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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-11-30 · Heft 48 (30.11.1894) · p. Seite 567

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 48 (30.11.1894)
Date
1894-11-30
Page
Seite 567 (sequence 3)
Language
German
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sCjC^j- -- 567 -— befitz-r sind der Ansicht, daß solche ausländischen Händler grundsätzlich sämmtlich auSgewiesen werden müßten; wir würden es jedenfalls aber für eine schwere Schädigung unserer wirthschastlichen und nationalen Interessen halten, wenn die Zahl dieser zur Zeit hier zugelassenen handeltreibenden Persönlichkeiten noch vermehrt werden sollte, und halten das Verfahren, welches, wie vorstehend erwähnt, von den zuständigen staatlichen Behörden in Bezug auf Ausweisung solcher Handeltreibenden eingeschlagen wurdefür sehr dankenswerth, weil die Interessen unserer schwer darniederliegenden Landwirthschaft fördernd." Die Agrarier des Ostens befürworten hier ein Vorgehen, das freilich an sogenannte „russische Zustände" erinnert, diese aber insofern in Schatten stellt, als man in dieser Weise selbst in Rußland nicht einmal gegen Handeltreibende, die deutsche Reichsangehörige sind, vorgeht. Das ganze Schriftstück ist übrigens nur die prompte Antwort auf die von uns in voriger Nummer mitgetheilten Eingaben der Handelskammern in Königsberg i. Pr. und Thorn unl Aufhebung jener Ausweisungerl. Are Propaganda des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte and Litteratur. Berlin, 25. November. n jedem Ort, wo eine Anzahl von Glaubensgenoffen ein Gemeinwesen bilden, soll auch der Wissenschaft des Judenthnms eine Stätte errichtet werden. Der Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur, der sich diese erhabene Aufgabe gestellt hat. unterhielt durch sein Sekretariat bereits während des Sommers einen lebhaften Briefwechsel mit verschiedenen Gemeinden, welche den Wunsch zum Ausdruck brachten, behufs Begründung von Litteraturvereinen ihnen eine mit den Zwecken des Verbaudes vertraute Persönlichkeit zu senden. Der Sekretär des Verbandes, Herr Albert Katz, folgte zunächst dem Rufe der Gemeinde S tolp. Nachdem am 7. November Herr RabbinerDr. Hahn und der genannte Sekretär des Verbandes nach einer Vorbesprechung die Gemeindeversammlung zum 8. November einberufeu hatten, legten die beiden Herren die Nothwendigkeit klar, in einem Litteraturverein alle für unsere jüdische Wissenschaft begeisterten Kräfte zu sammeln. Die Konstituirung des Vereins erfolgte am 19. d. Mts. 44 der angesehensten Mitglieder der Gemeinde traten dem Verein sofort bei und wählten einen Vorstand, bestehend aus folgenden Herren: Rechtsanwalt Jacoby, erster Vorsitzender, Dr. med. Born, Stellvertreter, Hermann Blau, Schriftführer, Rentier Golde, Schatzmeister, Rentier Jacobsohn, Bibliothekar, Moritz Aron und Oscar Kassel, Beisitzer. — Der Sekretär des Verbandes begab sich nun, da die größeren Gemeinden Pommerns bereits Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur besitzen, hieraus nach West Preußen, in besten Hauptstadt Danzig bisher noch kein solcher Verein existirte. In Danzig ist wie überall ein guter Boden für die Bestrebungen des Verbandes vorhanden, zumal Herr Rabbiner Dr. Werner lebhaft für die Sache eintritt. Nach statlgehabter Unterredung mit mehreren einflußreiche», Persönlichkeiten wird »wch im Laufe dieses Winters auch die alte Hansastadt einen jüdischen Litteraturverein in ihrer Mitte entstehen sehen. Nicht minder gut steht die Sache in der Gemeinde Elbing. Ans lokalen Gründen muß dort vorläufig von der offiziellen Stiftung eines Vereins abgesehen werden. Jndeß gelang es nach stattgehabter Unterredung mit Herrn Rabbi»»er Dr. Silbersteins Dr. weck. Laudon, Gemeindevorsteher Dr. med. Simon, Herrn Karlsmann