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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-11-02 · Heft 44 (2.11.1894) · p. Seite 522

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 44 (2.11.1894)
Date
1894-11-02
Page
Seite 522 (sequence 6)
Language
German
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522 8 Gemeinde» mit der Gesammtsumnie von 920 Mark von beut Verbände ubventionirt wurden. Sämnitliche Gemeinden des Verbandes/ bis auf zwei (Rnß, Schippenbeil), haben ordnungsmäßige Religionsschulen. In drei Gemeinden (Alleiistein, Insterburg, Lyk,) wird außerhalb der Religionsschule von den Gemeindebeamten auch an öffentlichen höheren Schulen jüdischer Religionsunterricht unter staatlicher Alifsicht ertheilt. Etwa ein Drittel der Lehrer sind in Deutschland geboren, die andern sind naturalisirte Ausländer, die jedoch theilweise von Jugend auf in Deutschland gelebt und sich daselbst ihre Vorbildung zum Amte angeeignet haben. Nur sechs Lehrer sind im strengsten Sinne des Wortes seminaristisch gebildet, doch giebt es unter den Lehrern, die kein Seminar besucht haben, eine ganze Anzahl für ihren Beruf anderweitig trefflich ausgebildeter Schulmänner. Die Amtsdauer der in der Provinz wirkenden Rabbiner und Lehrer zeigt im Ganzen und Großen eine gewisse Stetigkeit auf, obwohl gerade in Ostpreußen mehr als anderswo die Lehrer durch die materielle Lage der Gemeinden zum Amtswechesel gedrängt werden. Es fungiren in denselben Gemeinden Aus den 50 er Iahten 2 Beamte „ „ 60 er „ 3 „ „ „ 70 er „ 7 ., Seit d. Jahre 1880 1 „ . 1885 2 „ . 1886 4 „ Einen anßergewöhnlichen Wechsel zeigt dagegen das Jahr 1893 auf, in welchem nicht weniger als 8 Gemeinden in die Lage kamen, einen neuen Beamten anzustellen, allerdings theilweise in Folge Todesfalles und Ausweisung der ausländischen Beamten. Was die Gehaltsverhültniffe der Lehrer anbelangt, so schwankt das fixirte Einkommen zwischen 600—1500 Mk. jährlich in den kleinen und mittleren Gemeinden; zu demselben zählt ein Nebeneinkommen von annähernd gleichem Betrage, das letztere setzt sich ans Gebühren für die Schechita, gottesdienstliche Accidenzien und den kontraktlich stipulirten Honorar für Kasualien zusammen^, Die Gesammtzahl der schulpflichtigen Kinder in den Verbandsgemeinden, einschließlich derjenigen Knabenmnd Mädchen, welche über das 14. Lebensjahr hinaus höhere Schulen besuchen, betrug Ende des vorige» Schuljahres 1598 Kinder. Die geringste Schülerzayl zeigen zwei Gemeinden mit je 8 Kindern auf, die größte: Königsberg mit 629. Sehen wir von dieser weitaus größten Gemeinde dieser Provinz ab, deren anders geartete Schulverhältniste hier für sich betrachtet werden sollen, so ergiebt sich, daß von 994 schulpflichtigen Kindern in 44 Verbandsgemeinden 73 Kinder die Religionsschule der Gemeinden nicht besuchen, bezw. kein Religionsunterricht für dieselben nachgewiesen ist. Diese 73 Kinder vertheilen sich auf 13 Genieinden, während in 31 Gemeinden sämmtliche Kinder am Unterricht theiluehmen, ei» nach Lage der Dinge durchaus nicht ungünstiges Verhältniß. In vorstehenden Zahlen sind diejenigen Kinder nicht mit eingeschlossen, deren Eltern vereinzelt auf Dörfern und Höfe» wohnen. Die Bemühungen des Verbandsausschuffes und der Schulinspektion, die Zahl derselben festzustellen, haben bis jetzt noch nicht zu dem gewünschten Erfolge geführt. Für den Unterricht derselben ausreichend Sorge zu tragen, vermag weder der Verband, noch, Ausnahmen abgerechnet, die einzelnen Gemeinden. Dagegen bewilligt der Verband auf Antrag stets die Mittel, um den Knaben, wenigstens einige Monate vor der Barmizwoh, den nöthigen Unterricht ertheilen zu löste». "Ebenso leistet er zu den Reisen des Lehrers nach den Seit d. Jahre 1888 2 Beamte . 