Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1904)
- Date
- 1904-01-22
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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treter der Kohlenwerke von Cäsar Wollheim. Derselbe war Mitglied des Kreistages, Vorsitzender des Reprüsentanten-Kollegiums der Shnagogengemeinde, und gehörte seit Einführung der Kreisordnung — eine kurze Unterbrechung abgerechnet — hem Amtsausschuß des Amtsbezirkes Zaborze an; ferner war er Vorsitzender des Verbandsausschusses des Gesamtarmenverbandes Zaborze, Mitbegründer der Gasanstalt-Aktiengesellschaft, Mitglied des Gymnasial-Kuratoriums Zabrze. Die Teilnahme an der Trauerfeier war eine große. Fast sämtliche industriellen Werke Oberschlesiens hatten Vertreter geschickt. Das große Trauergefolge mit vielen Mitgliedern der Gemeinde- und Amtsbehörden, wie einer großen Anzahl Männer aus der Bürgerschaft gab Beweis für die Sympathien, die der Verstorbene im Leben besaß. Im Trauerhause fand zunächst eine kurze Feier statt. Rabbiner Dr. Nosenthal-Breslau hielt eine Ansprache. Dem Trauerkondukt voran schritten die Feuerwehr aus Zaborze, die Arbeiter''der Brikett-Fabrik und der Gasanstalt, die Beamten der oberschlesischen Zentrale, die Polizeiexekutivbeamten aus Zaborze. Hinter dem Sarge folgten die Leidtragenden, dann der Geheime Kommerzienrat Arnhold ans Berlin, der Königliche Landrät Dr. v. Ziller, die Generaldirektoren Bremme-Gleiwitz und Hochgesand-Zabrze, die Bergräte Jeschke und Salzbrunn-Zaborze und Pieler-Ruda, die katholische und evangelische Geistlichkeit. Im stillen Zuge ging es nach dem jüdischen Friedhof in Klein-Zabrze. Hier fand wieder eine Trauerfeier statt. Rabbiner Dr. Kaatz-Zabrze hielt eine ergreifende Grabrede. Dann wurde der Sarg ins Grab gesenkt. r. Dresden, 18. Januar. Der Vorsteher der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde, Herr Adolph Salzburg, gehört der Vertretung dieser Gemeinde seit 25 Jahren an und hat sich durch gewissenhafte und opferwillige Tätigkeit in diesem Amte ausgezeichnet. Der Gemeinderat, der Rabbiner und die Beamten der Gemeinde haben ihm daher, in Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens, am 7. d. M., als dem Jubiläumstage, durch Veranstaltung einer Festseier unter ehrenden Ansprachen und Ueberreichung einer künstlerisch aus gestatteten Adresse den Dank der Gemeinde und ihre volle Anerkennung ausgedrückt. Möge es Herrn Salzburg noch lange vergönnt fein, in gleich erfolgreicher Weise zu wirken! — Chemnitz, 14. Januar. Am 12. d. M. hielt der hiesige Synagogenverein seine fünfte ordentliche Generalversammlung ab, , die der Vorsitzende Herr Max Grünberg einleitete. Der Schriftführer I Herr Hugo Fleischer erstattete den Jahresbericht. Der Verein ist j auch in diesem Jahre an Mitgliederzahl gewachsen, er zählt jetzt! 46 ordentliche und 48 passive Mitglieder. Von der ganzen Gemeinde j werden dem Verein die größten Sympathien entgegengebracht. > Unter der umsichtigen Leitung des Dirigenten, Herrn Oberkantor Goldberg, wirkt der Verein nicht nur bei gottesdienstlichen Veranlassungen, Hochzeiten, Barmizwahs re. mit, sondern pflegt auch aufs liebevollste das weltliche Lied. —Die Vorstandswahl ergab die einstimmige Wiederwahl des ersten Vorsitzenden Herrn Max Grünberg, des Schriftführers Herrn Fleischer und des Kassierers Herrn Adolf Wertheimer. Ferner wurden als Beisitzer gewählt' die Damen Guthmann, Blumenfeld, Flatow und Herr Hugo Hirschstein. Für fleißigen Synagogenbesuch wurden prämiiert Frl. Ella Frank, Rosa Leder, Frau Blumenfeld und Frau Flatow. Herr Lehrer Sommerfeld dankte dem Vorstand für seine umsichtige Vereinsleitüng, Herrn Kantor Goldberg aber ganz besonders für sein unermüdliches Interesse und seinen Eifer beim Studium der Gesänge. Wegen der guten Kassenverhältnisse wird der Jahresbeitrag aus drei Mark herabgesetzt. Zum Schluß feuerte der Vorsitzende nochmals alle Mitglieder zur regsten Teilnahme an dem Gottesdienste und den wöchentlichen Chorproben an. a. Hannover, 15. Januar. Wie bereits erwähntest am 2. d. M. hier der Hauptlehrer a. D. Salomon Blumenau, dessen Name in Lehrerkreisen und weit darüber hinaus einen guten Klang und hohe Verehrung genoß, im Alter von 79 Jahren gestorben. Blumenau war 1825 zu Bünde geboren, hatte sich nach Absolvierung der Elementarschule durch eigenes Streben und,ohne jede fremde Beihilfe derart weiter gebildet, daß er sofort das Lehrer-Seminar zu Münster beziehen konnte. In seinen Kreisen galt er allgemein als ein Mann von scharfen Geistesgaben und sein pädagogisches Urteil würde sehrgeschätzt. Die