Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1894)
- Date
- 1894-11-09
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 mit seiner Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Um 12 Uhr Mittags versammelte sich in der Wohnung des Jubelpaares eine stattliche Gratulantenzahl. Seitens des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiums hielt HerrMert Asch bei Überreichung einer Glückwunschadresse eine Ansprache, in welcher er besonders darauf hinwies, daß der Jubilar und seine Gemahlin durch ihr uneigennütziges und opferfreudig^ Wirken es verstanden haben, sich die Hochschätzuug und Verehrung der! ganzen Gemeinde und weiterer Kreise zu erwerben Auch die Vorstände der Chewra Kadischa, des Wohlthätigkeits- und des Frauenvereins überreichten kostbar ausgestattete Dankadressen. Der erste Bürgermeister, Wolff, überbrachte die Glückwünsche der Stadtvertretung. Zu einer sehr erhebenden Feier gestaltete sich sodann die Ansprache unseres greisen Rabbiners, Herrn Braun, der das Jubelpaar segnete. An die einzelnen Vereine.sind von Herrn Berliner namhafte Geldbeträge zur Vertheilung an Arme übergeben worden. — Dem hiesigen Rabbiner, Herrn Brann, wird es vergönnt sein, am 19. November d. I. seinen 80. Geburtstag zu feiern. Die jüdische Gemeinde rüstet sich daher, diesen Tag entsprechend zu feiern. Den Abschluß desselben wird ein Festessen bilden, zu welchem auch von auswärtigen Gönnern, Freunden und ehemaligen Schülern des Herrn Brann Anmeldungen eingehen und erwünscht sind. — Innerhalb unserer Gemeindeverwaltung ist man immer weiter bestrebt, das jüdische Gemeindewesen zu heben und zu fördern. Im Verlaufe der letzten vier Jahre hat die Gemeinde ein neues, prächtiges Schulhaus, ein Gemeindehaus, eine Leichenhalle und endlich ein auch allen Anforderungen der Neuzeit entsprechendes rituelles Badehaus mit einem Gesammtkostenaufwand von ea. 72,000 M. neu erbaut. Um den Bau des Badehauses hat sich besonders das Vorstandsmitglied Herr I. Schweriner verdient gemacht. Jetzt wird eine Heizvorrichtung für die Synagoge und die Verbesserung des Synagogenchors geplant. — Ueber den hiesigen antisemitischen Verein kann ich das Beste berichten, dank dem gesunden Sinn aller hiesigen Bevölkerungsklassen vegetirt derselbe nur. - Viele Ungelegenheiten und recht große Geldopfer verursachen der hiesigen Gemeinde unsere vom Osten nach dem Westen und zurück wandernden Glaubensgenossen, für welche Schneidemühl stets einen Haltepunkt bildet. — In den hiesigen höHern Lehranstalten, Königl. Gymnasium, Kaiserin Auguste Viktoria-Schule und an der Provinzial- Taubstummenanstalt wird seit vielen Jahren der jüdische. Religionsunterricht durch den Rabbiner ertheilt; eigenthümlich bei der Ertheilung des Religionsunterrichts am Gymnasium ist nur die Bestimmung, daß die Hälfte des dafür festgesetzten Honorars vom Staat gezahlt wird, die andere Hälfte abn von der jüdischen Gemeinde gezahlt werden muß. Die seitens des Vorstandes in dieser Angelegenheit unternommenen Schritte waren bisher erfolglos. Wir können daher nur hoffen und wünschen, daß in nicht zu ferner Zeit auch dem jüdischen Religionsunterricht an den höhern Lehranstalten volle Gleichberechtigung gewährt werde. Kp. Aus der Provinz Posen, im Oktober. Der Lehrer Thilo aus Xions, welcher seit einer Reihe von Jahren an der jüdischen Schule daselbst gewirkt hat, ist zum 1. November er. auf seinen Antrag von der Königlichen Negierung in Posen in den Ruhestand versetzt worden. — Herr Kaufmann David Löwenthal in Elbing hat am 18. Oktober er. dem Oberbürgermeister Elditt daselbst 300 Mark zur Beschaffung des neuen Dr. Behring'schen Blutserums überreicht. In Schrimm starb dieser Tage Herr Meyer Fuß im Alter von 78 Jahren. Der Verstorbene war ein sehr thätiges Gemeindemitglied und langjähriger Vorsitzender des von ihm ins Leben gerufenen Wohlthätigkeitsvereins. — Am 19. d. Mts. fand in Ostrowo die Ergänzungswahl von drei ausscheidenden Vorstandsmitgliedern der dortigen „Chewra - Kadischa" auf die nächsten zwei Jahre statt Es wurden die Herren Boas Fränkel und Heimann Krauskopf wieder und Rentier Kaliski sen. neugewählt. Der Verein besteht jetzt bereits 55 Jahre und zählt 160 Mitglieder. Seine Wirksamkeit beschränkt sich nicht auf Verpflegung armer Kranker und Todtenbestattung allein, sondern er gewährt erstlich auch Darlehen und namhafte Unterstützungen an hilfsbedürftige und würdige Gemeindemitgliedern. 