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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-01-08 · Heft 2 (8.1.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Zeugnisse ausgenommen. Der Magistrat hat die Leistung eines Beitrages zu den Kosten in Anssicht genommen. Die Einführung des Neligionsunterrichts an den höheren Töchterschulen ist in Anssicht genommen, falls sich die neue Einrichtung bewährt. Von dielen Gemeindemitgliedern wird diese Neuerung mit Sympathie begrüßt, doch das Bedenken dabei erhoben, daß die bewilligten zwei Stunden wöchentlich durchaus ungenügend seien, mit den seitherigen guten Leistungen der Gemeinde-Religionsschule gleichzukommen und daß daher dahin zu wirken sei, daß als. Ergänzung dieser zwei Stunden die jetzige Neligionsschule in ihrer jetzigen Vollständigkeit beibehalten werde, was auch vom Vorstande und vom Landrabbiner beschlossen ist, da eine ersprießliche Erteilung des Nnterrichts int Hebräischen in den höheren Lehranstalten wegen der durch die Verhältnisse gebotenen Vereinigung mehrerer Schulklassen geradezu umnöglich ist. — Am 0. v. M. sanden die Wahlen in der Synagogengemeinde für die ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes und des Nepräsentantenkollegiüms statt, wobei Herr Albert Neuberg als 2. Vorsteher, Rechtsanwalt Dr. Joseph Wolfes als Vorstandsmitglied und die Herren Gustav Hildesheimer, Hermann Meyer und Aron Rosenthal als Repräsentanten wiedergewählt wurden. -- Minden, 2. Januar. Unsere Synagogengemeinde feierte gestern das Jubiläum ihres verdienstvollen Lehrers und treuen Seelsorgers, des Predigers Liepmannssohn, der aus eine 2öjährige segensreiche Wirksantkeit in seiner Geineinde zurückblickt. Seit Jahrzehnten steht Liepmannssohn im Vordergrund aller Bestrebungen der israelitischen Lehrerwelt und hat für die Selbständigkeit und Unabhängigkeit des jüdischen Lehrerstandes, für seine äußere und innere Besserstellung und Bewertung, für seine Selbsthilfe gekämpft: aber auch wenige sind von der Natur so znm Kämpfer mit der Anssicht ans ganzen nnd vollen Erfolg ausgestattet wie er. Hervorragend durch durchdringenden Verstand, scharfen Blick, gewaltige Redegabe und praktische Einsicht, gepaart mit warmem Herzen — so steht er jederzeit auf der Warte. Seit langer Zeit ist er Mitglied und stellvertretender Vorsitzender im Vorstand des Vereins jüdischer Lehrer von Rheinland nnd Westfalen und dessen Unterstütznngskasse. Eine gleich segensreiche Wirksantkeit entfaltet Herr Liepinannssvhn als Delegierter aus den Verbandstagen. An der Begründung und Ausgestaltung des Verbandes und seiner Institution hat er hervorragenden Anteil. Dieser zeitraubenden Tätigkeit reiht sich eine reichgesegnete Wirksamkeit in der Gemeinde, eine erfolgreiche Arbeit als Leiter eines weitbekannten Institutes zur Erlangung des „Bere'chtigungsscheines" an. t. Dortmund, B. Januar. Znm zweitenmal ist nufere Gemeinde innerhalb weniger Monate verwaist. Am 18. Juli v. I. starb plötzlich der langjährige Vorsitzende im Vorstände der hiesigen Synagogengemeinde, Herr Adolf Elias. Tags zuvor war er aus Bad Nauheim zurückgekontmeu, wo er sich gut erholt hatte. Aus dem ersten Spaziergänge, den er in der Heimntsstad't unternahm, überraschte ihn der Tod, und man brachte ihn als Leiche in seine Wohnung zurück. An demselben Abende machte der ziveite Vorsitzende, Herr- Bankier Hermann Stern, der Eenteindevertretnng in ihrem Sitzungssaal!: die offizielle Mitteilung von dem schweren Schlage, der die Genteinde betroffen; in würdigen, bewegten Worten dessen gedenkend, was der so plötzlich aus dem Dasein Gerufene für die Gemeinde gewirkt und erstrebt. Bei der Neukonstitniernng des Vorstandes trat Herr Bankier Hermann Stern an die Spitze der Gemeinde. Er war ganz der Mann, geeignet, eine immer mehr empvrblühende Gemeinde, wie die nnsrige, die bereits über 2000 Seelen zählt, zu leiten. Mit einem reichen Verstände verband er eilt rasches Urteil: mit einem liebenswürdigen Wesen ein zartes Taktgefühl. Er ehrte und achtete die Ueberzeugung eines jeden, auch wenn sie mit der seinigen sich nicht in llebereinstimmnng befand. Nicht lange sollte er an der .Spitze unseres Gemeinwesens stehen. Nach schwerem, mit Würde und Ergebung getragenem Leiden, schloß er am vergangenen Dienstag seine müden Augen für imnter. Gestern haben wir ihn bestattet. In seiner ergreifenden Rede schilderte unser Prediger, H. Rothschild, aut Grabe den Verlust sehr treffend an der Hand des Prophetenivortes Sam. l, Kap. 2, 18. ,,Morgen ist Neumond, du aber wirst vermißt werden, denn dein Platz wird künftig leer