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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-12-28 · Heft 52 (28.12.1894) · p. Seite 617

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 52 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
Seite 617 (sequence 5)
Language
German
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geht diese Woche -auf Ferien, die gesetzgeberische Maschine bleibt stehen, sie kann bis in zwei Monaten auch stocken?) Denn die Wogen der Wahlkampfbewegung gehen hoch; 'bevor die Vorlage zum Gesetze wird, können neue, wahre Volksvertreter, für die Recht und Gerechtigkeit kein leerer Wahn .ist, im griechischen Palais am Franzensring einziehen, — und damit trösten wir.uns. Are Nsthschild sche Bibliothek in Frankfurt a.M. Von Alexander Baum. (§^^rer im Sonmier seinen Reiseflug nach dem Süden unternimmt, sollte es nicht unterlasien, in Frankfurt a. M. die „Freiherrlich Carl von Rothschild'sche öffentliche Bibliothek" zu besuchen, eines der zahlreichen und nützlichsten Institute, welche die schöne Stadt am Main aufzuweisen hat. Die Bibliothek, deren Benutzung Jedermann gestattet ist, wurde zum Andenken des am 16. Oktober 1886 verstorbenen Freiherrn Carl von Rothschild von dessen Tochter Freifräulein Louise von Rothschild gegründet und am 3. Januar 1888 eröffnet. Die Bibliothek, die von dem Bibliothekar Dr. Christ. Wilh. Berghoeffer trefflich verwaltet wird, der mir auch in liebenswürdigster Weise gestattete, aus seinen Berichten über dieselbe zu schöpfen, verfolgt den Zweck ernster Belehrung und wiffenschaftlicher Arbeit, hauptsächlich in den Fächern der Archäologie und Kunstgeschichte aller Zeiten und Völker, der deutschen, französischen und englischen Philologie, der jüdischen Theologie und der Handelswissenschaften. Ein Grundstock von Büchern war vorhanden und bestand aus dem Nachlaß des verstorbenen Freiherrn in der Anzahl von etwa 3000 Bänden. Die Erbin, Frau Baronin Salomo von Rothschild, schenkte diese Sammlung der zu gründenden Anstalt. Neben oben genannten Fächern, welche in erster Linie angebaut tverden sollten, war auch die schöne Litteratur dem Publikum zrir Verfügung gestellt, außerdem sollten gediegene Unterhaltungsschriften, sowie einige der besten Zeitungen aufgelegt werden. Da nach dem oben mitgetheilten ursprünglichen Plan neben rein wissenschaftlichen Zwecken gleichsam die einer free library verfolgt werden sollten, so wurde zunächst die geringe Anzahl Romane, welche vorhanden waren, um eine größere Anzahl vermehrt. Doch gar bald mußten hierin Aenderungen eintreten. Abgesehen davon, daß die Stifterin einer Beförderung speziell der Lektüre moderner Romane, wie sie das Publikum wünschte, durchaus abhold war, und den Begriff einer free library nicht in dem Sinne aufgefaßt hatte, daß er Anschaffung und Ausleihung derartiger Unterhaltungslektüre in sich schließe, kam noch der Umstand besonders in Betracht, daß eine Vereinigung beider Ziele, rein wiffenschaftlicher und free libraryartiger, sich als kaum erreichbar zeigte. Die englische Freibibliothek soll in erster Linie den unteren Schichten des Volkes dienen, denjenigen, welche keine Mittel und keine sonstige Veranlaffung haben, durch Lektüre sich zu erholen und zu vergnügen, dann auch sich zu bilden und zu unterrichten. Eine wissenschaftliche Anstalt dient wesentlich denjenigen, bei welchen Bildung vorauszusetzen, gelehrte Arbeit oder wenigstens wissenschaftliche, resp. fachmännische Belehrung Ziel ist. Nun wurde die Freiherrlich Carl v. Rothschild'sche öffeuti) Die Vorlage ist inzwischen vom Abgeordnetenhaus und Herrenhaus in einer für-die galizifchen Juden ziemlich günstigen Fassung angenommen .worden. Di« Red. liche Freibibliothek — so hieß die Anstalt ursprünglich —, was die