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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-11-16 · Heft 46 (16.11.1894) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 46 (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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das jiitb 16,15 pCt. der Kommunalsteuer (310 pCt. der Einkommensteuer, 60 pCt. der Grund- und Gewerbesteuer) aufzubringen, die Gemeinde verwendet erhebliche Summen zur Unterstützung ihrer Glaubensgenossen, so daß die Stadtgemeinde nur in den seltensten Fällen für einen Armen jüdischer Konfession einzutreten gehabt hat. Der Magistrat empfahl deshalb, von der Einfordecung der Kommunalsteuer der Synagogen-Gemeinde von ihren zu Kultuszwecken bestimmten Gebäuden Abstand zu nehmen. Nach kurzer Debatte wurde dieser Antrag des Magistrats von der Stadtverordnetenversammlung angenommen. — Am letzten Oktobertage starb in Posen ein sehr angesehenes Mitglied der dortigen Synagogengemeinde, Herr Hermann Stern. Mit ihm ist eines der ältesten Mitglieder der Bruder-Gemeinde aus dem Leben geschieden. Der Verblichene gehörte eine lange Reihe von Jahren bis zu seiner Erkrankung dem Vorstande an und hat mit frommem Sinn und selbstloser Hingebung und Treue seines Amtes gewaltet. Kp. Aus der Provinz Posen, im November. Der israelitische Armenverein in Wreschen hat nunmehr eine Mitgliederzahl von 88 erreicht. Derselbe hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Hausbettelei zu steuern und that dies in der Weise, daß er wirklich Bedürftigen eine namentliche Unterstützung gewährt und diejenigen Armen, welche sich durch Arbeitsamkeit auszeichnen, prämiirt. — Der israelitische Frauenverein daselbst, welcher vor zehn Jahren gegründet worden ist, entwickelt eine rühmenswerthe Thätigkeit. Der Zweck des Vereins ist: 1. bei Krankheitsfällen unter den Mitgliedern oder deren Töchtern vom zehnten Lebensjahre an für eine ausreichende Pflege der erkrankten Personen zu sorgen; 2 bei Sterbefällen unter den Mitgliedern oder deren Töchtern alle Vorbereitung zur Bestattung der verstorbenen Personen in die Hand zu nehmen; 3. soweit es die Vereiuskasse erlaubt, auch bedürftige, kranke Frauen, die dem Verein nicht angehören, zu unterstützen; 4. bei etwaigen Ueberschüssen in der Vereinskasse Schulkinder armer Eltern mit Winterkleidung zu versorgen. Die Einnahme im abgelaufenen Rechnungsjahre betrüg 536,27 Mark, die Ausgabe 188,50 Mark. An Kassenbestand verblieb 347,77 Mark. — Eine abscheuliche Rohheit begingen am 14. v. M. mehrere christliche Knaben in der Ortschaft Kölln im Kreise Neustadt. Sie gossen der etwa 4jährigen Tochter des jüdischen Handelsmannes Michaelis daselbst Petroleum über die Hand und zündeten es an. Glücklicherweise eilten auf das Geschrei des armen Kindes sofort Helfer herbei, welche durch Löschen der Flammen schlimme Folgen abwandten; doch hat das Kind arge Brandwunden erlitten. Frg. Schwersenz, 9. November. Der deutsche Reichsverband jüdischer Religionslehrer hat den ersten Bezirkstag des Bezirkes IV Südposen am Mittwoch den 24. Oktober in Schwersenz abgehalten. In Anwesenheit des Präsidenten des deutschen Reichsverbandes, Herrn Dr. L. Neustadt, leitete Herr Rabbiner Dr. Wreschner-Samter als Bezirksvorsteher die Versammlung, während die Herren Lehrer Kuttner-Gostryn und Lehrer Borchardt-Samter als Schriftführer fungirten. In den Berathungen vertrat Herr Rabbiner Dr. Rosenthal-Rogasen den Standpunkt, daß der Verband wissenschaftliche Dinge neben den pädagogischen in den Vordergrund rücken müsse, so z. B. Fortbildungskurse, da die materielle Grundlage jetzt gesichert sei. Herr Dr. Wreschner gab ein Zahlenbild über die bisherige Entwickelung des Verbandes. Derselbe zählt jetzt 176 Mitglieder. Davon entfallen auf Schlesien 48, auf Posen 40, Ostnnd Westpreußen 19, Brandenburg 16, Pommern 8, Hessen-Nassau 7, Rheinprovinz 5, Sachsen 2, Westfalen 1,. Hannover 1, im Ganzen also auf Preußen 147 Mitglieder, ferner auf Bayern 11, Hessen 10, Baden 3, Württemberg 1, Sachsen 1, Oldenburg 1, Lippe 1, Hamburg 1. Nach dem Muster des vom deutsch-israelitischen Gemeindebunde mit der „Viktoria" abgeschlossenen Vertrages wird von der alten Magdeburger Lebensversicherungsgesellschaft durch den auf dem Bezirkstag anwesenden Generalagenten derselben dem Verbände ein Abkommen vorgeschlagen. Herr Dr. Neustadt erklärte sich für das Abkommen, da auch die idealen und anderen Fragen des Verbandes mit Geld gelöst werden müssen. — Herr Dr. Rosenthal-Rogasen erfreute die Theilnehmer des Bezirkstages durch dinen Vortrag über „Raschi und Rabbinisches in der Schule." Redner tritt für die Ausgabe einer sogenannten „Raschi-Fibel" zur Belehrung der der Raschischrift Unkundigen ein. Es