Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1904)
- Date
- 1904-01-08
- Page
- Seite 24 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Erna meinte Naserümpfend: „Dies Milien ist mir ganz und gar nicht sympathisch, doch Dakers wegen dürfen wir nicht fern-leiben." ' Bei Meyers aber war am letzten Tage des Jahres reges Leben. In der Küche schmorte und brodelte es. Selma schrieb Tischkärtchen, faltete kunstreich Servietten. ' ~ - Der Vater half im Saab den großen Tisch verlängern, decken, Waschen entkorken und was dieser nützlichen Dinge mehr sind. Frau Meyer kam. aus der Küche und fächelte sich mit der großen, blauen Schürze Kühlung zu. 1' 5 Sie ging zu ihrer Tochter. „Nun, Selma, mein Kind, wirst Du ohne Hilfe fertig fragte sie und küßte sie aus die Stirn. - Seltsam, wie diese ewig keifende Frau im Augenblick durch die Mutterliebe verschönert wurde! 0, Selma seufzte. * „Jetzt muß ich die schwerste Ausgabe losen, die Tischreihe zu ordnen." Her Meyer warf dazwischen: „Setzt die jungen Leute zusammen und macht sonst, was Ihr wollt." 3 Abends war alles in der schönsten Ordnung. Der Saal glich einem Blumengarten. „Alles Aufmerksamkeiten für unsere Selma," sagte. Frau Meyer, mit ihrem Arm einen Halbkreis beschreibend. 5 (Fortsetzung folgt.) : Literarische Mitteilungen. --- Dr. S. Funk: Die Jude»! in Babylonien, 200—500, I. Teil. Berlin, M. Poppelauer 1902. Bei der großen Wichtigkeit der talmudischen Epoche für die Entwickelung ui d den Ausbau des nachexilischen Judentums bedeutet jeder, auch der kleinste Beitrag, der uns dem Verständnisse dieser Zeit und ihrer geistigen Tätigkeit näher bringt, eine wertvolle Errungenschaft. In dem vorliegenden Buche begrüßen wir aber weit mehr als einen solchen. Ein herrliches Gesammtbild wird da vor unseren Augen entrollt: das Volk wird uns vorgeführt, das „Volk, wie es arbeitet und ruht, erwirbt und genießt, jauchzt und trauert, in der Lehre forscht und betet." DaS Leben, das staatliche, städtische und ländliche, öffentliche und private, gesellschaftliche und religiöse; die Lebensweise der Fürsten und Vornehmen, der Reichen und Annen, der Gelehrten und Unwissenden^ das bunte Treiben in den Bazaren und auf Märkten; die Sitten und Gebräuche im Hause wie in der Synagoge, arr Werk- und Festtagen — das Geringe wie das Bedeutende findet in diesem Buche die richtige Stelle. Die Gruppierung der ruannigfaltigen Einzelheiten ist geradezu meisterhaft. Auf diese Einzelheiten hier einzugehen, ist nicht möglich. Der Fachnrann wird aus jeder Seite, rramentlich in deN Noten und Anmerkungen, viel des Neuen finden. Wir verweisen hier nur auf die zahlreichen Anmerkurrgen, die sich auf die Geographie Babyloniens (vergl. die Noten über die Grenzstädte Maskan, Ganzak, Thilatikonium, Okbara und Awana, über die Städte Mediens Nehawend, Ehest, Kercha, Rumakan, über Daraukara u. a. m.), aus die Stellen, die sich aus die Eigenart der babylonischen Lehrweise (S. 140 und Note II) auf die Redaktion des Talmuds (S. 93 und 138) und auf halachische Sätze beziehen, die Funk mit den damaligen Zeitereignissen feinsinnig zu verknüpfen' weiß, wodurch es ihm gelingt, dunkle Talmudstellen, die man nur zu leichtfertig als talmudische Spitzfindigkeiten zu bezeichnen bereit war, zu erklären und als vom täglichen Leben diktierte Notwendigkeit verständlich zu machen/ Hervorzuheben wäre noch, daß das Buch trotz der Fülle von strengwissenschaftlichen Noten auch für den Nichtfachmann sehr gut lesbar ist! Uebergeht man die Exkurse, Noten und Anmerkungen, so ist es eine ebenso angenehme wie belehrende Lektüre, die nur bestens