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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-01-15 · Heft 3 (15.1.1904) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 3 (15.1.1904)
Date
1904-01-15
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 erwähnen. Das Ungeheuerlichste leisten natürlich die amerikanischen Blätter. So wurde von dort berichtet: „Der russische Minister des Innern Herr v. Plehwe kabelte an die Newhorker „World", die auf dem Kabelwege an den Zaren die Anfrage gerichtet, habe, ob in Kischinew neue Judenmetzeleien zu erwarten seien: „Die Befürchtung bevorstehender Ausschreitungen in Kischinew durchaus grundlos. Die Meldungen von judenseindlichen! Unruhen sind die FolgeeinerAgitation, die von Personen betrieben wird, > welche der russischen Regierung feindlich gesinnt, sind. v. Plehwe."! Uebrigens wurde auch deutschen Blättern aus Petersj bnrger „authentischer" Quelle versichert, daß nichts Böses zu! erwarten sei, da der Zar den Minister des Innern Herrn v. Plehwe für Ruhestörungen nach der angegebenen Richtung hin persönlich verantwortlich gemacht habe, und alle nötigen Befehle bereits gegeben worden seien, um jeden etwaigen Ausbruch von Fanatismus sofort zu unterdrücken. Glücklicherweise haben sich diese Prophezeiungen erfüllt- Aber auch die Art, in der dies von der offiziösen russischen Telegraphen-Agentur angezeigt wird, ist charakteristisch für die Verhältnisse. Das Telegranun lautet: , „Kischinew, 8. Januar. (Meldung der russischen Telegraphen-! Agentur.) Hier ist alles ruhig. Der Schutz der Stadt ist wie gewöhnlich an Festtagen verstärkt. Umlausende beunruhigende Gerüchte sind als Nachhall des unlängst verhandelten Prozesses zu bezeichnen." Es scheint fast, als wollte man offiziöserseits den Juden einen Vorwurf daraus machen, das; der Prozeß überhaupt stattfinden mutzte. Inzwischen erhalten sich die Gerüchte, daß die Stellung des Ministers Plehwe vorübergehend aus das äußerste erschüttert gewesen ist. Plehwe sah sich gezwungen, am 12. November seine Entlassung einzureichen. Der Zar hat dieselbe damals jedoch leider nicht angenommen. Schade! Es war' so schön gewesen! $ lieber die jüdische Einwanderung in die Vereinigten Staaten von Nordamerika wollen wir an der Hand des von Cyrus Adler herausgegebenen diesjährigen „The American •Jewish Year Bock“ nachstehende, für jeden gebildeten Juden überaus lehrreiche Daten geben: Im Jahre 1818 wurde die Zahl der in Nordamerika wohnenden Inden von dem bekannten Mordechai M. Noah ans nur 3000 geschätzt. Der infolge der Deutschtümelei zu jener Zeit in Deutschland herrschende Antisemitismus hat es bewirkt, daß 30 Jahre später die Vereinigten Staaten bereits 5O0O0 Juden zählten, welche namentlich aus Süddeutschland eingewandert waren. Die Einwanderung aus Deutschland hielt auch nach 1849 an, aber bereits am Beginn der sechziger Jahre fingen auch die russischen Juden, namentlich aus Westrnßland an, sich lebhaft an der jüdischen Immigration zu beteiligen. Die Zahl der Juden in Nordamerika steigt deshalb rapid und erreichte in den nächstfolgenden 30 Jahren die Höhe von 230 000 Seelen. Die eigentliche jüdische Einwanderung in den großen Freistaat jenseits des Atlantischen Ozeans beginnt aber erst mit dem Anfänge der achtziger Jahre des eben verflossenen Jahrhunderts, da der Antisemitism\i% nach einer 30 jährigen Ruhepause von neuem seinen Siegeszug durch das alte Europa antrat und in Rußland zu zahlreichen Judenkrawallen und zur Dekretierung der berüchtigten „provisorischen" Maigesetze geführt hat. Die Flucht der Juden aus Europa nahm daraufhin derartige Dimensionen an, daß die Vereinigten Staaten sich bereits nach kaum acht Jahren im Besitze einer jüdischen Bevölkerung von ea. 400000 Seelen befanden. Die jährliche Einwanderung betrug für diese Zeit im Durchschnitt ca. 21 000 Seelen gegen nur 6000 jährlich in den vorhergegangenen 30 Jahren. Zu der permanenten Verfolgung in Rußland trat bald die Bedrückung der Juden in Rumänien sowie die systematische Boykottierung derselben durch die polnische Schlachta