Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-01-15 · Heft 3 (15.1.1904) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 3 (15.1.1904)
Date
1904-01-15
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228581-3228585--60519-3274290
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

4 des Ministers des Inner:: an den Deutsch-Israelitischen Gemeinde-! bund in Berlin in Angelegenheit der Fürsorg ee rziehungßanstalten! des Bundes. Dieselbe lautet: „KöniglichWürttembergisches Ministerium! des Innern. Stuttgart, den 9. Dezember 1903. Nach den gemachten j Erhebungen kommen Fälle oon Zwangserziehung israelitischer Kinder in Württemberg nur ganz vereinzelt vor und läßt die Unterbringung solcher Zöglinge in geeigneten einheimischen israelitischen Familien, die mit Hilfe der Rabbinate unschwer zu ermitteln sind, oder in dem israelitischen Waisenhaus „Wilhelmspflege" in Eßlingen (Württemberg) ohne Schwierigkeiten sich bewerkstelligen, so daß ein Bedürfnis, von dein gefälligen Anerbieten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes allgemein Gebrauch zu machen, in Württemberg für die Regel! nicht vorliegt. Sollte je in einzelnen besonders gearteten Fällen weder! die eine noch die andere Art der Unterbringung innerhalb Württernj bergs möglich sein, so sind in solchen Fällen, die indessen nur zu; den seltenen Ausnahmen gehören werden, die betreffenden württeni-! bergischen Behörden eruiächtigt, den Deutsch-Israelitischen Gemeinde-! bnnd un: seine Vermittlung, auzugehen. Pischek." Oesterreich-Nngsrn. LJ Wien, 11. Januar. Der Anregung folgend, die Ihr Blatt jüngst gegeben, gedachte der Vizeprädent des Vorstandes unserer Gemeinde in letzter Sitzung des zehnjährigen Todestages von Adolf Jellinek in ehrender Weise mit würdigen Worten. Hier mehr als anderswo bedauert es man außerordentlich, daß die Familie des Unvergeßlichen gar nicht daran denkt, zu einem literarischen Denkmal in Form einer guten Biographie auch nur die geringste Anregung zu geben. — Der hiesige deutsche Botschafter Graf Wedel übersandte unserem Glaubensgenossen Herrn Eduard Lehmann-Kreibitz (Böhmen), der 23 preußische Soldateugräber aus den: siebenjährigen Kriege gefunden und gepflegt hat, im Aufträge Kaiser Wilhelms die Insignien des Preußischen Krvnenordens mit einem eigenhändigen Handschreiben. Auch Reichskanzler Graf v. Bülow richtete an Herrn Lehmann ein Handschreiben. — Der Kaiser hat den Landesgerichtsrat Rober t Epstein in Brü nn znm Oberlandesgerichtsrät ernannt. . In Malaezka ist im 67. Lebensjahre der Arzt Dr. Abraham O ehler i gestorben. Derselbe wirkte als Fürstlich Palffy'scher und Gräflich Wenkheim'scher Herrschastsarzt, sowie als Bezirks- und Komitatsarzt mehr als.40 Jahre in der verdienstvollsten Weise. Das Leichenbegängnis hat. unter imposanter Beteiligung der hervorragendsten Kreise der Gegend auf dem israelitischen Friedhof in Malaezka stattgesunden. Frankreich. t Paris/ 10. Januar. Am 27. v. M. fand eine Sitzung des Anfsichtsrats der I. Cb A. statt. Nebst der Einführung von zwei neuen Mitgliedern, des Rechtsanwalts Dr. Blau und Mr. Leonard : L. Cohen, welche an. Stelle per verstorbenen Mitglieder Julius Plotke und A. L. Cohen getreten sind, soll es sich in dieser Sitzung um wichtige kolonisatorische Unternehmungen gehandelt haben. In Palästina sind 5000 Hektar Land hinzugekaust worden, das mit neuen Kolonisten aus Südrnßland (Kischinew) besiedelt werden soll. Ferner sollen in Chpern einige neue Kolonien errichtet werden. Endlich soll eine stärkere Auswanderung russischer Juden nach Argentinien stattfinden. In erster Reihe wird dabei an die Bewohner der jüdischen Kolonien Südrußlands gedacht, die bei allein Fleiße und bei aller Tüchtigkeit als Ackerbauer in ihrer Heimat wegen drückenden Mangels an Land aus keinen grünen Zweig komme»: können. In der Kolonie Nahar- Tow in: Gouvernement Cherson sind zahlreiche Kolonisten bereit, >:ach Argentinien ausznwandern, lvo sie pro Familie 100 Hektar Land nebst allen: Zubehör gege»: die Verpflichtung erhalten, den Betrag dafür in zehn Jahresraten abzuzahlen. — In der am 1. Januar d. I. in . London stattgefundenen Sitzung der Anglo Jewish Association tmb be§ Board of Deputies brachte der Chief Rabbi Dr. Adler das Schreiben einer hervorragenden russischen Persönlichkeit zur Verlesung, welches mit den: der Bibel entnommenen Hilferufe schließt: „Helft uns, denn das Wasser ist uns schon bis an das Leben ge? kommen!" Er wurde daraus eine Bittschrift an das Auswärtige Amt beschlossen, in welcher dasselbe gebeten wird, alle zur Verhinderung einer Erneuerung der Judenmasfakres in Kischinew geeigneten Schritte