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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-12-14 · Heft 50 (14.12.1894) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 50 (14.12.1894)
Date
1894-12-14
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Vorstand des Centralvereins möge an den Vorstand der Gemeinde die Petition richten, die bestehenden kleineren Religionsgesellfchaften und noch zu bildenden kleineren Religionsgemeinden ausreichend zu unterstützen, motivirte diesen Antrag mit dem Mangel an Synagogen. Die Feiertage lieferten den Beweis für die Nothwendigkeit derselben, er wolle auf das Unwürdige der zu den Feiertagen in Ball-Sälen arrangirten Gottesdienste nicht ausführlich eingehen, es empöre aber sein religiöses Gefühl, zur heiligsten Zeit des Jahres in einem Saal die Andacht verrichten zu müssen, in welchem vorher und später der Lustbarkeit gefröhnt werde Es sei die Bildung von kleineren Gemeinden unumgänglich nothwendig und ihre Unterstützung vom Vorstande, bis in den betreffenden Distrikten Synagogen errichtet sein werden, dringend geboten. Der Centralverein habe in der langen Zeit seines Bestehens keinen Erfolg zu verzeichnen. Es seien keine Synagogen und keine Religionsschulen errichtet worden, er bitte daher, seinen Antrag, der zu einem positiven Resultate führen würde, anzunehmen. Herr Fürstenberg, welcher hierauf das Wort ergriff, erachtete es für besser, den Antrag dahin abzuändern, ob die jüdische Gemeinde nicht Baumeister veranlassen könnte, auf eigene Kosten Synagogen zu errichten dort, wo sie nothwendig sind, und auf eine begrenzte Zeit Synagogenmiethe zu entrichten, bis das Grundstück Eigenthum der Gemeinde würde Herr Schayer überging die Ausführungen des letzten Redners und wandte sich gegen den Antragsteller. Vor Allem bestritt er die negative Thätigkeit des Centralvereins. Er wies auf den Bau der Lindenstraßen-Synagoge hin. Als der Centralverein ins Leben trat, sei nur eine einzige Religionsschule (Neue Friedrichstraße) vorhanden gewesen. Dieser seien nunmehr noch zwei (Lindenstraße und Derfflingerstraße) hinzugekommen. Im Jahre 1887, im Gründungsjahre des Centralvereins, sei nur während der hl. Festeszeit ein provisorischer Gottesdienst (Philharmonie) von der Gemeinde veranstaltet worden. In diesem Jahre seien 7 gottesdienstliche Veranstaltungen von der Gemeinde ins Leben gerufen worden. Diese 7 hätten entschieden 14 private, gewerbsmäßige beseitigt. Aber er sei doch gegen den Antrag des Herrn Segal. Er strebe nicht die Uneinigkeit und Zersplitterung der Gemeinde an, sondern das Gegentheil. Die Gemeinde soll alle Lasten tragen und die alleinige Leitung in Händen haben. Ihr liegt es ob, für Alle zu sorgen. Durch ein Gesuch um Subventionen an kleinere restirende Gemeinden würde der Vorstand der jüdischen Gemeinde der Pflicht enthoben, Synagogen zu errichten, durch den Antrag, aber, noch zu errichtende Gemeinden zu unterstützen, würden dieselben wie Pilze hervorschießen. Im Uebrigen sei der Antrag überflüssig, da die Gemeinde bereits an kleinere Religionsgesellschaften Subventionen bewillige, nachdem durch eine eigens dazu gewählte Kommission die Sache geprüft würde. Er selbst habe dieser Subventions-Kommission angehört. Von 17 Gemeinden seien 11 um Subvention eingekommen; 5 können selbstständig existiren, 1 ist ohne Wissen des Vorstandes der jüdischen Gemeinde ins Leben getreten, 9 Gesuche wurden berücksichtigt. Alle Gesuche können nicht berücksichtigt werden. Nun entspann sich eine langwierige Diskussion über Religionsschulen, an welcher sich die Herren Salinger, Rosenthal u. A. m. betheiligten. Schließlich wurde folgende vom Vorstand unterbreitete Resolution zur Annahme gebracht: „Der Centralverein erkennt die schwierige Lage der in den äußeren Bezirken wohnenden Mitglieder der jüdischen Gemeinde bezüglich der Unterhaltung der durch die Noth errichteten Vereinssynagogen, muß aber getreu seinem Programm dafür wirken, daß durch die Errichtung von Gemeinde-Synagogen die Religions-Vereine unnöthig werden und geht deshalb zur Tagesordnung über." 55 Königsberg i. Pr., 9. Dezember Nachdem das kaiserlich russische Konsulat Hierselbst mit der Vereidigung der zur Zeit in hiesiger Stadt wohnenden russischen Unterthanen mosaischer Konfession beauftragt worden, hatten Letztere beschlossen, in Verbindung mit diesem staatsbürgerlichen Akt eine religiöse Feier zu veranstalten, um auch ihrerseits den Gefühlen anläßlich des Hinscheidens des Kaisers Alexanders III. und der Thronbesteigung und Vermählung des Kaisers Nikolaus II. Ausdruck zu geben. Der Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde, Herr Dr. Bamberger, erklärte sich bereit, dem bezüglichen Ansuchen zu entsprechen, und nachdem die vom Konsulat zu dieser Feier erbetene Gemeindesynagoge vom Vorstand auf das Entgegenkommendste eingeräumt worden, fand die in allen Theilen erhebende Feier Sonntag den 2. Dezember, Vormittags lll/2 Uhr, statt. Die festlich erleuchtete und mit Bäumen geschmückte Synagoge war von Andächtigen voll besetzt. Nachdem der in Begleitung seines Sekretärs erschienene Konsul Herr Melnikow von einer aus den Herren Levithan, Stavapolski und Pomarkin bestehenden Deputation in die Synagoge geleitet war, begann die Feier mit einem unter Leitung des ersten Kantors Herrn Birnbaum ausgeführten Gesänge, Psalm 49, Vers 2—8 und 16 -19. