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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-01-08 · Heft 2 (8.1.1904) · p. Seite 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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die Organisation der' Exzesse verschleiert werden, die doch nun vor der ganzen Welt als ein Werk der Regierungsorgane aufgedeckt wurden. Inzwischen hat sich infolge der Meldung, daß in Kischiuew am russischen Neujährstage ein neues Judenmassakre bevorstehe, das amerikanische Komitee. zur Wahrung der religiösen und bürgerlichen Rechte der Juden an den Präsidenten Roosevelt und an den Kongreß mit Petitionen um eine Intervention der Regierung gewendet. Der ehemalige Generalkonsul Simon Wolf unterbreitete dem Staatsdepartement namens, der vereinigten jüdischen Gesellschaften ein dringendes Hilsegesuch. Vorher schon hatte auf Anordnung des Präsidenten Roosevelt das Staatsdepartement eine Untersuchung einleiten lassen über die Lage der Juden' in Kischinew. Der ehemalige Generalkonsul Wolf hatte eine Besprechung mit dem stellvertretenden Sekretär Loomis über die Lage. Er sprach später im Weißen Hause vor, ohne jedoch den Präsidenten Roosevelt zu sehen. Dieser ließ ihm sagen, er sei seiner Mission durch die vom Staatsdepartement Angestellte Untersuchung zuvorgekouunen. Nach einenr weiteren Privat-Kabeltelegramm des „Berliner Tageblatt" meldet die „Tribüne" aus Washington, daß das Kabinett beschlossen hat, von Schritten in der Kischinew-Angelegenheit abzusehen. Im Kabinettsrat habe der Kriegssekretär Root darauf hingewiesen, daß mamentlich angesichts der gespannten Lage in Ostasien Rußland irgendwelche Vorstellungen zu Gunsten der Kischinewer Juden als unfreundliche Handlung betrachten müßte. Andererseits wird berichtet, wenn es ein erneutes Judenmassakre gebe, so würden die diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und Amerika so gespannt, daß ihr Abbruch möglich sei. Das Kabinett habe sich in außerordentlicher Sitzung mit der Judenfrage beschäftigt, und der britischen Regierung würde mitgeteilt werden, daß Amerika sich allen etwaigen Vorstellungen anschließen wird. * In R u m ä nien ist es lauge ruhig gewesen. Jetzt kommt die Mitteilung von neuen Maßregeln, die sich in erster Reihe wieder gegen die Juden wenden. In nächster Zeit wird im rumänischen Parlament die Gesetzvorlage des Ministers des Innern Vasile Lascar über die Neuorganisation der Landgemeinden zur Verhandlung gelangen. Mehrere Dörfer sollen zu einem Verwaltungsganzen in Form einer einzigen Gemeinde vereinigt werden. In dieser Weise wird die Zahl der heutigen 2905 Landgemeinden ans 1313 vermindert und damit eine strengere Aufsicht der Gemeinden ermöglicht werden. Besonders; wichtig in dem neuen Gesetze sind die Bestimmungen, welche sich auf die Niederlassung der Fremden in den Landgemeinden beziehen. Unter Fremden ist in diesem Falle die große Anzahl -- nahezu 500000 — jener Bewohner gemeint, die, im Lande geboren, ihre ursprüngliche Staatsangehörigkeit verloren haben, demnach keine politischen und bürgerlichen Rechte genießen, jedoch allen Pflichten der rumänischen Vollbürger unterworfen sind. Diese. „Fremden" sind natürlich in erster Reihe Juden, dann aber auch Deutsche rc.; sie müssen behufs ihrer Niederlassung in einer Landgemeinde zuvor die Erlaubnis der Gemeindeverwaltung einholen unb zu diesein Zweck außer einem Sittenzeugnisse von den Behörden des Ortes, wo sie bis dahin gewohnt, auch noch den Nachweis erbringen, daß sie