Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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„Bringt Holz herbei und tragt es schnell zusammen! Es gilt zu strafen frecher Frevler Spott. . Es gilt ein heilig Werk. Auf! Schürt die Flammen! Der Ketzer hier glaubt nur an einen Gott." Es steigen Feuersäulen aus und nieder, Die Menge jauchzt, von blinder Wut betört; Die bleichen Lippen flüstern fromme Lieder .... Der Dornbusch brennt, doch nicht wird er verzehrt. O weinet nicht, des Ostens arme Brüder, Die ihr mit Herzblut euren Glauben zahlt, Einst flieht die Nacht, dann kehrt der Morgen wieder, Im Osten golden dann das Frührot strahlt. Ob Pfeile auch die wunde Seele trafen, Ob dunkler Wahn auch euer Glück zerstört: Der Hüter eurer Tränen wird nicht schlafen, Der Dornbursch brennt, doch wird er nicht verzehrt. Und wenn uns Dornen ritzen und verwunden, Und unser Frohsinn in die Tiefe sinkt, Wenn uns umfangen weherfüllte Stunden Und aus der Gruft kein Hoffnungsschimmer winkt: Dann soll das Dornenbild uns froh begrüßen, Dann laßt uns beten!, und der Himmel hört — Der Winter dräut, doch auch der Lenz muß sprießen. Der Dornbusch brennt, doch nicht wird er verzehrt. Litersrilche Mitteilungen. — Die durch ihre segensreiche Wirksamkeit in Rußland bekannte, seit zwölf Jahren bestehende hebräische Verlagsgesellschaft „Achiasaf" schreitet jetzt zur Herausgabe einer hebräischen Encyklopädie des Judentums unter dem Titel: filTTn ‘1STX- Der Plan zu diesem Werke ist von „Achad-ha-Am" (Uscher Ginzberg) vor Jahren entworfen worden; in den letzten zwei Jahren wurden die nötigen Vorbereitungen (Beschaffung eines Fonds, Bestallung der Redakteure re.) getroffen, und dürfte der erste Band schon im Lause des nächsten Jahres erscheinen. Redaktionsbnreaus befinden sich in Odessa („Achad-ha-Am") und Warschau (Dr. Josef Klausner). Für Westeuropa wird am 1. März 1904 ein Redaktionsburean in Berlin eröffnet. Zum / Leiter dieses Bureaus ist Dr. David Neumark, gegenwärtig Bezirksrabbiner in Rakonitz, berufen worden. Ein weiteres Bureau für Amerika soll noch in New-Y ork errichtet werden. — In demselben: Verlage wird jetzt die von Dr. Neumark vorbereitete hebräische Uebersetzung der „Ethik des Judentums" von Lazarus in Druck gelegt.' Auch vom zweiten Bande dieses Werkes, welcher jetzt gemäß der letztwilligen Verfügung des Verfassers von Dr. Neumark im Vereine mit Dr. Ellbogen, Dozenten an der Lehranstalt, auf Grund des nachgelassenen Materials znr Darstellung gelangt, wird eine hebräische Ausgabe erscheinen. Sprechssal. Geehrter Herr Redakteur! : ^O^it Wehmut las ich den Artikel „Schiller und die Juden",! * * und wartete immer, daß Lazarus' Name als des tat- > kräftigsten Mitbegründers (und wahrhaften Dauerredners für das Zustandekommen!) der Schi llerstist n n g 1859 genannt würde/ : Aber selbst in der heute empfangenen Nummer der „Allgenreinen! Zeitung des Judentums", in der über die von Inden gehaltenen : Festreden, Toaste usw. berichtet wird, fehlt sein Name! 'Ge- > statten Sie daher folgende Ergänzung, die gewiß Ihre Leser j interessieren wird: j Lazarus Borarbeit und Beteiligung an der Gründung der Schillerstiftung ist ein so reiches, ja großartiges Thema, das nur in einem besonderen Aufsatz behandelt werden könnte. Hier sei nur folgendes erwähnt: nachdem . die Sitzungen der ersten konstituierenden Versammlung erledigt waren, trafen sich die geladenen Teilnehmer im Klublokal Fraternitas zum Festabendessen. Selbstverständlich wurde:: viele Reden gehalten, und am selbstverständlichsten mußte Lazarus heran! Er war der