Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Larnow, Ezernowitz, Suczawa, Bielitz, Olmütz. uird Prag' befinden. ♦ Die statistischen Arbeiten in Ungarn hat eine Gruppe übernommen, welche aus dem Verein ungarisch-jüdischer Hochschüler zu Budapest unter dem Vorsitze von Rabbiner Dr. Max Weisz hervorgegangen ist. Ein-selbständiger Verein für jüdische Statistik wurde eben in Londonbegründet. Die Initiative hierzu hatte ein Komitee ergriffen, welches unter dem Vorsitze von Mr. A. E. Franklin folgende Herren umfaßt: I. Abrahams, E. Eichholz, S. Gelberg, H. H. Gordon, B. Jacobs,, H. S. Lewis, S. Rosenbaum, A. Weiner. Als Ehrensekretär funktioniert Mr.-S. Rosenbaum. Das genannte Komitee berief Ende November ein Meeting, welches unter Beteiligung hervorragender jüdischer Ge-- lehrter Englands im Jews’ College stattfand und die erste Inan griff-? nähme jüdisch-statistischer Arbeiten in England beschloß. Der neue Verein sieht sich einer besonders schweren Aufgabe gegenüber, da irr England -die offizielle Statistik den konfessionellen Gesichtspunkt nicht berücksichtigt und der Verein daher die Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung durchaus auf Grund selbständiger Erhebungen feststellen muß. Das von dem provisorischen Komitee entworfene Arbeitsprogrcimm umfaßt neunzehn Gesichtspunkte, welche alle Seiten des? Lebens der jüdischen Bevölkerung erschöpfen. Auch in Nordamerikaist ein Verein für jüdische Statistik im Entstehen begriffen, dessen Begründer der Herausgeber der Jewisli Encyclopedia, Dr. Isidor Singer, ist. Man darf hoffen, daß der nordamerikanische Verein, dem die Beihilfe der zwei ausgezeichneten jüdischen Statistiker Josef Jacobs und Dr. Cyrus Adler gesichert ist, eine erfreuliche Entwicklung er-, fahren wird. Um die große Erschwerung, mit der die jüdische Statistik? auch in anderen Ländern, wie in Frankreich und Italien, zu kämpfen? hat, in Zukunft zu beheben, regte der Vorsitzende des Vereins für jüdische Statistik, Dr. Alfred Nossig, auf dem im September d. I. zu? Berlin äbgehältenen Internationalen Statistischen Kongreß die Idee an, daß das Internationale Statistische Institut die - Regierungen der betreffenden Länder beeinflussen möge, bei den, nächsten Zählungen' die Frage nach der Konfession zu stellen. Auf. Antrag des Vereins wird diese auch vom allgemein wissenschaftlichen! Standpunkte äußerst wichtige Reform auf die Tagesordnung des? Statistischen Kongresses gestellt werden. Die Berliner Zentrale des. Vereins für jüdische Statistik sowie seine auswärtigen Sektionen setzen? zur Zeit die Arbeit an der Bibliographie der jüdischen Statistik fort,., gleichzeitig aber wurde schon das Exzerpieren der Quellen und bct§, Sammeln aller bis jetzt vorhandenen Materialien zur jüdischen, Statistik begonnen. Im Beginne d. I. 1904 wird eine Allgemeine Mitgliederversammlung des Vereins in Berlin stattfinden, zu welcher auch die auswärtigen Korporationen, welche dem Verein als Mitglieder beigetreten sind, Vertreter zn designieren berechtigt sein werden., Initiativanträge können schon jetzt der Berliner Zentrale (Berlin-: Halensee) eingeschickt werden. 5. Schievelbein, 24. Dezember. Große Teilnahme erregte der Tod des Vorstandsmitgliedes des Israelitischen Frauenvereins, der allseitig verehrten Frau Julie Borchardt, in unserer Gemeinde. Die Trauer war eine allgemeine, denn die Verstorbene war im wahren Sinne. des Wortes eine sürsorgende Mutter der Armen und Bedrückten: ihm war jedergleich, welcher Konfession er auch augehörte. Welcher Verehrung sie sich zu erfreuen hatte, konnte man an dem großen Lerchengesolge sehen, dem sich auch die christliche Geistlichkeit angeschlossen hatte. Mehrere Vorstandsdamen des Vaterländischen- Frauenvereins, deren rühriges Mitglied des Vorstandes die Verklärte lange Jahre gewesen war, folgten ihrem Sarge, auch die Vorsitzende, Frau Landrat Gräfin von Baudissin, ließ es sich nicht nehmen, der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. An den Zähren der vielen Armen, welche dem Sarge folgten, konnte man sehen, welche treue helfende Hand ihnen allen verloren gegangen ist. F. Aus der Provinz Posen, im Dezember. Vor einigen Tagen , besuchten wir'die lebhafte, betriebsame Grenzstadt Kalisch, um dem' dort?. im Älter von .82 Jahren verstorbenen Rabbiner R: Samson. Arenstein die letzte Ehre zu erweisen. Kalisch, das bei einer Bevölkerung von gegen 30000 Seelen mehr als den vierten Teil Juden zählt, hatte sein gewohntes Aussehen verändert. Die? große Menge , der jüdischen Läden und Lädchen, wenn man den letzten Ausdruck euphemistisch für die Verkaufsräume gebrauchen darf, war