den Vorschriften des Rekrutiernngsgesetzes nachgekommen und sie gerichtlich unbescholten sind, sowie daß sie ein Handwerk verstehen zu werden, noch der Bestätigung des Distriktspräsekten. Ueberdies kann die Aufenthaltsberechtigung aus Gründen ver- - schiedenster Art jederzeit rückgängig gemacht werden. Wenn diese drakonischen Bestimmungen in der Praxis nicht gemildert werden, so wird durch das neue Gesetz die heute schon fast unerträgliche Lage der in Rumänien wohnhaften Juden noch weiter verschärft. * Die englische Regierung hat ihr aus dem letzten Zionistenkongreß mitgeteiltes Angebot, den Zionisten einen größeren Teil von Britisch-Ostasrika für eine autonome jüdische Siedelung zur Verfügung zu stellen, zurückgezogen, angeblich mit der Begründung, der innerhalb des Zionismus ausgetretene heftige Protest lasse das Projekt ihren Interessen so wenig entsprechend erscheinen, wie denen der Zionisten. Jew. Chron. stellt dieser Nachricht allerdings ein kategorisches Dementi entgegen mit dem Bemerken, daß die englische Negierung noch immer auf eine Antwort seitens der Zionisten warte — und die „Welt" schweigt. Sie berichtet nur über das Fiasko der zionistischen Verhandlungen mit der I. C. A., die ihre Mitivirkung nur dann in Aussicht stellte, wenn es „sich um ein Kolonisationswerk im eigentlichen Sinne, nicht um eine politische Unternehmung handelt". DieMajorität derrussischen Zionisten erhob bekanntlich bereits ans dem Kongreß energischen Widerspruch gegen den Plan, den sie als „eine Verletzung der Grundidee des Zionismus" ansahen. Das hatte zur Folge, daß der bloße Antrag auf Entsendung einer Untersnchungsexpedition eine Minorität von 178 Delegierten gegen sich vereinigte. Inzwischen hat auch im November in Charkow eine Konferenz derrussischen Zionistenstattgefundeu. die sich in schroffer Weise gegen das Uganda - Projekt aussprach und verlangte, Dr. Herzl „solle eine schriftliche Garantie leisten, das Ostasrikaprojekt gänzlich zu liquidieren, und zwar nicht später als bis zum 7. Kongreß." Ebenso solle Dr. Herzl schriftlich sich verpflichten, „späterhin keine neuen Territoriums- Projekte als Führer des Zionismus ins Leben zu rufen." Wenn es sich bewahrheitet, daß die ursprünglich in Aussicht gestellten Landstriche seitens der englischen Regierung neuerdings verweigert und dafür ungesunde, mehrere hundert Kilometer von der Eisenbahn entfernte Territorien angeboten worden seien, was mit einem sicheren Fiasko des Unternehmens gleichbedeutend gewesen wäre, so könnten die zionistischen Führer mit dieser Entwicklung der Dinge zufrieden sein. Auch die Erklärungen Sir Harry Johnstons in seinem Vortrag zu London am 23. v. M. beweisen, daß das Projekt kein glückliches gewesen ist. - Es wäre aber schade, wenn sie sich durch das nngestüme Vorgehen der östlichen Gesinnungsgenossen davon abhalten ließen, ein anderes, zur Kolonisation geeignetes Territorium in den hiefür zur Verfügung stehenden Ländern bald auszusuchen. Lilder aua und Lekornworlchläse für Gali-ikn. Von Henriette Fürth-Frankfurt a. M. ie traurigen Vorkommnisse der letzten Jahre und die sich daran schließenden Kongresse und Verhandlungen haben mehr noch, als dies früher schon der Fall war, die Aufmerk-. oder ein Kapital von mindestens 1000 Francs besitzen. Die samkeit auf" die Tatsache gelenkt, daß Galizien eines der Ermächtigung der Gemeindeverwaltung bedarf, um rechtsgültig I schlimmsten Quellgebiete des internationalen Mädchenhandels ist.

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