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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-11-09 · Heft 45 (9.11.1894) · p. Seite 540

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 45 (9.11.1894)
Date
1894-11-09
Page
Seite 540 (sequence 12)
Language
German
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T^C 540 Aer Märtyrer Sprechfaal. m Spott und Drangsal zu entlaufen, Ließ einst ein tapfrer Jud' sich taufen. Doch wollt', zu seines Herzens Grämen, So Spott lvie Hohn kein Ende nehmen, Da er mit schwarzem, krausem Haar Und krummer Nas' behaftet war. Da packt Verzweiflung seinen Sinn, Uild zum Chirurgus tritt er hin: „Herr Doktor, formt die Nas' mir um, Sie schmälert mir mein Christeiithum." Der Doktor eilt, das Glaubenszeichen Mit seinem Messer auszugleichen. — Der Mann, vor Schmerz, fährt in die Höhe: „Herr Doktor, halt, Sie thun mir wehe." Der halt mit Lachen in«'beim Schneiden: „Man muß für seinen Glauben leiden!" Gabriel Bach.' Fitterarische Mitteilungen. -- Im Verlag von Joh. Heinr Meyer in Braunschweig ist soeben erschienen: Handelsgeschichte der Juden des Alterthums. Aus den Quellen erforscht und zusammengestellt von Professor Dr. L. Herzfeld, weiland Landesrabbiner von Braunschweig. Zweite Ausgabe. Mit einer biographischen Einleitung von Gustav Karpeles. Zum zweiten Male gelangt jetzt obiges Werk zur Ausgabe. Obwohl seit seinem ersten Erscheinen bereits 15 Jahre verflossen sind, ist dasselbe infolge der gründlichen Forschung undder lichtvollen Darstellungsweise des Verfassers doch von keiner andern, das gleiche Thema behandelnden Schrift überholt worden, und es bedurfte auch in der That des reichen Wissens, des ganzen Fleißes eines Mannes von Herzfelds Bedeutung, um dem so spröden Stoff Gestalt zu geben und ihm ^Leben einzuhauchen. So ist das Buch nun ein würdiges Zeugniß tiefer Gelehrsamkeit und außergewöhnlicher Beherrschung des Stoffes in Inhalt und Form und verdient noch heute, von jedem Gebildeten, der sich für. jüdische Geschichte, wie für Kulturgeschichte überhaupt interessirt, gelesen zu werden. Die Anregung zu dieser neuen Ausgabe ging von hervorragender Seite aus. Namhafte Gelehrte haben es geradezu für eine Nothwendigkeit erklärt, das Werk auch der inzwischen herangewachsenen Generation zugängig zu machen. Gustav Karpeles hat es auf Wunsch der Familie des Verfassers übernommen, ein Begleitwort dazu zu schreiben, welches die ausführliche Biographie des Autors und ein Bild der jüdischen Verhältnisse in der Zeit seines Schaffens giebt. Das Werk verdient namentlich in unserer Zeit allgemein gelesen zu werden, da es die hauptsächlichsten Vorwürfe der Antisemiten in wirksamer Weise entkräftet. 81. Kätscher, Leopold: Friedensstimmen. Eine Anthologie. Leipzig 1894 Ed Wartigs Verlag (Ernst Hoppe). Kätscher bietet uns in seiner von den schönen Versen Meyers und den geistreichen Zeiten der Bertha v. Suttner, der eifrigsten Propagatorin der Friedensidee, eingeleiteten Anthologie eine überaus reiche Musterkarte von Gedichten, Sentenzen der größten Geister aller Zeiten, welche die Segnungen des Friedens besungen und gepriesen haben. In diesem Sammelwerke, in welchem der Krieg als Beleidigung der Religion bezeichnet wird, ist der Prophet Jesaiah mit folgenden Worten zitirt: „. . . sie werden stumpf machen ihre Schwerte zu Sicheln und ihre Lanzen zu Nebenmessern. Nicht wird erheben Volk gegen Volk das Schwert und nicht lernen sie fürder den Krieg." Es wäre recht sehr zu wünschen, daß die Friedensidee „in den Herzen Aller wiederhallen und sich als Losungswort ihren Köpfen einprägen möge." j r-; Sehr geehrter Herr Redakteur!?• höflicher Erwiederung auf Herrn Dr. Königsbergers Einwendungen in Nr. 39 Ihrer geschätzten Zeitung gegen einige meiner Feuerbestattungs-Streiflichter — Streiflichter, weil, sie eben den Grundbau .