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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-11-09 · Heft 45 (9.11.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 45 (9.11.1894)
Date
1894-11-09
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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58. Jahrgang. Nr. 45. tttif bdt^ Sertin. S. November 1W4. Weikage zur „Aktgemeinen Zeitung öes IuöenLHnrns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. ----- Berlin, 2 November. Die Armenkommission der jüdischen Gemeinde hatte gegen die minderjährigen Kinder des Oberstabsarztes Professor Dr. Hermann Rabl-Rückwardt und dessen geschiedene, jetzt an einen Rechtsanwalt in Hamburg verheirathete Ehefrau, eine Pflegetochter des 1884 verstorbenen Kommerzienraths Moritz Gerson, mit dem Antrag geklagt, die Verklagten zu verurtheilen, darein zu willigen, daß aus der Nachlaßmasse des Verstorbenen sofort 600000 Mk zu Gunsten einer in dieser Höhe zu Wohlthätigkeitszwecken gemachten Zuwendung ausgeschieden werden. Das Landgericht I erkannte hierauf dahin, daß aus dem Erlöse des Grundstücks Thiergartenstraße,4a. von der Streitmasse von 600000 Mk. 52905 Mk nebst Zinsen sogleich, der Rest aber nach dem Tode zweier bestimmter Personen ausgeschieden würden, sobald die landesherrliche Genehmigung der Moritz und Rosa Gerson-Stiftung ausgesprochen sei. Nun hat das Kammergericht in der Berufsinstanz in Gemäßheit des in erster Instanz von der Klägerin gestellten Antrages, also auf sofortige Ausscheidung der 600000 Mark erkannt. n Berlin, 5. November. Die Gesellschaft Magine Reim ist am 4. November 1804 gestiftet worden, konnte also am vorigen Sonntag auf eine neunzigjährige Wirksamkeit zum Heile der Bedürftigen zurückblicken. Während der 50, der 75 und einige andere Stiftungstage durch große Festmahle gefeiert worden waren, war es diesmal beliebt worden, von einem solchen abzusehen und nur in einer größeren Arbeitssitzung des Tages zu gedenken — entsprechend der geräuschlosen Thätigkeit des Vereins Doch glaubten die statutenmäßig berufenen Organe dem Tage eine besondere Weihe dadurch verleihen zu sollen, daß sie den Vorsitzenden des Vorstandes, den als Wohlthäter der Armen bekannten Herrn MoritzManheimer, zum Ehrenmitglied der Gesellschaft ernannte. Die Auszeichnung ist um so größer, als der Verein, dem von seiner Gründung an stets die Mitglieder der hervorragendsten und angesehensten. Familien der jüdischen Gemeinde zu Berlin angehört haben, in den ganzen 90 Jahren seines Bestehens diese höchste Ehrenbezeugung bisher nur dreimal ertheilt hat, nämlich an die früheren Vorstandsmitglieder Jocl Wolff Meyer, Siegfried Beschütz und Herrmann Demuth. Ter Vorstand überreichte dem Gefeierten das in einer kunstvoll ausgestatteten Adresse enthaltene Diplom mit einer herzlichen Ansprache des stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Hermann Landsberger. Die Antwort des neuen Ehrenmitgliedes legte Zeugniß ab für seine Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, die zwar denen, die ihn kennen, nichts Unerwartetes sind, aber stets aufs Neue entzücken und rühren. Dann folgte die unter Zuziehung des größeren Ausschusses stattfindende Arbeitssitzung, die der Vorsitzende mit einem geschichtlichen Rückblick auf die 90jährige Thätigkeit einleitete. Der Verein hat im vergangenen Jahr über 200 neue Mitglieder gewonnen (fast ausschließlich durch die Bemühungen des Herrn Manheimer). Auch gestern standen wieder 38 Kandidaten zur Kugelung und dadurch wurde es ermöglicht, daß die Stammrolle der Mitglieder an . diesem Stiftungstage die Zahl 1000 erreichte und überschritt. Das zweite Tausend begann mit einem Herrn — Adam, was'eine glückliche Perspektive, in die Zukunft eröffnet. -■ Berlins 4. November. Die anläßlich des 25jährigen Jubiläums der Firma Simon Boehm von den Kindern des Begründers der Firma errichtete Simon, Hermann und Ella Boehmsche Stiftung bezweckt, alleinstehenden, ganz oder theilweise erwerbsunfähigen, würdigen Personen weiblichen Geschlechts, für welche Mittel der polizeilichen Armenpflege noch nicht aufgewendet sind, einmalige Unterstützungen zu gewähren. Die Vertheilung erfolgt am 10. Januar, 31. Mai, 12. Juni