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Bamberger unter Zugrundelegung des Bibelwortes l/Buch Mosis, Kap. 32, Vers 2 und 3, die Trauerrede auf den verstorbenen Kaiser, die des tiefen Ein-' drucks auf die überaus zahlreichen Hörer nicht verfehlte. Hieran schloß sich das Ll mole-raebamim Gebet, vorgetragen vom Kantor mit Begleitung eines Männerquartetts. Nach einer hierauf folgenden Ansprache des Rabbiners, welche.auf die hohe Bedeutung und Heiligkeit des zu leistenden Eides der Treue für den neuen Herrscher hinwies, vollzog sich der eigentliche Vereidigungsakt, indem der Wortlaut des vorgeschriebenen Eides von dem Herrn Konsul vorgesprochen wurde. An die altjüdische Liturgie für das Herrscherhaus schloß der Rabbiner noch ein Gebet, in welchem der himmlische Segen auch für das deutsche Kaiserhaus erfleht und dem Wunsche inniger Ausdruck gegeben wurde, daß die durch Bande des Blutes verknüpften Kaiser Deutschlands und Rußlands sich zum Segen der beiden großen benachbarten Reiche immer enger an einanderschließen und einen Hort des Völkerfriedens bilden mögen. Während die Feier etwa eine Stunde gedauert, nahm die Unterzeichnung des Vereidigungsprotokolls sodann noch längere Zeit in Anspruch. r. Königshütte, 9. Dezember. Am 12. v. Mts. Nachmittag wurden die sterblichen Ueberreste des am Sonnabend Mittag in dem blühenden Alter von 26 Jahren verstorbenen praktischen Arztes Dr. Werner auf dem jüdischen Friedhof zur letzten Ruhe gebettet. Ein großes Trauergefolge erwies dem so früh Dahingeschiedenen die letzte Ehre. Eine Abordnung der Breslauer Studentenschaft war mit Fahne hier zur Theilnahme an der Beerdigung erschienen. r. Beuthen (O.-Schl.I, 9. Dezember. Der Rentier Salomon Beuthüer in Nerv-Hort hat der hiesigen Synagogen-Gemeinde ein Vermächtniß von 15,000 Mark letztwillig überwiesen. Zur Annahme desselben ist nun die landesherrliche Genehmigung erfolgt. r. Rosdzin, 10. Dezember. Als Mitglied zum Kreistage ist bei der vor einigen Tagen stattgehabten Wahl der Hotelbesitzer Moritz Reich einstimmig gewählt worden. r. Kattowitz, 8. Dezember. Von der Reichs-Kommission für die Enquete über die Lage der Handlungsgehilfen bezw. über die Abkürzung der Arbeitszeit sind bekanntlich der hiesige Verein selbständiger Kaufleute, der Verein junger Kaufleute und der Deutsche Privatbeamten-Verein, Zweigverein Kattowitz, vor einiger Zeit aufgefordert worden, Vertrauensmänner für die desfallsigen Berathungen vorzuschlagen. N mmehr hat der von allen drei obigen Vereins-Vorständen unter anderen Nennungen mit in Vorschlag gebrachte Herr Kaufmann Herrmann Fischer, Hierselbst, telegraphisch Weisung erhalten, an der für die Berarhungen anberaumten Sitzung im Handelsministerium Theil zu nehmen. — Ein simultaner Lehrerverein soll in Kürze in Kattowitz von ca. 25 Lehrern aus Kattowitz und der nächsten Umgebung gegründet werden, ähnlich demjenigen, welcher vor einigen Jahren hier bestand und es seiner Zeit zu hoher Blüthe brachte. Leider brachen vor 4 Jahren innerhalb des Vereins religiöse Streitigkeiten aus, veranlaßt durch einige Artikel in der „Schlesischen Schulzeitung". r. Myslotvitz, 12. Dezember. Gegen Mitte vorigen Monats feierte Herr Dr. Breit Hierselbst das 25jährige Aerzte-Jubiläuw. Der Jubilar wurde von einer Deputation des Aerzte-Vereins, bestehend aus den Herren Professor Dr. Wagner aus Königshütte, Dr. Struwe und Dr. Schwarz aus Gleiwitz und Sanitätsrath Dr. Löbinger aus Kattowitz, sowie von dem hiesigen Aerzte-Kollegium und einer Deputation des Repräsentanten-Kollegiums, dessen langjähriger Vorsitzender Dr. Breit ist, beglückwünscht. — Bei der hier stattgehabten Wahl eines Kreistag sabgeordneten wurde Rathsherr Emil Kuznitzky mit großer Majorität als Abgeordneter für den hiesigen Kreis gewählt. — Der alte israelitische Beerdigungs-Verein hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, den noch vorhandenen Ueberrest des Vereinsvermögens in Höhe von 600 Mark dem Vorstande der Synagogen-Gemeinde als Beihilfe für die innere Arrsschrnückung der neuen Synagoge zur Verfügung zu stellen. — Die Penstonirung unseres Ortsrabbiners Dr. Fasse

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