zu tun, »un so das englische Judentum sowohl »vie auch die armen Inden in Kischinew selber zu beruhigen. Van Ml» und fmt. — Der Chefredakteur des „Konfektionär", S. Karo, hat den russischen Stanislausorden III. Kl. erhalten. — In Charlottenburg wurde Justizrat Julius Rosenberg, in Posen. Justizrat Salz, in Breslau Geh. Justizrat Freund szum 19. mal and.'ein-,. stimmig) zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. — In Breslan ist an: 6. d. M. Frau Dr. Flora-Ivel, die Witrve des imvergeßlichen Rabbiners Dr. M. Joel, in: 69. Lebensjahre gestorben. Alle, die die edle, vortreffliche und brave Frau kannten, werden ihr ein treues und dauerndes Andenken bewahren! — In Insterburg ist am 26. v. M. das langjährige Vorstandsmitglied der Kreissynagogengemeinde, Stadtrat Isaak Eichelbau in, gestorben. Derselbe hat viele Jahre im Vorstand der Kreis-Synagogengemeinde und acht Jahre als erster Vorsteher die Angelegenheiten derselben in selbstloser und gerechter Weife verwaltet. — In Zastrow ist Herr Siegmnnd Rothenburg gestorben. Derselbe hat sich 30 Jahre lang mit aufopfernder Hingebung dem Dienste edelster Hmnanität gewidinet und in treuer Pflichterfüllung als Vorsitzender der „Chewra Ked,:scha" und Schatzn:eister des „Israelitischen Frauenvereins" segensreich gewirkt. — Das Rentier Philipp Wolsßsche Ehepaar in Filehue beging das Fest der goldenen Hochzeit. Beide Eheleute sind geistig und körperlich frisch, der Ehemann länger als 30 Jahre Vorsitzender der Chewra Kadischa, die Ehefrau eine gleiche Reihe von Jahren Vorsitzende des Fra»:envereins, erfreuen sich auch sonst allgemeiner Liebe und Achtung. Rabbiner Dr. Richter segnete die Ehe ein und überreichte nebst einen: Schreiben aus den: Zivilkabinett die vom Könige verliehene Jubiläumsmedaille. Deputationen von: Magistrat und Stadtverordneten der jüdischen Gemeinde und Vereinen brachten Glückwünsche, die jüdische Gemeinde überreichte einen Pokal mit Widmung, die die Verdienste des Jubelpaares hervorhob. — Herrn H. Cohn in Dessau wurde in Anbetracht der Verdienste, die er sich in 28jähriger Tätigkeit als Vorsitzender des städtischen Waisenrats erworben, von: Herzog von Anhalt d:e Ritter-Insignien 2. Klasse des Hausordens Albrecht des Bären verliehen. — Der in Marburg verstorbene Professor Dr. Edm:n:d Heß, Direktor des u:atheu:atischen Instituts, »var ein geborener Christ, »vird aber nach seinem Tode zun: Juden gestempelt. — Zum erstenmal geschah es in Bayern, daß ein jüdischer Schulmann gelegentlich der Neujahrsordensverleihungen den Titel eines Oberlehrers erhielt, »velche Ehre Herrn Salomon Kahn in Neumarkt am 1. Januar zu teil wurde, der bereits mehr als 40 Dienstjahre, zählt. — In Saarbur g in Lothringen ist der langjährige Beigeordnete Sylvain Berr mit 17 unter 23 Stiuunen zun: Bürgermeister gewählt »vorden. — In Holland leben »:ach der letzten Zählung 103 988 Juden und zwar 5645 Portugiesische und 98 343 afchkenasische Juden. Aus die einzelnen Provinzen des Königreichs verteilen sich die Juden wie folgt: Groningen 5946 Seelen, Friesland 1817, Drente 2327, Overysel 4182, Gelderland 5243, Utrecht 1426, Nord-Holland 57 257, Süd-Holland 15 277, Seeland 412, Nord-Brabant 2252, Limburg 1185. - In der letzten Woche fanden bei zahlreicher: angesehenen Juden in Hornel Haussuchungen statt. Unter anderen: wurden Haussuchu,:gen abgehalten beim Rabbiner, dem Bankier Lurje, dem Fabrikanten Wittenberg, sowie bei der: Aerzten Bruck und Sälkind. Letzterer ist Vorsitzender des Vereins zur Unterstützung armer Homeler Juden, durch dessen 'Hand alle dahingeschickten Gelder zur Unterstützung der; vom Krawalle geschädigten Glaubensgenossen gingen. Dieser Vorgang j. hat in Hornel eine wahre Panik hervorgerufen.' — Das Treiben des! Antisemitenhäüptlings Suworin ii: Petersburg, der in seiner % „Nowoje Wremja" unablässig geger: Juden, Polen, Deutsche und Finnländer hetzt, ist selbst seinem eigenen Sohn schließlich zuwider geworden. Suworin junior suchte nach und erhielt die Konzession zur Herausgabe eines groß angelegten Tageblattes, das unter dem Titel „Ruß" erscheint und „Beseitigung des Nationalitätenhaders und Einigung aller Bewohner des großer: russischen Reiches" sich zur Hauptaufgabe gemacht hat. In der ersten Nummer des „Nuß" wird die „Nowoje Wremja" und ihr Herausgeber, Suworin senior, von Suworin junior arg verhöhnt. — Nach einer Meldung der „Köln. Ztg." aus Bagdad vom - 8. Dezember ist bei der: deutschen Ausgrabungen eine Statue von Salmanassar II. mit -zahlreichen Inschriften entdeckt worden. Der Kops ur:d die linke Seite sind beschädigt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.