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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-11-09 · Heft 45 (9.11.1894) · p. Seite 538

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 45 (9.11.1894)
Date
1894-11-09
Page
Seite 538 (sequence 10)
Language
German
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538 ebenfalls nichts Anderes als das Oberhaupt der Schule, denn Jebamoth 83 b sagt der Talmud: 8311 21 ‘•,)2 2*1 '2 'VH2K. Wer ist das Oberhaupt der Schule? Wen meint, versteht liiaui unter diesem Ansdntzck? Nab. Huna. Ebenso (Synhedr. ibid.) 1'21' '1 821V22 ’128- Mit einem Wort, alle die Ausdrücke ,181128 .^212 ,*12128 12 /112 ,'128 ,81128 gehören alle Einem Stamm an, sie sind alle Derivata vom Asel -V28 oder 128 und bedeuten alle Herr, Oberhaupt, zur Würde erhobene, und vermöge ihrer Stellung alle Andern überragende Persönlichkeiten. Das zweite wichtige Wort wäre das allen Anthropomorphismen vorbeugende ",n 812'2,, Wort Gottes, das wir aber der Kürze wegen augenblicklich unerörtert lassen. Indem ich zum Schluffe »och bemerke, daß diese Arbeit nur durch einen mißlichen Zufall so spät zur Veröffentlichung gelangt, kann, ich es nicht verschweige», daß es mich sehr freuen würde, wenn der ehrivürdige Herr Prof. Steinthal, sich mit nieinen Aiiseinandersetznngen befreunden und meine Ansicht theilen könnte?) c_ i iimnniL*iii MnMM -—- nimiinmini mmlu™ m ( 1 FEUILLETON 1 1 szuiMUMm WlMMMI n!^MWlWm!WI»MWiIiiMIWWIIWWMW!lsWMWl!WWWsWWiMsjissWiWW^^ ... .-1 —1 IlMMMIesL — Der Iudenfimge. Eine Erzählung ans Ostgalizien von Wilhelm Feldmann. (Fortsetzung.) #err Bauer war groß gewachsen, mit rabenschwarzem Haar lmd dunklem Teint, trug einen silbernen Kneifer, hinter dessen Gläsern schwarze, unruhige, aber forschende Augen hervorblitzten; die Winkel seiner, mit einem leichten Flaum bedeckten Oberlippe zitterten oft nervös und spöttisch. Er sprach rasch, stockte aber oft; feine Stimme war tief und wohlklingend, sein Anzug sehr elegant. Er bot seinem Gast einen Stllhl, selbst aber gillg er, die Hände am Rücken gekreuzt, im Zimmer auf und av. „Mein Bruder," begann er, „hat mir viel von Euch gesprochen. Ich bin zwar nicht mit Allem, was er spricht und denkt, einverstanden, aber glaubt mir, was Euch betrifft, würde ich ihn gern ersetzen und Alles thun, was nothweudig und möglich wäre." „Ich werde vom Herzen dankbar sein," erwiederte Jizchak in seiner, mit einigen deutschen Wendungen gespickten Mundart. „Herr Ludwig war für mich so gut und hat so viel an mir gethan, daß ich nicht lveiß, wie ich dies ausdrücken soll, und ob ich je im Stande sein werde, mich dafür dankbar zu erweisen. Das Wichtigste ist, daß er mir gerathen hat, herzukommeu und an meiner Ausbildung zu arbeiten." „Ich weiß es." „Er sagte mir, daß ich bei Euch, Herr, Wohlwollen und Hilfe finden werde." „Oh, ohne Zweifel," erwiederte der jüngere Bauer und verfiel in Nachdenken. Nach vollendeter Arbeit finde ich im Landau'schen Aruch s. v. folgende Bemerkung: L'ziz lip 181128 bp- 2212 heißt Machthaber, ätiopisch heißt König: Negusch, und hier kann "7181128» „Fürst" bedeuten, vom Arabischen Emir. Ebenso ist ^3128 eine Zusammensetzung von 128 Emir und — Fürst Aller „Seid Ihr keiner Sprache