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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-01-15 · Heft 3 (15.1.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 3 (15.1.1904)
Date
1904-01-15
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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68. Jahrgang. No. 8: Der ' Berlin, 15'.'Januar 191)4. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deß Audentumß^ Ksrrelponden?rn und Kachrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 10'. Januar.- Der heutigen Rep.räsentauten-Versammlung ging die Feier des25jährigen Amtsjubiläurns des Vorsitzenden'des Gemeindevorstandes,. Herrn Jillius Iacoby, voraus. Der Sitzungssaal der Repräsentanz war zu einem festlichen Raume umgestaltet worden; Blattpflanzen und Gnirlanden schmückten in hübscher Anordnung den Saal wie die benachbarten Büreauränme. Der.Gemeindevorstattd hatte sich bis auf Herrn Iustizrat Dr. Lachmann, der. durch einen Unfall, den er in Paris erlitten, leider am Erscheinen verhindert war,.in corpore eingesuuden, in stattlicher Zahl waren die Repräsentanten erschienen; auch die nächsten Angehörigen des Jubilars hatten der an sie ergangenen Einladung Folge geleistet. Unter den Klängen des vom BüreaudirektorHerrn Arnold Budwig verfassten und vorn Synagogendirigenten Herrn William Wolf in Musik gesetzten Liedes „Hell ertöne froher Neigen", welches der gemischte Chor der Synagoge Lindenstraße sang, wurde der Jubilar in den Saal geleitet. Als erster sprach der nach schwerer Krankheit kaum genesene Vorsitzende der Repräsentanten Herr Loewenberg wenige Worte der Begrüßung und überbrachte aus vollen: Herzen den innigem Dank des Repräsentantenkollegiums für alles das, was der Jubilar für die Gemeinde gewirkt und erstrebt hat. Alsdann gedachte namens des Gemeindevorstandes Herr Martin Simon freudig-der Tatsache, daß heute ein Vierteljahrhundert seit dein Tage verflossen ist, an welchem der allverehrte Senior der Verwaltung durch das Vertrauen der Repräsentantenversammlung in den Gemeindevorstand berufen wurde, an dessen Spitze er nun in unvergleichlicher, geradezu jugendlicher Frische waltet. „Esentspräche," so fuhr der Redner fort, „wohl der Bedeutung dieses Ereignisses, es als einen Festtag der Gemeinde zu feiern. Der Jubilar hat aber jegliche derartige Ehrung in seinem bescheidenen Sinne abgelehnt und — so recht bezeichnend für seine Denkungsart — ausdrücklich gewünscht, daß die Arbeit znm Wohle der Gemeinde an seinem Ehrentage nicht ruhen möge. So dürfen wir ihn dein: in der Tat vor. allen: als einen Mann der Arbeit feiern. Als Sie, hochverehrter Herr Iacoby, vor drei Jahrzehnten von den Mitgliedern der Gemeinde zum Repräsentanten gewählt wurden, schon damals in einem Alter stehend, in welchem so mancher sich sehnt, in Ruhe die Früchte der Arbeit zu genießen, da ließen Sie sich nicht daran genügen,'die übernommenen Pflichten voll und gewissenhaft zn erfüllen, vielmehr gingen. Sie mit der Ihnen eigenen Energie darap, alle Zweige der Verwaltung zu durchdringen, -31t erforschen und die damals noch etwas komplizierte Art der Geschäftsführung kennen zu lernen, deren spätere Regelung Sie sich zu Ihren größten Verdiensten um die Gemeinde anrechnen, dürfen. Bald hatten Ihre Kollegen erkannt, daß Ihre rastlose Arbeitskraft und Arbeitslust, unterstützt durch hervorragende organisatorische Begabung, in der Verwaltung noch fruchtbarer.sich gestalten würde, und so berief inan Sie in den Gemeindevorstand und vertraute Ihnen sofort das verantwortungsvolle Amt des Hauptkassenrendanten an. 25 Jahre hindurch haben Sie diese schwere und, wie ich wohl sagen darf, Ihnen teure Last treu getragen, und selbst dann nicht einen Augenblick daran gedacht, sich vorn dieser Bürde zu erleichtern, als Ihnen immer weitere Ausgaben erwuchsen, auch nicht, als Ihnen im Vorstände die Stellvertretung des Vorsitzenden und nun vor wenigen Jahren der Platz des Vorsitzenden übertragen wurde. Es kann nicht meine Aufgabe sein, und es würde mir unmöglich sein, in der kurzen Feststunde, auch nur andeutungsweise alles das zu schildern, was Sie in diesen: Amte in aufopferndster Tätigkeit für das Finanz- und Kassenwesen der Gemeinde gewirkt haben. Ich möchte nur das eine erwähnen, weil wir es in unserer täglichen Arbeit empfinden, wie Sie die Kasseneinrichtungen der Verwaltungskominissionen, welche sich historisch ans,den einfachsten Formen entwickelt haben nnd in: Getriebe der