nach Tisch sagte Hugo: „Wir wollen zur Mama fahren und feierlichen Abschied nehmen. Ich glaube, sie will mit Liska auch an die See, aber ihre Wege sind nicht unsere Wege!" rief er pathetisch. Ein Schatten flog über Ernas Antlitz. „Hugo, ich weiß nicht, was die Deinen gegen mich haben. Ich fühle, daß sie nur gezwungen freundlich mit mir sind. Ich komme ihnen so herzlich, mit wahrer Liebe entgegen und finde nur frostige Höflichkeit. Besonders kann Deine Schwester ganz schrecklich sein mit ihrem ewigen: „Du fühlst nicht mit.mir; ich kann dies von Dir nicht verlangen; unsere Denkweisen liegen eben zu weltenfern auseinander." Weshalb richtet sie solche Schranken zwischen uns auf?" Hugo sah sie unbehaglich an. „Närrchen, Du siehst zu schwarz. Meine Schwester ist eben eine alte verbitterte Jungfrau geworden. Sie, die etwa zehn Jahre älter ist als ich, hat mich mit erzogen. Sie ist meine i zweite Mutter und nun selbstredend auf Dich eifersüchtig.! Mama und sie müssen nun zurückstehen, und das kränkt eben die beiden Damen." Erna sagte traurig: „Sie sehen doch, daß ich Dich glücklich machen will. Wenn sie Dich in der Tat lieben, müssen sie mich schon um Deinetwillen ein bißchen gern haben, aber sie sind mir feindlich gesinnt. Nun, wir beide haben uns lieb, und so werde ich dies auch überstehen." Sie kamen., zu den Damen Rode und wurden, wie innuer, sehr zuvorkommend empfangen. „Wir wollen Abschied von Euch nehmen, liebe Mama. Meine Ferien haben schon heute begonnen, morgen reisen wir." „So, das ist ja schön. Wie sind denn Eure endgültigen Pläne?"

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