Delegierte aus Berlin (neben dem alten Zabel von der „National-Zeitung") und hatte in der Beseitigung der ursprünglich engherzigen Fassung des ersten Paragraphen und Veränderung zu Gunsten der deutschen „National"-Literatur, wodurch Tausenden von Schriftstellern die Wohltäter: der Schiller-Stiftung erst zugänglich wurden, eirren rednerischen Trir:u:ph gefeiert, der uni so bemerkenswerter war, als noch nienrand ihn als Redner kannte, und seine Jugend — er war damals 34 Jahre alt — unter den mehr oder minder ehrwürdiger: Siebzigern, doppelt auffiel. „Wie die Kletten hingen sie an mir," ries er halb gerührt und halb belustigt aus. Jmrner wieder wollten sie ihn hören. Er beleuchtete die improvisierte Frage: „Was ist Schiller und was ist r:ns Schiller?" — Wie seine Worte ausgenommen wurden, darüber muß ich schweigen, wie so oft, wenn ich gerade über ihn so recht mit der Sprache heraus möchte, aber die Worte, die der Vorsitzende, Herr von Wietersheims, nachdem noch sechs bis sieber: Herren gesprochen hatten, in tiefer Bewegung an Lazarus richtete, wenigstens den Anfarrg derselben, darf ich doch wohl hier wiederholen. Er sagte: „Ich knüpfe an das an, 'was unser Lazarus gesagt, — denn seine Rede war unstreitig das bedeutendste, was hier gesprochen worden ist, — das fühlen Sie alle mit mir, meine Herren, alle!" — Und nun einer: kleinen psychologischen Beweis, daß, wenn eine große Sache die Menscher: packt und hinreißt, selbst die Eigenliebe überwunden wird. In Wietersheims Worten lag eir: Lob, das Lazarus so sehr als Unfreundlichkeit gegen die anderer: ernpfand, daß es ihm mit einen: Schläge die frohe Laune verdarb. — „Beschämt, ja, geradezu betrübt," erzählte-er mir, „blickte ich rur: mich und — sah ringsum nur fröhliche, unbefangene Gesichter, begegnete rrur leuchtend-liebevollen Augen! Die Stimmung war eine so ehrlich-dankbare und freudig-" gehober:e, daß niernar:d bemerkt hatte, daß hier eine große Taktlosigkeit begangen worden war." Wie oft er dann im Jubel der Schillerfeier — vorher und nachher — noch gesprochen? wer weiß es? Aber jedenfalls dürfte doch bei dieser Gelegenheit an seine beiden großen Schiller-Festreden^) erinnert werden, die er 1884 — (bei der 25jähriger: Feier der Schiller-Stiftung)— am 10. November in Weimar, auf ausdrücklichen Wunsch des Großherzogs, und einige Tage später (22. November) irr Berlin, bei der großen Festlichkeit bei Arni:n gehalten hat. Hier rvar es, wo der Kronprinz sich von: Diner, das gerade Kaiser Wilhelm in: Schloß gab, fortstahl, um genau zum Beginn der Rede vor: Lazarus eiuzutreffen, und sie mit gespanntester Aufmerksamkeit anznhören. Was er dem Redner dann gesagt, besonders beim Abschied, als er ihn: die Hand reichte, — soll ich es Wiederholer:? Eir: Wort wenigstens, das viel bekannter sei,: müßte, als es der Fall ist; der Kror:prir:z sagte, Lazarus Har:d festhaltend, mit einen: Ton, in den: neben heiterer Treuherzigkeit ein tiefer Errrst lag: „Ja, ja, mein lieber Professor, Sie bleiben doch unser Fahnenträger des echten Idealismus!" Das ist ein authentisches Wort, gleich ehrend für den, der es gesprochen, wie für den, dessen Persönlichkeit in diesen: Motto genau und glücklich geprägt ist. Meran, 18. Dezember. Ihre ergebene Nahida Ruth Lazarus'. ') Eduard v. Wietersheim, ein geborener Luxemburger, vor: 1840—48 sächsischer Kultusminister, Verfasser der umfangreichen „Geschichte der Völkerwanderungen." . -) In: Druck erschienen bei W. Friedrich, Leipzig. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin, verantwortlich für die Redaktion: Max Lauchwitz m Berlin.