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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-01-08 · Heft 2 (8.1.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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68. Jahrgang. No. 2. Der ' Berlin, 8. Januar 1904. Vellage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums" Lorrrlponden?m und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 3. Januar. Von den Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde ist soeben Nummer 61 erschienen. Dieselbe enthält Nekrologe aus Julius Plotke und Gustav Davidsohn, sowie eine Fülle sehr interessanter Mitteilungen über die verschiedenen Zweige der wahrhaft segensreichen und ausgebreiteten Tätigkeit des Bundes. — Die Herren M. Katzen st ein aus Bielefeld und S. Schönlank aus Posen haben sich aus Gesundheitsrücksichten genötigt gesehen, ihr Amt als Mitglieder unseres Ausschusses nieder- ,zulegen. Beide waren Vertreter von Gemeindeverbänden, derjenigen in der Provinz Westfalen und im Regierungsbezirk Posen, an deren Spitze sie seit der Begründung der genannten Vereinigungen standen, beide haben sich nicht nur um ihre engeren Verbände, sondern auch um 'die Gesamtheit der im Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde vereinigten Gemeinden durch gemeinnützige Anregungen dauernde Verdienste erworben. Als Ersatz für diese Verluste hat der Ausschuß die Herren Dr. med. Apfel aus Cöln, jetzigen Vorsitzenden des „Provinzialverbandes rheinischer Synagogen-Gemeinden", Isidor Goldschmidt ans Dortmund, dem neuen Präsidenten des „Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens", und Rechtsanwalt Dr. Blau als Vertreter der Gemeinde Frankfurt a. M. einstimmig in sein Kollegium berufen. Verstorben ist der Delegierte, Vorsteher A. Elias in Dortmund, ausgeschieden Rechtsanwalt Luft in Ratibor, eingetreten als Delegierte: Rechtsanwalt Machol in Königstein i. Taunus und Rabbiner Dr. Selig mann in Frankfurt a. M. Der Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Michael Silberstein in Wiesbaden und seine Gemahlin beabsichtigen beim Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde nnt einem Kapital von 30000 Mark eine milde Stiftung zu begründen, die in ihrem Hauptbestandteil als Stipendiensonds für Studierende bestimmt ist, während mit dem Rest allgemeine wissenschaftliche und kulturelle Zwecke gefördert werden sollen. Die Stiftung tritt erst nach dem Ableben des verehrten Donatorenpaares in Kraft, das dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde sein Vertrauen auch dadurch bekundet, daß es ihm die Verwaltung der Summe schon bei Lebzeiten i überträgt. Da an der allerhöchsten Genehmigung zur Annahme der milden Schenkung nicht zu zweifeln ist, so werden schon jetzt die j Satzungen der Rabbiner Dr. Michael Silberstein'schen Stiftung, in ihrer sich an die Stistnngsurkunde eng anlehnenden Fassung in den iMitteilungen veröffenlicht. — Bezüglich des Religionsunterrichts kund der Fortbildungskurse für Religionslehrer hat der Ausschuß l seine an den Kultusminister gerichtete Petition wegen Durchführung ^des Religionsunterrichts an sämtlicheil höheren Lehranstalten unter ^Berücksichtigung der in der Zwischenzeit seitens der Zentralunterrichtskverwaltung eingesührten Verbesserungen ans dem fraglichen Gebieten den jüngsten Tagen erneuert. Nur seine den: Minister freiwillig ^gemachte Zusage einlösen zu können, beabsichtigt derselbe die Fortkbildungskurse zur Ausbildung akademisch gebildeter Lehrer der ^jüdischen Religion wieder aufzunehmen. Dies soll auf breiterer Basis Lals bisher geschehen, indem nicht bloß in Berlin, sondern auch in »nichtpreußischen Universitätsstädten, sofern geeignete Lehrkräfte und ^genügende Beteiligung gesichert ist, solche eingeführt werden sollen. ^Auch die Teilnahme von Lehrerinnen erscheint nach den bisherigen [. Erfahrungen als wünschenswert. Die Anlehnung an eine bestimmte [ theologische Lehranstalt dürfte nicht int Sinne der Großgemeinden; liegen, mit denen der Deutsch-Israelitische Gemeindebund in der Angelegenheit gemeinsam Vorgehen will. Der Ausschuß hat sich zunächst an die Vorstände von Berlin und München gewandt. An ersterer Stelle sind die vorbereitenden Beratungen noch nicht abgeschlossen. Der Vorstand der Israelitischen Kultnsgemeinde zu München steht