und 5. August k. I., und zwar in Raten von 100-400 Mark derart, daß zwei Drittel des verfügbaren Betrages Personen. christlichen Glaubens und konfessionslose Personen, ein Drittel Personen jüdischen Glaubens erhalten. Die Bittgesuche an das Kuratorium der genannten Stiftung, Dammmühlengebäude, eine Treppe, Zimmer 29/30, haben innerhalb der nächsten acht Tage zu erfolgen. Dieselbe müssen das vollständige National der Bittsteller, sowie auch die Angabe der Religion enthalten. Nach dem angegebenen Zeitpunkt eingehende, sowie auch unvollständige Gesuche werden ebenso wie die Gesuche solcher Personen, welche bereits laufend oder auch nur einmal durch die Armen-Kommission unterstützt sind, von der Berücksichtigung von vornherein ausgeschlossen. ---- Königsbergs 4. November. Unter Hinweis darauf, daß mit dem Abschluß des deutsch-russischen Handelsvertrages engere wirthschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und dem Zarenreiche entstanden sind, will das Vorsteheramt der Kaufmannschaft zu Königsberg beim Reichskanzler dahin vorstellig werden, daß für die Folge nur solche russisch-jüdischen Unterthanen aus Deutschland ausgewiesen werden sollen, die sich lästig gemacht haben, daß alle übrigen aber unbehelligt bleiben. In der Denkschrift begründet das Vorsteheramt sein Ersuchen und hebt die Schäden, hervor, die nicht blos dem Königsberger Handel, sondern dem gefammten Handel der preußischen Ostprovinzen durch die deutsche Ausweisungspolitik erwachsen sind. Zwar sei es den Oberpräsidenten gestattet gewesen, Ausnahmen für die dem Handel unentbehrlichen Personen zu machen, in vielen Fällen sei dies auch geschehen. Die Aufenthalts-Erlaubnißscheine wurden aber nur auf Widerruf oder für eine bestimmte Frist ertheilt, die russischen Unterthanen wären keinen Augenblick vor der Ausweisung sicher, und viele haben es deshalb vorgezogen, dem preußischen Staatsgebiete fern zu bleiben, darunter zahlreiche Personen, die als Kommissionäre beim Abschluß von Geschäften mit Rußland unentbehrlich sind. Aus diesen Gesichtspunkten wird sich jetzt auch die Handelskammer Thorn der Königsberger Eingabe anschließen. 0 Lissa, im November. Der Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzen veranstaltet seine diesjährige Versammlung am 21. d. M. im Restaurant Heppner, Alter Markt 85, zu Posen. Die Tagesordnung ist folgende: Nach dem Gesänge: „Brüder reicht die Hand zum Bunde" 1. Begrüßung und geschäftliche Miltheilungen. 2. Vorträge: a) Das Bibellesen in der israelitischen Volksschule, die Auerbach'sche Schul- und Hausbibel. (Behle - Lissa.) b) Das Geschichtswerk von Dr Brann. (Becker-Wollstein ) e) Der deutsch-israelitische Lehrerbund und der Reichsverband. (Becker-Wollstein.) 3. Wahl von zwei Delegirten. 4. Rechnungslegung. 5. Unsere Jugendschriften. 6. Anträge und Sonstiges. Lr. Thorn, 31. Oktober. Heute fand die Wahl der Repräsentanten für die Synagogengemeinde statt. In den der heutigen Wahl vorangegangenen Vorversammlungen der konservativen und liberalen Partei ging es heiß her, beide Parteien stellten besondere Vertreter auf, doch wurde bei der am 27. d. M. abgehaltenen allgemeinen Versammlung, welche Gymnasial-Oberlehrer Herr Dr. Horwitz leitete, ein Kompromiß zwischen beiden Parteien geschlossen, wonach die gleiche Anzahl der Vertreter bestimmt wurde. Diesem Vergleiche, den Herr Vorsteher D. Wolff im Interesse des Friedens und der Einigkeit beantragte, stimmte auch die Majorität der Versammlung zu. Es wurde eine Kommission von 10 Mitgliedern - 5 aus der konservativen und 5 aus der liberalen Partei — mit der Aufstellung der Kandidaten betraut und nachfolgende Herren ernannt, die auch sämmtlich heute gewählt wurden: Kaufmann Adolph Jacob, Kaufmann Aron S. Cohn, Kaufmann S. Wiener, Kaufmann Joseph Wollenberg, sämmtlich wiedergewählt, Kaufmann G. Gerson, Rechtsanwalt M. Feilchenfeld, neu gewählt. Zu Stellvertretern wurden ernannt: Kaufmann H.M. Jacobsohn, wiedergewählt, Kaufmann S. Simon, Kaufmann ,H. Dekuczyuski und Dr. med. Wolpe, neugewählt. J. Schneidewühl, 5. November. Am verflossenen Sabbyth beging der erste Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Herz Berliner, m

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