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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-12-14 · Heft 50 (14.12.1894) · p. Seite 595

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 50 (14.12.1894)
Date
1894-12-14
Page
Seite 595 (sequence 7)
Language
German
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- 595 - besonderen Interessen nur in einem allgemeinen Lehrerbunde jüdischer Lehrer zweckentsprechend vertreten werden. Dr. Josephsohn-Lauenburg schließt sich den Ausführungen des Referenten an. Hier wird, da die Stunde der Probelektion herangekommen ist, die Debatte unterbrochen. Die Lehrprobe hält Herr Dr. Josephsohn im „Gebete-Uebersetzen" und nimmt den Anfang des „Tischgebetes" mit den Kindern durch. Der Vorsitzende dankt dem Lehrenden. An die stallgehabte Probelektion knüpft sich eine recht lebhafte Debatte zwischen den Herren Kamerase, Dr. Hoffmann, Saul und Finkelstein. Als folgender Gegenstand der Tagesordnung stand der Vortrag des Herrn Dr. Hahn: „Etwas über Methode und Umfang im hebräischen Unterricht". Der Vortragende behandelt in längerer Ausführung die Fragen: „Wie sind wir zu den jetzt üblichen Theorien gekommen und wie haben sich dieselben von der ältesten Zeit bis auf die Gegenwart entwickelt." Nachdem der stellvertretende Vorsitzende den Dank der Versammlung dem Herrn Dr. Hahn für den mit Fleiß und Sorgfalt aüsgearbeiteten Vortrag ausgesprochen, beantragt Dr. Hoffmann die Kenntnißnahme desselben ohne Debatte; Dr. Goldschmidt stimmt diesem Antrag bei, der zum Beschluß erhoben wird. Es wurde nun die unterbrochene Debatte über den Gegenstand 1 wieder ausgenommen. Bauer-Köslin beantragt Anschluß an den bereits bestehenden D. R. j. R. zu Breslau. Nach dem Korreferat, welches vorschlägt, daß z. Z. an keinen der beiden Verbände ein Anschluß erfolgen solle, daß vielmehr die Frage behufs Anknüpfung an den D. I. G. B. im Sinne des Referenten auf die nächste Tagesordnung zu stellen sei, wird diesem Vorschläge gemäß Beschluß gefaßt. Die nächste Versammlung soll im Herbst 1895 in Schievelbein stattfinden. Die Feststellung des Tages wird dem Vorstand überlassen. Die Lehrprobe über ein Thema aus der neueren jüdischen Geschichte wird Kamerase-Belgard abhalten, und einen Vortrag über ein noch zu bestimmendes Thema hat Dr. Josephsohn-Lauenburg übernommen. Bei der Vorstandswahl wird auf Antrag der bisherige Vorstand per Akklamation wiedergewählt und besteht aus den Herren Dr. Hahn, Vorsitzender, Bauer, Stellvertreter, Meper, Schriftführer. Ein solennes Abendbrod vereinigte die Vereinsmitglieder, denen sich in dankenswerther Weise auch zahlreiche Gemeindemitglieder Neustettins angeschlossen hatten, bis in die späte Nacht. Zweiter Tag der Verhandlung (22. November). Nachdem vom Vorsitzenden die Frage angeregt wurde, auf welche Weise die vorjährigen Resolutionen bezüglich des Verhältnisses der Gemeinden zu den Beamten verwirklicht werden sollen, beantragen Dr. Goldschmidt und Dr. Hoffmann und wird auch demgemäß beschlossen, daß eine Kommission von drei Vereinsmitgliedern gewählt werden soll, welche persönlich mit den Organen der stimmführenden Gemeinden des Bezirks in Verbindung zu treten habe: 1. wegen Bildung eines Gemeindeverbands unseres Bezirks; 2. behufs Bildung eines aus der Mitte dieses Gemeindeverbandes und aus der Mitte unserer Vereinsmitglieder bestehenden Ehren- und Schiedsraths mit der Aufgabe: a) die Religionsschulen des Bezirks zu beaufsichtigen, b) Streitigkeiten zwischen Gemeinde und Beamten zu schlichten. Die Kommission, in die Dr. Dr. Hahn, Hoffmann und Goldschmidt gewählt sind, hat ihre Aufgabe baldmöglichst zu erledigen. Nachdem auf Antrag der Kassenrevisoren Dr. Goldschmidt und Roborg dem Rendanten Meyer-Bütow Decharge ertheilt wurde und noch innere Angelegenheiten des Vereins besprochen worden sind, ist auch dem D. I. G. B. für die gütige Unterstützung der Versammlung der Dank votirt worden, was auch an dieser Stelle nochmals ausdrücklich geschieht. Bütow i. P., 4. Dezember. Der Schriftführer E. M eyer-Bütow. Gin Brief nach Amerika. Von Prof. Dr. M. Lazarus.