Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1894)
- Date
- 1894-11-02
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Benjamin, Königgrätzerstr. 8; Frau Julius Böhm, Behrenstr. 2011; Frau Michael Fiegel, Alexanderplatz 211; Frau Sanitätsrath Flatow, Friedrichstr. 21611; Frau Dr. Frankl, Luisenstr. 35; Frau Leopold Friedmann, Boßstr. 3111; Frau Dr.. Grabower, Landsbergerstr. 63; Frau Emil Jacob, Eichhornstr. 5; Frau Dr. F. Liebermann, Bendlerstr. 10^ Frau Dr. Maybaum, Hinter der Katholischen Kirche 1; Frau Sanitätsrath Dr. Mühsam, Schöneberger Ufer 47; Frau Louis Oppenheim, Potsdamerstr. 116 a; Frau Helene Schönwald, Magdeburgerstr. 0; Frau Emma Sieskind, Wilhelmstr. 67 a; Frau Sanitätsrath Stern, Potsdamerstr. 126; Frau Dr. Ungerleider, Oranienburgerstr. 57;' Frau Arnold Weiß, Schöneberger Ufer 23. X Bromberg, 26. Oktober. Wegen Verbreitung von Flugblättern mit der Inschrift „Kauft nicht bei Juden" wurde der Handlungsgehilfe R in Thorn mit 9 Mark bestraft. Infolge seines Widerspruches kam die Angelegenheit vor das Schöffengericht und dieses entschied zu Gunsten des Angeschuldigten. Der Richter erklärte, es fei Jedem unbenommen, zu kaufen, wo er wolle, daher sei es auch nicht strafbar, wenn Jemand Bekannte zum Einkauf an bestimmten Stellen auffordere. Das Anheften von solchen Blättern an Häusern u s. w. sei allerdings grober Unfug, das bloße Verbreiten aber nicht. X Bromberg, 28. Oktober. Ein frecher Einbruchsdiebstahl ist in der Synagoge zu S ch u b i n verübt worden. Durch Zertrümmerung mehrerer Fensterscheiben gelangten die Einbrecher in das Innere des Tempels und nahmen den Almosenkasten mit ungefähr 6 Mark mit. Die Diebe vermutheten, das Silbergeräth der hohen Feiertage wegen in der Synagoge zu finden; jedoch waren sie arg enttäuscht, denn der Synagogen^ diener Caspary bewahrt es des Nachts immer in seiner Behausung auf. — Ebenso ist Nachts am 17. d. M. die Synagoge zu Barten stein beraubt worden. Mehrere werthvolle Gegenstände, und zwar eine Tischdecke, eine Vorhangdecke von Plüsch, ein Barett, zwei silberne Thorastäbe und zwei Thoramäntel sind in die Hände der Diebe gefallen. — Bei der am 18. d. M. stattgehabten Wahl der israelitischen Gemeinde zu Colmar wurden zu Schulvorstehern gewählt: die Herren Rechtst anwall Cohn, Rentier Rothmann und Lehrer Lewin. — Als Komitee-' Mitglieder zu der im Jahre 1895 stattfindenden Posen er Provinzialausi stellung sind gewählt: Stadtverordnetenvorsteher Levy aus Jnowrazlarp und Ziegeleibesitzer Schwerfens daselbst. 8. Pleschen, 28. Oktober. Wegen Unterdrückung einet Urkunde waren der Gastwirth Abraham Cohn in Labischin und zwei Mitangekagte Namens Lindenberg und Joseph am 7. Mai d. vom Landgericht Bromberg zu je einem Monat Gefängniß und 50 M^ Geldstrafe verurtheilt worden. Cohn war von der weiteren Anklage der Fälschung einer Urkunde freigesprochen worden. Der Sachverhalts der seiner Zeit auch in diesem Blatte berichtet wurde, ist kurz folgender: Die Angeklagten bilden den Vorstand der israelitischen Gemeinde in Labischin. In einer Vorstandssitzung war beschlossen worden, denr dortigen Kantor und Schächter Rosenberg seinen Kontrakt bis zum Jahre 1900 zu verlängern, und war dieser Beschluß in das Protokollbuch der Gemeinde ausgenommen. Später wurden Klagen gegen die Amtsführung Rosenbergs laut, und man wünschte, die Verlängerung der Amtsdauer desselben ungeschehen zu machen. In einfachster Weise wurde dies durch Herausreißen des betreffenden Blattes aus dem Protokollbuche bewirkt. Später reichte Cohn dieses Blatt, auf dem er jedoch noch eine dem Rofenberg ungünstige Aenderung vorgenommen, freiwillig bei dem Amtsgericht Labischin ein. Die Revision der Angeklagten gegen ihre Verurtheilung wurde gestern vom Reichsgericht verworfen, dagegen nahm die Sache für Cohn noch weiterhin eine günstige Wendung, indem auf die Revision des Staatsanwalts das Urtheil insoweit aufgehoben wurde, als Cohn von der Anklage, die betr. Urkunde obendrein gefälscht zu haben, freigesprochen worden ist GD Reiste, 28. Oktober. Am 17. d. M. fand hier die erste ordentliche Generalversammlung unseres jüdisch-litterarischeri Vereins statt, die sehr zahlreich besucht war. Herr Landgerichtsrath Dr. Borchert, unser Vorsitzender, eröffnete die Sitzung mit einem kurzen Rückblick auf die erfreuliche wissenschaftliche Thätigkeit des Vereins, in welcher er freudig die rege Theilnahme seitens der Mitglieder hervorhebt: Aus dem Jahresberichte, den sodann der stellvertretende Vorsitzende und Schriftführer Herr Prediger Ellguther verliest, ist zu erwähnen, daß