^meiner These, Argumente und Belegstellen nur oberflächlich berühren — erlaube ich mir Folgendes zu bemerken. Daß Midraschim überhaupt, und zumal mystisch und „kabbalistisch gefärbte", keine halachische Autorität besitzen, wissen wohl auch jüngere Talmudjünger als ich, und habe ich auch ziemlich verständlich, wie ich glaube, in meinem Aufsatz zu allem Ueberfluß hervorgehoben! Wenn man mir nun den noch den unhalachischen Charakter des Midrasch u. s. w. triumphirend entgegenhält, so beweist dies, daß man meinen Artikel im Allgemeinen nur flüchtig gelesen, und daß meine, Isaaks Bitte betreffende Pointe*) im Besonderen entgangen ist. Und von einem auf dem Doppelgebiete der Bibel- und Talmudkritik, sowie der Kulturgeschichte bewanderten Autor darf man doch wohl verlangen, daß er die geschriebenen Worte eines Antagonisten reiflich erwäge. Auch hätte Herr Dr. K. mir wohl die Kenntniß zutrauen können, daß es sich bei Isaak um die Verbrennung als Opfer in erster Linie handelt. Doch muß ein nüchterner, unvoreingenommener Leser aus der ganzen Fassung und Wendung jener Wajoscha-Stelle nicht sofort ersehen, daß deren Äutor mit der Routine und den Usancen der Verbrennung als Feuerbestattung vertraut war und sich mindestens nicht ablehnend zu ihnen verhielt? Gehörte nach der Ansicht der Erdbestattungs-Eiferer die Asche eines selbst als Opfer Verbrannten in das Boudoir eines oder einer liebenden Verwandten und nicht vielmehr in die Erde? Wäre unser Autor und seine Zeit und sein Kreis ein Erbfeind der Feuerbestattung, so härte er gewiß dem Isaak eine ganz andere Bitte in den Mund gelegt, etwa: „O, bewahre meine Asche sorgfältig auf und laß sie, wenn auch du zu deinen Vätern eingesammelt wirst, neben dir im Grabe ruhen!" Herr Dr. K. scheint wohl mit der einschlägigen, etwas weitschichtigen Litteratur nicht ganz vertraut. Sonst müßte er wissen, daß selbst mystische und kabbalistische Midraschstellen, wenn sie den Ansichten der „denkenden, konservativen Gelehrten" der Gegenwart günstig lauten, von diesen willig und freudig ins Treffen geführt, aber als wortlose oder verirrte Freunde über Bord geworfen werden, sobald sie das Gegentheil von dem aussprechen, was „denkende, konservative Gelehrte" für jüdisch-religiös halten Und verdanken wir nicht den „denkenden Konservativen der Vergangenheit" manche dem Geiste des Judenthums widersprechende und widersinnige Gebete — wohl auf das von mir gebrachte Citat Midr. Rabbah. 4M., Kap. 172) und ähnliche Agadas sich stützend —,welche sich um die fiktive Isaak-Asche 3) drehen? Auf der Höhe des „kulturhistorischen Standpunktes" mögen ungeahnte Gesichtspunkte sich eröffnen. Ich aber bescheide mich, unser Thema vom jüdisch-rituellen Standpunkte an der Hand der Bibel und des Talmuds wie der nicht kabbalistisch gefärbten Kasuistik zu erforschen. Und da, ich wiederhole es, finde ich kein apodiktisches Feuerbestattungs-Verbot. Hochachtungsvoll Oppeln, 1. November. Rabbiner Dr. Wiener. 1) In Bezug auf meinen,' von Dr. K. freilich blos gestreiften und ganz unrichtig aufgefaßten Beweis aus Ohol. 2, 2 ganz besonders, muß ich ihn auf die betreffenden Erörterungen in meinen angegebenen Aussätzen in der „Jüd. Presse" und „Jüd. Wochenschrift" verweisen. Das Leben ist zu kurz, als daß man sich immer aufs Neue in Wiederholungen ergehen könnte. Wer, wenn auch nicht die vor Jahren in genannten Blättern gebrachten, sondern auch nur den einzigen Artikel in Nr. 38 dieser gesch. Zeitschrift (bitte das. S. 448 „interesstrende" statt „absorbirende" Frage zu lesen) mit einiger Aufmerksamkeit gelesen, wird mir beistimmen, daß Herr , Dr. K. Wesen und Methode meiner Argumente nicht richtig aufgesaßt hat. Ich gebe diese Erwiederung, um bei minder nachdenkenden Lesern nicht die Täuschung aufkommen zu lassen n*mrD HjTrnr; werde mich aber auf keine Replik mehr einlassen. Aufmerksame, urteilsfähige Leser werden schon das Rechte herausfinden. 2) u.») M R. 17. Raschi kommentirend 2. M. 22,13 zu: .^2 nnn Und hierauf basirt die Litanei zur Vesper des Berföhnungstagesi'rrSirQ '-[■neo dth mxnn. -. ivn istpn Sk (dh-dk) atpp Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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