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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-12-07 · Heft 49 (7.12.1894) · p. Seite 588

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 49 (7.12.1894)
Date
1894-12-07
Page
Seite 588 (sequence 12)
Language
German
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588 gern in ihren Kreis allfnehmen würden. Aber — seit vier Jahren sitzt er schon in Lemberg, nnd — der Unverbesserliche — gelangt^ nur langsam zur Ueberzeugung, daß er hier nie die Lehrkanzel er-• reichen könne! Weshalb? Weil er ein unzweideutiger Fortschrittsmann und Jude ist. So bewohnt er denn zwei Stübchen, erhält sich mittelst . . . Privatlektionen nnd liberaler Korrespondenzen, die er in ein Blatt der Hauptstadt schreibt. Die letztere Beschäftigung verleiht ihm eine große Bedeutung. Seine Glaubensgenossen, welche ihn wegen seiner Gefühle sonst verspotteten, schätzen jetzt in ihm eine in dem mächtigen Blatte viel vermögende Kraft, sie fürchten ihn und benöthigen seiner. Zu diesen! Menschen begab sich Jizchak am nächsten Tage. Er hatte sich im Laufe dieser Nacht bis zur Unkenntlichkeit verändert. Er trug jetzt lange Beinkleider, welche nur die Spitze und den Absatz der glänzenden Stiefel sehen ließen; ferner trug er ein kurzes Röckchen und einen steifen Hut — Alles schwarz, aber abgerieben, die Weste zu locker, der Rock etwas eng, sonst aber Alles recht gut. Was die Hauptsache jedoch war, den Kopf hatte er ringsum glatt scheeren lassen, daß keine Spur der zierlichen Seitenlöckchen, des spärlichen Backenbartes übrig blieb. Ein Stehkragen und eine nagelneue Kravatte vervollständigten diesen Anzug, welchen der Exchassid heute Morgen bei einem Trödler für seine theuren Sabbathnnd Alltagskleider erstanden hatte. Jizchak war froh, nichts daraufzahlen zu müssen, er irrte sich noch immer, indem er die Hand erhob, um an den Löckchen zu drehen, oder sie an die Stelle sinken ließ, wo sich sonst die rückwärtigen Taschen des Kaftans befanden — aber kurz und gut — jetzt sah er ans „wie ein Mensch". Aber in Folge der kleinen Ausgaben zur Vervollständigung seiner Toilette, war seine Barschaft auf ein Minimum zusammengeschmolzen. Er betrat, nachdem er geklopft hatte, die Wohnung des Doktors. (Fortsetzung folgt.) Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! den mannigfachen (zum Theil sehr herzlichen) Zuschriften, meine „Spazierfahrt" betreffend, gesellt sich heute der Mahnbrief eines Anonymus (warum denn immer anonym?), welcher „konstatirt", daß ein jüdischer Arzt „Dr. A.", wie ich ihn geschildert, in Hamburg nicht existire; da fiel mir ein: ich habe zwei benachbarte Städte, in denen ich fast hintereinander Vorträge gehalten, verwechselt! Nicht in Hamburg, sondern in Lübeck lebt jener jüdische Arzt. — Doch warum soll ich den trefflichen Mann nicht nennen? — Dr. Adler, der das hocherfreuliche Beispiel giebt, wie ein Jude seinen weltlichen Beruf mit Beobachtung geheiligter Sitte und religiöser Forderung in schöner Harmonie zu vereinigen weiß. Mit freundlichem Dank, wenn Sie mir durch Veröffentlichung dieser Zeilen Gelegenheit geben, meine Verwechslung wieder gut zu machen — (und auch Dank dafür dem Herrn Anonymus!) und hochachtungsvollen Grüßen Berlin, 29. November. Ihre Nahida Remy. * Geehrter Herr Redakteur! in denen man Mädchen für Geschäfte verlangt, find immer zwei, worin es heißt „Christin." In den Vereinen heißt es: Ja, wenn Sie „Christin" wären! Die Sekretärin im „Hilfsverein für weibliche Angestellte" sagt mir selbst (fie ist Christin), es wird täglich trauriger. Niemand will eine Jüdin! Ich bitte Sie inständigst, wirken Sie doch auf unsere Glaubensgenossen, daß, wenn fie auch nicht ausschließlich jüdisches Personal engagiren wollen und können, so doch zum Mindesten Glaubensgenossen, wo es sich thun läßt, nicht hintansetzen! Für eine zartfühlende Person ist es auch sehr, sehr traurig, wenn sie stch überall vorstellen muß und nun mit qualvollem Angstgefühl auf die Frage der Herren Chefs gefaßt sein muß: „Sind fie Jüdin?" Ich spreche aus Erfahrung, denn ich bin Buchhalterin und konnte fr meiner Religion wegen so schwer Stellung finden. Sehen es die Herren Chefs nun und scheuen sie aus Taktgefühl die betreffende Frage, so ersinnen fie irgend eine Ausrede. Das verbittert! Ich bin-vollständig frei erzogen, wenngleich ich mich durchaus nicht schäme, Jüdin zu sein, habe keine Ursache, meine Nächsten zu hassen, weil sie einem anderen Glauben angehören, ich will also mit meinem Schreiben keineswegs hetzen. Ich bin Ostpreußin; in meiner Heimath ist der Antisemitismus fast gar nicht bekannt, in unserem Elternhause verkehrten Pastoren, Oberförster, Beamte jeglichen Genres, aber solche Auswüchse, wie man sie hier sieht, kommen dort nie vor. Und, glauben Sie mir. Dank ernten solche Chefs von ihrem nichtjüdischen Personal wohl selten, denn ich habe Gelegenheit, tief, recht tief zu blicken. Ich höre es so sehr häufig: „Es waren zwar Juden, aber was soll man thun, man kann sich die Chefs nicht suchen." Oder: „Meine Chefs sind Juden, na, ich habe es aber doch gut!" Oder: „Ich hatte eine schreckliche Stelle, hu, bei Juden!" Es sind dieses Thatsachen, und könnte ich Beweise dafür erbringen. Ich bitte Sie nun nochmals, legen Sie unseren Glaubensgenossen diese Angelegenheit recht sehr ans Herz. Was sollen wir armen Wesen anfangen? Man ist doch nun einmal darauf angewiesen, Stellung zu nehmen. Man thut es ja auch herzlich gern, wenn es uns nur nicht erschwert wird, man wird dadurch so verbittert. Berlin, 21. November. Hochachtend Martha L- * Verehrter Herr Doktor! Überschrift meines Artikels enthält einen Druckfehler; sie muß <33 lauten „Produktive Arbeit" — „nicht Produktion, Arbeit." Haben Sie die Güte, dies in der nächsten Nummer richtig stellen zu lassen. Eine andere und wichtigere Berichtigung behalte ich mir für nächste Nummer vor. Ihr ergebenster Hannover, 20. November. Dr. Meyer. * Sehr geehrter Herr Redakteur! Mch bitte um Aufnahme folgender Druckfehler-Verbesserung: <3§ S. 560, a, Z. 4, lies „Wen" statt „Wem". S. 660, 5, Z. 18, lies „Beza 5, 2". Daselbst in Note 3, Z. 8, nach dem Worte „Reitens" gehört eine Klammer „siehe Referat zu den überreichten Anträgen 1871, S. 41 bis 43". S. 561, drittletzte Z. statt „verdorrt" lies „fade". Hochachtungsvoll ergebenst Dr. Wiener. Geehrter Herr Doktor: Mm Jahre 1852 war Wilhelm I. Prinz von Preußen, aber nicht „Prinzregent" wie es in der Korrespondenz aus Schneidemühl in voriger Nummer heißt. Ergebenst I. K. ^Mch bitte Sie dringend und herzlich. Folgendes in Ihrem geschätzten <33 Blatte veröffentlichen zu wollen. Der Antisemitismus zeitigt die schrecklichsten'. Früchte, um so trauriger, wenn schuld- und wehrlose Mädchen davon betroffen werden. Lesen Sie die verschiedenen Blätter und überzeugen Sie sich, unter 3 Offerten, Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. t

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