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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-11-02 · Heft 44 (2.11.1894) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 44 (2.11.1894)
Date
1894-11-02
Page
Seite 525 (sequence 9)
Language
German
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525 begreiflich, Israel hat durch die Art und Weise, wie es die Gottesidre in die Erscheinung treten ließ,Gott so hoch erhoben, daß Er aller Welt sichtbar geworden. WelcheFolgen hat denn die Gottesidee für die Moral des Menschen? Was folgt daraus, wen» der „Apis", der „weiße Elephant" oder das „Feuer" eine Gottheit bildet? Die Völker vermochten diese Frage nicht zu beantworten; Israel allein hat das Verhältniß des Menschen zur Gottheit klar und faßlich dargestellt JllM1? Dffl mattfl ',*T fiK„ „Du hast die Gottesidee klar und verständlich ausgedrückt, durch dein Wort ihn zu deinem Gotte erhoben, in dessen Wegen du wandeln, dessen Gebote du beobachten, auf dessen Stimme du hören sollst!" Das ist das Verhältniß des Menschen zu seinem Gotte. “lÖK bedeutet also, eine Idee so zum Ausdrucke bringen, daß sie aller Welt zugänglich, verständlich wird, niib das ist das Verdienst Israels, daß es die Gottesidee in dieser Weise zum Ausdruck gebracht, dadurch hat es Gott erhoben aus den Tiefen der Verborgen heit zu den Höhen der Sichtbarkeit, aus den Tiefen der Dunkelheit zu den Höhen der Klarheit. Wie Israel aber der Gottesidee, so hat Gott wieder der ideale» Mission Israels klaren Ausdruck verliehen, und zwar durch das Wort „Ihr sollt mir ein Reich von Priestern sein" "DVIVp’aKn 'ni„. „Und Gott hat dein innerstes Wesen der Welt enthüllt, es zum sichtbaren Ausdruck gebracht, indem er dich zu seinem Eigenthum erkoren, und dich erhoben über alle Völker zum Ruhm, Ruf und zur Herrlichkeit." Je sichtbarer eine Sache in die Erscheinung tritt, desto mehr entspricht sie denr Begriff und der „Wipfel", der Allen und auch in der Ferne sichtbar, heißt daher "TÄSK„. Wir haben diese Aüffafflmg des Wortes ",aijüK„ nachträglich vollkommen bestätigt gefunden in Gesen. Thesaur. S. 74 s. v. "^j3K„ --- dixit. „Primaria significatio est efferendi, hinc in lucem protulit, dixit'. A. gr. <pw(.“ Das griechische wA stammverwandt mit Inf. wm bedeutet aber auch nichts Anderes als durch die Sprache ans Licht bringen, wie <p«bu> ---- ans Licht bringen, sichtbar machen, erscheinen lassen, das heißt „in lucem proferre“ und deckt sich vollständig mit dem Wort "maKil,,. Du hast Gott sichtbar gemacht, ihn für die Menschheit ans Licht gebracht, ihn so hoch erhoben, daß er auch denen, die ihm fern standen, sichtbar geworden, wie der "Tax,/ „Wipfel" auch den Entferntesten deutlich, sichtbar ist. Dies das Verhältniß von “Hsx zu “V’aKH. iHmunKiimiiiiinmiBnLLHDinmiinpnmmimminwiimiiiiiiHJinBniLHDiiiiMjininmininiMiinwiimitig«. FEUILLETON irnkmummiinimuiiinmiiiiiimiwiimimmuiwuiiMniiinmi^iiiHiiiiinimninimtiiiiiMiininiuiiiiPwa IiiimlWimiiiiiiimiWimiiiMMMilMWWIlMWWIlWWMlllWWWM Der Iudenjunge. Eine Erzählung aus OstgalizKn von Wilhelm Feldmann. Zweiter Theil. I. ^it dem Nachtzuge traf Jizchak in Lemberg ein. Am .'Bahnhof „Podzamcze" angelangt, wußte er sich weiter nicht zu rathen. Eine dunkle, kalte Septembernacht hing