vollkommen mächtig?" fragte er dann. „Nein ... Ich will hier lernen." „Habt Ihr einen Erwerbszweig in Händen?" „Nein; ich will eben hier erlernen ." . „Wir »lüffeNjwffen mit einander reden. Ich spiele nicht gern Bersteckens. Hadt -Jhr viel Geld mit?" „Nein Herr, ich habe sehr wenig." Herr Moritz runzelte die Stirn. Zn gleicher Zeit verstummte das Klavier. Die Thür wnrde leise geöffnet und eine Stimme ließ sich hören: „Moritz." Ach, diese Stimme! Jizchak hatte sie erkannt. Er wollte sich zur Thür stürzen, das Händchen ergreifen, welches sie ihm immer entgegengestreckt hatte, aber er fühlte, wie ihm das Blut zum Herzen schoß. Er stand wie angewurzelt, und seine Füße zitterten. „Du kannst hcreinkommen!" rief jetzt Moritz. „Ich habe keine Gäste." Sie trat ins Zimmer. War. sie es in der That? Am Kopfe hatte sie einen Thurm aus Haaren, welcher von Sperren, Nadeln, Stacheln und gezähnten Kämmen wie von Waffen starrte. Wie viel schöner war sie mit der wilden Rose in dem nachlässig geflochtenen Haar gewesen! Sie trug ein langes, sehr anliegendes, mit verschiedenen künstlichen Erhöhungen, Falten und Gewinden versehenes Kleid. Die Füßchen, diese winzigen, herzigen Füßchen waren unsichtbar, der Hals war von dem hohen, mit Perlen benähten Kragen verhüllt. Die ganze Gestalt aber war steif wie in eine Schraube gepreßi; und das Gesichtchen, weder von dem alten, zwanglosen Lächeln, noch von dem muthwilligen Strahl der blauen Augen erhellt, schien ganz ausdruckslos zu sein. Jizchak stand da, betrachtete sie bedrückten Herzens, das Fräulein aber flüsterte, ohne ihn zu bemerken, dem Bruder etwas zu. Dieser hörte sie ruhig an und sprach: „Erkennst Du Deinen Bekannten nicht?" Sie wandte sich um. „Ach Herr Graf!" sprach sie und nahm plötzlich eine vornehme Haltung an. „Wie geht es Ihnen denn?" Sie nickte ihm mit dem Kopfe zu, aber sie reichte ihm nicht ihr Händchen, wie er es gewohnt war. Er verbeugte sich linkisch. „So, so; ich bin nach Lemberg gekommen, wiedas Fräulein sehen." „So? Auf Wiedersehen denn," warf sie hin und verschwand hinter der Portiere. Den Blick dorthin gerichtet, stand Jizchak ziemlich lange, während sein Wirth auf und ad schritt. Endlich setzte sich dieser, und ihm einen Stuhl anbietend, begann er: „Laßt uns offen ohne Umschweife reden. Mein Bruder hatte die besten Absichten mit Euch; aber er ist Idealist, er versteht nicht mit Thatsachen zu rechnen. Er sucht überall blos die Idee; im Menschen sieht er nur das Gehirn und vergißt an den Magen. Sehen Sie, darin liegt auch der Fehler, es giebt in der Welt wenig Akademien, aber viele Marktplätze. Ihr seid hergekommen, Lemberg ist eine große Stadt. Leicht kann hier derjenige verloren gehen, welcher keinen festen Anhaltspunkt besitzt. Ich verfüge über keine Geldmittel, Ihr habt keine Baarschaft; wie viel ist es?" „Etlvas über zwei Gulden." „Und keine Konnexionen. Wie kann das enden?" „Sollte ich in solch' einer Stadt keine Beschäftigung finden?" rief Jizchak warm. — „Ich werde mich keiner Arbeit schämen, noch werde ich zu arbeiten fürchten. Ich kann ja den ganzen Tag beschäftigt sein, um nur des Nachts ein Winkelchen und ein Buch zu haben. Das muß sich ja finden."

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