Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1894)
- Date
- 1894-11-02
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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8. Jahrgang. Ar. 44. Gerlin. 2. November 1894. Weilage zur „Allgemeinen Zeitung des IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. y\ Berlin, 29. Oktober. Der Deutsch - Israel itische Gemeindebund versendet soeben seine Frageblätter für den am 1. April nächsten Jahres erscheinenden X. Jahrgang des Statistischen Jahrbuchs über die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden in Deutschland für 1695. Das Interesse, welches von ^Behörden und Privaten dem „Statistischen Jahrbuches entgegengebracht wird, läßt hoffen, daß auch für den neuen Jahrgang durch genaue Beantwortung der Fragen betreffs der einzelnen Gemeinden zur Vervollkommnung dieses nützlichen Nachschlagebuchs beigetragen werden wird. Auch wäre es wünschenswerth, daß alle Erlasse der Verwaltungsbehörden und gerichtlichen Entscheidungen aus den jüngsten Jahren, jüdische Angelegenheiten betreffend, zum Abdruck für den Anhang mitgetheilt würden. Da lücken- und fehlerhafte Angaben sowohl für die Allgemeinheit als auch für die dadurch betroffenen Gemeinden und Personen Schaden bringen, so darf man wohl hoffen, daß kein Gemeindevorstand stch der Mühe der Beantwortung entziehe. Bundesgemeinden und persönliche Mitglieder (Jahresbeitrag mindestens 10 M.) erhalten das Jahrbuch gratis. Abonnenten, welche das Buch noch im Laufe dieses Jahres bestellen, erhalten dasselbe zu dem ermäßigten Preise von 1 M. 25 Pf. Wir brauchen unsere Leser wohl nicht erst auf die Wichtigkeit des gemeinnützigen Unternehmens aufmerksam zu machen und zur möglichst sorgfältigen Beantwortung der Fragen zu ermahnen. Diese Aufforderung spricht für sich selbst und das Jahrbuch ist ein ebenso nützliches wie unentbehrliches Hilfsbuch für Alle geworden, die sich mit jüdischen Angelegenheiten beschäftigen. L2 Berlin, 29. Oktober. Am 20. d. M., in den ersten Morgenstunden ist nach langem und schwerem Leiden der Rabbiner Dr Nathan Deutschländer im hiesigen israelitischen Krankenhause verschieden. Der Heimgegangene hat nur ein Alter von 5o Jahren erreicht. Um ihn trauern weite Kreise gleichstrebender Genossen, dankbarer Schüler und Gemeindemitglieder, aufrichtiger Freunde. Nathan Deutschländer wurde im Jahre 1844 zu Pucho in Ungarn geboren, wo sein Vater, der durch homiletische und talmudische Schriften bekannte R. Samuel Deutschländer, als Rabbiner wirkte. Er besuchte das Gymnasium seiner Heimathstadt und widmete sich zunächst dem Rabbinerstande an der Rabbinerschule zu Eisenstadt. Dann folgte er Herrn Rabb. Dr. Hildesheimer 1869 nach Berlin.. Hier absolvirte er das akademische Triennium, nach dessen Beendigung er zum Doktor der Philosophie promovirte. Seit der Begründung der Religionsschule der israelitischen Synagogen - Gemeinde Adass Jisroel wirfte er als Lehrer und Leiter an dieser Anstalt. Außerdem war er seit vielen Jahren als Prediger und Direktor der Religionsschule bei der Gemeinde Ahavas Reim in der Louisenstadt eingestellt. Deutschländer war ein vorzüglicher Pädagoge, ein warmherziger Prediger, ein ausgezeichneter Charakter, ein gelehrter und frommer Mann Aber seine Frömmigkeit war frei von Fanatismus; er achtete jede Ueberzeugung, wie fest und treu er auch zeitlebens zu derjenigen gestanden, die er als die einzig wahre erkoren. An der Seite seiner trefflichen und geliebten Frau und im Kreise seiner Kinder wirkte Deutschländer still und bescheiden zwar, aber mit seltenem Eifer und aufopfernder Hingabe an seinen Beruf, bis ihn ein tückisches Leiden vor Jahresfrist etwa auf das Krankenlager geworfen hat. Der Redakteur dieses Blattes betrauert in dem Heimgegangenen einen treuen Freund seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Alle, die Deutschländer gekannt, werden den frühen Tod des trefflichen Mannes mit uns beklagen. — Das Leichenbegängniß fand am 28. d. M. unter sehr zahlreicher Betheiligung auf dem Friedhofe der israelitischen Synagogen-Gemeinde Adass Jisroel statt. In der Leichenhalle hielt zunächst Herr Rabb. Dr. Hildesheimer seinem Heimgegangenen Schüler einen tiefergreifenden