schnell wachsende!: Genieinde in keiner Weise mehr genügten. auf völlig neue Grundlagen gestellt und diese Ihre eigenste Schöpfung dazu beigetragen hat, die Arbeitstüchtigkeit der Beamtenschaft zu heben nnd die Arbeitslust der zahlreicher:, in: Ehrendienst tätigen Männer zu beleben und zu stärker:. Dabei Haber: Sie in allen'der: 25 Jahren Ihren Blick und ihre Kraft keiner»: der sonstigen Arbeitsgebiete verschlossen. Vor: Anbeginn an haben Sie der: Vorsitz in den Verwaltungskommissionen geführt, deren Obhut die Pflege der Ritualien unterstellt ist, und es oft erwähnt, daß Sie es als Ihre höchste Pflicht empfinden, diese Einrichtnnger: zu mustergiltiger: zn gestalten, als welche sie auch jederzeit anerkannt »vorder: sind. Wo ferner in Kommissionen, in Ausschüssen nnd besonderen Kommissionen »richtige Beschlüsse vorzuberaten waren, nie nnd nirgends wollte man Ihres weisen Rates entbehren, nnd »vir Haber» es alle gesehen, wie Sie mit »vahrhaft jugendlichen: Feuer die schrvierigen Beratungen klug geleitet und zrr Ende geführt Haber:, durch »velche unser Krankenhaus in ein alle Teile befriedigendes Verhältnis zu den Gemeindebehörden gelaugt ist. Aber, wem: möglich, »verden alle Ihre Leistungen noch übertroffen durch den bcwunderungs- »verter: Eifer, mit welchem Sie, dem einmütigen Rufe Ihrer Kollegen folgend, seit den letzten drei Jahren den Vorsitz Übernahme!: und so zu den bisherigen Pflichten noch die tägliche, umfangreiche Arbeit mit Frische und Lust bewältigten. Wir Jüngere»: blicken staunend auf dieses seltene Vorbild der Hingabe an die Interessen der Gesamtheit, wie Sie nicht nur unablässig für die pünktliche und gut» Erledigung aller Geschäfte Sorge tragen, wie Sie in jeden: einzelnen Falle selbst prüfen und erwägen und stets bemüht sind, aller: an die Verwaltung herantretender: Anforderungen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, in unparteiischer und wohlwollender Weise gerecht zu »verden. So bietet sich i»: unseren: verehrten Jubilar das Bild eines Mannes dar, »vie es der Psalmist irr unvergänglichen Worten als den schönsten Lohr» eines gerechten, arbeitsreichen Lebens ausrnalt: „Gepflanzet in: Hause Gottes, tvachser: sie in den» Vorhos des Heiligtums; noch im Greisenalter blühen sie, sind markig und frisch." Möge Ihr den: Dienste der Gesamtheit hier irr: Vorhof des Heiligturns gewidmetes Leben ein glückliches, ungetrübtes seirr bis in die spätesten Zeiten zu Ihrer eigener: höchsten Befriedigung, zum Segen für unsere Gemeinde! Das walte Gott!" Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Blum ent hat gab dem Danke aller Mitarbeiter Ausdruck für die reiche Wirksamkeit, die Herr Iacoby auf allen Gebieten der Gemeindetätigkeit entfaltet hat. Er hob hervor, daß der Jubilar, der gerade zur Zeit, als die kulturfeindliche Bewegung des Antisemitismus einsetzte, ir: die Verwaltung vor genau 25 Jahren eingetreten, es verstanden habe, in einer gewissen prophetischen Weise »veit ausschauend sofort das . Richtige zu treffen. Wie weit auch die Meinungerr auseinandergingen über die Wege, die eir:geschlagen »verden mußten, wenn auch der Kampf noch so heftig tobte, irnrner wieder sei es der Jubilar gewesen, der. mit klarem, ruhigen: Blick eirrgegriffen, der die erregten Gemüter zu besänftigen und beruhigen verstanden hätte. Der Erfolg dieser Tätigkeit des Jubilars sei ein glänzender nnd für die Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentanz sei es eine, große Genugtuung, mit dem Jubilar zusammen gearbeitet zu haben. Ir: Anerkennung der Wirksamkeit hätten die Schwesterbehvrden beschlossen, das Bild des Jubilars Herstellen nnd dasselbe ir: die Zahl derje»:igen Männer einreihen zu lassen, »velche sich ir: hervorragender Weise in den Dienst der Gemeinde gestellt hätten. Alle Mitarbeiter »verden sich stets der Zeit erinnern, in tvelcher der Jubilar unter Aufbietung aller Kräfte, mit Hintansetzung aller persönlichen Interessen röcht nur für das Wohl der jüdischen Gemeinde, sondern auch für .das Wohl der Gesamtheit ge»virkt habe. Der Redner sprach die Ueberzeugung aus, daß alle der Wunsch erfülle, daß es dem Jubilar noch recht viele Jahre vergönnt sein möge, ir: ungeschtvächter Kraft den mit ihm wirtenden Männern ein Vorbild zu sein, diesen znm Segen, sich selbst zum Heile. Alsdann fiel unter aberrnaligem Chorgesang die Hülle von den: Porträt des Jubilars. Das Bild, von Herrn Professor

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