wird in der Diskussion hervorgehoben,, daß im Seminar zu Hannover die Lehrer für den Unterricht in Raschi vorgebildet würden, Lehrer Brvh-Schwersenz betont das Gleiche für das Berliner Lehrerseminar. Im Nothfalle könne auch der „alte Dessauer", dessen Raschi-Uebersetzung noch nicht übertroffen sei, aushelfen. Herr Dr. Wreschner trat für Beschränkung des Raschi-Unterrichts auf Fortbildungskurse ein. Zum Schluffe der Verhandlungen brachte Herr Dr. Neustadt die Auflösung der jüdischen Elementarschule zu Kosten unter Vorlegung des Regierungsbescheides zur Sprache. £■ Schivelbein, 9. November. Am 4. d. M. fand die sehr zahlreich besuchte erste ordentliche Generalversammlung des hiesigen jüdischen Litteratur-- und Geselligkeitsvereins statt. Der Vorsitzende, Herr Gustav Engel, eröffnete dieselbe, indem er zunächst der im Laufe des Vereinsjahres verstorbenen Mitglieder gedachte, deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte. Aus dem hierauf folgenden Jahresberichte ist zu entnehmen, daß im vorigen Winter sechs Vorträge gehalten wurden, darunter fünf aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Litteratur. Zum Geburtstag des Herrn Geheimen Regierungsraths Professor M. Lazarus in Berlin hat der Verein durch seinen Vorstand ein Glückwunschschreiben gesandt, worauf von dem genannten Herrn ein Dankschreiben an den Vorsitzenden eintraf. Außer vier jüdischen Zeitschriften, auf die der Verein abonnirt, steht den Mitgliedern eine theils durch Geschenke, theils durch Ankauf erworbene, ziemlich reichhaltige Bibliothek zur Verfügung und wurde recht fleißig benutzt. Der Verein besteht gegenwärtig aus 40 Mitgliedern. Die Kasse weist einen Baar» bestand von 18,70 Mk. und außerdem an rückständigen Beiträgen 36,50 Mk. auf. Auf Vorschlag der von der Versammlung erwählten Revisoren wurde dem Vorstande die Decharge ertheilt. Der bisherige Vorstand wurde durch Zuruf wiedergewählt. Nach Besprechung mehrerer Vereinsangelegenheiten, wobei u. A. die Wünsche der Mitglieder über die in diesem Winter zu haltenden Vorträge geäußert wurden, schloß der Vorsitzende mit dem Wunsche, daß der Verein im neuen Jahre keine Verluste zu erleiden haben möge, die Versammlung. LI. Neisse, 8. November. Am 5. November hielt hier im jüdischlitterarischen Verein Herr Rabbiner Dr. Kopfstein aus B euth en O.-S. einen von der äußerst zahlreich besuchten Versammlung mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Lessings Nathan der Weise". Der verehrte Gast wurde von unserm Vorsitzenden Herrn Landgerichtsrath Dr. Borchert freundlich begrüßt, während Herr Prediger Ellguther ihm am Schluffe des Vortrages den gebührenden Dank aussprach. An den Vortrag schloß sich ein gemüthliches Zusammensein der Mitglieder und deren Angehörigen, das durch die geistvollen Toaste des Gastes verschönert wurde. Im Laufe des Winters sollen noch zwei Herren bei uns Vorträge halten, die bereits ihre Zusage freundlich ertheilt haben. Da am 7. November ein Jahr seit der Gründung unseres Vereines vergangen ist, so diente die Versammlung zu gleicher Zeit als erstes Stiftungsfest, auf welches Moment der Vorsitzende in seiner Begrüßungsrede hinwies. 6. Schillersdorf, 4. November. Heut wurde Hierselbst in erhebender Feier ein Altersversorgungshaus eingeweiht, das Freiherr Nathaniel v. Rothschild, der Schloßherr von Schillersdorf, für christliche Arbeiter und Arbeiterinnen mit einem Anlagekapital von einer Million Mark erbauen ließ. Eine Anzahl hochgestellter Persönlichkeiten wohnten der durch katholische Geistliche vollzogenen Weihe bei. An der darauf folgenden Tafel feierte, wie der. „Ob.-Anz." berichtet, Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor jene echte, einzig wahre Menschenliebe, die vor der Bekenntnißformel nicht Halt macht, die keine Schranke und keinen Unterschied kennt, und die gerade im Hause Rothschild als heiliges Bermächtniß jederzeit treu geübt werde. Der Freiherr trank auf das Blühen der neuen Stiftung, welche nach dem Vater des Begründers „Anselm-Stiftung" heißt. Coethen, 11. November. Die Bemühungen unseres ersten Vorstehers Kommerzienraths Emil Meyer, das Zusammenhalten der Gemeindemitglieder, das Interesse derselben an dem Judenthum zu heben, werden erfreulicher Weise durch unfern Verein für jüdische Geschichte und Litteratur unterstützt. In diesem Winter wurde der erste Vortragsabend durch einen Vortrag von Kaufmann Julius Herz, hier, eröffnet. Derselbe sprach über Moses Mendelsohn, dessen Leben und Wirken in selten populärer Weise und mit einer Wärme, die großen Beifall bei der stark besuchten Versammlung hervorrief. Es haben bereits verschiedene Gemeindemitglieder und auch unser Rabbiner Dr. Selig-

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