Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1904)
- Date
- 1904-01-15
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 5- Mitarbeit herangezogenen Gelehrten und nach Annahrne einer von Dr. Braun vorgeschlagenen neuen Anordnung der Fächer billigte der Ausschuß die vom Vorstand und der Kommission getroffenen Maßnahmen rurdernrächtigte gleichzeitig den Vorstand, die Vertrage mit den Autoren rechtskräftig abzuschließen. Eine längere Debate rief die Frage nach den Prinzipien hervor. .Dr. Werner-München forderte bestimmte Kautelen in religiöser Beziehung und machte davon fein Verbleiben im Ausschuß abhängig. Ein diesbezüglicher Antrag wurde, nachdem von allen Seiten befriedigende Erklärungen gegeben wurden, zurückgezogen. Eppenstein-Briesen hatte beantragt, ein umfassendes Wörterbuch der hebräischen Sprache, einen sogenannten „Thesaurus" bearbeiten zu lassen. ' Löw -Szegedin. beantragte die Herausgabe eines „Oorxus kannaikieum", einer kritischen Ausgabe sämtlicher tannaitischen Texte. Die Gesellschäft beschloß, den Anregungen beider Herren Folge zu geben und zunächst die Bearbeitung der tannaitischen Texte in die Wege zu leiten. Zur Vorbereitung dieser Arbeiten wurde eine Konnnissivn ernannt, die neben dem Vorstand aus den Herren Bacher, Baneth, Hoffmann, Levy, Schwarz und Simonsen besteht. Es wurde sodann die Frage erörtert, ob man schon jetzt an die Ausarbeitung einer „Germania judaica“ herantreten sollte. Da viele Mitglieder des Ausschusses dein.Plan sehr sympathisch gegenüberstanden, wurde die Ausführung in Aussicht genommen. Der Vorstand sowie die Herren Braun, Epstein, Geiger erhielten den Auftrag, der Gesellschaft den Prospekt vorzulegen. Simonsen wünschte, daß aus Anlaß des siebenhundertjährigen Todestages des Maimonides eine Denkschrift herausgegeben werde. Der Vorstand will sich mit verschiedenen Gelehrten ins Einvernehmen setzen und diese um Einreichung wissenschaftlicher Aufsätze bitten. Der Ausschuß billigte sodann die vorn Vorstand entsprechend dem Gutachten der Fachkommissionen bewilligten im Jahresbericht näher bezeichneten acht Subventionen und bestimmt rrach den Empfehlungen Nöldeckes mrd Goldziehers für die Herausgabe des arabischen Textes der Clhoboth haleboboth des Bachja Sorge zu tragen. Dem Autor A. S. Jehuda soll, soweit die Mittel es gestatten, eine Subvention bewilligt werden. Hierauf folgt eine eingehende Statutenberatung. — Die Generalversammlung der Gesellschaft fand gestern im Logensaale statt. Sie wurde durch einer, Vortrag von Geheimrat Professor Co Herr eingeleitet, dessen Thema lautete: „lieber die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilvsophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten". Der Vortrag wuchs aber weit über den Rahmen des Themas hinaus zu einern wahrhaft großerr Bekenntnis der jüdischen Weltanschauung. Ir, wuchtiger, rnarkiger Sprache, durchglüht von heiliger Begeisterung, gleichwohl aber durchweg-ans der Höhe philosophischer Erkenntnis und moderner Weltanschauung, beleuchtete der Redner die Grundlehren des Judentums, seine prinzipiellen Unterscheidungslehren von den anderen Bekenntnissen, seine Ausgaben und Ziele, die allerdings nur durch eine vertiefte religionsphilosophische Weltanschauung erreicht werden können. Der Vortrag machte einen tiefen Eindruck aus das Auditorium. Er wird sicher diesen Eindruck auch in weiten Kreisen Hervorrufen, sobald er gedruckt vorliegen wird. Nachdem der Schriftführer den Jahresbericht nnd in Abwesenheit des Schatzmeisters auch den Kassenbericht erstattet, wurden die Statuten noch einmal beraten nnd endgültig sestgestellt. Eine Geschäftsordnung kann erst der nächsten Generalversammlung vorgelegt werden. Eine längere Debatte erforderte Punkt 4 der Tagesordnung, der die Propaganda in der Gemeinde und bei! Privatpersonen betraf. Schließlich wurde der Vorstand der Gesellschaft durch Zuruf wiedergewählt. Am Abend fand ein vorn „Akademischen Verein für jüdische Geschichte und Literatur" veranstalteter Festkommers zu Ehren der Gesellschaft statt, der sehr zahlreich'besucht war und einen ' animierten Verlauf nahm. In den verschiedenen Tischreden trat die freudige Begeisterung für die Ziele der neuen Gesellschaft enthusiastisch hervor. Es ist dringend zu wünschen, daß diese Begeisterung auch rveitere Kreise erfasse und der Gesellschaft die allgemeine Teilnahine zuwende, deren sie bedarf und die sie verdient! ---Berlin, 11. Januar. Der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt hat der Reichskanzler die Befugnis eingeräumt, Zeugnisse über die wissenschaftliche Befähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst auszustellen. Soviel wir wissen,, haben dieses Recht bisher nur die staatlichen Schullehrerseminare in Preußen besessen. g Berlin, 11. Januar. Im Verein zur Bekleidung armer jüdischer Kinder hielt am 7. d, M. in der Gesellschaft der Freunde vpr einem zahlreichen Auditorium, Herr Dr. Fritz Rothenberg, Badearzt aus Salzbrunn, .einen interessanten Vortrag über erste Hilfe bei plötzlichen Unglückssällen. Trotz der Kürze der gegebenen Zeit streifte der Vortragende alle Arten eventuell, eintretender Unglücksfälle, z. B. y.uetschungen, Wunden, äußere und innere Blutungen, Vergiftungerl, Knochenbrüche re. Mit besonderem Interesse hörte man die Ausführungen über elektrische Entladungen, Wiederbelebung Scheintoter, Hitzschlag und Sonnenstich. Reicher Beifall lohnte. dem Redner. Plsdann ergriff der Vorsitzende des Vereins, Herr S. Würzburg, das Wort, um über die Erfolge des Vereins während der kurzen Zeit seines Bestehens zu sprechen, und die zahlreich erschienenen Gäste arrfzufordern, auch ihrerseits denr Verein zu Helsen, sei es durch Geldspenden, sei es durch ihre Tätigkeit anderer Art für den Verein. Die Geschäftsstelle des Vereins (Siegbert Würzburg, W 30, Eisenacherstraße 8) gibt gerne jede Auskunft, und sind auch dorthin alle llnterstütznngsgesuche zu richten. M. Hamburg, 8. Januar. Herr Julius Lewisohn, der frühere Seniorchef der hiesigen Firma S. Lewisohn jr., ist während einer Erholungsreise nach Aegypten in Kairo plötzlich im 61. Lebensjahre gestorbell. Der Verblichene hatte in den letzten Jahren sein Domizil in London, wo er der Firma Lewisohn Bros & Co. Vorstand. Nicht nur durch seine Handelsbeziehungen stand der Verblichene mit seiner Vaterstadt noch in engster Beziehung, sondern auch durch llnterstützuug vieler Wohltätigkeitsinstitntionen bezeugte er sein warmes Interesse für llnsere Stadt. Jll der deutsch-israelitischen Gemeinde war Lewisohn in früheren Jahren in der Verwaltulig tätig, auch gehörte er längere Zeit dem Vorstande des Synagogenverbandes all. Zllln Audeilkeil an feine Eltern stiftete er genleinsaln ntit seinen Brüdern den Erweiterungsbau des Krankenhauses der israelitischen Gemeinde in der Heinestraße. Die beiden Pavillons, mit einem Kostenaufwand von 150 000 Mark errichtet, welche im vorigen Jahre ihrer Bestimmung übergeben wurden, tragen eine Marmortafel mit der Inschrift: „Sam und Julie Lewisohn-Stiftung". Durch die Munifizenz des Herrn I. Lewisohll wurden noch viele Wohltätigkeits- Jnstitutionell der Geineillde wirksanl unterstützt. In lveiteren Kreisen genoß der Verblichene hoher Achtung und Wertschätzmlg und erregt fein jähes Hinscheiden überall tiefe Teilnahme. Das'Andenken des edlen Wohltäters wird in lnlserer Gemeinde stets in Ehren gehalten werdell. o. Frankfurt a. M«, 7. Januar. Aul 31. v. M. ist hier der bekannte Justizrat Dr. Naphtali Hirsch, der jüngste Sohn von Sanrson Raphael Hirsch, im Alter voll 60 Jahren nach langen Leideir gestorben. Der „Freiell Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" gehörte er seit ihrer Begründung als Vorstarr dsmitglied und Schriftführer an. Seine .letzten Bestrebungen bezogen sich auf die Einrichtung von Wanderrednern. . Das Gesetz vom 21. März 1899 betreffend die Synagogenverhältnisse in Frankfurt a. M., das der Religionsgesellschaft die Rechte einer preußischen Synagogengenwinde verlieh, ist infolge seiner, rastlosen Tätigkeit zu starrde gekommen. Auch als Schriftsteller ist Hirsch bekanrrt geworden. Seirre Schrift „Kulturdefizit" ist eine der besten Widerlegungen des Antisemitismus. In der: letzten Jahren gab er den ersten Band der gesammelten Schriften seines Vaters heraus. Alle, die ihn kannten, schätzten den Mann, auch wenn, sie seine orthodox-religiösen Anschaumlgen durchaus nicht teilen konnten. Ehre seinem Andenkeli! — Am 26. v. M. starb hier ein populärer und geachteter Mitbürger, Z esse L. Selig man. Der Verstorbene, ein bekannter Kunstmäcen, früherer Teilhaber der alten Bairkfirma Seligman lind Stettheimer, erreichte ein Alter von etwa 45 Jahren und war seit Jahren gelähmt. Nur den Heimgegangenen, dessen Wohltätigkeit allgemein bekannt war, werden viele Arme trauern, denen er zu Lebzeiten ein Wohltäter und Freund gewesen. Jesse Seligman war in seinell gesunden Tagen ein eifriger Sportsmann und Förderer des Renn? sports, der als solcher auf. dem Rennplätze, namentlich aus dem grünen.Rasen bei Niederrad, eine unermüdliche Tätigkeit entfaltete. Am 28. v. M. fand vom Portal des israelitischen Friedhofes ans.die Beerdigung des.Verschiedenen, statt. . .. Stuttgart, 8. Januar. Ein interessantes Licht auf die Verhältnisse der Juden in Württemberg wirft die Antwort