größte Zeit seines Lebens wirkte Blumenau in Bielefeld, bis er seine Tätigkeit im Jahre 1889 wegen geschwächter Gesundheit aüfgeben mußte. Besondere Verdienste hat sich der Dahingeschiedene um den jüdischen Lehrerstand erworben durch Vtitbegründung des Vereins „Israelitischer Elementarlehrer in Rheinland und Westfalen"- in' dem er 33 Jahre lang den Vorsitz führte und dessen Ehrenvorsitzender er nach seiner Pensionierung war. Gelegentlich einer Audienz bei dem damaligen Kultusminister Dr. Falk hatte Blumenau es verstanden, den Minister für die Interessen des jüdischen Lehrerstandes zu interessieren. Nach außen wurde sein Name bekannt durch seine schon in derersten Notiz erwähnten Schriften, und noch jetzt nach seinem Tode hat seine Familie es erlebt, daß ein Mann in hervorragender Stellung, der in voriger Session Landtagsabgeordneter' gewesen, der aber sonst nie in irgendwelchen Beziehungen zu der Familie stand, seinem Beileid über das Hinscheiden des Verewigten Ausdruck gab auf Grund eines Vortrages über „Humanität", den derselbe vor 35 Jahren in Bielefeld gehalten hat. Die Beerdigung am 6. d. M. legte Zeugnis ab von der großen Beliebtheit, deren sich der Verstorbene im Leben erfreute. Am Grabe sprachen die Herren Seminardirektor Dr. Knoller-Hannover, Rabbiner Dr. Coblenz als Delegierter der Synagogengemeinde Bielefeld und Prediger Liepmannssohn-Minden als Vertreter des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Rheinland und Westfalen. Ehre dem Andenken des wackeren Mannes! ' a. Bielefeld, 15. Januar. Es war ein selten schönes Fest, das die Shnagogengemeinde ans Anlaß des 25jährigen Amtsjubiläums ihres ersten Vorsitzenden, des Herrn Moritz Katzenstein, am verflossenen Sonntag begangen hat. Nach der gottesdienstlichen Feier fand in der Wohnung des Jubilars die offizielle Beglückwünschung statt. Als Sprecher der Deputation überreichte Herr Julius Weiß eine mit künstlerischem Geschmack ausgeführte Adresse, die die Verdienste des Jubilars um die Synagogengemeinde würdigte. Als Delegierter des Verbandes der Synagogengemeinde Westfalens sprach dessen erster Vorsitzender, Herr Isidor Goldschmidt aus Dortmund, der in warmen Worten dem Gefühle der Dankbarkeit Ausdruck verlieh, das die westfälische Judenheit dem Jubilar um dessentwillen entgegenbringe, was er als Begründer und langjähriger Leiter des Verbandes für die Allgemeinheit getan. Auch Herr Goldschmidt überbrachte eine sehr schön ausgestattete Adresse, Rabbiner Dr. Coblenz überreichte sodann eine Sammlung von Predigten, die, in der hiesigen Synagoge gehalten, in einigen Tagen im Buchhandel erscheinen und dem Jubilar zu seinem Ehrentage gewidmet sind. Herr Katzenstein dankte tiefbewegt für all die Ehrungen, durch die man ihn ausgezeichnet habe. Er teilte gleichzeitig mit, daß er zum dauernden Andenken an der: Jubiläumstag ein Kapital von 3000 Mark gespendet habe, dessen Zinsen alljährlich für arme Kinder verwendet werden sollen. Die Verwaltung der Stiftung geschieht durch den Vorstand der Shnagogengemeinde. Des Nachmittags fand ein Festessen in der „Eintracht" statt, das bei vortrefflicher Stimmung der Teilnehmer einen sehr schönen Verlauf nahm. Zahlreiche Telegramme - und Glückwunschschreiben von fern und nah waren eingelaufen. Besonders herzlich gehalten war das Glückwunschschreiben tzes deutschisraelitischen Gemeindebundes in Berlin, dessen Ausschuß der Jubilar angehört hatte, bis er vor kurzem aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niederlegte. Auch unser Oberbürgermeister Geheimrab Bunnemann hatte Herrn Katzenftein unter Anerkennung der trefflichen Art, in welcher der Jubilar stets die Geschäfte der Gemeinde geführt habe, schriftlich seine Glückwünsche ausgesprochen. Das ganze Fest war ein schöner Ausdruck der-reichen Sympathien, deren sich Herr Katzenstein in weiten Kreisen zu erfreuen hat. m. Vom Rhein, im Januar. Der jüdische Turnverein in Köln hielt seine „Makkabäerfeier" am 2. Januar ab. Bemerkenswert sind die Ausführungen, die der Vorsitzende, Herr Julius Berger, vor den versammelten Turnern und den zahlreichen Gästen hielt. Indem er die Ziele und Zwecke des Vereins erläuterte, betonte er besonders die Notwendigkeit jüdischer Turnvereine, die nicht aus der Tendenz trotziger Abschließung entstanden seien, sondern nur deshalb, weil es für die Juden außerordentlich notwendig sei, ihren Körper durch Turnen zu kräftigen. In den vergangenen Jahrhunderten, feit dem Exil, hätten die Juden die einseitigste Ausbildung der geistigen Kräfte geübt, aber der Pflege des Körpers keine Aufmerksamkeit geschenkt.