1889 2 „ „ „ „ 1890 1 „ „ „ „ 1891 6 „ .. „ 1892 2 ,. Filialgcmeinden, behufs Ertheilung des Unterrichts an die dortigen Kinder, einen angemeffenen Beitrag. Das gesammte Religiousschulwesen der Verbandsgemeinden ist einer Schulinspeklion unterstellt. Dieselbe ist bei Begründung des Verbandes eingesetzt worden, um die Hauptaufgabe, die der Verband sich gestellt, und um derentwillen er vorzugsweise begründet worden, „Pflege und Hebung des Religionsunterrichtes", zu fördern." Der ihm gestattete Raum läßt es dem Schreiber dieser Zeilen nicht zu, die weiteren Miitheilungen des veröffentlichten Schriftchens hier wiederzügeden. Aber wir können dabei doch nicht umhin auf unsere oben ausgesprochene Meinung zurückzukommen, daß ein Verein von Lehrern allein nicht im Stande ist, ihre eigene Besserstellung und die Beffergestaltung des Religionsunterrichts zu erstreben, wenn die Gemeinden sich nicht dabei betheiligen. In dem oben gegebenen Bilde bekommen wir ja dieses zur klaren Anschauung. Der Religionsunterricht lag hier in Ostpreußen vor der Gründung des Gemeindeverbandes so sehr im Argen, daß uns jeder Begriff hierfür fehlt. Wir selbst stießen bei der ersten Jnspizirung, die wir zu unternehmen hatten, auf einen Lehrer, der uns partout davon überzeugen wollte, daß man in einem Athemzuge Hebräisch und Französisch unterrichten könne, indem er uns hören ließ, wie inan seinen Schülern neben der deutschen Uebersetzung des hebräischen ’JN — ich — auch die französische — je — wiste. Wir hatten z» thuir, dem Manne begreiflich zu machen, daß seine Universalität für Pädagogik hier nicht angebracht sei und er sich streng mit dem zu befassen habe, was seines Amtes ist. Glücklicherweise befindet sich dieser Lehrer für „Alles" jetzt in Amerika und wird unserem Religionslinterrichte hier nicht mehr gefährlich werde». Wenn auch religiöser Jndifferentismus leider hier wie überall der allerschlimmste Hemmschuh für Förderung unserer heiligen Interessen ist, so hat die religiöse Heranbildung unserer Jugend doch einen gewissen Halt durch den Verband der Gemeinde gefunden. Und hier ist es wiederum der Herr Rabbiner Dr. Bamberger, der mit einem Eifer für diese hochwichtige Angelegenheit eintritt, dem nicht genug der Anerkennung zu Theil werden kann. Neben dem unaufhörlichen Bemühen, auf dem Gebiete des Unterrichts die bestmöglichen Erfolge zu erzielen, liegt ihm auch das Wohl der Lehrer am Herzen, das er, wo es nur angeht, zu fördern bestrebt ist. Ihm zur Seite die Herren des Ausschusses. Alles Männer, die noch Sinn, Gefühl und Verstündniß haben für die hohe.Bedeutung der Religion in so schwerer Zeit, denen lioch das Judenthum mit alledem was zu seiner Unterhaltung nöthig ist, Sache des Herzens ist. Möge auch der weitere Erfolg ihrer Bestrebungen nicht ausbleiben. Einführung in das Studium der sozialen Hygiene. Von Dr. Bernhard Münz. ie Logik des menschlichen Verstandes und, was noch mehr besagen will, der gesunde Egoismus der Menschheit bürgt dafür, daß die Sozialhygiene einst i» die Reihe der Kardinalwistenschaften treten wird. Als die Grundlage des Glückes, der Entwickelung und des Bestandes der Nationen wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach die Lieblingswissenschaft des zwanzigsten Jahrhunderts werden. Am Ende des nennzehnten besitzt sie zwar noch keine Lehrkanzel. sie gehört noch nicht zu den offiziellen Disziplinen: dieser Umstand kann uns jedoch füglich nicht in Erstaunen versetzen, da

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