empfohlen werden kann. S. Z. --- Vor kurzem erschien mr Musikverlag von Aug. Klaiber in Laupheim (Wttbg.) eine „Keduschah" in vier Abteilungen für eine Singstimme mit Begleitung der Orgel, eine Komposition, die es verdient, in dieser Zeitung registriert zu werden. Die Aahl von wirklich guten, musikalisch wertvollen Keduschoth ist nicht allzugroß; um so dankenswerter ist es von den zwei auch vorher schon um den Synagogengesang verdient gewordenen Männern, den: Herrn Kantor E. Dworzan und dem Herrn Kapellmeister R. Später in Laupheim daß sie jene Zahl um eine gediegene Nummer vermehrt haben. Sämtliche vier Piecen (Abteilungen) sind melodiös, einfach gehalten, auch ohne Begleitung ergreifend; mit dieser erst recht wirkungsvoll. Die Lage, in der.sich die Gesänge bewegen, dürfte für die meisten Kantoren eine recht geeignete, das Eingreifen etwa vorhandener Synagogenchöre leicht durchführbar sein. Das Ganze kann füglich als eine glückliche Verbindung traditioneller Weisen mit moderner Musik genannt und darum gewiß dankbar ausgenommen werden, ü. Sxrechsaal. Löbliche Redaktion! n der letzten Nmnmer Ihres geschätzten Blattes bringen Sie über die hiesigen Stadtverordnetenwahlen eine ungenaue Notiz. Demgegenüber halte ich es für meine Pflicht zu erklären: Es ist unwahr, daß die jüdischen Wähler sich mit den Polen verbunden haben; vielmehr haben die jüdischen Wähler in den beiden ersten Abteilungen — nur diese beiden Abteilungen kommen iu Betracht — ihre eigenen Kandidaten aufgestellt, wobei allerdings der Kandidat der 2. Abteilung auch die Stimmen der polnischen Wähler erhielt und somit gegen den von den deutschen Wählern aufgestellten Kandidaten gewählt wurde. In der ersten Abteilung gaben allerdings drei jüdische Wähler ihre Stimmen für den polnischen Kandidaten ab und verhalfen somit demselben zum Siege gegen die beiden anderen Kandidaten. Richtig ist die Tatsache, daß das Verhalten der jüdischen Wähler veranlaßt wurde durch das Auftreten des Herrn Pastor Rhode, und daran anschließend durch das Verhalten des Vorstandes des Deutschen Wahlvereins. Unrichtig ist hierbei aber die Mitteilung, daß Herr Pastor Rhode anläßlich der letzten Reichstagswahl ein Flugblatt gegen die Inden veröffentlicht hat. Es handelte sich vielmehr um einen Artikel in dem von dem Herrn Pastor redigierten Blättchen „Heimatsgrüße", der auch aus der Feder des Herrn Pastor Rhode stammt. Schildberg, 24. Dezember 1903. Ergebenst B. Sa linder. Verehrliche Redaktion! estatten Sie mir zur Berichtigung der in Ihrem geschätzten Blatte reproduzierten Angabe, nach welcher in Kiel Aschenurnen beigesetzt werden, folgendes Schreiben, das mir vom verehrlichen Vorstand-dieser Gemeinde zugegangen, hiermit zu veröffentlichen. Kiel, den 27. November 1903. Den Inhalt Ihrer gefl. Zuschrift vom 23. November, Journal- Nummer 172, betreffend Beisetzung von Aschenurnen auf dem jüdischen Friedhof, haben wir dankend vorgemerkt. Wenn die Frage wegen Beisetzung solcher Aschenurnen an uns herantritt, werden wir diese Angelegenheit als eine religiöse Frage behandeln, und in solchem Falle dem Oberrabbinat die Entscheidung überlassen. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. I. A.: I. Frankenthal. In dieser Zuschrift wird ausgesührt, daß die Bergung der Aschenurnen ohne jegliches religiöses Bedenken den Krematorien überlassen werden kann, die Beisetzung derselben auf dem jüdischer! Friedhofe jedoch zurückzuweisen sei. Altona, 17. Dezember. Oberrabbiner Dr. M. Lerner. Druck und Verlag von Rudolf Masse ln Berlin, Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchivstz in perttfl«