^) Schönefeld bei Leipzig, 14. Oktober. An den „American Hebrew"! ie möchte» von mir, da Sie wissen, daß ich Ihre Wochenschrift seit Jahren lese, erfahren, welchen Eindruck ich von unseren Glaubensgenossen drüben in Amerika empfangen, und welchen Einfluß ich ihnen auf die Zukunft unseres Stammes etwa zutraue. In der That lese ich nicht blos den „American Hebrew" feit einer Reihe von Jahren fast regelmäßig, sondern auch den „Reform Advocate" und die „Menorah". Auch andere Publikationen sehe ich nicht selten. Dennoch kann ich heute Ihren Wunsch nicht so erfüllen, wie Sie es wohl von mir erwarten und wie ich es gern möchte. Ich kann einen Gedankengang, der sich auf Thatsachen zu gründen hat, nicht plötzlich und nicht schnell zu Stande bringen. Ich bin das absolute Gegentheil eines journalistischen Talentes; und das war in jungen Jahren ebenso wie jetzt in alten. Die Thatsachen liegen ja im Schachte meines Gedächtnisses; aber ich muß ruhig abwarten, daß sie heraufsteigen, daß ihre Bedeutung geprüft, ihr Zusammenhang erforscht wird. Also, hochgeehrter Herr! vielleicht später einmal, wenn es mir gelingt, ein klares und lebendiges Bild von der geistigen Bewegung unter den Juden in Amerika zu entwerfen, soll es im „American Hebrew" erscheinen. Aber heute schon will ich Ihnen eine Thatsache mittheilen, welche ich bis jetzt vor aller Welt geheim gehalten, von der ich aber, nachdem ich mein siebzigstes Lebensjahr zurückgelegt, ungescheut sprechen darf. Seit etwa zehn Jahren nämlich arbeite ich in den besten Stunden, die mir kommen, an einer Schrift, die bei meinen Lebzeiten nicht erscheinen, nach meinem Tode aber meinen Glaubensgenossen als mein „Vermächtniß" übergeben werden soll. Diese Schrift handelt von der Erneuerung oder „Verjüngung" des Judenthums. — Es kommt auf das Wort nicht viel an, nur auf die Sache; dagegen aber Wiederbelebung „revival" darf sie gewiß nicht heißen. Denn das Judenthum lebt. Es lebt, beiläufig gesagt, in beiden Parteien (so weit sie mit Ernst, mit Eifer und unpersönlich vertreten werden), welche beide zu behaupten pflegen, daß in der anderen das wahre Judenthum erstorben sei. Wenn man etwa im Februar einen der Fruchtbäume, etwa einen Apfelbaum, der mittleren Zone ansieht und der Eine behauptet: der Baum ist ja todt; er ist ja völlig er starrt und 'ohne alle innere Bewegung: er irrt sich! er kennt die Lebensgesetze des Baumes nicht, deren Triebkraft sich ihm, er soll nur ein wenig warten, deutlich offenbaren wird. Wenn der Andere aber behauptet: dies sei ja die wirkliche Gestalt, also auch das wirkliche Leben des Baumes: er irrt sich! er kennt die Lebenszwecke des Baumes nicht; er soll ein wenig warten; erst wenn der Stamm seine Laubkrone erhält — vom Lebensbaume der Religion ist ja die Rede — wenn die Sprossen religiöser Gefühle, wenn die Blüthen religiöser Gedanken und Wahrheiten, wenn die Früchte edler Handlungen erscheinen, dann offenbart sich das volle, das wahre Leben des Baumes. Es kann nicht meine Absicht sein, hier von dem Inhalt des „Vermächtnisses" Bericht zu erstatten; was ich Ihnen als Quintessenz der Antwort auf ihre Frage aus der Einleitung in dieselbe mittheilen wollte, ist nur Ein Satz, der etwa so lautet: Ich fürchte, daß meine Gedanken über Erneuerung oder Verjüngerung des Judenthums erst in ferner Zeit, ja ich glaube, daß sie zuerst in fernen Räumen zur i) Das obige Schreiben ist anläßlich des Jubiläums des „American Hebrew“ nach New-Aork abaegangen.

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