36 Rybnik, 3 November Im Gebetsaale des hiesigen is^aeli * tischen Waisenhauses fand am 29. v. Mts, Vormittags 11^ Uhr, die Stiftungsfeier statt. Es hatten sich zu derselben eingefunden die Herren Königlicher Sanitätsrath Dr Freund-Gleiwitz, Königlicher Amtsgerichtsrath Levy-Beuthen, Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz, Rathsherr Prager-Rybnik, Rittergutsbesitzer Schal-Sohrau, die Hinterbliebenen des verstorbenen Herrn Ferdinand Haase aus^ Rybnik, die Ehrendamen des Waisenhauses und die hiesigen Synagogen-Gemeinde-Vertreter beider Körperschaften. Die Fei« begann mit Verlesung des 143. Psalms, an welche sich die Gedüchtnißrede des Waisenhausdirigenten schloß. In derselben ward besonders der Wohlthäter gedacht, deren Namen auf einer Ehrentafel verzeichnet find, die heute enthüllt wurde. SodarM sprachen die Waisen ein ergreifendes Gebet. Der Königliche Sanitätsrath Herr Dr. Freund wollte die Feier nicht schließen, ohne den Dank des Kuratoriums auszusprechen zunächst Denen, die ihr Interesse für das Waisenhaus bisher bethätigt haben, besonders dem Rathsherrn Herrn Prager. Hieran schloß sich ein Diner, das im Speisesaal des Waisenhauses eingenommen wurde, und bei dem Toaste in reicher Zahl ausgebracht und Spenden gezeichnet wurden. Hierauf fand Anstaltsbestchtigung bezw. Revision statt, die zur größten Zufriedenheit ausfiel, und darauf eine Sitzung des Kuratoriums. — Das israelitische Waisenhaus tritt bei diesem Anlaß mit seinem ersten Jahresbericht, der die Geschichte der Gründung enthält, die der zeitige Dirigent, Leopold Katz, unser Mitarbeiter, verfaßt, an die Oeffentlichkeit. Aus der Entstehungsgeschichte ist hervorzuheben, daß die Anstalt Eigenthum der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Oppeln ist, die das humane Werk in der — für ein solches Unternehmen überaus kurzen — Zeit von vier Jahren geschafft haben. Auch etit Mitglied unserer Berliner Gemeinde, Herr Ferdinand Schlesinger, hat fich durch eine reiche Spende um die Gründung und Unterhaltung besonderes Verdienst erworben. Der weittragende Segen der Anstalt leuchtet aus den „Statistischen Mittheilungen" hervor, denn nicht nur Vollwaisen, auch verwahrloste Kinder finden dort Aufnahme. Die Anstalt ist von 23 Zöglingen (12 Knaben, 11 Mädchen) besucht, für die sowohl nach der sanitären als auch nach der sittlichen Richtung hin aufs denkbar Beste gesorgt ist. Jedes Kind hat zu seinem täglichen Zimmeraufenthalt 19, beim Schlafen 39 Kubikmeter. Die Arbeitsbeschäftigung, wie das gesammte Leben der Kinder sind musterhaft geordnet; die dem Bericht beigegebenen „Ordnungen" geben ausführlichen, dankenswerthen Aufschluß. OO Köthen, int Oktober. Verschiedene antisemitische Blätter brachten jüngst folgende Notiz von hier: „Am Sonntag den 17. Oktober waren hier den ganzen Tag die Geschäfte geöffnet, und zwar aus dem Grunde, weil die jüdischen Geschäftsinhaber im Lause der letzten beiden Wochen mehrere Tage ihre Geschäfte wegen der jüdischen Festtage geschlossen hatten!!" Zur Erläuterung des tendenziös ausgebeuteten Vorganges mögen Ihnen folgende verbürgte Thatsachen dienen: Vor etwa acht Wochen ließ in Köthen ein größeres christliches Manufakturwaaren-Geschäft, die Firma H. Sirben, eine Petition an die Polizeibehörde zirkuliren, welche bezweckte, von den gesetzlich freistehenden Sonntagen für zwei aufeinander folgende Sonntage im Monat Oktober die Erlaubniß zur Oeffnung der Geschäfte zu erlangen. Diese Petition, welche dem kaufmännischen Verein in Köthen vorgelegt und von diesem befürwortet worden ist, trägt die Unterschrift von 37 Firmen. Von diesen sind 27 in christlichen und 10 in jüdischen Händen. 1. Magdeburg, 1. November. Es ist kein Zufall, daß in neuerer Zeit die Vereine für Lehrer und Kultusbeamten sich mehren; daß die Selbsthilfe dieser Beamten-Kategorie zum Gegenstand lebhafter Verhandlungen gemacht wird. Bon allen Seiten hören wir von der Gründung neuer Hilfskaffen und Vereine. Inwieweit die bestehenden Kassen, welche fleißig die Lärmtrommel für die armen unterdrückten und schlechtbezahlten Kultusbeamten rühren, ihre Aufgabe erfüllen oder erfüllen können, das zu untersuchen ist nicht Gegenstand unseres Referats. Es muß wohl ein dringendes Bedürfniß vorliegen, denn die General-Versammlung oer Aha was Achim, Brüder-Verein israelitischer Kultusbeamten in Deutschland, die am 29. Oktober hier tagte, war von Kantoren aus Süddeutschland, Schlesien, Mecklenburg, Anhalt, sowie aus Mitteldeutschland stark besucht. Wir berühren nicht die vorhergegangene Polemik der bisherigen MMer, die bedauerlicher Weise in verschiedenen jüdischen Blättern einen gswßen Raum in Anspruch genommen, da auch die General-Versammlung diese Frage nur gestreift hat. Beim Beginne der Berathung erschim «uch Herr Rabbiner Dr. Ra hm er, welcher von der Versammlung freudig begrüßt wurde.. Derselbe ermahnte die Theilnehmer in einer herzlichenHHWache, energisch und zielbewußt an die