sein." — An die Spitze der Gemeinde wird ohne Zweifel jetzt H. D. Leeser treten, der dem Vorstände schon längere Zeit angehört und während der Krankheit des Herrn Bankier Stern die Geschäfte bereits mit Geschick und Umsicht geführt hat. — Aber nicht nur im Vorstande der hiesigen Gemeinde hat der Tod im abgelaufenen Jahre eine reiche Ernte gehalten, auch in dem Vorstande des hier domilizierendeu Vereins „Israelitisches Altersheim in Westfalen". Von sieben Mitgliedern hat er drei geraubt, den bereits genannten früheren Vorsteher der Dortmunder Gemeinde, Herrn Elias, Herrn Mendel-Bochum und Herrn van Perlstein-Hagen. —t. München, 1. Januar. Die gestern erschienene Liste der aus Anlaß des Jahreswechsels verliehenen Anszeichnungen weist vielleicht zufällig keine Ordensverleihung an einen Inden ans, während durch Verleihung von Titeln relativ zahlreiche Glaubensgenossen ausgezeichnet wurden. Zu Justizräten wurden ernannt die Rechtsanwälte David Frenckel, königlicher Advokat in Kaiserslautern, Dr. Heinrich Frankenburger, Mitglied der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde,Dr. O ttoWasserm a n n, I n li ns F eu st, Dr. Jsido.r Harburger, Dr. Moritz Obermeyer, diese in München, Joseph Landmann in Nürnberg, Dr. Jo fest h Werner, Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Bamberg. Der ebenfalls, zum Justizrat ernannte bekannte Schriftsteller Max Bernstein ist schon seit Jahren aus dein Judentum ausgetreten. Die Ernennung so vieler israelitischer Rechtsanwälte erklärt sich daraus, daß zur Zeit ihres Zuganges zur Rechtsanwaltschaft ein großer Mangel an geprüften Rechtspraktikanten war, so daß damals die Anstellmtgsverhältnisse > iin Richterdienst außerordentlich günstig waren und infolgedessen verhältnismäßig viele Juden den beschwerlichen A'nwaltsberuf übernahmen. — Ter praktische und Badearzt Dr. Sigismund Goldschmidt in Bad Neichenhall, ein Sohn des ehemaligen Rabbiners Dr. Goldschmidt in Leipzig, wurde zum königlichen Hofrat ernannt. — Zn Kommerzienräten wurden ernannt der königliche Handelsrichter und Fabrikant Franz Wassermann, der Großhändler Julius Freundlich und der königliche Handelsrichter und Großhändler Jacob' Neinemann, diese in München, der Großhändler Karl Kronacher in Bamberg und der Großhändler- Joseph Hops in Nürnberg. —t. München, 1. Januar. Am BO. v. Nt. wurden die sterblichen Peste des königlich sächsischen Generalkonsuls Max Ritter von Wilmersdörffe r auf dem hiesigen Friedhose bestattet. Sein Sarg sollte den konservativen Anschauungen des Heiingegangenen entsprechend an und für sich von jedem Schmucke freigehalten werden; seiner weltlich cn Stellung entsprechend wurde, er jedoch mit den zahlreichen, meines Wissens ungefähr zehn Orden, dem Schiffhute und dem Degen des Verstorbenen bedeckt, und wurden die Kränze des Prinzregenten von Bayern, des Prinzen Rnpprecht von Bayern, des Prinzen Arnulph von Bayern und des Kronprinzen Friedrich August von Sachsen darauf angebracht. Der Leiche folgten der bisherige Staatsminister des königlichen Hanfes und des Aeußeren Dr. Graf von Crailsheim, der nenernannte Verkehrsminister von Franendorfer, der General der Artillerie von Sauer, der Hossekretär des Prinzregenten Geheimrat Ritter von Klug, der geheime Hofrat Bürgermeister Dr. von Borscht, der Polizeidirektor Halber nnd eine zahlreiche Versammlung der hervorragendsten hiesigen Persönlichkeiten. Der funktionierende Tranerredner, Rabbiner Dr. Werner, hatte Gelegenheit, vor der illustren Trauerversammtung, insbesondere auch die Anhänglichkeit des verstorbenen, zu hohen Ehren gelangten Patrioten an die angestammte Religion trotz aller derselben gewordenen Anfechtungen neben alten anderen Vorzügen desselben darzustellen, während am Grabe noch der Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde, Jttstizrat Ofner, der italienische Generalkonsul Ritter von Oldenburg und der königliche Unipersitätsprosessor Rigauer, dieser letztere als Vorstand der nuntismatischen Gesellschaft, sprachen: diese hatte der Verstorbene mitbegründet; er war lange ihr Vorstand gewesen und dann deren Ehrenmitglied; der Redner sagte von ihm, daß sein reiches Wissen ans dem Gebiete der Münzenkunde mterreicht . sei nnd seine Privatsammlung als die herborragettdste Deutschlands; gelte. Der Minister des königlichen Hauses und des Aeußeren, Frei- ' Herr von Podewils, sowie der sächsische Gesandte waren der Trauerversammltmg beizuwohnen verhindert, weil sie gleichzeitig beim! Prinzregenten anwesend zn sein hatten, weshalb sich ersterer durch

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