Bwch den Beschluß durchzusetzen, daß noch im Laufe dieses Winters dort öffentliche Vorträge über die Geschichte und Litteratur des Judenthums gehalten werden sollen. Am 12. dieses Monats sprach Herr Katz im Litteraturverein zu Osterode vor Damen und Herren über die Ethik des Talmuds. Eine lebhafte Diskussion, die sich an den Vortrag knüpfte, legte Zeugniß ab für den hohen Werth solcher Abende, an denen sich Alt und Jung wieder einmal einmüthig aus dem Borne jüdischen Geistenlebens erfrischen. Dank der geschickten Leitung des Vereins durch den Vorsitzenden Prediger Sturmann und die thatkräftige Unterstützung des'Herrn Dr. Ritterband verspricht diese Wirkung eine nachhaltige zu werden. Es ist rührend zu sehen, wie gerade in kleineren Gemeinden die sonst mit Tagesarbeit bereits überhäuften Mitglieder aus sich selbst heraus sich Mühe geben, durch Vorträge und Referate sich gegenseitig zu belehren. So regt sich z. B. in der Gemeinde Löbau, woselbst der Verbands-Sekretär am folgenden Tage ebenfalls vor den Mitgliedern des Litteraturvereins einen Vortrag hielt, das einmüthige Bestreben, die geschichtliche Erkenntniß von dem Wesen des Judenthums zu fördern; ein in seinem Berufe so vielbeschäftigter Mann, wie der bereits ergraute Königliche Kreisphysikus, Sanitätsrath Dr. Wolfs findet doch noch immer Zeit, als Vorsitzender des dortigen Vereins für unsere Sache einzutreten. Jhin zur Seite steht der Lehrer' Rosenthal, ein junger, thatkräftiger Mann; intelligente Kaufleute, wie Herr Joseph Markus, der über „die Wichtigkeit der hebräischen Sprache", Herr Jac. Jacobsohn, der über ein geschichtliches Thema gesprochen, u. A. beweisen, daß es nur der Anregung bedarf, um die .wissenschaftliche Selbstthätigkeit in den Vereinen zu wecke». In diese Reihe tritt jetzt auch die alte jüdische Gemeinde Juowrazlaw. Dortselbst waren mit den Herren Rabbiner I>r. Kohn, Stadtrath Kurtzig u. A. bereits seit einigen Wochen Verhandlungen behufs Gründung eines Vereins angeknüpst. Am Donnerstag den 15. November fand im „Stadtpark" eine Versammlung von einflußreichen Mitgliedern der Gemeinde statt, die Herr Rabbiner Dr. Kohu mit begeisterte,» Worten eröffnete, wonach der Sekretär des Verbandes das Wort ergriff zu einer längeren Auseinandersetzung über die Ziele der jüdischen Litteraturvereine. Es bildete sich hierauf ein Komitee, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. Kohn, Clausrabbnier Dr. Tietz, Dr. med. Warschauer. Kaufmann M. Herzfeld, Louis Sandler, das die Konstituirung des Vereins in die Hand genommen hat. Mit dm Gemeinden Ne „mark und Bereut in Westpreußen sind ebenfalls Verhandlungen behufs Gründung von Litteraturvereinen angeknüpst, die hoffentlich schon in nächster Zeit zu einem günstigen Resultat führen werden. — In Westpreußen wird ebenso wie an andern Orten jetzt lebhaft über den Antisemitismus geklagt. Leider ist die von dem famosen antisemitischen Apostel Leuß vor einiger Zeit dort ausgestreute Saat bereits aufgegangen und haben unsere Glaubensgenossen an verschiedenen Orten Chikanen in Handel und Wandel zu erdulden. Vielfach ist von antisemitische» Agitatoren gerade der Talmud öffentlich angegriffen worden. Doch Io almon Israel. Um so lebhafter regt sich das jüdische Gefühl wieder, so z. B. in einer alten Gemeinde wie Thorn, in der doch bereits unter den jüngern Mitgliedern der Jndifferentismus überhand zu nehmen begonnen hatte. Im Thorner Litteraturverein nahm man deshalb die Kunde, daß der Sekretär des Verbandes am Sonnabend den 17. No- Ämber über „den Talmud und seine Ethik" sprechen werde, mit lebhaftem Interesse auf, und dieses Interesse folgte auch dem Vortrage über unsere traditionelle Lehre bis zum Schluffe. Um das Aufblühen des Talmud haben sich RabbinerDr. Rosenberg, Gym-

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