dem Vorhaben sympathisch gegenüber, hält es aber, weil es sich um eine Angelegenheit aller bayerischen Gemeinden handelt, als zur Kompetenz des Landesvereines für Israelitische Kultusgerneinden in Bayern gehörig. Eine Beschlußfassung dieser Körperschaft konnte noch nicht erfolgen. — Das preußische Ministerium des Innern empfiehlt amtlich die Fürsorge - Erziehungsanstalt des genannten Bundes in Plötzensee für israelitische Mädchen den Provinzial- und Kommunalbehörden behnfs Unterbringung entsprechender Fürsorge-Zöglinge. Damit hat auch die zweite der von deni Gemeindebunde ressortierenden Anstalten den Rang eurer von der höchsten prerrßischen Verwaltungsbehörde anerkannten Zentralstelle erlangt, was wohl von keiner anderen jüdischen Anstalt gelten dürfte. Ja, noch mehr, auch die Königlich württernbergischen und Großherzoglich. hessischen Ministerien des Innern sind hierin dem Beispiele des preußischen Ministeriums gefolgt. Tatsächlich haben die Anstalten in Repzin und Plötzensee wenigstens bei einem Teile ihrer Zöglinge gute Ergebnisse aufzuweisen: einige Knaben konnten in Lehrstellen bei Handwerkern, einige Mädchen, im häuslichen Dienst untergebracht werden. Allerdings stößt das Kuratorium bei Unterbringung von Knaben ans große Schwierigkeiten. Es wäre zu wünschen, daß es hierbei bei dein jüdischen Handwerkerstande und den jüdischen Gutsbesitzern größeres Entgegenkommen fände. — Die jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee hat sich in erfreulicher Weise weiter entwickelt; die Frequenz ist ans 80 Mann gestiegen,! die in ausreichender und gewinnbringender Weise beschäftigt i werden. Die Staatsbehörden haben, in Anerkennung der I großen sozialen Verdienste der Anstalt, ihr die Rechte einer milden Stiftung und damit die Befreiung von Stempel- und Gerichtskosten gewährt. ' ■ — Berlin, 1. Januar. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am 29. v. M. seine Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende begrüßte die Erschienenen und erstattete den Iahres! bericht, welcher ein ferneres äußeres und inneres Wachstum des Vereins konstatierte. Die Mitgliederzahl ist ans 770 gestiegen und , hat die bisher höchste Ziffer erreicht. Die Vorträge und Vortrags- Cyklen waren zahlreich besucht; die Fortbildungskurse bewähren sich : immer mehr als eine segensreiche Einrichtung, die einen: wahrhaften Bedürfnisse abhilft. Die von der vorjährigen Generalversammlung beschlossene Abfassung einer Schrift apologetischen Inhalts ist über die vorbereitenden Schritte hinaus gediehen und die Fertigstellung dürfte in nächster Zeit erfolgen. Hieraus verlas Herr Willibald Löwen thal den Kassenbericht. Danach betrugen die Einnahmen 10 014,10 Mark, die Ausgaben 8679,27 Mark und der Kassenbestand 1334,89 Mark. Nach Erteilung der Entlastung für den Schatzmeister, die einstimmig erfolgte, wurden durch Akklamation sowohl der bisherige Vorstand wie auch die Revisionskommission wiedergewählt. Die Anregung des Herren Benas Levy, den Verein in das Vereinsregister eintragen zu lassen, begegnete allgemeiner Zustimmung und wurde beschlossen, zu diesen: Zwecke in einem der nächsten Monate eine außerordentliche Generalversammlung anzuberaumen. 8. Berlin, 5. Januar. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums hat von Herrn Rittergutsbesitzer Nathan Bernstein hier, dessen Wohltätigkeitssinn für alle Institutionen des Judentums rühmlichst bekannt ist, eine Schenkung von 100000 Mark erhalter:. Es ist das ein sehr nachahmenswertes Beispiel! Wir haben wiederholt daraus hingewiesen, daß unsere Wohltätigkeit oft nur zu gedankenlos imnrer noch in den ausgetretenen Geleisen wandelt. Ein Bett für das Krankenhaus, ein Iahrzeitsstipendinm für das Waisenhaus sind gewiß löbliche Zuwendungen. Aber viel wichtiger ist jetzt, in der Zeitperiode Delitzsch—Harnack—Chamberlain, die materielle Förderung der Wissenschaft des Judentums. Hoffentlich findet das eben mitgeteilte Beispiel eifrige Nachahmung seitens der Großen und Reichen in Israel. Die Lehranstalt bedarf, um ihren: großen Ziele nahezukonunen, großer Mittel. Sie muß daran denken, noch einige Dozenten anzustellen und endlich auch ein eigenes Hein: zu errichten, wie es fast alle anderen jüdischen Seminare bereits längst besitzen.

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