über der Stadt. Die Angekommenen waren weggefahren, er allein blieb stehen und überlegte, wie die Zeit bis zum nächsten Morgen zu verbringen. Denn dann . .. wird Alles gut gehen. Befindet r sich doch bereits in der Hauptstadt, in dem ersehnten Sanktuarium der Arbeit und des Wissens, aus deren Quellen er nun schöpfen wird. Aber bis dahin? Er ging das Trottoir entlang. Gegenüber zeichneten sich die Umrisse der hohen Häuser ab, am Boden zogen sich sonderbare -Schattengebilde hin, die Gasflammen zitterten in den Laternen, und das Rasseln der Miethwagen über das Pflaster ertönte in der nächtlichen Stille wie entferntes Donnergeroll. Wohin sollte er sich nun begeben? Aus der Thür des nächsten Hauses sah er Licht strahlen. „Ich werde eintreten," beschloß er. Er öffnete die Thür, Lichtschein und eine heiße, schwüle Luft schlug ihm entgegen. Das Zimnier war leer. Nur aus den anstoßenden Gemächern drang Lärm und verworrenes Stimiilengeräusch hinüber. Einige in den Zimmerecken stehende Tische und die davorstehenden Sessel zeigten jedoch, daß er sich in einem Wirthshause befand. Kaum hatte er die Thür hinter sich geschloffen, als aus der zweiten Stube ein Kellner im Frack und Backenbart auf ihn zukam, den Gast mit einem fragenden Blick musternd. „Darf ich hier bis zum Morgen bleiben?" frng Jizchak. Der Kellner zuckte die Achseln. „Was wollt Ihr nehmen?" fragte er. „Gebt mir warmen Thee." „Setzt Euch." Jizchak setzte sich an einen Tisch in die Ecke. Man stellte ihm ein Glas Thee hin, für welches er zwanzig Kreuzer bezahlte. Er trank langsam, im zweiten Zimmer wuchs der Lärm, beruhigte sich, um dann noch stärker und wilder auszubrechen. Jizchak verstand nicht gut die ihn erreichenden Ausrufe; er unterschied blos das Verlangen nach Thee, Flüche oder einen heiser brausenden vermischten Chor. Plötzlich erschallte ein Brüllen, dann ein Gekrach wie von zur Erde geschleuderten Stühlen, und das Geklirr zerbrochener Gläser folgte. Die Thür des zweiten Zimmers ward heftig aufgerissen, und herein taumelte ein Mensch, mit dem Kopf an den nächsten Tisch anprallend. Gerade zu Jizchaks Füßen fiel er, mit Stöhnen „Käthchen" lallend, hin. Hinter ihm waren einige junge Leute mit gerötheten Gesichtern und trunkenen Augen, hereingestürzt, Fuselgeruch verbreitend und wilde Flüche ausstoßend. „Du Hundeblut!" „Da hast Dll Käthchen." „Und Karten!" Im selben Augenblick war Jizchak schon auf der Straße. Unsäglich verwundert blickte er um sich und fragte: „Was soll dies Alles bedeuten? Wurde er von derartigen Bildern an der Schwelle des Wissens und der Arbeit begrüßt?" Was nun? Jetzt entschloß er sich zu einem Schritte, nnt dem er, in Berücksichtigung seines mageren Beutels, nicht den Anfang hatte machen wollen. Sich nach dem Scheine der Laterne richtend, kehrte er zum Bahnhof zurück. „Es hilft nichts," dachte er; „ich wollte sparen und die Nacht auf irgend welche Art. verbringen. Jetzt habe ich Geld vertrödelt und muß nun noch mehr ausgeben." > Er bat einen Droschkenkutscher, ihn zu einem billigen, aber anständigen Einkehrhaus zu fahren. Den Wagen bezahlte er mit sechzig Kreuzer, fürs Zimmer gab er vierzig, nach einer Viertelstunde aber schlief er schon fest.

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