geschlossen; die Fabriken, die zu hunderten jüdische Arbeiter beschäftigen, feierten: kürz,, die ganze Gemeinde stand unter dem Eindruck der Trauer?um das geliebte allverehrte geistige Oberhaupt; — einer Trauer, die in ihrer Tiefe einen mächtigen Eindruck machte, wenn sie auch in manchen ihrer Aeußerungen, wie einige Beispiele zeigen sollen,, für uns Westeuropäer etwas ungewohnt war. Als die Leiche des Verstorbener: aus der Wohnung hinausgetragen werden sollte, entstand zwischen den Mitgliedern der Clie:vra Kädischa, bte wie sonst, so auch hier dieser: Ehrendienst verrichten wollten, und zwischen den Schülerr: der Rabbi ein Streit, man kann fast sagen, ein Kanrpf. Und als einer der Fremden seinem Nachbar bemerkte: Soll das Kwaud hames sein? (die Ehre, die man einem Toten schuldig ist) — erhielt er die Antwort: ^äerade, gerade darin besteht der Kowaud, daß man sich schlägt, um sich mit ihm missassek zn fein." Und auch die gewöhnliche Werkeltagskleidung, in der das Publikum im Tempel erschien, bedeutete eine Ehrenbezeugung für der: Entschlafener:. „Ist heute äomtcnv für die Gemeinde oder TischobW?" — erhielt ich auf ineine Bemerkung zum Bescheide. Tausende folgten dem Zuge, verlangten Einlaß in die Synagoge oder standen draußen während der Dauer der Leichenreden, ohne daß eine Störung die Feier getrMt. hätte. Ein Redner wendete auf der: dahingeschiedenen Rabbinex /die Trauerklage von Rabbi Seirg an: „Das Land Sir:ear hat ihn empfangen und geboren, das Land der Schönheit hat ihn groß gezogen und wachsen sehen zu seiner Lust; wehe — so ruft Liberias —, daß es dies kostbare Kleinod verliert." R. Sarnson Arensteir: stammte aus Deutschland, ans der weltberühmten Gerneinde Kempen, wo noch heut seiner Familie rühmende und anerkennende Erinnerung bewahrt wird, wanderte in junger: •' Jahren nach Polen, wo er dann mehr als ein halbes Jahrhundert . in verschiedenen großer: Gemeinden als Rabbiner wirkte, und erfreute sich eines weitreicherrden Einflusses. und ausgebreiteter Verehrung. Diese kam in der: Trauerreder: zu . warm empfundenen: Ausdruck: Im Trauerhause sprachen die Rabbiner vor: Pleschen und Ostrowo; in der Synagoge, vor derselben und dem Friedhof die Rabbiner vor: Czenstochau, Pietrikau, Dobra, Wieruszow, Wartha und der Daj.an vor: Kalisch. Das Arrdenker: des Gerechten sei zum Segen! m. Vom Rhein, 20. Dezember. In ur:serer.rheinischen'Metropole. fanden in der vergangener: Woche die Neu Wahlen zr:r Repräsentanten-.. Versammlung statt. Die Beteiligung war eine ungewöhnlich starke, da durch die Wähler: auch die Orgelfrage entschieden werden sollte. Der „liberale Verein" errang mit 11 gewählten Kandidaten den Sieg über den orthodoxen „jüdischen Volksverein", der r:ur 6 Kar:didaten, sämtlich in der dritter: Klasse, durchbrachte. Eine Stichwahl ist erforderlich. (Also nicht das Loos errtscheidet, wie Sie jüngst berichtet Haben.) Darnit werden die Liberaler: ihre berechtigte Forderung, daß wenigstens in' einer der Kölner Synagogen eine Orgel aufgestellt werde, durchsetzen. — In der: Schwesterstädten Elberfeld-Barmen wurde jüngst ein Verein irrs Leben gerr:fen, der die allgemeinste Beachtur:g rrnd Nachahmung verdiente. Es ist ein Nebelstand, daß .rrach dem Schlrrß der Geschäfte die Angestellten sich meist selbst überlassen und so vor die Frage gestellt sind: Wo und wie verbringen wir unsere Zeit? Nur selten hat der eine oder die andere Anschluß an eine verwandte oder befreundete Familie, die meisten suchen einen Zeitvertreib, der leicht für ihr geistiges und leibliches Leben Nachteile im Gefolge hat. Die Vergnügungen, die die Großstadt ja in Hülle und Fülle bietet, sind ein gefährlicher Strudel, der manches Opfer verschlingt. Andererseits könnte gerade die Großstadt mit ihren vielen Bildungsmitteln eine Stätte für Weiterbildung und edle Geselligkeit sein. Es war von Herrn Dr. med. Apfel-Barmen ein vorzüglicher sozialer Gedanke, es müsse für die Angestellten der jüdischen Geschäfte ein Heim ins Leben gerufen werden, wo sie nicht nur Wohnung und Beköstigung finden, sondern wo sie ihre freie Zeit nützlich verbringen können. . Es sollen ihnen populäre Vorträge, besonders über die jüdische Literatur, geboten werden. Herr Dr. Apfel betonte mit Recht, daß etwas geschehen müsse, um der Entfremdung vom Judentum unter ‘ der Jugend zu steuern. Da die Geschäftsinhaber ihr Interesse der Anregung des Herrn Dr. Apfel"zugewandt haben, so wird sie wohl gute Früchte bringen. a. Frankfurt a. M., 25. Dezember. Wie Sie bereits kurz ge- meldet haben — allerdings mit einem Druckfehler, der aus dem. Namen „Ehrlich" vielmehr „Ehlich" machte — ist unser Mitbürger,