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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-12-28 · Heft 52 (28.12.1894) · p. Seite 618

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 52 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
Seite 618 (sequence 6)
Language
German
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818 befindet sich das Gelenk, welches das Aufschlagen ermöglicht, nicht am Rücken,' sondern etwa 3 Ctm. davon entfernt, und zwischen Gelenk imb Rücken die Einfügung für den Faden, welcher Kapsel und Zettel Zusammenhalt. Uebrigbleibender Raum wird durch weiße Zettel ausgefüllt. Auf diese Weise läßt sich ein alphabetischer Zettelkatalog in einer Art Buchform Herstellen. Die fettgedruckten Stichwörter werden im alphabetischen Katalog noch einmal handschriftlich herausgesetzt, um das Nachschlagen zu erleichtern. Der systematische Katalog wird in der Weise angefertigt, daß jeder Hauptabtheilung ein nummerirtes Verzeichniß der Unterabtheilungen vorangeht, die letzteren aber durch farbige Kartons, welche Nummer und Namen wiederholen, von einander getrennt werden. Auf diese Weise ist eine Art systematischer Zettelkatalog in Buchform geschaffen. Auch das gefällige Aeußere und die bequemere Handhabung eines derartigen Katalogs im Verhältniß zu handschriftlichen Folianten ist nennenswerth. Was die Entleihung der Bücher anbetrifft, so wird bei derselben sehr liberal verfahren, und sind dem Bibliothekar hierin die weitgehendsten Freiheiten gestattet. Die Entleihung nach auswärts findet statt an öffentliche Bibliotheken und Archive oder durch Vermittelung solcher an Private nach dem Ermessen des Bibliothekars. Die vermittelnde Bibliotheks- oder Archivverwaltung übernimmt die Garantie für rechtzeitige Rücklieferung in unbeschädigtem Zustand. Besonders prachtvolle und werthvolle Werke werden in den Räumen nur ausgestellt und nicht verliehen. Die Zahl der zu gleicher Zeit entliehenen Bände soll für gewöhnlich nicht über 5 betragen, doch kann in allen begründeten Fällen eine Ueberschreitung dieser Zahl, bis auf 30 Bände, gestattet werden. Die Ausleihefrist beträgt vier Wochen und kann zweimal auf ebenso lange erneuert werden. Die Frist für auswärtige Entleihung beträgt acht Wochen. Gesuche um Verlängerung derselben sind als genehmigt anzusehen, wenn keine Antwort erfolgt. Die Versendung der Bücher geschieht auf Kosten des Entleihers, die Rücksendung ebenso, und zwar unter gleicher Verpackung und gleicher Werthangabe, mit der dieselben abgeschickt wurden. Die Bibliothek, die jetzt rund 15,000 Bände besitzt, erfreut sich stetig eines zahlreichen Besuchs. So betrug im Jahre 1893 die Gesammtzahl der aus den Bücherräumen benutzten Werke 14,198 und die der Bände 21,881. Sehr groß ist auch die Zahl der Fremden unb Durchreisenden. welche die Bibliothek besichtigten, darunter viele hohe Herrschaften. Der Stifterin, Louise Freisräulein von Rothschild, war es leider nicht vergönnt gewesen, das segensreiche Wirken ihrer Anstalt lange beobachten zu können, denn sie starb, wie bekannt, am 23. März 1892, worauf ihre Mutter, die nunmehr auch bereits verstorbene Freifrau Carl von Rothschild, die Bibliothek fest begründete. Das Statut der letzteren erhielt am 1. März 1893 die königliche Genehmigung und damit die Anstalt die Rechte einer juristischen Person. Den Vorstand der Stiftung bilden 5 in Frankfurt a. M. wohnende Herren, welchen das Recht der Kooptation beigelegt ist. Als Aufsichtsbehörde fungirt der Regierungspräsident zu Wiesbaden. Das Vermögen der Bibliothek besteht aus dem Bibliotheksgebäude, dem in demselben befindlichen Jnventarium und einem Stiftungskapital von einer Million Mark, von deren Zinsen die sachlichen i nd persönlichen Ausgaben bestritten werden. Die ganz» Bibliothek ist ein Institut, welches der Stifterin und ihrer