die Zahl der Mitglieder die respektable Höhe von 65 erreicht habe. Die Bibliothek, zu deren Gründung eine außerordentliche Spende von 240 Mark, gezeichnet wurde, weist einen Besitzstand von 246 Werken in 314 Bänden auf, die alle das Gebiet jüdischer Geschichte, Litteratur und Belletristik umfassen. Die Zahl der Geschenkgeber ist 22. Es wurden 5 Zeitschriften gehalten. Verliehen wurden 450 Werke. Die wissenschaftliche Thätigkeit des Vereins äußerte sich in 7 Borträgen und 18 Referaten, die sämmtlich gut besucht waren. Sodann verliest der Berichterstatter ein Anschreiben von Seiten des Vorsitzenden der Synagogen-Gemeinde Herrn M. Koplowitz, in welchem er dem Gesammtvorstande seine Anerkennung für dessen Mühewaltung ausspricht. Hierauf erfolgt seitens des Rendanten Herrn L. Brieger der Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen 530 Mark, die Ausgaben 450 Mark; es verbleibt ein Barbestand von 110 Mark. Auf Antrag der Kassenrevisoren wird dem Kasstrer Decharge ertheilt. Hierauf wird beschlossen, im kommenden Winter abwechselnd Leseabende und Diskusflonsabende einzurichten, damit an den ersteren Zeit gewonnen werde, die Journale zu lesen und die Bibliothek zu benutzen. Es erfolgt hierauf durch Akklamation die Wiederwahl des Gesammtvorstandes und der Kassenrevisoren Es sind dies die Herren: Landgerichtsrath Dr. Borchert, Vorsitzender; Prediger Max Ellguther, stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer; Leopold Brieger sr., Rendant; die Herren Oskar Sorauer und Leopold Rothmann, Beisitzer. Zu Kassenrevisoren werden wiedergewählt die Herren M Fröhlich und A. Elkan. Alle ohne Ausnahme erklären, die Wahl anzunehmen. So tritt der Verein mit neuer Kraft und schönen Hoffnungen in das zweite Jahr seiner Thätigkeit. o. Hamburg, 28. Oktober. Hier ist am 19. d. der bekannte Schriftsteller Alfred Schönwald gestorben und am 21. unter reger Antheilnahme zur Ruhe bestattet worden. In Budapest am 16. April 1835 geboren, hat Schönwald sich bereits in frühen Jahren, nach kurzer Thätigkeit als Schauspieler, dem litterarischen Beruf gewidmet, in welchem er sich mehr und mehr' als ein vielseitiges Talent bewährt und in seiner Heimath wie im Auslande Erfolge erzielt hat. Abgesehen von journalistischen resp. feuilletonistischen Arbeiten hat er fich durch lyrische und epische Dichtungen, sowie durch dramatische Werke, wie „Maria Antoinette", „Onkel Sündenbock", „Ein alter Diplomat", ferner durch Roman- und Novellensammlungen, die belletristische Zeitschrift „Die Laubhütte", das Hamburger „Sönntagsblatt" rc einen Namen gemacht. Durch seinen im Jahre 1691 erschienenen „Hamburger Balladenkranz", in welchem er Sagen und Geschichten der alten Hansastadt zu einem Cyklus von Dichtungen verwerthete, hat er stch speziell um Hamburg verdient gemacht. Hier begründete er auch vor einigen Jahren das „Goldene Buch des Judenthums", ein in großem Stil angelegtes,'mit Portraits ausgestattetes biographisches Lieferungswerk, dessen Fortführung ihm nicht beschieden war. Wie durch sein mannigfaltiges verdienstlichstes Wirken, so hatte stch Alfred Schönwald auch durch seine Charaktereigenschaften und seine persönliche Liebenswürdigkeit einen großen Kreis von Freunden erworben. t. Aus Westfalen, im Oktober. Der Verband der Synagogen-Gemeinden Westfalens hat auf dem Gebiete des Schulwesens einen Erfolg von nicht zu unterschätzender Bedeutung zu verzeichnen. Im Aufträge des Kultusministers hat nämlich der Oberpräsident der Provinz nach sehr eingehender Prüfung der seitens des Verbandes ausgearbeiteten Lehrpläne für den Religionsunterricht an den jüdischen Volksschulen dem Ausschüsse eröffnet, daß die Bezirksregierungen zu Münster, Minden und Arnsberg durch Reskript ermächtigt seien, die Pläne zu genehmigen. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, sind auch bereits Lehrer auf Grund dieses Erlasses von ihrer Schulaufsichtsbehörde veranlaßt worden, die Pläne des Verbandes zur Genehmigung einzureichen. Diese Thatsache ist nach zwei Richtungen hin von hervorragender Wichtigkeit: einmal ist dadurch die einheitliche Gestaltung des jüdischen Religionsunterrichtes in Westfalen gesichert, dann aber erfährt derselbe hiermit auch seitens der Behörde diejenige Würdigung und Beachtung, die ihm seiner Wichtigkeit und Bedeutung nach zukommt. Wir zweifeln nicht daran, daß alle Schulfreunde, insbesondere aber die Lehrer, diesen Fortschritt aufs Freudigste begrüßen werden. o. Stuttgart, im Oktober. Das Stadtrabbinat, Herr Kirchenrath Dr. Krone r, hat an die Gemeindegenossen ein Rundschreiben versandt.