Roman- und Unterhaltungslitteratur betrifft, nahezu ausschließlich von solchen Leuten benutzt, deren Mittel erlaubten, ihre Wünsche auch in Leih- und Volksbibliotheken zu befriedigen, sodaß man gleichsam mit diesen Instituten in Konkurrenz trat. Nur in ganz geringer Anzahl stellten sich solche Benutzer ein, bei denen Mittellosigkeit oder Mangel an Anregung die Darbietung unentgeltlicher Lektüre gerechtfertigt hätte. Was als Ausnahme hätte geduldet werden müssen, war Regel; was Regel hätte sein müffen, wurde Ausnahme. Um das Mißverhältniß zu beseitigen, wurde zunächst der Ankauf von Romanen völlig aufgegeben, und wurden die Anschaffungen in der Folge nach strengeren Grundsätzen vorgenomnieu. Um die Benutzer nicht irre zu führen, wurden wenigstens die deutschen Romane, soweit sie in Leihbibliotheken gangbar sind, gänzlich aus den Katalogen entfernt. Das Bibliotheks-Gebäude befindet sich Bethmannstraße 1 und besteht aus drei Etagen. Die Parterrerüume bergen das mit der Bibliothek verbundene Vasenmuseum, welches gegenwärtig über 200 Nummern umfaßt, meist Vasen chinesischer und japanischer Herkunft und eine Anzahl Marmorbildwerke. Die ganze Sammlung ist dazu bestimmt, stets mit der Bibliothek vereinigt zu bleiben und der Besichtigung von Seiten des Publikums zugänglich zu sein. Das Entresol findet Verwendung als Bücherraum, die Zimmer der ersten Etage als Geschäfts- und Leseräume, die zweite Etage als Archiv-, Reliquien- und Konferenzräume, die dritte Etage wie die Mansarden als Wohnräume für Beamte. Es fehlt hier der Raum, alle Schönheiten der äußern und innern Ausstattung ausführlich zu beschreiben; ich will nur Einiges erwähnen, so z. B. das schöne Portal an der Bethmannstraße, welches vorn einen von Granitsäulen getragenen Rundbogen bildet, dessen Zwickel mit den allegorischen Figuren der Wissenschaft und des Kunstgewerbes geschinückt werden. Vom Portal aus betritt nian zunächst ein oblonges Entree, dessen Wände bunter Marmor bedeckt; zur Linken befindet sich das Vasenmuseum, das in einer Art Hufeisenform angelegt wurde. Steigt man die Treppe bis zur ersten Etage hinauf, so sehen wir an einer Wand das Denkmal des verstorbenen Freiherrn, das aus einem Medaillonbild in weißem Marmor und aus einer reichen in buntem Marmor gehaltenen Umrahmung besteht. Am intereffantesten sind die Bibliotheksräume und deren Einrichtungen. Die Beleuchtung sämmtlicher Räume erfolgt neuerdings durch elektrisches Glühlicht. Die Heizung der Bibliotheksräume findet durch Oefen statt. Als Schmuck dienen an geeigneten Stellen die Porträts hervorragender Gelehrten und Dichter. Von ganz besonderem Jntereffe dürfte eine Beschreibung des alphabetischen und systematischen Katalogs und desien Gebrauch sein, der, seiner äußeren Einrichtung nach, sich an die holländische Manier anlehnt, die bis jetzt in Deutschland nur in wenigen Bibliotheken dnrchgeführt zu sein scheint, so in Kassel, Wolfenbüttel, Heidelberg, Köln. Die Titelaufnahmen, welche so ausführlich sein niüssen, als jeder der in Betracht komiuenden Kataloge erheischt, werden alphabetisch geordnet in doppelter Kolonne einseitig auf Bogen von Schreibpapierformat gedruckt, die einzelnen Titel in Streifen aus diesen Bogen herausgeschnitten und auf Zettel von etwa der Größe 21,5.6,8 Ctm. geklebt. Diese Zettel, nahe der einen Schmalseite auf den beiden Längsseiten eingesägt, werden in entsprechend große, aus Lederrücken und Pappdeckeln bestehende Kapseln, die in gleichem Abstand vom Rücken ebenfalls eingesägt und mit Gelenken versehen sind, in der Weise eingehängt, daß durch die eingesägten Stellen ein Faden gezogen wird. Die Kapseln haben ganz das Aussehen von Einbanddecken von geringer Höhe, aber größerer Breite, nur

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