Vaterstadt zur Zierde gereicht. Möchte dieses Beispiel auch in anderen deutschen Großstädten Nachahmung finden! Franz Pulszky und die Juden. Von Dr. Adolph Kohut. f en Anhängern der ungarischen Regierungspartei, den Liberalen, welche jetzt im Reiche der heiligen Stephanskrone so tapfer für die Rezeption der Juden kämpfen, gebührt das Verdienst, daß sie von jeher sich von religiöser Unduldsamkeit frei wußten und ihre Landsleute dringend ermahnten, die jüdischen Staatsangehörigen als ihre Brüder, mit gleichen Rechten und Pflichten, zu betrachten und zu lieben. Diese erleuchteten Lebens- und Regierungsgrundsätze sind aber in den vormärzlichen Zeiten, als es noch keine 'verfassungsmäßigen Zustände in Ungarn gab, keineswegs Gemeingut der Massen oder einzelner Parteien gewesen; nur einige Wenige, die Führer der Nation, welche die Oriflamme der Freiheit kühn entrollten, predigten mit Flaminenworten die Lehre von der Gleichberechtigung der Juden mit den Anhängern der christlichen Konfessionen, und nur allmälig fanden ihre Humanitätsworte ein lautes Echo in der Seele des Volkes. Solche Geisteshelden waren z. B. Franz von Denk, „der Weise der Nation", der Vater des Ausgleichs, Baron Josef Eötvös, der erste ungarische Kulturminister nach Einführung des Dualismus, der berühmte Denker und Romanschriftsteller, Ludwig Kossuth, der Exdiktator von 1849, und Franz Pulszky, der ausgezeichnete Politiker, Schriftsteller und Gelehrte. Von all' diesen bevorzugten Männern, welche das Karpathenreich zu einem modernen Kulturstaat gestaltet, lebt nur noch der letztgenannte. Am 17. September hat er unter großer Betheiligung staatlicher Behörden und privater Korporationen, wie überhaupt zahlreicher Gebildeter aus aller Herren Ländern seinen 80. Geburtstag mit erfreulicher geistiger und körperlicher Frische gefeiert. Es war mir eine besondere Freude, den herrlichen Mann in Bild und Wort feiern zu können, und so habe ich denn wenigstens meinerseits einige Bausteine zu einem litterarischen Denkmal beigetragen. Umsomehr mußte es mir auffallen, daß von Seiten der ungarischen Judenheit, soweit ich es übersehen konnte, nichts geschehen ist, um den Ehrentag des Jubilars auch ihrerseits auszuzeichnen. Es giebt grwiffe Dinge, die man nicht vergeffen darf!... Oder sollte man im ungarischen Judenthum gar nicht wiffen, was Pulszky für die Juden und die Glaubens- und Gewiffensfreiheit gethan hat? Der gegenwärtige Direktor des Budapester Nationalmuseums und Direktor sämmtlicher Museen und Staatsbibliotheken seines Vaterlandes hat sich zwar auch als Schriftsteller, Archäologe und Kunstkritiker einen weit über die Grenzen Ungarns hinausgehenden Ruf erworben, aber am bekanntesten wurde er doch als Patriot und Politiker. Als solcher hat er jede sich ihm darbietende Gelegenheit benutzt, um die Rechte des Judenthums zu wahren, es gegen absurde Angriffe und Schmähungen in Schutz zu nehmen und die politischen wie gesellschaftlichen Vorurtheile, die sich gegen die Bekenner des mosaischen Glaubens hier und dort breit machten, zu verscheuchen. Im Jahre 1848 war Franz Pulszky ungarischer Staatssekretär und gleichzeitig Vertrauensmann der ungarischen Regierung in Wien. Die Freiheitsstürme, welche durch das Land wehten, erstreckten sich jedoch nicht auf die Juden; die Bürger derjenigen Städte, welche vor Kurzem politische Rechte erlangt hatten, wollten diese nur für die christliche Bevölkerung, nicht aber für ihre jüdischen Mitbürger haben; dies geschah besonders in jenen Orten, deren Bewohner größtentheils Deutsche waren. In Preßburg z. B. wurden die Juden vom sogenannten gebildeten Pöbel insultirt, als sie ihre Ghettos, welche sie bisher inne hatten, verließen. Auch in anderen Städten gab es derartige Ausschreitungen, welche den ungarischen Reichstag

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