Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1894)
- Date
- 1894-12-14
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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r* ” ■'.. 58. Jahrgang, ttr. 50. $i$0^ {*+ Berlin. 14. Vexember 1094* Beilage zur „Atkgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. K. Berlin, 9. Dezember. Das 2 5jährige Jubiläum des Herrn Dr Ungerleider als Rabbiner der hiesigen Gemeinde, über das wir bereits in voriger Nummer berichtet haben, brachte dem allverehrten Seelenhirten, zahlreiche Beweise der Theilnahme und Verehrung. Die Adresse des Vorstandes der Hauptgemeinde, welche von den Herren Justizrath Meyer und Hermann Landsberger überreicht wurde, hat folgenden Wortlaut: „Hochverehrter Herr Rabbiner! Gottes Gnade läßt Sie heut' auf ein fünfundzwanzigjähriges Wirken in dem Amte eines Seelsorgers in unserer Gemeinde zurückblicken. Und das erhebende Bewußtsein allzeit getreuer Pflichterfüllung gestaltet diesen Tag für Sie zu einem Feste der Ehre. Wer wollte sie zählen all' die Herzen, denen Ihr lebendiges Wort fromme Erbauung und lindernden Trost gespendet, alle die Seelen, in denen Sie die reine Flamme des Gottesglaubens entzündet und genährt haben! Ein Priester der Milde, waren Sie in Mitten kämpfender Gegensätze stets bemüht, den Geist der Versöhnlichkeit, die Friedfertigkeit der Gesinnung zu lehren und zu pflegen Sie glichen den Jüngern Aharons, von denen es heißt, daß sie den Frieden lieben und ihm nachstreben und wohlwollend die Menschen zum göttlichen Gesetze hinleiten. Darum begrüßen wir Sie, hochverehrter Herr Rabbiner, am heutigen Tage als einen erfolgreichen Mitarbeiter an den Werken friedlichen Aufbaues zum Heile unserer Gemeinde, darum beglückwünschen wir Sie im Namen dieser Gemeinde aufs Herzlichste und richten an den Vater des Alls die Bitte, daß Er Ihnen noch lange die Fülle. Seiner Gnade spende und Ihnen an der Seite Ihrer Gattin ein freudenreiches Alter erblühen lasse. Berlin, am 4. Dezember 1894 Der Vorstand und die Repräsentantenverfammlung der jüdischen Gemeinde." Im Namen des „Deutschen Rabbiner- Verbandes" überreichte Herr Rabbiner Dr. Maybaum eine Adresse und überbrachte als Sprecher des Berliner Rabbinats das herrliche Bild Murillo's: „Moses schlägt Wasser aus dem Felsen." — Die Gemeinde Wien ehrte den Jubilar durch folgende Depesche: „Zu Ihrem heutigen Amtsjubiläum entbietet die herzlichsten Glückwünsche, Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde. G. Simon." — Die Gemeinde Rawitsch, in der Herr Dr. Ungerleider bis zum Jahre 1869 als Rabbiner wirkte, sandte folgenden Glückwunsch: „In dankbarer Er-' innerung Ihrer Pflichttreue, segensreichen fünfjährigen Wirksamkeit als ehemaliger Seelsorger der hiesigen jüdischen Gemeinde bringen wir Ihnen, hochgeehrter Herr Doktor, zur Jubiläumsfeier Ihrer fünfundzwanzigjährigen dortigen Amtsthätigkeit als Rabbiner der größten Gemeinde Deutschlands im Namen unserer Gemeinde die herzlichste Gratulation, begleitet von dem innigsten Wunsche, daß Sie noch recht lange zum Wohle Ihrer Gemeinde, wie zum Heile des Gesammtjudenthums erhalten bleiben mögen." Im Namen des Provinzial-Verbands der Rabbiner Ostpreußens, Westpreußens und Pommerns überbrachte Herr Rabbiner Dr. Bog elfte in-Stettin die herzlichsten Glückwünsche, für das Kuratorium des israelitischen Kurhospitals in Kolberg gratulirte Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt, gleichfalls im Namen des Kuratoriums verlas Herr Gustav Löwenberg die Adresse desselben. Im Auftrag des Lokalkomitees der Alliance israälite beglückwünschte Herr Sanitätsrath Dr. Neumann den Jubilar, für die „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums" gratulirte das Dozenten- Kollegium. Der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" sandte folgendes Glückwunsch-Telegramm: „Dem verehrungswürdigen Senior des hiesigen Rabbinats, dem Kanzelredner, der mit heiliger Begeisterung göttliche Lehre verkündet und durch eine fromme Lebensführung zeigt, wie Vertiefungstreue, modernes Denken und Vaterlandsliebe wohlthuend zusammenstimmen, dem treuen Seelsorger, der das Leid zu mildern und die Freude weihevoll zu erhöhen weiß, sendet zum Beginn des zweiten Vierteljahrhunderts seines segensreichen Wirkens innigsten Dank und ruft ein freudiges Heil zu. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund. Kristeller." Für den „Rawitscher Hilfsverein" überreichte Sanitätsrath Dr. Blaschko eine Adresse, desgleichen im Namen der „Amicitia" die Herren Dr. Adler, Bodenstein, Joseph Chaim und M. Dorn. Der „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" sandte seinem Mitbegründer ein Glückwunschtelegramm Für das „Dina Nauensche Stift", in dessen Kuratorium Herr Dr. Ungerleider eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet, sprach Herr Moritz Mannheimer, der zugleich eine Bronzestatue des Moses von Michel Angelo überreichte. Nicht wollen wir unerwähnt lassen, daß Herr Rabbiner Dr Israel Hildesheimer bereits in früher Stunde den Reigen der Gliickwünschenden eröffnete. Den ganzen Tag des Amtsjubiläums am 4. Dezember kamen ununterbrochen Gratulationen und hunderte von Depeschen aus allen Schichten der Berliner Bevölkerung sowohl als von außerhalb. Die hohe geistige Frische, mit der Herr Rabbiner Dr. Ungerleider auf die an ihn gerichteten Ansprachen in formvollendeter Weise erwiederte, läßt uns hoffen, daß er noch recht lange eine segensreiche Wirksamkeit zum Heile der Gemeinde entfalten möge. §£g Berlin, 10. Dezember. Der in weiten Kreisen wohlbekannte Senior-Chef der Bankfirma G. Löwenberg und Co., Herr Gustav Löwenberg, beging gestern die Feier seines 70. Geburtstages. Der noch sehr rüstige Jubilar widmet seine Hauptthätigkeit der rührigen Förderung von Wohlthätigkeitsanstalten unserer Gemeinde. Es wurden ihm seitens der Devutationen des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiunis, dem derselbe seit vielen Jahren angehört, sowie zahlreicher Vereine Glückwünsche dargebracht. Herr Löwenberg hat, wie wir hören, aus Anlaß dieses Tages verschiedenen Wohlfahrtsanstalten große Beträge gespendet. fg. Berlin, 9. Dezember. Bei dem Abbruch des Häuserkomplexes zwischen der Rosen-und Klosterstraße, den momentan die Aktiengesellschaft Rosenstraße fördert, wurde bei dem Abriß des Hauses Nr. 23, auf dessen Hof vor Jahren einmal eine Synagoge existirte, eine ca. 3 Meter lange und 30 Centimeter breite Steinplatte mit folgender Inschrift vorgefunden. prtr p!H»Ö 7N1P2 bV 101N ötfö ttnpD fron m iznnb b"fo iva an wp1 ua nxa paj nm J"lDtPS Dieselbe besagt uns, daß ein gewisser Moses, Sohn des Jsaac, der Gründer der Synagoge sei und sein edeldenkender Sohn Bär im Jahre 1814 die Renovirung derselben vorgenommen habe. Leider waren die beiden Genannten weder auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde Hierselbst, noch in den Geburtslisten zu ermitteln, umsomehr, als bei der damals unter den Juden üblichen Bezeichnung Moses Sohn des Jsaae eine genauere Kennzeichnung der Familie hinweggelassen ist. Da mit dieser Synagoge eine ea. 200jährige Geschichte verknüpft ist, so wäre es wünschenswerth, wenn etwaige Bekannte resp. Nachkommen dieses Bär, Sohn Mosts, resp. Mosis, Sohn Jsaacs, hervortreten und den Familiennamen desselben bezeichnen würden. Die Eigenthümerin übersandte die Steinplatte der „Jüd. Gemeinde" und bot dieselbe zum Kaufe an. Gegenwärtig befindet sich der Stein in dem Gemeindehause Oranienburgerstraße 29. Wir kommen auf die Frage noch zurück. fg. Berlin, 9. Dezember. Zu einer großen Versammlung hatte der Vorstand des Centralvereins für die Interessen der jüdischen Gemeinde seine Mitglieder in den Saal des Vereins junger Kaufleute eingeladen. Auf der Tagesordnung standen: 1. Antrag, heroorgegangen aus der gemeinschaftlichen Berathung sämmtlicher Bezirksvorstände. 2. Bericht über den Etat und die unter Aufsicht des Gemeindevorstands stehenden Institutionen. 3 Gemeinde-Angelegenheiten und Diskussion. Nachdem die Versammlung eröffnet worden und das Protokoll zur Verlesung gebracht worden war, ertheilte der Vorsitzende Jul. Oppenheim dem Antragsteller Herrn Segal zur Begründung des Antrags das Wort. Segal, welcher den Antrag eingebracht hatte, der