in Galizien hinzu. Die unvermeidliche Folge war eine weitere rapide Zunahme der Emigration aus den genannten Ländern und ein Anwachsen der jüdischen Bevölkerung der nordamerikanischen Republik aus 937 800 Seelen im Jahre 1897. Die jüdische Bevölkerung des Landes hat sich in kamn 10 Jahren, mehr als verdoppelt und die durchschnittliche jährliche Einwanderung ist von 21 000 auf 54 000 gestiegeu. In den 23 Jahren von 1881—1903 sind allein über die Eingangspforten Newyork, Philadelphia und Baltimore schätzungsweise 761 598 Juden eingewandert. Rechnet man die natürliche Vermehrung dieser neuen Einwanderer und fügt die Vermehrung der vor 1881 in den Vereinigten Staaten ansässig gewesenen 230 000 Juden hinzuso ergibt sich für die Gegenwart eine jüdische Bevölkerung von 1148577, eine Zahl, welche mit dex vom „Jewish Year Bock“ gegebenen Zusammenstellung über die Zahl der Juden in den einzelnen Staaten der Republik auffallend übereinstimmt. Nach dieser Zusammenstellung lebten in den unter dem Sternenbanner vereinigten 52 - Staaten' und Territorien 1 127 268 Juden, von denen über 72 Prozent in 28 Staaten östlich des Mississippi wohnen. Trotzdem man demnach von einer Konzentration der Juden auch in ihrer neuen Heimat mit Fug und Recht sprechen kann, muß doch hervorgehoben werden, daß auch das flache Land zum Teil eine sehr zahlreiche jüdische Bevölkerung aufweist. Selbst der berüchtigte „far West“, darunter Staaaten wie Washington, Montana, Utah und Texas, ja sogar Neumexiko und die Heiurat des „Arizona Kicker" haben teilweise mehr Juden als nmnches große Gouvernement des Innern Rußlands. Weniger als 1000 Juden finden wir nur in vier Staaten, nämlich Delaware, Idaho, Nevada und Vermont mit zusammen. 2228 jüdischen Einwohnern. Weitere 17 Staaten weisen 1—5000 Juden auf. So wohnen in Arizona 2000, Montana 2500, Washington, am äußersten Nordwesten der Republik 2800 und in Florida 3000 Juden. Die Staaten Iowa, Maine und Utah weisen je 5000 Juden aus. In Connecticut und Oregon leben je 5500, in Kolorado 5800, in Nord- Karolina 6000, in Albama 7000, in Michigan 9000 und in Minnesota und Tennessee je 10 000 Juden. Es leben demnach in 33 Staaten gegen 123 548 Inden. Fast ebensoviel Inden wie die erwähnten 33 Staaten weisen die folgenden 9 Staaten mit einer jüdischen Bevölkerung von 11—25 000 Juden auf. Es beherbergen Kentucky und Louisiana je 12 000, Texas, Virginia und Visconsin je 15 000, Indiana und New Jersey je 25000 Juden. Endlich zählt Maryland 26, Californien 28 und Missouri (St. Louis) gar 50 000 Juden. Sehr zahlreich sind die Juden in Massachusetts, wo sie 60 000, Illinois, wo sie 75 000, und Pennsylvanien, wo sie 95 000 Seelen zählen, und die großen Ghettos von Cincinnati, Chicago und Philadelphia bilden,. Diese Ghettos reichen aber bei weitem nicht an das gewaltige In denviertel von Newyork heran, das mit seinen 500 0OO jüdischen Bewohnern das größte Gemeinwesen. aller Zeiten und Länder darstellt. Ein so großes jüdisches Gemeinwesen, das zu einer anderen Zeit und unter anderen Umständen ein bedeutendes Kulturzentrum und ein großer Segen für die jüdische Gesamtheit sein würde, bMdet in einem modernen Staate am Beginn des 20. Jahrhunderts Mhe Gefahr für das amerikanische Judentum und eine ständige Bedrohung des gesamten jüdischen Emigrationswesens. Die weitere Ver-! größerung dieses Ghettos wird unvermeidlich zu. einer Erschwerung der jüdischen Einwanderung in die Vereinigten Staaten von Nordamerika führen. Lrirk aus Suhlsnd. Von Leon A. Trachtenberg. Odessa im Januar 1904. ine ziemlich lange Zeit ist verstrichen, seitdem ich zum letztenmal Ihnen geschrieben. Heute nehme ich wieder meine Referentenpflichten auf, und will Ihnen so manches Interessante.von hier aus sowohl, als auch aus den andern Provinzen unseres, unermeßlichen Russenreiches berichten. Vor allem eine für uns sehr wichtige Mitteilung. Hadernu8 paparn! Nach einem vierzehnjährigen Intervall fand am 24. v. M. int hiesigen Stadthaufe in Gegenwart des Stadtrates V. F. D o cki,

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