Nachruf; sodann sprach im Namen der Gemeinde Ahavas Reim Herr H. Egers und zum Schluffe Herr M. Hildesheimer im Namen der Neligionsschule. Der Letztere entwarf in beredten Worten ein treues Bild von dem Leben und Wirken des Entschlafenen, von seiner pädagogischen Tüchtigkeit, seinem heiligen Eifer, seiner seltenen Pflichttreue und seiner unendlichen Herzensgüte. Die zahlreiche Betheiligung am Leichenbegängnisse bewies, welcher Liebe und Anhänglichkeit sich der Verstorbene in seinem Kreise zu erfreuen hatte. Möge dem edlen Dulder die Erde leicht sein! Rave pia anima! ----- Berlin, 29. Oktober. Wenige Tage nach seinem 80. Geburtstage ist der praktische Arzt Dr. Moritz Oldendorfs am Sonnabend hier gestorben. 1817 zu Meseritz geboren, kam er 1934 nach Berlin und trat in das Gymnasium zum Grauen Kloster ein. 1840 bezog er zum Studium der Heilkunde die Berliner Universität. 1845 promovirte Oldendorff in Berlin zum Doktor. 1848 legte er die ärztliche Staatsprüfung ab. Seine Praxis betrieb er ausschließlich in Berlin. Seit etwa 10 Jahren war er nicht mehr als Arzt thätig. Die Beerdigung fand am 31. d. M. von der Leichenhalle des Friedhofes in Weißensee aus statt. * Berlin, 28. Oktober. Seinen achtzigsten Geburtstag beging am letzten Dienstag der Geheime Sanitätsrath Dr. Güter bock, einer der angesehensten Aerzte Berlins, der sich auch in der wissenschaftlichen Medizin durch stetige, erfolgreiche Arbeit eine geachtete Stellung verschafft hat. Der Jubilar gehört Berlin ganz an. Er ist hier geboren, erzogen und fachmännisch ausgebildet worden. Ludwig Güterbock, der von mütterlicher. Seite der Gelehrtenfamilie Rieß angehört, erhielt seine erste Schulbildung in der Cauerfchen Knabenschule. Für die Universität wurde er im Joachimsthalschen Gymnasium vorbereitet. Seine medizinischen Studien machte er ausschließlich an der Berliner Universität, wo er sich besonders an den Physiologen Johannes Müller und den Physiker Gustav Magnus anschloß. Die erste Probe nicht gewöhnlichen Könnens legte Güterbock noch als Student ab. Die medizinische Fakultät hatte einen Preis für die chemische und mikroskopische Untersuchung des Eiters ausgeschrieben. Güterbock gewann den Preis. Seine Arbeit, die 1837 unter dem Titel „De pure et granulatione“ als Doktorschrift erschien, machte in der medizinischen Welt nicht geringes Aufsehen. Kaum ein namhafteres medizinisches Organ in den europäischen Kulturstaaten unterließ es, aus die Arbeit des Berliner Studenten hinzuweisen. Den Kern der Güterbockschen Studie bildet die genaue Beschreibung der sogen. Eiterkörperchen. Im Jahre nach seiner Promotion erwarb Güterbock die Approbation als Arzt. Im Jahre 1866 leitete Güterbock ein Choleralazareth. Er veröffentlichte von dort wichtige Studien über die Körperwärme bei Cholerakranken. ££5 Berlin, 29. Oktober. Der folgende Aufruf, den wir ganz besonderer Theilnahme empfehlen, geht uns heute zur Veröffentlichung zu: Mach Abschluß unserer vorjährigen Thätigkeit sind diejenigen, die unfern Verein ins Leben riefen und mehr als ein Dezennium mit Liebe und Hingebung leiteten, Herr und Frau M. S. Meyer, uns leider durch den Tod entrissen worden. Wenn es auch nicht leicht sein wird, Ersatz für die verständnißvolle Leitung und rastlose Thätigkeit zu finden, so geben wir uns dennoch der Hoffnung hin, die Arbeiten, die uns obliegen und die wir hiermit beginnen, wie bisher zur Befriedigung derer jw vollenden, die unsere Bestrebungen unterstützen und an die wir uns hiermit von Neuem wenden. Mehr als 1000 arme jüdische Kinder, welche die Kommunalschulen besuchen, hoffen zuversichtlich auch in diesem Winter mit Stiefeln und warmen Kleidern durch unfern Verein versorgt zu werden. Wir richten daher vertrauensvoll die Bitte an unsere Glaubensgenossen, insbesondere aber auch an die Frauen derselben, durch freundliche Gaben an Geld, Stoffen, Jugendschriften re. beizusteuern, damit unser Liebeswerk wieder ein befriedigendes Resultat erziele. Jede her Unterzeichneten wird Geldbeiträge und andere geeignete Gaben dankend annehmen, auch bereitwilligst jede gewünschte Auskunft ertheilen. Berlin, im Oktober 1894. Das Komitee für Chanukah-Bescheerüng. Frau Julje Neumann, Vorsitzende, Biktoriastr. 31; Frau Max